Foto: Fraport AG

Brandschutz am Frankfurter Flughafen

Definierte Ausnahmen

Eine neuer Flugsteig, eine neue Landebahn sowie ein geplantes neues Terminal sollen den Frankfurter Flughafen auch in Zukunft international wettbewerbsfähig halten. Dabei stellt der Brandschutz bei solchen Erweiterungen eine Herausforderung dar.

Für den Ausbau des Flughafens unter Leitung der Fraport AG wurde eine neue Landebahn mit Ost-West-Ausrichtung im Nordwesten des Flughafens gebaut sowie ein drittes Passagierterminal auf dem Gelände der ehemaligen US-Air Base im Süden des Airports geplant. Langfristig sollen so bei jährlich etwa 700.000 Flugbewegungen bis zu 88 Millionen Passagiere abgefertigt werden können. In puncto Luftfracht wurden 2012 über zwei Millionen Tonnen befördert, und die Kapazitäten sollen im Hinblick auf den Ausbau des Flughafens erweitert werden. Bis zum Jahr 2020 sollen rund 100.000 Quadratmeter an neuen Frachthallen in der „Cargocity Süd“ entstehen.

Neuer Flugsteig

Ein erster Schritt in Richtung Bewältigung steigender Passagierzahlen war der Bau des neuen Flugsteigs A-Plus. Die Planung stellte die Verantwortlichen vor besondere Herausforderungen, da der Neubau an ein bestehendes Terminal im laufenden Betrieb angebunden werden musste. Insbesondere an den Schnittstellen zwischen dem neuen Flugsteig und dem Terminal 1 musste auf eine reibungslose Anbindung neuer brandschutztechnischer und anderer Gewerke an bestehende Systeme geachtet werden. „Stellenweise haben wir uns für eine Überlappung der zu installierenden Systeme mit dem bereits vorhandenen entschieden, etwa bei der Bestückung mit Brandmeldern“, erläutert Karl-Christian Hahn, Leiter Brandschutz Flughafen Frankfurt.

Das Gebäude mit einer Länge von 790 Metern und einer Breite von 28 Metern bietet eine Kapazität von rund sechs Millionen Passagieren pro Jahr und verfügt über ein entsprechend ausgearbeitetes Brandschutzkonzept. Vorrang hat im Brandfall, wie in den anderen Gebäudekomplexen auch, die Personenrettung. Damit im Ernstfall die Menschen zeitnah einen Ausgang über ein Treppenhaus erreichen können, sind im Flugsteig 20 neue Treppenräume und im „Wurzelgebäude“ 16 neue beziehungsweise vorhandene Treppenräume und Außentreppen als vertikale Rettungswege ausgewiesen. Der zentrale Bereich im Untergeschoss verfügt ferner über einen 100 Meter langen Rettungstunnel.

Das Rettungskonzept basiert auf den Anforderungen der Hessischen Bauordnung (HBO) und sieht vor, dass die Nutzung der Rettungswege im Brandfall für einen ausreichend langen Zeitraum möglich ist. Die Dimensionierung der Flucht- und Rettungswege muss dabei dem größten zu erwartenden Personenverkehr gerecht werden. Dies ermittelten die Planer mit Hilfe von Simulationen zu Personenströmen und der Ausbreitung von Rauchgasen. Dank dieser vorab durchgeführten Analysen zeigte sich, dass eine vollständige Evakuierung des Bereiches A-Plus über die notwendigen Treppenräume weniger als 15 Minuten erfordert. Für eine ausreichende Entrauchung ist jedes Geschoss beziehungsweise jeder Brandabschnitt in mehrere Rauchabschnitte unterteilt worden. In allen öffentlich für die Fluggäste zugänglichen Bereichen lässt sich im Ernstfall eine raucharme Schichtung von mindestens 2,50 Meter herstellen. Somit ist gewährleistet, dass alle Personen den vorgegebenen Rettungswegen folgen können, ohne der Gefahr einer Rauchgasvergiftung ausgesetzt zu werden.

Der Flugsteig verfügt ferner über eine flächendeckende Brandmelde- und Alarmierungseinrichtung, zu der auch ein vollflächiger Sprinklerschutz mit definierten Ausnahmebereichen gehört. Die Branddetektion übernehmen unterschiedliche Melderarten. Zum Einsatz kommen neben optischen Linearmeldern Multisensormelder sowie Rauchansaugsysteme. Wie in den anderen Flugsteigen auch erfolgt die Alarmierung der Personen durch die Werkfeuerwehr über die ELA-Anlage.

Neue Feuerwache

Der Bau der Landebahn Nordwest hat auch die Einrichtung einer zusätzlichen Feuerwehrwache mit eigenen Löschzug und Personal notwendig gemacht. Letzteres musste im Wesentlichen aus der Stammbelegschaft rekrutiert werden, „nicht zuletzt deswegen, weil der Markt für Berufsfeuerwehrleute nicht sehr flexibel ist. Die Fachkräfte bleiben in der Regel in ihrer Region“, so Hahn. Bevor Stellen aus externen Quellen besetzt werden, haben zunächst interne Interessenten die Möglichkeit, sich zu bewerben. Dies hat den Vorteil, dass man oftmals auf Vorkenntnisse seitens der Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr, Flughafenkenntnisse oder auf handwerkliche Vorkenntnisse zurückgreifen kann. Es gibt auch Bewerber aus kaufmännischen Bereichen.

Die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann ist am Standort Fraport möglich und ist in zwei Abschnitte unterteilt. Sie beginnt mit einer handwerklichen Kompaktausbildung und wird mit einer feuerwehrtechnischen und rettungsdienstlichen Ausbildung fortgeführt. Für eine kontinuierliche Weiterbildung sowie neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Brandbekämpfung existiert auf dem Gelände der Fraport ferner das Feuerwehr Training Center (FTC). Das Zentrum ist seit mehr als zehn Jahren auf dem Gebiet der Brandsicherheit international anerkannt und gliedert sich in die Bereiche Training, Brandschutzberatung und Flugzeugbergung.

Luftfrachtsicherheit

Weitere Neuerungen betreffen die Regelung zur Luftfracht sowie den Status „Bekannter Versender“. Wurde ein „Bekannter Versender“ vor dem 29. April 2010 von einem reglementierten Beauftragten (Spedition) zugelassen, galt diese Zulassung bis zum 28. April 2013; was rund 65.000 Unternehmen in Deutschland genutzt haben, um Luftfracht befördern zu dürfen.

Seit dem 29. April 2013 gilt diese Zulassung nicht mehr. Unternehmen müssen sich vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) neu validieren lassen, um den „neuen“ Status des behördlich zugelassenen „Bekannten Versenders“ zu erhalten. Hierzu gehört etwa die Erstellung und Einführung eines umfassenden Sicherheitsprogramms, um nachzuweisen, dass die betreffende Fracht als „sicher“ einzustufen ist, also frei von jeglichem Manipulationsverdacht. Dies beinhaltet unter anderem auch den Zugang von Personen zur Luftfracht, die sich einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen müssen. Ziel ist der Nachweis einer geschlossenen und sicheren Lieferkette, angefangen beim Produzenten bis zur Verladung ins Flugzeug.

Nur die Fracht von einem „Bekannten Versender“ darf der Spediteur als „Reglementierter Beauftragter“ ohne zusätzliche Kontrollmaßnahmen am Flughafen abwickeln. Stammt die Sendung hingegen nicht von einem „Bekannten Versender“, gilt sie als unsicher und muss eine physische Kontrollmaßnahme durchlaufen. Diese erfolgt beim „Reglementierten Beauftragten“ immer mir der dem Frachtgut angemessenen Maßnahme, etwa mit Röntgengeräten und Kontrollen per Hand.

Bis zum Stichtag 29.4.2013 hat sich nur ein Bruchteil der Versender beim LBA zertifizieren lassen. Dies führt letztlich dazu, dass alle als „unsicher“ eingestuften Versender ihre Fracht beim „Reglementierten Beauftragten“ sichern lassen müssen. Ansonsten würde dies unter Umständen zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen bei der Frachtabfertigung am Flughafen selbst führen, da das Aufkommen solcher Sendungen im Vorfeld nur schwer, wenn überhaupt, zu ermitteln ist. Denn wenn die Spedition die Fracht nicht sichert, muss diese am Flughafen vor dem Beladen geprüft werden.

Auf dem Frankfurter Flughafen kommen daher nun auch Spürhunde zum Einsatz. Die Frachtabsuche mit den Spürhunden ist gut in die Abfertigungsprozesse integrierbar und gerade bei den verschiedensten Verpackungsarten möglich. Damit steht dem Frachtabfertiger ein zusätzliches Kontrollmittel zur Verfügung, um als „unsicher“ eingestufte Fracht zu prüfen.

Service und Sicherheit

Der Frankfurter Flughafen ist national wie international einer der wichtigsten Flughäfen. Nur eine kontinuierliche Anpassung der Kapazitäten in allen Bereichen gewährleistet auch in Zukunft seine herausragende Stellung. Bei allen Bauvorhaben und Erweiterungen steht die Sicherheit der Passagiere und der Mitarbeiter mit an erster Stelle, wie die entsprechenden Brandschutzkonzepte zeigen. Mit über 57 Millionen Fluggästen jährlich lebt der Flughafen nicht zuletzt von seinem guten Ruf, den er unter anderem eben auch seinem Service und seiner Sicherheit verdankt.

Hendrick Lehmann

Foto: Kalscheuer

Perimeterschutz am Flughafen Frankfurt

Überflieger in Sachen Sicherheit

Im Rahmen ihrer Vorbereitungen zur Perimeter Protection 2016 lud die Nürnbergmesse GmbH zu einem Blick auf den Perimeterschutz des Flughafens Frankfurt/Main ein. Der Flughafenbetreiber Fraport AG ermöglichte dabei interessante Einblicke in die dortigen Sicherheitsvorkehrungen und die Sicherheitsleitstelle.

Foto: Hekatron

Rauchschalter am neuen Frankfurter Flugsteig

Brandschutz für A-Plus

Ein neuer Flugsteig mit sieben Gates für Großraumjets unterstreicht den Anspruch des Frankfurter Airports auf einen Spitzenplatz unter den Flughäfen. Zum Brandschutz im weitläufigen Neubau tragen großflächige, automatische Schiebetore bei. Im Brandfall wird ihr Schließen durch Hekatron-Rauchschalter ausgelöst.

Foto: Fotolia.de/Sapsiwai

Sicherheit von Luftfracht

Gescanned, gescreened, geflogen

Über vier Millionen Tonnen Fracht werden allein von und nach Deutschland per Luft befördert. Seit einhundert Jahren reisen besonders eilige oder wertvolle Dinge mit dem Flugzeug – von A wie Auto bis Z wie Zeitungen. Doch nicht nur Edles reist per Flugzeug: Während der Berlin-Blockade versorgten die Alliierten mit dem elf Monate dauernden „Big Lift“ Berlin mit 2,3 Millionen Tonnen Güter aller Art, auch Kohle und Zement.

Foto: Kraiss Security Consult

Die Quadratur des Kraiss

Bekannt und reglementiert

Ausgelöst durch die Terroranschläge am 11. September 2001 wurden besondere Sicherheitsmaßnahmen für die Versendung von Luftfracht erlassen. Sie mündeten in der ersten EU-Luftsicherheitsverordnung VO (EG) Nr. 2320/2002. Ab 2006 waren die damit verbundenen Durchführungsbestimmungen zur sicheren Lieferkette gültig.