Der Ausbruch des Coronavirus wird inzwischen als Pandemie eingestuft.
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Katastrophenmanagement

Coronavirus: Die Pandemie eindämmen

Der Ausbruch des Coronavirus hat mittlerweile die Schwelle zur Pandemie überschritten. Dennoch gilt es, mit Augenmaß auf die Krise zu reagieren.

Die Krise um die Ausbreitung des Coronavirus ist zu einem globalen Problem geworden, das in einigen Staaten zu immer schärferen Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung führt, denn die Weltgesundheitsorganisation hat die Krise inzwischen als Pandemie eingestuft. Am 10.3.2020 sind laut dem Johns Hopkins CSSE über 110.000 Menschen weltweit infiziert worden, über 70 % davon in China. Etwa 4.000 Menschen sind bislang an dem Virus gestorben, ungefähr 64.000 wieder genesen. Überall dort, wo das Virus sich über Regionen ausbreitet, wird das örtliche und überregionale Gesundheitssystem auf die Probe gestellt, das die Versorgung und adäquate Behandlung der Betroffenen sicherstellen muss.

Wettlauf gegen die Zeit

Covid-19 verhält sich dabei zwar ähnlich wie seinerzeit der Sars-Erreger, ist aber deutlich ansteckender bei gleichzeitiger geringerer Letalität. Die Inkubationszeit kann bis zu 14 Tage betragen, was eines der aktuellen Probleme ausmacht: Infizierte Menschen haben unter Umständen unwissentlich genügend Zeit gehabt, andere anzustecken, bevor effektive Maßnahmen haben greifen können. Dies zeigen etwa die aktuellen Fälle in Italien und auch in Deutschland. Obwohl die italienische Regierung ganze Ortschaft abgeriegelt hat, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, hatten Infizierte vor diesen Maßnahmen bereits die Gebiete verlassen und damit das Virus in andere Regionen und Länder weitertragen können.

Bei jedem neu auftretenden Fall gilt es, die Infektionskette so schnell wie möglich und lückenlos nachzuvollziehen, um andere potenziell Gefährdete rechtzeitig zu identifizieren und gegebenenfalls zu isolieren. Saisonale Umstände wie die Karnevalszeit in Deutschland, internationale Messen und Sportereignisse können die Lage zusätzlich erschweren, sofern sie nicht abgesagt werden. Dennoch sollten solche Maßnahmen mit Augenmaß erwogen werden, weil das Handeln der Behörden und vor allem der Medien einen direkten Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl und das Verhalten der Bevölkerung hat. Auch wenn die akuten Fallzahlen vergleichsweise gering sind: Mit jedem Infizierten steigt die Gefahr einer weiteren Ausbreitung, die sich schlimmstenfalls nicht mehr kontrollieren lässt. Da die WHO nun eine Pandemie ausgerufen hat, können auf internationaler und nationaler Ebene verschiedenen Prozesse und Maßnahmen greifen. In Deutschland gibt es, wie in anderen Staaten auch, einen vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit den Ländern abgestimmten Nationalen Pandemieplan (NPP), der im Wesentlichen vier Ziele verfolgt:

  • Reduktion der Morbidität und Mortalität in der Gesamtbevölkerung
  • Sicherstellung der Versorgung erkrankter Personen
  • Aufrechterhaltung essentieller, öffentlicher Dienstleistungen
  • Zuverlässige und zeitnahe Information für politische Entscheidungsträger, Fachpersonal, die Öffentlichkeit und die Medien.

Der Bund ist ermächtigt, im Pandemiefall spezielle Rechtsverordnungen zu erlassen (Meldepflicht, Einführung einer Impfplicht) und stimmt sich eng mit den Bundesländern hinsichtlich der Lageeinschätzung, Risikobewertung und Prognose sowie Handlungsempfehlungen und Kommunikationsstrategien ab. Die Einrichtung von Verwaltungsstäben für administrativ-organisatorische Aufgaben und Führungsstäben für den operativ-taktischen Bereich soll ein koordiniertes Krisenmanagement auf allen Ebenen gewähren.

Ausreichend auf Pandemie vorbereitet?

Auch wenn Deutschland nicht zuletzt aus den Erfahrungen vergangener Grippewellen seine Pandemiepläne kontinuierlich angepasst und fortgeschrieben hat, sind im Falle einer Pandemie vor allem abgestimmte internationale Anstrengungen zur Eindämmung wichtig. Der Global Health Security Index von Oktober 2019 sieht dagegen kein Land ausreichend auf eine Pandemie vorbereitet. Nur 19 % der untersuchten Länder erzielen Top-Werte bei der Früherkennung von Virusausbrüchen, und weniger als 5 % befinden sich unter den obersten Rängen bei der Reaktion auf einen Ausbruch und der Fähigkeit, diesen einzudämmen. Insgesamt erzielen die Gesundheitssysteme im Schnitt weltweit gerade mal einen Punktwert von 26,4 von 100, was bedeutet, dass 131 Staaten auf den letzten Rängen in dieser Kategorie rangieren. Und selbst bei den reichsten Staaten gibt es Lücken und Defizite. So sind die USA in vielen Kategorien führend (am besten vorbereitet), während Deutschland laut Index etwa bei der Früherkennung und schneller Reaktion auf einen Ausbruch nur auf Platz zehn beziehungsweise 28 landet. Mögen solche aggregierten Daten nur eine eingeschränkte Aussage über die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Gesundheitssystems im Krisenfall geben, so zeigen sie dennoch, dass es, international gesehen, viele Lücken gibt, die eine pandemische Entwicklung begünstigen können – mit globalen Folgen nicht nur für das gesellschaftliche Leben, sondern nicht zuletzt auch für die Wirtschaft, wie die Situation in China und jüngst auch in Norditalien zeigt.

Coronavirus beschert „Infodemie“ im Netz

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Anfang Februar eine „massive Infodemie“ beklagt, die den Ausbruch des Virus begleitet. Erschwerend kommt hinzu, dass viele dieser Informationen auf Halbwahrheiten, Gerüchten und Verschwörungstheorien basieren, mit denen teilweise Menschen nicht nur verunsichert werden sollen, sondern auch über dubiose Angebote dazu verleitet werden, Geld in vermeintliche Sicherheit zu investieren, etwa über Phishing-E-Mails. Gerade den Sozialen Medien kommt hier eine besondere Bedeutung zu, denn hier verbreiten sich Nachrichten naturgemäß schnell. Die großen Konzerne wie Google oder Facebook stehen hier mit an vorderster Front, wenn es darum geht, Desinformationen oder „Fake News“ effektiv zu bekämpfen. So will Facebook etwa mit „fact-checkers“ gegen offensichtliche Falschmeldungen vorgehen. Die WHO selbst versucht auf Twitter, mit Fakten möglichen Gerüchten und falschen Behauptungen entgegenzuwirken. Twitter selbst gibt an, dass es alleine im Januar rund 15 Mio. Tweets zum Virus gegen hat. Daher werden in verschiedenen Ländern bei der Suche auf Twitter nach Tweets zum Virus zunächst geprüfte und verlässliche Informationen, etwa zum Schutz, gezeigt.

Eine weitere Folge der Vorbereitung von Gerüchten und nicht gesicherten Informationen ist eine Zunahme von Stigmatisierungen, die die WHO beklagt. Menschen aus dem asiatischen Raum werden beispielsweise ausgegrenzt oder diskriminiert, was zu einem gegenteiligen Effekt führen kann, nämlich der Verschärfung der Ausbreitung. So betroffene Menschen ziehen sich eher zurück, als mögliche Symptome zu melden, oder sie halten sich nicht an die einfachen Hygieneregeln. Die Medien müssen über Risiken des Virus und Maßnahmen faktenbasiert aufklären, ohne übertrieben Ängste zu schüren – ein wichtiger Umstand, der so manchem Medium aber nicht leichtzufallen scheint.

Der Ausgang der jetzigen Krise ist ungewiss, da selbst in China der „Peak“ noch nicht erreicht ist – weltweit treten in einigen Staaten nun ebenfalls vermehrt Fälle auf. Innerhalb Europas sind nun Kooperationen zwischen den Behörden gefragt, um angemessen und zügig auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren, gleichzeitig die Bevölkerungen umfassend zu informieren, ohne dabei Panik zu schüren. Denn diese ist, bei allem Ernst der Lage, auf allen Seiten der schlechteste Ratgeber.

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