Manche Brandschutztechniken, wie etwa Sprinkleranlagen, lassen sich in Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht überall einsetzen.
Foto: Mühlenkreiskliniken

Brandschutz

Brandschutz im Krankenhaus als kritischer Faktor

Krankenhäuser und Pflegeheime sind in Bezug auf den Brandschutz besonders kritisch, da die schnelle Evakuierung von Patienten höchste Ansprüche stellt.

Der Brandschutz in Krankenhäusern und Pflegeheimen stellt nicht nur aus technischer Sicht eine besondere Herausforderung dar, auch die schnelle Evakuierung im Ereignisfall muss gewährleistet sein, da hier häufig Menschen geholfen werden muss, die sich nicht aus eigener Kraft retten können.

Die Statistik des Bundesverbandes Technischer Brandschutz e.V. spricht eine deutliche Sprache: Seit der Datenerhebung Anfang 2013 gab es bis Oktober 2019 mehr als 150 Brände mit zahlreichen Toten und Verletzten in medizinischen und sozialen Einrichtungen. Die häufigsten Brandursachen sind technische Defekte an elektrischen Geräten sowie menschliches Fehlverhalten, insbesondere von Patienten. Krankenhäuser bestehen aus vielen Einzelabteilungen und Bereichen, mit teilweise hochkomplexer Technik und unterschiedlichen Gewerken.

Personenrettung hat im Fall eines Brandalarms oberste Priorität

Bricht ein Feuer aus, zählt für die Patienten jede Minute. Löst die Brandmeldezentrale einen Alarm aus oder entdeckt jemand einen Brand, gilt es vor allem, diejenigen zuerst zu retten, die sich nicht aus eigener Kraft rechtzeitig in Sicherheit bringen können. In Krankenhäusern müssen dies nicht notwendigerweise alte Menschen sein, doch in Pflegeeinrichtungen ist dies die Regel. Gerade hier gibt es im Brandfall hohe Risiken, denn für eine sichere Verbringung der betroffenen Menschen bleibt nur wenig Zeit, ehe eine Rauchkonzentration toxisch wirken kann. In Pflegeheimen entstehen darüber hinaus die meisten Brände nachts oder in den Abendstunden, wenn noch weniger Personal zugegen ist. Auch die Brandlasten wie Mobiliar tragen zum erhöhten Risiko bei.

Die Ingenieure für Brandschutz „hhpberlin“ haben in einem Nachweisverfahren für die Evakuierung von Menschen in einer sozialen Einrichtung detaillierte Zeiten ermittelt, um eine realistische Betrachtung von Flucht- und Rettungsmöglichkeiten zu ermöglichen. Demnach benötigt ein einzelner Helfer abhängig von der räumlichen Situation etwa 2,5 Minuten, um einen mobilitätseingeschränkten oder bettlägerigen Menschen zu evakuieren.

Pflegepersonal ist bei der Evakuierung im Brandfall zuerst gefordert

Damit eine Evakuierung effizient und schnell durchgeführt werden kann, ist es zwingend erforderlich, das Personal in sozialen Einrichtungen und Krankenhäusern regelmäßig zu schulen und zu unterweisen. Die Richtlinien des VDS sehen für Krankenhäuser, Pflegeheime und ähnliche Einrichtungen eine jährliche Brandschutzunterweisung aller Beschäftigten, gegebenenfalls unter Einbeziehung der Feuerwehr, vor. Dabei sind sowohl die Brandschutzeinrichtungen als auch die Brandschutzordnung zu erläutern, insbesondere für neue oder versetze Beschäftigte. Der Umgang mit Feuerlöschern und Löschdecken ist ebenfalls Bestandteil der Unterweisung. Gleichwohl zeigt die Erfahrung, dass nicht immer alle Beschäftigte ausreichend informiert und in der Benutzung von Löschmitteln geübt sind.

Um für den Ernstfall besser gewappnet zu sein, ist im Fachgebiet für Technische Informatik der Universität Kassel das Projekt „Katie – Katastrophensimulation, Avatare, Training In Echtzeitsimulation“ entstanden, mit der vor allem die Feuerwehr in einem detailgetreuen, begehbaren 3D-Krankenhausmodell mit Patientenzimmern, Operationssälen, Intensivbereichen und digitalen „Avataren“ realistisch Einsatztaktiken üben kann. Speziell für Beschäftigte sind daraus virtuelle Trainingsangebote entstanden, die auch das richtige Verhalten im Brandfall und den Umgang mit Feuerlöschern vermitteln sollen. Der Vorteil solcher virtuellen Lösungen liegt in der Flexibilität der gewünschten Trainingsumgebung. „Der Feuerlöscher ist real, nur die Umgebung in der der Beschäftigte diesen betätigt, ist digital“, erläutert Prof. Dr. Ing Dieter Wloka, Universität Kassel. Die Simulation erfasst die Bewegung des Löschers und vermittelt somit ein realistisches „Feeling“ für dessen Gebrauch. „Die Umgebung kann generisch oder auch eine exakte Nachbildung des Gebäudes oder Stockwerks sein. Auch Personen – Avatare – können Bestandteil der Simulation sein, was diese dann noch realistischer macht“, so Wloka.

Sprinklerschutz lässt sich in Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht überall einsetzen

Eine Möglichkeit des anlagentechnischen Brandschutzes bieten Sprinkleranlagen, die Brände zügig nach Entstehen löschen können. Befürworter der Systeme sehen hierin eine effektive Möglichkeit, Patienten und Beschäftigte gleichermaßen vor schwerwiegenden Brandfolgen zu schützen. „Sprinkleranlagen können Entstehungsbrände wirkungsvoll bis zum Eintreffen der Feuerwehr bekämpfen und ermöglichen die Nutzung angrenzender Flucht- und Rettungswege“, so Dr. Krause vom BFVA. Sie wirken nicht der Brandausbreitung entgegen, sondern auch der thermischen Belastung und der Verrauchung. Für Wohnbereiche, zu denen auch soziale Einrichtungen zählen, gibt es seit 2013 mit der VDS-Richtlinie 2896 ein Regelwerk, das speziell auf Anforderungen solcher Wohnformen eingeht. Berücksichtigt wird etwa der Anschluss an die Trinkwasserversorgung über einen Zwischenbehälter und der Einsatz spezieller Residential Sprinkler für die Abdeckung größerer Flächen mit weniger Löschwasser, um Folgeschäden zu minimieren.

In Nordrhein-Westfalen bestimmt eine Richtlinie für Pflegeinrichtungen, welche baulichen Anforderungen kompensiert werden können. Dazu zählen feuerhemmende Wände innerhalb von Raumgruppen, über die Bauordnung NRW hinausgehende Anforderungen an tragende Bauteile oder feuerwiderstandsfähige Verglasungen. Als ein Best-Practice-Beispiel im Bereich Kliniken nennt der BVFA etwa das Johannes Wesling Klinikum in Minden, das mit über 20.000 Sprinkler rund 900 Betten, Behandlungsräume und Abteilungen absichert. Doch häufig geht es um Umbauten im Bestand, weswegen der Einsatz von Sprinklern im Einzelfall geprüft werden muss.

Gesamtkonzept entscheidet über die Wirksamkeit des Brandschutzes

Egal, ob Pflegeheim oder Krankenhaus, die Sicherheit von Patienten und Beschäftigten kann nur ein abgestimmtes Brandschutzkonzept gewährleisten, auf Basis des vorbeugenden Brandschutzes (mit seinen baulichen, anlagentechnischen und betrieblich-organisatorische Einzelbestandteilen) sowie des abwehrenden Brandschutzes. Gerade in Krankenhäusern gibt es eine Vielzahl an baulichen und technischen Einrichtungen, die spezielle Anforderungen an den vorbeugenden aber auch abwehrenden Brandschutz stellen. Die Patienten sind aber in der Regel auf die Hilfe des Personals angewiesen. Umso wichtiger ist es, dass dieses angemessen geschult ist, insbesondere was die Kenntnisse der räumlichen Gegebenheiten angeht und in Bezug auf eine rasche Räumung oder Evakuierung.

Foto: bvfa

Sicherheit in Krankenhäusern

Operation Brandschutz

Rund 40 Brände mit fünf Toten und 28 Verletzten listet die Schadensstatistik des bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e.V. für 2013 in Deutschlands Krankenhäusern auf. Laut FM-Schadensstatistik gilt Feuer als größte Gefahr im Krankenhaus: Etwa 34 Prozent aller Schäden werden durch Brände verursacht.

Foto: HWP Planungsgesellschaft mbH

Brandschutz in Kliniken und Pflegeeinrichtungen

Komplexes Zusammenspiel

Ein abgestimmtes Brandschutzkonzept ist gerade in Krankenhäusern von höchster Bedeutung. Nicht selten allerdings gibt es Probleme mit mangelhaft ausgeführten Installationen, die im Brandfall zur ernsthaften Gefahr für die Belegschaft und Patienten werden können. Pflegeeinrichtungen müssen deshalb für einen ordnungsgemäß ausgeführten Brandschutz Sorge tragen.

Foto: Vivantes/Taffelt

Sicherheitskonzept

Alle unter einem Dach

2001 wurde der größte kommunale Krankenhauskonzern Deutschlands, Vivantes, gegründet. Die Zusammenführung vieler unterschiedlicher Einrichtungen mit ebenso unterschiedlichen Sicherheitsphilosophien ist eine Herkulesaufgabe. Vieles ist erreicht, vieles ist in Arbeit.

Foto: Tyco

Demografischer Wandel

Verändertes Risikopotenzial

Die Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen in Deutschland steigt laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend kontinuierlich. Vor dem Hintergrund, und mit Blick auf die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft, stehen vor allem Pflegeeinrichtungen vor großen Herausforderungen – insbesondere was die Sicherheit angeht. Moderner Brandschutz als ein wesentlicher Teil jedes Sicherheitskonzeptes ist in dem Kontext unverzichtbar für den Schutz von Menschen, Sachwerten und Gebäuden.

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