Foto: Zumpe/Gückel

Videoüberwachung

Wegweiser statt Pannenhilfe

Der Weg zum Idealprojekt ist in der Videoüberwachung oftmals kein leichter, viele Stolpersteine können das Vorwärtskommen erschweren: Seien es technische Probleme, Schwächen im Konzept, unklare Anforderungen oder falsche Produktauswahl. Trotz dieser häufigen Probleme, wird ein „Wegweiser“ in Form eines kompetenten Fachplaners noch zu selten in Anspruch genommen.

Gleich zu Beginn der Diskussion während des PROTECTOR Forums Videoüberwachung 2012 wurde Eines klar: Fachplanung kommt heute oft zu kurz, gerade im Bereich Video. Dirk Ostermann, selbstständiger Fachplaner mit seiner Firma DOI, kennt den Markt genau und weiß um die ungenutzten Potenziale: „Es gibt wenige Fachplaner, die ausschließlich für den Bereich Video arbeiten – auch weil es dort noch sehr schwer ist, Geld zu verdienen.

Nur wenige Kunden sind heute bereit, in eine umfangreiche Fachplanung zu investieren – egal wie nützlich sie für sie sein mag.“ Einerseits kann man es den Kunden kaum verdenken, wenn sie ihre Gesamtkosten niedrig halten möchten, andererseits sind die Ergebnisse beunruhigend – nicht nur für Dirk Ostermann: „Wenn ich mir ansehe, wie Videoanlagen manchmal geplant werden, bekomme ich das kalte Grausen.

Man sieht schon an der Planung, dass der Kunde nicht zufrieden sein wird mit dieser Anlage. Da hat jemand den Ordner von 1995 aus dem Regal genommen und einfach etwas herauskopiert. Der Endkunde kann das letztlich nicht bewerten. Hier müssten sich auch Hersteller und Distributoren stärker für die Fachplanung einsetzen. Denn wenn Produkte kombiniert werden, die nicht zusammenpassen und der Kunde am Ende nicht das Ergebnis bekommt, das er sich wünscht, fällt das auf alle Beteiligten zurück.“

Missverständnisse und Unkenntnis

Freilich wird nicht vorsätzlich falsch geplant, meist gibt es andere Ursachen für die Unzulänglichkeiten des Systems und die Unzufriedenheit der Kunden. Andreas Fieberg von der Digital Data Communications GmbH berichtet aus der Praxis: „Häufig kommt es in Projekten auch zu Missverständnissen und Schwierigkeiten bei der Verständigung – vor allem im Zusammenhang mit nicht ganz erklärten Technologien und Abläufen innerhalb der Projekte. Man muss eben nicht nur das Produkt kennen, sondern auch wissen, wie man Projekte managed. Viele Installationen könnten reibungsloser ablaufen, und man könnte für beide Parteien noch mehr herausholen, so dass der Kunde am Ende wirklich mit seiner Lösung zufrieden ist.“ Das hat maßgeblich damit zu tun, wer eine Videoanlage entwirft.

In diesem Zusammenhang kommt auch die noch etwas unkonkrete Unterscheidung von Planern und Fachplanern zum Tragen. Dirk Ostermann ergänzt: „Häufig liegt die erste Schwierigkeit darin, zu unterscheiden, was ist eigentlich ein Fachplaner? Ich selbst bezeichne mich als Fachplaner, weil ich 20 Jahre Erfahrung im Bereich Video habe und ausschließlich Video plane. Ich weiß, wie die Technik funktioniert, welche Produkte es gibt und wie sie eingesetzt werden. Ein normaler Planer hat das Problem, dass Video nur einen Teilbereich dessen ist, was er täglich plant. Nehmen wir als Beispiel ein Einkaufszentrum, da sind neben Video auch Brandmeldetechnik, Zutrittskontrolle, Schwachstrom und andere Gewerke zu planen.“

Für Lars Diestel von der Sanyo Video Vertrieb AG stellt sich vor allem die Frage: „Besitzen alle Beteiligten die nötige Kompetenz? Die eigentliche Problematik ist, dass es eine lange Kette vom Hersteller über den Distributor, Errichter und Planer bis hin zum Endanwender ist, bei der an jeder Stelle manchmal eine Kompetenzlücke klaffen kann. Das führt dann dazu, dass das Projekt am Ende nicht so läuft, wie man sich es idealerweise vorstellen würde.“

Projekt nicht gleich Projekt

Die Spannweite der Projekte ist heute sehr vielfältig, sowohl was Budget, Größe und Komplexität angeht, so dass nicht immer Platz oder Bedarf für einen separaten Fachplaner ist. Dies zeigt auch die Erfahrung von Ludwig Bergschneider von Aasset Security: „Die Perspektive des Endkunden ist die wichtigste. Ihm geht es darum, ob am Ende des Tages sein Problem gelöst wird oder nicht. Und die zweite Frage ist natürlich: Zu welchen Kosten wird es gelöst? Es gibt eben komplexe Projekte, bei denen muss eine qualifizierte Planung stattfinden, und es gibt auch weniger komplexe Projekte, bei denen Errichter und Distributor auch unabhängig von einem Planer gute Lösungen anbieten. Dazu muss man natürlich wissen, was der Kunde braucht.“

Ähnlich sieht es Thomas Probian von Bosch Sicherheitssysteme: „Es kommt natürlich auf die Größe des Projekts an, aber ab einem gewissen Umfang und einer höheren Komplexität kann es durchaus von Vorteil sein, neben einem Errichter oder Systemintegrator auch einen unabhängigen Fachplaner mit im Boot zu haben.“ Und Gerhard Kastl von der Siemens AG ergänzt: „Es sollte ein möglichst kompetenter Berater sein, der im Idealfall genauso so gut Bescheid weiß wie der Hersteller beziehungsweise Errichter, damit er als Vertreter der Kundeninteressen agieren kann und sicherstellt, dass der Kunde am Ende auch das bekommt, was er will.“

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