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Extreme Betriebsunterbrechungsereignisse globalen Ausmaßes wie eine Pandemie gehören zu den Risiken für Unternehmen, die zu massiven Umsatzverlusten und Unterbrechungen von Produktion, Betrieb und Lieferketten weltweit führen können.

Risikoanalyse

Allianz Risiko Barometer: Risiken für Unternehmen

Risikomanager sehen Unternehmen neben den traditionellen Gefahren mit ganz neuen Risiken konfrontiert, wie das aktuelle Allianz Risiko Barometer zeigt.

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass sich die Risikolandschaft der Unternehmen fundamental geändert hat, dann hat die zehnte Ausgabe des Allianz Risiko Barometers diesen erbracht: Während das Risiko einer Pandemie in früheren Jahren in der Regel auf den hinteren Plätzen der jährlichen Umfrage der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) in Deutschland rangierte (2020 lag es auf Platz 17), belegt es nun Platz 3. Noch größer als die Risiken, die von einer weltweiten Pandemie ausgehen, schätzen CEOs, Risikomanager, Makler und Versicherungsexperten in Deutschland weiterhin die Gefahr einer Betriebsunterbrechung (Platz 1 mit 50 Prozent) und die Sorge vor Cybervorfälle (48 Prozent) ein - Mehrfachantworten waren möglich. Auch die Folgen plötzlicher Marktentwicklungen werden als gefährlicher angesehen und steigen um einen Platz auf Rang 4 (23 Prozent). Neu in den Top-Ten der Umfrage, in die die Einschätzung von 2.769 Experten aus 92 Ländern einflossen, ist zudem das Risiko, das von dem Klimawandel ausgeht. Es rangiert erstmals auf Platz 9 (12 Prozent). Klassische Unternehmensrisiken wie Feuer/Explosion und Naturkatastrophen sorgen dagegen aktuell deutsche Unternehmen etwas weniger.

Allianz Risiko Barometer: Business Continuity Management im Fokus

Für die Risikomanager heißt das: Sie müssen neben den Top-Risiken wie einer Betriebsunterbrechung und der Gefahr von Cyberangriffen auch akzeptieren, dass extreme Betriebsunterbrechungsereignisse globalen Ausmaßes wie eine Pandemie nicht nur theoretisch sind, sondern eine reale Bedrohung darstellen, die zu massiven Umsatzverlusten und Unterbrechungen von Produktion, Betrieb und Lieferketten führen kann. Die Pandemie reiht sich damit in die wachsende Liste der Szenarien für eine Betriebsunterbrechung ohne voran gegangenen Sachschaden wie Cyber- oder Stromausfälle ein. Wie sehr beispielsweise Lieferketten während der Pandemie unter Druck gerieten, zeigt die Situation der Automobilhersteller Anfang des Jahres. Durch fehlende Halbleiter drohten bei vielen Autobauern Produktionsstopps, Verzögerungen bei den Auslieferungen und Maßnahmen wie Kurzarbeit. Kurzfristige Lieferalternativen gab es nicht. Viele Hersteller mussten die Produktion drosseln. Ein weiterer Nackenschlag für die ohnehin arg gebeutelte Automobilindustrie.

Kein Wunder, dass laut den Befragten des Allianz Risk Barometers 2021 die Verbesserung des Business Continuity Management als die wichtigste Maßnahme gilt, um Lieferketten transparenter und widerstandsfähiger gegen Störfälle zu machen. Es folgen die Entwicklung alternativer und zusätzlicher Lieferantenverbindungen, Investitionen in digitale Lieferketten, Intensivierung der Lieferantenauswahl, wo möglich dem gezielten Anlegen von Inventar und Vorräten für die Notfallproduktion und Lieferung. Widerstandsfähigere Lieferketten gibt es eben nicht zum Nulltarif.

Cybergefahren für Unternehmen verschärfen sich

Auch Cybervorfälle bleiben eine der Hauptgefahren – sowohl in Deutschland (Platz 2), als auch weltweit (Platz 3). Die durch die Pandemie getriebene Beschleunigung hin zu mehr Digitalisierung und Homeoffice haben IT-Schwachstellen weiter verschärft. Covid-19-bezogende Malware- und Ransomware-Vorfälle haben während des Lockdowns im Frühling stark zugenommen, während Cyberkriminalität mittlerweile die Weltwirtschaft mehr als eine Billion US-Dollar kostet. Die ohnehin schon häufigen Ransomware-Angriffe nehmen weiter zu und nehmen mit hohen Erpressungsforderungen zunehmend Großunternehmen ins Visier. Covid-19 hat zudem gezeigt, wie schnell sich Cyberkriminelle anpassen können. Der Digitalisierungsschub durch die Pandemie hat neue Möglichkeiten für Angriffe geschaffen. So nutzen Angreifer mittlerweile automatisiertes Scannen, um Sicherheitslücken zu erkennen, greifen schlecht gesicherte Router an oder bedienen sich „Deepfakes“, also Medieninhalten, die mit Künstlicher Intelligenz manipuliert sind. Gleichzeitig nehmen die Regulierung des Datenschutzes sowie Bußgelder und Strafen im Falle von Datenschutzverletzungen weiter zu.

Politische Risiken und der Klimawandel zurück auf der Agenda

Weltweit kehren zudem politische Risiken und der Klimawandel auf die Risikoagenda der Unternehmen zurück. Dies manifestierte sich zuletzt vor allem durch zivile Unruhen, Proteste und Krawalle. Die Zahl, das Ausmaß und die Dauer vieler ziviler Unruhen in jüngster Zeit – darunter die Black-Lives-Matter-Bewegung, Anti-Lockdown-Demonstrationen und die jüngsten Krawalle rund um die US-Präsidentschaftswahlen – waren außergewöhnlich. Aufgrund der sozioökonomischen Auswirkungen von Covid-19 ist mit weiteren Protestbewegungen in vielen Ländern zu rechnen, die auch für Unternehmen oftmals mit Sachschäden oder Umsatzverlusten einhergehen.

Auch die Sorge vor den Auswirkungen des Klimawandels steigt im deutschen Ranking um zwei Plätze und rangiert jetzt auf Platz 9. Unternehmen weltweit fürchten vor allem eine Zunahme der Sachschäden, da der Anstieg des Meeresspiegels, längere Dürrephasen, heftige Stürme und massive Überschwemmungen Fabriken und andere Unternehmensgüter gefährden und weltweit Transport-, Lieferketten- und Energienetzwerke lahmlegen könnten. In Deutschland treiben Unternehmern vor allem die potenziellen Auswirkungen auf Absatzmärkte, etwa durch den Wandel zur Elektromobilität oder neue Emissionsvorschriften, Sorgenfalten ins Gesicht.

Wie können Unternehmen diesen mannigfaltigen Herausforderungen begegnen? Ohne Zweifel sind durch die Pandemie das Risiko- und ein gesamthaftes Business-Continuity-Management stärker in den Fokus gerückt. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Monaten festgestellt, dass ihre Krisenpläne durch das schnelle Tempo der Pandemie und die Änderungen der öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen schnell überfordert waren. Dies zeigt, dass Krisenpläne ständig aktualisiert und getestet werden müssen, damit sie am Tag X tatsächlich angewendet werden können. Sie müssen funktionsübergreifend und in das Risikomanagement und die strategischen Prozesse eines Unternehmens integriert sein.

Covid-19 hat zudem gezeigt, dass Unternehmen ein breiteres Spektrum an Szenarien in Betracht ziehen müssen, um auf zukünftige extreme Betriebsunterbrechungen vorbereiten zu sein. Entscheidend ist deshalb mehr denn je ein vertiefter Risikodialog zwischen Versicherer und Versicherten und die Wahrnehmung der Leistungen im Bereich Schadenprävention. Aus der Verfügbarkeit scheinbar unbegrenzter Information, Daten priorisieren, qualifizieren, für Ausfallanalysen nutzen und in eine gezielte Risikomanagement-Strategie zu übersetzen, sind sehr konkrete Arbeitsfelder, mit denen sich Unternehmer jetzt beschäftigen müssen. Das muss der Weg aus der Krise sein.

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Laut Allianz Risiko Barometer steht die Gefahr einer Betriebsunterbrechung ganz oben auf der Agenda der Risikomanager.
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