Offline- und Online-Systeme

Das Kind beim Namen nennen

Teil 2

Polichronis Sidiropoulos von Assa Abloy erläutert: „Insgesamt lassen sich hier zwei Ansätze erkennen. Einmal der ursprüngliche Top-down-Ansatz, bei dem die klassische Online-Zutrittskontrolle über die Mechatronik erweitert wird und dadurch in den Objekten zusätzliche Türen mit Zutrittskontrolle in Form von mechatronischen Komponenten ausgestattet und innerhalb eines Systems verwaltet werden. Und einmal der Bottom-up-Ansatz, bei dem die mechatronischen Komponenten aus der digitalen Schließanlage vernetzt und nach und nach mehr Funktionen aus der klassischen Online-Zutrittskontrolle integriert werden.

Hartmut Beckmann von Uhlmann & Zacher ergänzt: „Viele klassische Online-Hersteller, die nun in Richtung Offline gegangen sind, müssen sich vorab überlegen, ob sie die Produkte selbst entwickeln wollen oder per OEM zukaufen, um das eigene System sinnvoll zu ergänzen.“

Anforderungen entscheiden

Dieses Zusammenwachsen vor allem auf administrativer Ebene kommt den Bedürfnissen der Anwender entgegen, wie Dietmar Vetten von GST betont: „Der Kunde möchte aus einer Software heraus alle Komponenten seines Zutrittssystems verwalten können und nicht zwei Systeme parallel laufen lassen. Alle Funktionen, die das Offline-Produkt bietet, sollen mit einer Online-Software abgebildet werden können. Natürlich gibt es Hersteller, die beides anbieten oder zumindest eng kooperieren, aber meistens sitzen wir als Systemintegrator zwischen den Herstellern und müssen dafür sorgen, dass es reibungslos läuft. Bei der Kombination von Offline und Online kommt es stark darauf an, dass im Pflichten- und Lastenheft genau geregelt ist, wer was zu leisten hat.“

„Es geht in der Praxis darum, ein gewisses Anforderungs-szenario an der Tür zu bedienen. Dabei kann man heute je nach Türsituation frei wählen zwischen einer klassischen drahtgebundenen Online-Zutrittskontrolle und mechatronischen Komponenten, die wiederum entweder über die offline-Berechtigungen auf der Karte oder mittels Funk vernetzt werden.“
Polichronis Sidiropoulos, Verkaufsleiter Zutrittskontrolle, Assa Abloy Sicherheitstechnik GmbH

„Ich sehe auf jeden Fall eine Tendenz, dass Offline-Hersteller immer komplexere Systeme anbieten, mit denen sie teilweise sogar die Online-Zutrittskontrolle ersetzen könnten. Doch entscheidend bei der Wahl der Technik sollten die Anforderungen der Anwender sein. Nach der Konzepterstellung, kann die Auswahl der Produkte und Technologien erfolgen.“
Hartmut Beckmann, Leiter Vertrieb, Uhlmann & Zacher GmbH

Polichronis Sidiropoulos ist der Meinung: „Es geht in der Praxis darum, ein gewisses Anforderungsszenario an der Tür zu bedienen. Dabei kann man heute je nach Türsituation frei wählen zwischen einer klassischen drahtgebundenen Online-Zutrittskontrolle und mechatronischen Komponenten, die wiederum entweder über die offline-Berechtigungen auf der Karte oder mittels Funk vernetzt werden.“

Hartmut Beckmann sieht dafür gute Voraussetzungen: „Ich sehe auf jeden Fall eine Tendenz, dass Offline-Hersteller immer komplexere Systeme anbieten, mit denen sie teilweise sogar die Online-Zutrittskontrolle ersetzen könnten. Doch entscheidend bei der Wahl der Technik sollten die Anforderungen der Anwender sein. Nach der Konzepterstellung kann die Auswahl der Produkte und Technologien erfolgen.“

Und Volker Kraiss ergänzt: „Bei vielen Anwendern – gerade in der Industrie – wird aus Offlinekomponenten und den Onlinekomponenten ein sinnvoll abgestuftes Gesamtsystem eingesetzt. Die Architektur des Gesamtsystems und die Entscheidung, wo elektronische Schließkomponenten oder Ausweisleser mit Überwachungsfunktionen in Kombination mit Stellgliedern eingesetzt werden, entscheiden die jeweiligen Sicherheitsanforderungen an den Zu- oder Abgängen.“

Marco Poimpili von Axis Communications verdeutlicht: „Die klassische Online-Zutrittskontrolle wird trotz des Erfolgs von Mechatronik immer noch gebraucht, und zwar immer da, wo ein Wachmann in der Leitstelle sitzt und das System im Auge behält. Die Offline-Systeme sehe ich nach wie vor stark in der Zutrittsorganisation, wo es weniger um Hochsicherheit geht.“

Es bleibt also auch künftig genug Raum für beide Systemdesigns, während gleichzeitig die Schnittmengen zur Integration wachsen. Dass die Nutzeranforderungen verstärkt in den Fokus rücken, ist zweifelsohne zu begrüßen, denn die genaueste Begriffsdefinition nützt wenig, wenn sie an den Bedürfnissen der Kunden und an den in der Praxis geltenden Gewohnheiten vorbeigeht.

Michael Gückel

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