Foto: Vivantes/Taffelt

Sicherheitskonzept

Alle unter einem Dach

2001 wurde der größte kommunale Krankenhauskonzern Deutschlands, Vivantes, gegründet. Die Zusammenführung vieler unterschiedlicher Einrichtungen mit ebenso unterschiedlichen Sicherheitsphilosophien ist eine Herkulesaufgabe. Vieles ist erreicht, vieles ist in Arbeit.

Mit zehn Krankenhäusern, vierzehn Pflegeheimen, Seniorenwohn-häusern, zahlreichen medizinischen Versorgungszentren, ambulanter Rehabilitation und ambulanter Krankenpflege ist die Berliner Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH, kurz Vivantes, der größte kommunale Krankenhauskonzern Deutschlands. Im Unternehmen sind rund vierzehntausend Mitarbeiter beschäftigt. Bei Vivantes werden pro Jahr fast eine halbe Million Menschen behandelt, rund ein Drittel aller Berliner Patienten.

Feintuning

Bei der Fusion so vieler Krankenhäuser, Pflegeheime und weiterer Einrichtungen mit historisch individuell gewachsenen Strukturen, bestehenden Prozessen sowie verschiedenen technischen und baulichen Voraussetzungen zu einem Klinikkonzern war es unter anderem im Bereich des Brand- und Katastrophenschutzes eine immense Herausforderung, die bestehenden gesetzlichen Anforderungen an allen Standorten einheitlich umzusetzen und in ein gemeinsames Konzept münden zu lassen.

Davon betroffen sind die wiederkehrenden Prüfungen von Brandschutzeinrichtungen ebenso wie die Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege, die Erstellung von Alarm- und Einsatzplänen und vieles mehr.

Das erstreckt sich auch auf die Zusammenführung der heterogenen EDV-Systeme in ein klinikübergreifendes Krankenhausinformationssystem (Kis), das gesamte Prozessketten von der Ambulanz über die Behandlung bis zur Entlassung lückenlos ermöglicht. Auch die Hygienevorschriften und die Bekämpfung von Infektionsursachen und -ketten mussten vereinheitlicht werden.

Übergreifender Brand- und Katastrophenschutz

Bei Vivantes wurden klinikübergreifend Brandschutzbeauftragte bestellt. Ihre Aufgabe ist es, die Geschäftsführung sowie alle anderen Führungskräfte und Beschäftigten zu Themen des Brandschutzes zu beraten, Baumaßnahmen fachlich zu begleiten und die Umsetzung von Brandschutzkonzepten sicherzustellen. Neben der ständigen Überwachung der Einhaltung brandschutzrelevanter Vorschriften und der Überprüfung vorhandener Brandlasten schulen sie auch das Personal aller Berufsgruppen, damit im Ernstfall keine unnötige Zeit verloren geht und die richtigen Schritte unternommen werden.

Neue medizinische Entwicklungen und steigende Qualitätsanforderungen finden oft auch in baulichen Bereichen ihren Niederschlag, hier müssen dann entsprechende Sicherheitsmaßnahmen angepasst werden, bei denkmalgeschützten Bauten wahrlich kein Spaziergang. Sämtliche baulichen Veränderungen und Erweiterungen werden bereits im Planungsstadium mit den Brandschutzbeauftragten sowie den Bauämtern abgestimmt, um kostspielige und zeitaufwändige Änderungen nach Fertigstellung zu vermeiden.

Darüber hinaus sind an jedem Klinikstandort zwei Katastrophenschutzbeauftragte bestellt. Zu den besonderen Aufgaben der Katastrophenschutzbeauftragten gehört es unter anderem sicherzustellen, dass Hilfsmittel für Unglücke mit chemischen, biologischen beziehungsweise radiologisch-nuklearen Gefahrstoffen (beispielsweise Schutzanzüge, Rettungszelte, Dekontaminationseinrichtungen wie Duschen) bereit gehalten und immer wieder auf Tauglichkeit überprüft werden.

Im Erstfall ist dann auch zu entscheiden, von wo zusätzliches Personal oder zusätzliche medizinische Artikel herbeigeschafft werden müssen. Auch muss genau festgelegt werden, wann und wohin evakuiert wird; genauso muss die Zusammenarbeit mit Katastrophenschutzbehörden wie Polizei, Feuerwehr, Bezirksämtern und Senatsverwaltungen geregelt sein.

Gemeinsame Abstimmung

Um einen einheitlichen Standard zu garantieren, treffen sich die Katastrophenschutzbeauftragten jedes Quartal zur Abstimmung ihrer Maßnahmen und zur Diskussion anstehender Probleme im Stabsraum der Konzernzentrale. Von hier aus erfolgt im Ernstfall die Koordination von Maßnahmen, wenn mehrere Standorte von einer Gefahren- beziehungsweise Schadenslage betroffen sind oder die lokale Bearbeitung eines Ereignisses nicht möglich ist.

In Berlin werden bereits seit 1985 alle Jahre wieder große, unangekündigte Krankenhausübungen durch die zuständige Katastrophenschutzbehörde durchgeführt. Dann stehen plötzlich Rettungsfahrzeuge mit zig, sehr echt geschminkten „Schwerverletzten“ – beispielsweise Opfer eines Flugzeugabsturzes oder eines Giftgasattentats in U- oder S-Bahn – vor der Notaufnahme eines Klinikums, die schnellstmöglich versorgt werden müssen.

Da muss jeder Handgriff sitzen, jeder wissen, was in welchem Fall zu tun ist. Von der Patientenversorgung bis hin zu Quarantänemaßnahmen oder der Verstärkung des medizinischen Personals als auch über die Hinzuziehung von Spezialisten aus anderen Kliniken hat dann die Klinikeinsatzleitung zu entscheiden.

Patientenschutz

In Brandfällen wird durch automatische Brandfrüherkennungssysteme sowie durch manuell zu betätigende Handfeuermelder über die vorhandenen Brandmeldeanlagen die Feuerwehr alarmiert. Im Allgemeinen reichen die vor Ort befindlichen stationären Löschmittel, also Feuerlöscher, Wandhydranten und Löschdecken aus: „In den meisten ohnehin schon seltenen Fällen ist der Brand bereits gelöscht, wenn die Feuerwehr vor Ort ist“, sagt Sven Hirschfeld, Brand- und Katastrophenschutzbeauftragter der Region Nord. Deshalb werde, bis auf wenige Ausnahmen, auf Sprinkleranlagen verzichtet.

In allen Krankenhäusern stellt der Diebstahlschutz ein großes Problem dar. In einem offenen Klinikum (längst sind starre Besuchszeiten Geschichte), das von Patienten gefordert und von Vivantes angeboten wird, sowie bei immer kürzerer Verweildauer der Patienten und vielen Verwandtenbesuchen ist die Anzahl der Personen, die sich in den Gebäuden befinden, nur schwer zu überblicken.

In den Vivantes-Kliniken sind sämtliche Zimmer mit abschließbaren Patientenschränken ausgestattet, und das Pflegepersonal wird angehalten und intensiv geschult, die Patienten zum einen auf die Diebstahlgefahr hinzuweisen und zum anderen fremde Personen auf den Stationen gezielt anzusprechen. Videoüberwachung ist nur in besonders sensiblen Bereichen wie den Rettungsstellen und den Kassenbereichen installiert. In den Patientenbereichen verzichtet das Unternehmen aus Datenschutzgründen ganz auf Videoüberwachung. Lediglich bei der Parkraumbewirtschaftung kommen Videokameras zum Einsatz, die Aufzeichnungen werden nach vierundzwanzig Stunden gelöscht.

Sämtliche Kellerräume sind abgeschlossen (Knauf/Klinke) und können nur vom Klinikpersonal mit RFID Tags geöffnet werden, das vermeidet unerfreuliche Schlagzeilen über „verirrte, verwirrte Kranke, die tagelang in den Kasematten eines Klinikums dahin vegetieren mussten“. Bei vermissten Personen werden sämtliche Abteilungen alarmiert, und eine systematische und umfangreiche „stille Suche“ wird eingeleitet. In einigen Kliniken werden die meist verwirrten Patienten an ihren Armbändern identifiziert und auf ihre Stationen zurückgebracht.

Die Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, befinden sich in Safes, deren Schlüssel nur an berechtigte Personen gegen Unterschrift ausgegeben werden.

Rechenzentren

Die einzelnen Krankenhäuser haben jeweils ihre eigenen Rechenzentren, die mit einem Zentralrechner, der als Backup-Rechenzentrum dient, verbunden sind. Der Zutritt zu den Serverräumen ist nur einem geringen Kreis von Mitarbeitern erlaubt. Die hohen Temperaturen der Rechner erfordern durchgängige Kühlung und besondere Brandschutzvorkehrungen. Da Wasser, Schaum oder Löschpulver einem Rechner mehr Schaden zufügen können als ein kleiner Brand, sind die Räume, in denen sich die Anlagen befinden, mit Sauerstoffreduktionsanlagen ausgerüstet, die den Sauerstoffgehalt der Luft von normalen einundzwanzig auf dauerhaft fünfzehn Prozent absenken. Damit wird die Entstehung eines Brandes verhindert, und in den Räumen kann in Absprache mit den Betriebsärzten ungehindert gearbeitet werden.

Zurzeit wird ein neuer redundanter Hauptrechner erstellt, bei dem Gas als Löschmittel vorgesehen ist; über die Wahl des zum Einsatz kommenden Gases ist noch nicht entschieden. Rechenzentren müssen hochverfügbar sein, sie sind daher mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) mit Akkus ausgerüstet. Für die Ventilatoren und für die Kühlung der Rechnerracks stehen Notstromaggregate bereit.

Stromausfall

Krankenhäuser können ohne Strom nicht funktionieren und sind deshalb alle mit Notstromaggregaten, die bei Stromausfall sofort die Stromversorgung übernehmen, ausgestattet. Die Aggregate haben Treibstoff für mindestens vierundzwanzig, teils bis zu zweiundsiebzig Stunden. Eine unterbrechungsfreie Notstromversorgung ist insbesondere für bestimmte Bereiche, wie Intensivstationen, Operationssäle und Dialyseeinheiten wichtig.

Für den Fall eines längeren Stromausfalls, was in Katastrophenfällen eintreten kann (Beispiel der tagelange Stromausfall durch zusammengebrochene Strommasten im Münsterland 2005), wird derzeit geprüft, ob auf eine funkbasierte Vernetzung der Notstromaggregate mit der Feuerwehr umgestellt wird, damit über Tanklager mit Notstromaggregaten und die notwendigen Transportfahrzeuge zurückgegriffen werden kann. Denn die Tankstellen betreiben ihre Zapfsäulen mit Strom, fallen also ohne Strom ebenfalls aus. Da die funkbasierte Vernetzung stromunabhängig arbeitet und die Tankfahrzeuge mit GPS ausgerüstet sind, können sie je nach Bedarf jederzeit zu den Notstromaggregaten, die am dringendsten Nachschub benötigen, geleitet werden.

Hygienestandards

Immer steht neben Brand- und Katastrophenschutz und anderen Sicherheitsaspekten größerer Krankenhäuser auch und zuvorderst medizinische Sicherheit der zahlreichen Menschen, die darin zu tun haben, auf der Agenda. Dabei ist für alle Krankenhäuser die Verhütung, Erkennung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen ein immer wiederkehrendes Thema, das bei Vivantes das standortübergreifende Institut für Hygiene und Umweltmedizin verantwortet.

So werden sämtlich Bauvorhaben bereits im Vorfeld nicht nur unter Brand- und Katastrophenschutzaspekten überprüft, sondern stets auch vom Institut unter dem Aspekt der Hygiene und Infektionsprävention begutachtet, bewertet und nach ihrer Fertigstellung abgenommen. Darüber hinaus ist das Institut auch verantwortlich für die Ausbildung und Schulung des Personals in Fragen der Krankenhaushygiene und die Erstellung von speziellen Hygieneplänen sowie deren Überwachung. Die Beschaffung von medizinischen und medizintechnischen Materialien muss hier ebenfalls abgenickt werden.

Erfolgreich

In den zwölf Jahren seiner Existenz ist es Vivantes gelungen, aus einer Anzahl von selbstständigen Krankenhäusern einen schlagkräftigen Medizinkonzern mit einem einheitlichen Sicherheitskonzept zu schmieden.

Michael Hassenkamp

Manche Brandschutztechniken, wie etwa Sprinkleranlagen, lassen sich in Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht überall einsetzen.
Foto: Mühlenkreiskliniken

Brandschutz

Brandschutz im Krankenhaus als kritischer Faktor

Krankenhäuser und Pflegeheime sind in Bezug auf den Brandschutz besonders kritisch, da die schnelle Evakuierung von Patienten höchste Ansprüche stellt.

Foto: HWP Planungsgesellschaft mbH

Brandschutz in Kliniken und Pflegeeinrichtungen

Komplexes Zusammenspiel

Ein abgestimmtes Brandschutzkonzept ist gerade in Krankenhäusern von höchster Bedeutung. Nicht selten allerdings gibt es Probleme mit mangelhaft ausgeführten Installationen, die im Brandfall zur ernsthaften Gefahr für die Belegschaft und Patienten werden können. Pflegeeinrichtungen müssen deshalb für einen ordnungsgemäß ausgeführten Brandschutz Sorge tragen.

Foto: Imtech

Imtech

Zuverlässiger Brandschutz im Krankenhaus- und Klinikbetrieb

Der Patient und seine Genesung stehen im Mittelpunkt. Um diesem Leitsatz gerecht zu werden, steht auch der Brandschutz im Klinikalltag mit an oberster Stelle. Mit den richtigen Löschsystemen sind die Verantwortlichen dabei „auf der sicheren Seite“.

Foto: Kreiskrankenhaus Dormagen

Brandschutz

Gaslöschanlage verhindert Brand im Krankenhaus

In Krankenhäusern sind Vorkehrungen für den Brandschutz besonders wichtig. Als sich im Serverraum des Kreiskrankenhauses Dormagen ein Brand zu entwickeln drohte, konnte dieser noch im Entstehen von der installierten Siemens-Gaslöschanlage gelöscht werden.