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Großveranstaltungen

Dynamik niemals unterschätzen

Das war ein ganzer Themenblock auch in diesem Jahr beim Symposium Brandschutz und Baurecht von Bureau Veritas: Großveranstaltungen. Neue Erfahrungen aus der Loveparade in Duisburg, Flashmobs, und ein so exakt geplantes Großereignis wie die Eröffnung der neuen Frankfurter Landebahn.

Zunächst berichtete Ministerialrat Jost Rübel vom zuständigen Ministerium in Düsseldorf eher nüchtern und „behördlich“ von der Projektgruppe, die eingesetzt wurde, von Arbeits- und Lenkungsgruppen, von Bewertungen nach „Best Practice“-Vergleichen, von Empfehlungen (auch für Ausbildungsvorschriften), Sondernutzungsmöglichkeiten und Genehmigungstatbeständen. Er betonte, dass „präventive Kontrollen nicht vorgesehen“ gewesen seien und im übrigen „eigentlich alles korrekt“ verlaufen sei – man hätte allerdings „früher merken können, dass der Ordnungsdienst nicht ausreichend“ war. Zukünftig müsse man auch „die Einhaltung von Nebenbestimmungen vor Beginn von Veranstaltungen prüfen.“

Rübel räumte ein, es habe „Defizite auf der Erlaubnisseite“ gegeben, aber auch der Begriff von Großveranstaltungen sei nicht definiert. Ergebnisse all dieser Überlegungen, Prüfungen und rechtlichen Beurteilungen zur Loveparade werden aber erst „Anfang 2013 vorliegen“.

„Eher hilflos“

Ganz anders die Überlegungen zur Eigen- und Betreiberverantwortung bei plötzlichen Großereignissen von Rechtsanwalt Thomas Waetke, unter anderem Herausgeber des Internetportals „Eventfaq.de“. Kurz, prägnant und humorvoll legte er die (auch juristischen) Probleme dar, die bei plötzlich auftretenden „Großveranstaltungen“ entstehen. Ob plötzliche Massen-Kissenschlacht in der U-Bahn, ob dauerhafter Kreisverkehr in einem (vielbefahrenen) Kreisel, ob spontane Strandparty auf Sylt oder Geburtstagsfeier mit einigen Tausend (nicht eingeladenen) Gästen.

Was ist wirklich Veranstaltung, was ist Event, wer trägt Verantwortung für Schäden oder Folgen? Bisher, so der Rechtsanwalt, seien „Richter eher hilflos“, daher müsse die Öffentlichkeit „auf Verurteilungen warten“, weil juristische Grundlagen fehlen. Allerdings müsse nun nach doch schon sehr vielen ähnlich gelagerten Flashmob-Ereignissen „Klarheit von den Gerichten erwartet“ werden dürfen. Die „Veranstalter“ solcher Events, an Karfreitag zum Beispiel tanzend vor dem Kölner Dom gegen das Tanzverbot am „heiligen Feiertag“, machen lustig und immer fantasievoller weiter im sicheren Gefühl, dass die Justiz keinen Rat weiß.

Tür zumachen - wenn eine da ist

Veranstalter, Hintermänner oder Betreiber müssen nach Meinung von Waetke auf den Seiten von Netzwerken „rechtzeitig erkennen“, wie viele Besucher zu erwarten seien. Wenn statt der bisher üblichen 8.000 dann plötzlich 23.000 Zutritt verlangen, dann müsse man „die Tür zumachen“, sagt der Jurist und ergänzt fragend: „aber was, wenn da keine Tür ist?“ Er nannte auch das Beispiel eines „kleinen Stadtfestes“, das plötzlich buchstäblich von „Tanz-Kampf-Künstlern“ übernommen wurde. Und er verwies auf Schaumpartys, die wortwörtlich überschäumend wurden. Andererseits erhoffen sich manchmal sogar Parteien mehr Zulauf, wenn sie zusätzlich auf Facebook einladen und wundern sich, wenn dann kaum mehr als üblich auftauchen. Nur in den ganz wenigen Fällen, wo sich konkret ein Hausrecht zuordnen lässt, kann man mit Schadensersatzforderungen (vielleicht!) Glück haben, so das Fazit.

Externer Rat

Der dritte Beitrag zu diesem Symposiums-Komplex drehte sich um „Happy Landings“, die Eröffnungsfeier der neuen Landebahn auf dem Frankfurter Flughafen. Der Referent Erich Keil, Leiter der Unternehmenssicherheit auf dem Flughafen, räumte gleich ein, dass sein Unternehmen von so etwas „selbst keine Ahnung“ habe. Dafür aber habe man sich die Kompetenz von „Bureau Veritas“ gesichert. Für die beiden Tage der „Happy Landings“ wurden der 25. und 26. Juni 2011 definiert. Aus den 180.000 Anmeldungen für das 200.000 Quadratmeter große „Festgelände“ wurden jeweils 40.000 pro Tag ausgewählt.

Ein gewaltiges Organigramm sorgte für perfekte Übersicht, ein Konzept aus vorbeugender, abwehrender Sicherheit sowie Einsatz- und Gefahrenabwehrplanung für alle Eventualitäten war ausgearbeitet und allen Beteiligten bekannt. Die Eintrittskarten wurden verlost und mit klaren Zugangs-Slots versehen. Flucht- und Ausweichmöglichkeiten gab es in alle Richtungen, die offizielle Zufahrt erfolgte vom Flughafen-Hauptgebäude durch das Tor Z3, der „Abfluss“ der Gäste über Tor Z7. Jederzeit war bekannt, wie viele Personen sich auf dem Gelände befanden.

Eine Rettungsfläche für 9.300 Besucher stand bereit, dazu Bühnen, Verpflegungsstationen und die konstante Wetterbeobachtung. „Wir hätten bei vorausgesagtem Regen Zelte mit Blitzableitern aufstellen müssen“, berichtete Keil – zufrieden, dass das Wetter stabil blieb. Zudem wurde alles so genau protokolliert, dass sich die Verantwortlichen von nachfolgenden Großveranstaltungen daraus Rat holen können.

Georg Ubenauf

Bureau Veritas

Neue Blick-Achsen

Das Gefühl, im Rollstuhl zu sitzen und dann vor Barrieren zu stehen, konnten die Besucher im diesjährigen Symposium „Baurecht & Brandschutz“ vom Bureau Veritas, am eigenen Leib erproben. Für eine der Vortragspausen war in Halle 11 der Messe Frankfurt eigens ein Rollstuhl-Parcour aufgebaut. Aber auch sonst gab es im 15. Jahr dieser Symposiums-Reihe wieder eine Vielzahl aktueller und bedrängender Aspekte zu erfahren.

Foto: Tom Schulze/Leipziger Messe GmbH

Protekt 2017

Kritische Infrastrukturen sichern

Die Protekt in Leipzig, die am 21. und 22. Juni 2017 zum zweiten Mal stattfindet, widmet sich den Themen IT-Sicherheit und physischer Schutz bei Kritis-Sektoren. In Vorträgen werden sowohl Details beleuchtet, als auch übergreifende Themen ausführlich behandelt.

Foto: Vabeg

TÜV Süd Akademie

Planungskoordinator für Veranstaltungssicherheit

Koordinatoren sind ein wichtiger Bestandteil einer sicheren und erfolgreichen Veranstaltung. Dies machen einige Bundesländern bereits deutlich, indem sie in Leitfäden und Orientierungsrahmen Personen fordern, welche die an einer Sicherheitsplanung Beteiligten koordinieren.

Foto: Jörg Mattick

Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen

Empfehlungen im Vergleich

Wie ein Sicherheitskonzept aussehen muss, beschäftigt jeden Veranstalter, der während des Genehmigungsverfahrens von der Behörde aufgefordert wird, jenes zu erstellen. Eine Studienarbeit untersucht die Unterschiede, die zwischen dem Orientierungsrahmen aus NRW, der Handreichung an die Sicherheitsgewerke aus Bayern und dem Vabeg-Konzept bestehen.