Foto: Pixelio/Gerd Altmann

Compliance

Straftaten aufdecken

Durch wirtschaftskriminelle Straftaten entsteht deutschen Unternehmen jährlich ein Schaden in Milliardenhöhe. Hinzu kommen Kosten für Aufklärung und mögliche rechtliche Auseinandersetzungen Ferner können Imageschäden und damit einhergehende Auftragsverluste zusätzliche finanzielle Einbußen bringen.

Schließlich steigen damit auch die Haftungsrisiken der Unternehmensleitung, die sich im Ernstfall fragen lassen muss, ob der eingetretene Schaden durch entsprechende Programme und Systeme nicht hätte vermieden werden können.

Immer mehr Unternehmen setzen daher auf Compliance-Programme, um sich präventiv gegen Wirtschaftskriminalität zu schützen. Gerade große und international agierende Unternehmen und Konzerne sehen das Thema Compliance nicht nur unmittelbar für sich selbst und ihre Mitarbeiter als relevant an, sondern dehnen das Thema auch auf Subunternehmer, Lieferanten und Geschäftspartner aus.

Compliance-Programme weit verbreitet Für eine Studie hat PWC 603 deutsche Unternehmen befragt, ob sie Compliance-Programme und Hinweisgebersysteme eingerichtet haben. Die Zahl der Firmen, die über ein Compliance-Programm verfügt, ist in den letzten Jahren dabei stetig angestiegen. Hatten 2007 44 Prozent der befragten Unternehmen Compliance-Programme im Einsatz, sind es 2013
74 Prozent. 2011 waren es mit 53 Prozent deutlich wendiger. Bei dem Viertel der Unternehmen, das bislang auf die Einführung eines Compliance-Programms verzichtet hat, gibt es weiterhin große Vorbehalte. Für jedes zweite dieser Unternehmen liegen die Nachteile von Compliance-Programmen vor allem in den zu hohen Kosten und damit im schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis sowie im großen bürokratischen Aufwand.

Durch die immer enger werdende Verzahnung der Warenkette haben solche Großunternehmen ein immanentes Interesse daran, dass auch externe Handelspartner sich Compliance-Regeln auferlegen, um nicht Gefahr zu laufen, eine direkten oder indirekten Schaden (Stichwort Image) durch fahrlässiges Verhalten angeschlossener Unternehmen zu erleiden. Dies führt wiederum dazu, dass auch mittelständische Unternehmen oder kleinere Betriebe sich zunehmend mit dem Thema auseinandersetzen müssen, da sie sonst Gefahr laufen könnten, von Aufträgen großer Firmen aufgrund fehlender Regelungen und Standards ausgeschlossen zu werden.

Zur Person Steffen Salvenmoser ist Partner in der Abteilung Forensic Services von Pricewaterhousecoopers (PWC).
• seit dem 1. Mai 2011 Leiter des Bereichs Forensic Services von PWC Österreich
• zuvor zwei Jahre Tätigkeit als Richter und mehr als sechs Jahre als Staatsanwalt an einer Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen

Dass solche Programme wirksam in der Prävention sind, zeigen die Zahlen: Seit 2009 setzt sich ein Rückgang der Wirtschaftskriminalität fort. 2009 berichteten noch fast zwei Drittel der Unternehmen (61 Prozent) von mindestens einem Schadensfall, während es 2013 weniger als die Hälfte (45 Prozent) sind. Dabei ist festzuhalten, dass in der Kriminalstatistik zunächst steigende Fallzahlen zu verzeichnen gewesen sind, da mit der Entfaltung von Compliance-Programmen auch die Aufdeckungsrate angestiegen ist, das Dunkelfeld also abgenommen hat.

Mittlerweile scheint die die Phase des Kontrollparadoxons allmählich überwunden zu sein, da Compliance-Programme, die vor einigen Jahren implementiert worden sind, nun Früchte tragen und zu einer tatsächlichen Stabilisierung und sogar zu einem Rückgang der Fallzahlen beitragen.

Ein weiterer Faktor dürfte auch die insgesamt robuste Konjunktur in Deutschland sein, da hierdurch das Risiko existenzieller Bedrohungen für den Einzelnen vergleichsweise niedriger ist als in Phasen einer Wirtschaftskrise. Diese Entwicklung wird auch von der stagnierenden allgemeinen Kriminalitätsentwicklung untermauert.