Foto: Kraiss Security Consult

Die Quadratur des Kraiss

Auf den Hund gekommen

Der 25. März 2013 ist in aller Munde. Die Fachpresse ist voll vom Thema „Bekannter Versender“. Laut Luftfahrt-Bundesamt (LBA) sind mit Stand 31. Januar 2013 insgesamt 1.014 behördliche Zulassungen erteilt worden.

Von den derzeit noch vorliegenden 601 Anträgen sind weitere 412 auditierfähig. Das heißt, bis zum Stichtag könnten etwa 500 weitere behördliche Zulassungen ausgesprochen werden. Damit werden von rund 65.000 Unternehmen, die ihre bisherige Anerkennung als Bekannter Versender durch eine relativ einfache „Sicherheitserklärung“ erhielten, zum Stichtag nur etwa 1.500 Unternehmen über eine Zulassung verfügen. Alle anderen Zulassungen verfallen kompromisslos.

Warum sind erst gut zwei Prozent der Unternehmen zertifiziert? Schließlich ist der Stichtag 25. März 2013 spätestens seit April 2010 mit Erscheinen der neuen EU-Luftsicherheitsverordnung VO (EG) Nr. 300/2008 bekannt. Das Luftfahrt-Bundesamt hat schier unermüdlich auf diesen Termin hingewiesen. Die Presse hat regelmäßig darüber berichtet. Viele Beratungsunternehmen haben ihre Aktivitäten auf diesen vielversprechenden Markt fokussiert und auf die Dringlichkeit des Handelns hingewiesen. Hat man auf Seiten der Versender geschlafen, bewusst gewartet oder gepokert? Hat man gehofft, die Übergangszeit würde verlängert werden? Haben die Kosten-Nutzen-Betrachtungen vielleicht gezeigt, dass der Aufwand für die Umsetzung der Maßnahmen und für den Auditierungsprozess wirtschaftlich nicht zu vertreten ist?

Die Qual der Wahl

In Zeiten der Globalisierung ist ein Flugzeug das einzige Verkehrsmittel, das eilige Sendungen rechtzeitig an entfernte Zielorte transportiert. Bedenkt man, dass nur 20 Prozent des Luftfrachtverkehrs über so genannte „Nurfracht- oder Nurpostluftfahrzeuge“, aber 80 Prozent über Passagiermaschinen abgewickelt wird, versteht man den Sinn und Zweck der EU-Luftsicherheitsverordnung. Man hat schlichtweg erkannt, dass für Passagiere nicht höchste Sicherheitsanforderungen gelten können, aber unter deren Sitzen „unsichere Fracht“ transportiert wird.

Deshalb betrifft die Luftsicherheitsverordnung auch nur die Fracht, die mit Passagiermaschinen transportiert erfolgen soll. Fracht für „Nurfracht- oder Nurpostluftfahrzeuge“ ist von den strengen Anforderungen an die „sichere Lieferkette“ ausgenommen. Demzufolge kennt die Luftsicherheitsverordnung nicht nur den „Bekannten Versender“ und den „Reglementierten Beauftragten“, sondern auch den „Geschäftlichen Versender“. Bei ihm reicht nach wie vor eine Verpflichtungserklärung. Allerdings darf seine Luftfracht eben nur mit „Nurfracht- oder Nurpostluftfahrzeugen“ transportiert werden.

Wie dem auch sei, das Luftfrachtaufkommen wird sich nicht verringern, denn der exportierenden Wirtschaft wird auch in diesem Jahr ein deutlicher Zuwachs prognostiziert. Da die erforderliche Infrastruktur für die erhöhten Sicherheitskontrollen (zum Beispiel Röntgengeräte, qualifiziertes und zugelassenes Personal) zumindest in Deutschland noch nicht im erforderlichen Umfang verfügbar ist, bedeutet das für den überwiegenden Teil der Luftfracht zumindest für unbestimmte Zeit längere Warte- und Transportzeiten.

Lichtblicke

In Anbetracht der zu erwartenden Entwicklung war das LBA allerdings nicht untätig. Die EU-Kommission macht darauf aufmerksam, dass für deutsche Konzernunternehmen die Möglichkeit besteht, sich als reglementierter Beauftragter und als bekannter Versender an unterschiedlichen Betriebsstätten zuzulassen. Einige Unternehmen nutzen diese Möglichkeit bereits. Auch die unterschiedliche Auslegung des Starttermins sorgt seit Kurzem für große Verwirrung. Einige EU-Staaten hatten entgegen der deutschen Behörden den 29. April 2013 als verbindlichen Stichtag berechnet. Waren wir Deutschen wieder einmal zu deutsch? Um Deutschland vor Wettbewerbsverzerrungen und Nachteilen zu bewahren, die durch den früheren Stichtag wahrscheinlich wären, berät der Aviation-Security-Arbeitskreis der EU-Kommission nun über einen möglichst gemeinsamen europäischen Termin. Gut möglich ist es, dass auch in Deutschland der finale Stichtag auf den 29. April 2013 verschoben wird. Allerdings: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Etwas könnte allerdings längerfristig für Entspannung sorgen: Laut aktueller Entscheidung des Luftfahrt-Bundesamtes dürfen in Zukunft auch Hunde bei der Kontrolle von Luftfracht eingesetzt werden. Damit zieht Deutschland mit dem europäischen Ausland gleich, in dem diese Praxis schon seit längerem angewendet wird. Schlecht für die Sicherheitsindustrie, gut für Sicherheitsdienstleister und Hundetrainer. Ich habe einen Bretonen, der bekannt ist für seinen guten Spürsinn. Sein Herrchen hat den nicht, denn dann hätte er in Hundeausbildung investiert. Dumm gelaufen!

Volker Kraiss, Senior Security Consultant bei Kraiss & Wilke - Security Consult
Foto: Kraiss Security Consult

Die Quadratur des Kraiss

Bekannt und reglementiert

Ausgelöst durch die Terroranschläge am 11. September 2001 wurden besondere Sicherheitsmaßnahmen für die Versendung von Luftfracht erlassen. Sie mündeten in der ersten EU-Luftsicherheitsverordnung VO (EG) Nr. 2320/2002. Ab 2006 waren die damit verbundenen Durchführungsbestimmungen zur sicheren Lieferkette gültig.

Foto: Fotolia.de/Sapsiwai

Sicherheit von Luftfracht

Gescanned, gescreened, geflogen

Über vier Millionen Tonnen Fracht werden allein von und nach Deutschland per Luft befördert. Seit einhundert Jahren reisen besonders eilige oder wertvolle Dinge mit dem Flugzeug – von A wie Auto bis Z wie Zeitungen. Doch nicht nur Edles reist per Flugzeug: Während der Berlin-Blockade versorgten die Alliierten mit dem elf Monate dauernden „Big Lift“ Berlin mit 2,3 Millionen Tonnen Güter aller Art, auch Kohle und Zement.

Foto: Kalscheuer

Kaba Day Logistik Spezial

Bekannter Versender

Die Kaba GmbH hatte zum Frankfurter Flughafen geladen, um das Thema „Bekannter Versender“ auf die Agenda zu bringen. Denn am 25. März 2013 läuft die Übergangsfrist des Luftfahrt-Bundesamts (LBA) aus, und bis dahin nicht zugelassene Unternehmen verlieren ihre Anerkennung als sicherer Versender für Luftfracht.

Foto: Heller

Bekannter Versender

Zertifiziert, sicher und schnell geliefert

Weltweit 2.220 Mitarbeiter arbeiten beim Nürtinger Werkzeugmaschinenhersteller Heller. Um weiterhin Luftfracht schnell und einfach verschicken zu können, hat sich Heller als „Bekannter Versender“ zertifizieren lassen. Ein kontrollierter Zutritt ist dabei unerlässlich.