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Der Sicherheitsmarkt erfährt mit seinen Gebäudeintelligenz-Systemen stetige technische Veränderungen, an denen Hersteller mitwirken sollten, statt sich ihnen zu verschließen, meint Gareth O‘Hara.

Verbrauchertrends in der Sicherheitstechnik

Entwicklungen mitgestalten

Die Vorhersage zukünftiger Technologien und Verbrauchertrends ist eine ungenaue Wissenschaft, mehr noch als die Prognose von Wahlergebnissen. Diese Schwierigkeit vergrößert sich durch die Tatsache, dass die besten Lösungen nicht immer überleben und in der Evolution der Technologie gedeihen.

Smartphones und tragbare Technologien – diese schlauen kleinen Dinger, die wir in unserer Tasche herumtragen, geben uns jetzt die Möglichkeit, die Arbeitsweise von Sicherheitssystemen zu verändern. Genauer gesagt, die Art, wie wir an verschiedenen Standorten rund um ein Gebäude identifiziert werden, damit gewisse Dinge passieren. Ob das dann nur eine Tür öffnet oder ob dies vielleicht etwas Ausgefalleneres sein wird?

Intelligente Geräte für die Übermittlung der Zugangsdaten eröffnen eine neue Welt an Möglichkeiten für die Lesertechnologie: Zum einen verfügen sie bereits über ein batteriebetriebenes Anmeldegerät und benötigen nicht unbedingt eine Stromversorgung am Lesegerät, was die normale Konfiguration auf den Kopf stellt. Daraus folgt die Möglichkeit von extrem kostengünstigen, einfachen zu installierenden Lesern, die in heute noch unvorstellbarer Weise genutzt werden können. Es gibt sehr viele Orte in einem Gebäude, wo es sinnvoll sein kann, Menschen zu identifizieren, aber die aktuell hohen Kosten der RFID-Lesegeräte (einschließlich Installation) bedeuten, dass sie nur dann verwendet werden, wenn dies absolut notwendig ist – wie zum Beispiel an Orten mit zutrittskontrollierten Türen.

Zum anderen hat die Bluetooth Smart-Technologie einen variablen Bereich und deshalb kann ein kleines batteriebetriebenes Lesegerät sowohl für unmittelbare Nähe (20 Zentimeter) konfiguriert werden oder als auch für einen weiten Bereich (zehn Meter), beispielsweise für eine Parkplatzeinfahrt. Eine weitere interessante Entwicklung bei Smartphones ist die Allgegenwart biometrischer Fingerabdruck-Scanner. Anstatt Kunden zu nötigen, für teure Fingerprint-Leser an der Außenseite jeder Tür zu bezahlen, können Sicherheitshersteller die Technologie nutzen, welche die Nutzer schon in der Tasche tragen.

Energieeffizienz

Die großen Energieschlucker in den meisten Gebäuden sind Heizung, Beleuchtung und Klimaanlage. Um ein Maximum an Effizienz zu gewährleisten, müssen wir diese Herausforderung auf zwei Arten angehen: Erstens müssen wir sicherstellen, dass nicht benötigte Geräte ausgeschaltet sind. Zweitens müssen wir energieeffiziente Geräte in unseren Gebäuden installieren. Durch Verwendung eines Gebäudeintelligenz-Systems kann die Beleuchtungsstärke, die Temperatur und vieles mehr basierend auf der Anwesenheit von Personen gesteuert werden. Anstatt sich auf plumpe Mechanismen wie PIR-Melder zu verlassen, könnte ein Gebäudeintelligenz-System seine Informationen direkt aus der Bewegung von Personen durch zutrittskontrollierte Türen bekommen. Dies bietet ein hohes Maß an Kontrolle und Flexibilität, ist einfach zu installieren und sehr kostengünstig.

Das Internet der Dinge

Das Internet der Dinge (Internet of Things - IoT) versteht sich letztlich als eine weite Anzahl elektronischer Geräte, die mit dem Internet kommunizieren. Dazu gehören Lampen, Türschlösser, Sicherheitskameras, Thermostate, Heizkörper... die Liste geht weiter – wenn sie in einem Gebäude installiert sind und Strom brauchen, dann sorgt wahrscheinlich irgend jemand irgendwo dafür, dass sie in naher Zukunft verbunden werden. Was ist hier der Zweck? Dies ist sicherlich die wichtigste Frage. Je mehr Geräte miteinander reden und Informationen austauschen, um so intelligenter können sie handeln. Wenn ein geeignetes Gebäudeintelligenzsystem verwendet wird, um all diese Daten sinnvoll zu interpretieren, dann wird das Gebäude der Zukunft weitaus sicherer, bequemer für die Menschen, die es nutzen und energieeffizient obendrein.

Es gibt heute verschiedene Apps, um Licht, Heizung oder Alarmanlagen zu steuern. Diese Apps steuern meist nur Einzelfunktionen, sind in einigen Fällen zwar interessant und nützlich, aber neigen dazu, nach ein paar Tagen ihre Attraktivität zu verlieren. Ich glaube, dass mit der steigenden Allgegenwart angeschlossener Geräte die Konsolidierung der Sicherheit und Gebäudeautomation im mittleren gewerblichen und im Wohnmarkt gefördert wird. Diese neue Welle von Gebäudeintelligenzsystemen wird erst das wahre Potenzial einer voll vernetzten Welt entfesseln, mit außergewöhnlichen Vorteilen für die Anwender.

Das Internet hat den Zugriff auf Wissen (und Pseudo-Wissen) unglaublich einfach gemacht; tatsächlich ist Youtube heute eines der beliebtesten Suchwerkzeuge für Unterrichtszwecke. Eines meiner Lieblingsbeispiele für Technologie bezieht sich auf das Fernsehen und zeigt ein größeres, ursprünglich unerwartetes Ausmaß der Vereinfachung: Der gemeine Videorecorder (VCR) war ein fantastisches und sehr erfolgreiches Produkt. Anstatt die Menschen zur gleichen Zeit mit ihrer Lieblingssendung zu binden, konnten sie ihren Besorgungen nachgehen, die Sendung aufzeichnen und sie später bequem anschauen. Dann kam Sky+ daher und machte den Videorecorder überflüssig. Keine Bänder mehr, keine komplexe Programmierung, nur im Programm suchen, was Sie schauen möchten und Aufnahme drücken. Sky+ und andere standen stellvertretend für einen Schritt in Richtung Vereinfachung für den Benutzer, deckten genau dasselbe Grundbedürfnis ab. Aber da wartete bereits eine andere Entwicklung gleich um die Ecke.

Internetbasierte On-Demand-Dienste wie Netflix stellen uns das Weltfernsehen zur Verfügung, wann immer wir wollen. Die gleiche Benutzeranforderung wird erfüllt, aber Fortschritte in der Technologie – ursprünglich für ganz andere Zwecke als die der Rundfunkindustrie entwickelt – haben eine viel bequemere und elegantere Lösung hervorgebracht. All dies führt dazu, dass es in Zeiten raschen technischen Wandels unzählige Möglichkeiten für radikale Verbesserung gibt, wie den Kernanforderungen der Gebäudesicherheit gerecht werden. Kundenerwartungen verändern sich sehr schnell und wenn die Hersteller nicht innovativ bleiben, werden wir Videorecorder in einer Welt des On-Demand-Streaming verkaufen.

Die Cloud

Es gibt gute Gründe für in der Cloud gehostete Systeme. Mit der Speicherung der Kundendaten im Internet werden diese gesichert und sind von überall erreichbar. Dies macht die Fernverwaltung einfacher und ist eine gute Architektur für Systeme mit vielen Standorten. In den USA wird Cloud-Hosting mit viel weniger Misstrauen als in Europa betrachtet. Doch ich glaube, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis Cloud-gehostete Systeme auch hier eine akzeptierte und allgemeine Architektur für Sicherheitssysteme sind.

Den Kunden werden die Alternativen „Cloud“ oder lokales Hosting abhängig von ihren Anforderungen angeboten werden. Als Hersteller ist Paxton in der glücklichen Lage, aktiv bei der Gestaltung der zukünftigen Trends der Sicherheitsbranche mitzuwirken. Durch das Verständnis neuer Technologien und ihrer intelligenten Anwendung auf zukünftige Produkte streben wir an, für unsere Kunden schrittweise Verbesserungen im Nutzen der Gebäudeintelligenz- Systeme zu bringen.

Gareth O‘Hara, Managing Director, Paxton GmbH