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Bei 50 % aller über illegale Internetversender verkauften Medikamente  handelt es sich um Arzneimittelfälschungen.

Wirtschaftskriminalität

Arzneimittelfälschungen aus dem Internet

Arzneimittelfälschungen sind schon seit Jahren eine lukrative Einnahmequelle von Wirtschaftskriminellen. Pharmaindustrie und Apotheken versuchen, den Fälschungen aus dem Internet entgegenzuwirken.

Unabhängig von den Befürchtungen jetzt in Coronazeiten die Impfstoffe betreffend: Weltweit sind viele Arzneimittel, besonders aus dem Internet, gefälscht.  Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass der Fälschungsanteil der über illegale Internetversender verkauften Medikamente bei 50 % liegt. Gefälscht werden nicht nur Lifestyle-Arzneimittel, wie zum Beispiel Potenz-, Haarwuchs- oder Schlankheitsmittel, sondern auch lebenswichtige Medikamente wie Krebsmittel, Blutdrucksenker oder Schmerzpräparate.

Kategorien von Arzneimittelfälschungen

Laut WHO gibt es verschiedene Kategorien von Fälschungen:

  • Produkte ohne Wirkstoff(e)
  • Produkte mit falschen (zu hohen oder zu niedrigen) Wirkstoffmengen
  • Produkte mit gefälschten/falschen Inhaltsstoffen

Die Fälschungen können toxisch sein wegen toxischer Inhaltsstoffe oder wegen der Überdosierungen der korrekten Wirkstoffe. Da Fälschungen oft unter unhygienischen Bedingungen hergestellt sind, können sie zudem Verunreinigungen enthalten oder mit Bakterien kontaminiert sein.

Erfreulicherweise zählt aber die Arzneimittelversorgung in Deutschland zu den sichersten weltweit. In der Vergangenheit sind in Apotheken nur sehr vereinzelt Arzneimittelfälschungen aufgetaucht. Zusätzliche Sicherheit bringt seit Februar 2019 das Fälschungsschutzsystem Securpharm.

Haupteinfallstor dubiose Internetversender

Haupteinfallstor für Arzneimittelfälschungen sind dubiose Internetversender. Deren Internetseiten sehen oft seriös aus - sind es aber nicht. Was viele Verbraucher nicht wissen: Privatpersonen dürfen nach dem deutschen Arzneimittelrecht über den Postversand grundsätzlich keine Arzneimittel aus dem Nicht-EU-Ausland beziehen. Urlauber dürfen Medikamente nur in Mengen nach Deutschland einführen, die dem persönlichen Reisebedarf entsprechen.

Erlaubt ist der Bezug von in Deutschland zugelassenen Arzneimitteln aus dem Ausland ausschließlich über behördlich registrierte Versandapotheken aus den EU-Mitgliedstaaten, deren Recht dem deutschen entspricht oder die eine Erlaubnis nach § 11a Apothekengesetz besitzen. Dabei muss der Versand entsprechend den deutschen Vorschriften erfolgen.

Seit 2004 ist deutschen Apotheken der Versandhandel mit Arzneimittel erlaubt. Seit Mitte 2015 müssen alle Versender in der Europäischen Union, die Arzneimittel über das Internet verkaufen, ein EU-Sicherheitslogo in ihrer Landessprache auf jeder ihrer Webseiten verwenden. In Deutschland führt die Verbindung zum Versandregister des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, vormals Dimdi). Allerdings sollten Verbraucher berücksichtigen, dass nicht nur Arzneimittel, sondern auch Gütesiegel gefälscht werden können. Wer sichergehen will, dass eine Versandapotheke legal arbeitet, kann bei der im Impressum der Apotheke angegebenen Aufsichtsbehörde anrufen. Das Impressum ist eine Pflichtangabe. Wenn es fehlt, ist der Anbieter wahrscheinlich unseriös.

Lösungsansätze der Apothekerschaft

Verbraucher können sich mit Verdachtsfällen an ihre Apotheke wenden: Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) und das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) sind die Hauptansprechpartner der Apotheken für den Umgang und die Untersuchung von Verdachtsfällen von Arzneimittelfälschungen. Die ABDA hat außerdem über Apotheken mehr als zehn Millionen Exemplare der Broschüre „Gefälschte Medikamente – echte Nebenwirkungen“ an Verbraucher verteilt. Securpharm schließlich  ist eine Initiative der Arzneimittelhersteller, der Pharmagroßhändler und der Apotheker zum Schutz des legalen deutschen Arzneimittelvertriebs. Ziel ist es, die Echtheit von Arzneimitteln in der Apotheke zu garantieren.

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Foto: Pixelio.de/Andrea Damm

Versandapotheken

Sicherheit beim Arzneikauf im Internet

Rund 2.000 Apotheker verkaufen Arzneimittel auch über einen Webshop im Internet. Die Verbraucher nutzen das legale Angebot: Der Versandhandelsanteil bei rezeptfreien Arzneimitteln am deutschen Apothekenmarkt liegt mit 65,9 Millionen Euro bei elf Prozent. Aber es tummeln sich auch illegale Anbieter im Netz.

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Foto: School GRC

Studiengang Kriminalistik

Lange vermisst

Die Täter werden immer raffinierter, und oft sind sie hochgebildet: Bei Wirtschaftskriminellen ist ein hoher Anteil an Akademikern zu verzeichnen. Doch die Kernkompetenz des Ermittlungswesens, die Kriminalistik, konnte bislang nicht auf universitärem Niveau studiert werden.

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Foto: KPMG

Mitarbeiterkriminalität

Schattenkonten und Geldkoffer

Wirtschaftskriminalität hat erhebliche Auswirkungen. Ihr Schaden für die deutsche Volkswirtschaft lag nach Angaben des Bundeskriminalamtes im vergangenen Jahr bei 4,6 Milliarden Euro. Die Dunkelziffer wirtschaftskrimineller Delikte wird auf 80 Prozent geschätzt.

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Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Aktion Plagiarius

Fälschungen ins öffentliche Licht gerückt

Das Geschäft mit Plagiaten und Fälschungen boomt. Globalisierung, Internet und leichtgläubige Schnäppchenjäger ermöglichen den Fälschern milliardenschwere Gewinne. Die Schäden seitens der Originalhersteller sind enorm, die Gefahren für Verbraucher ebenfalls.