Johann Notbauer, Konzernbereichsleiter Marktinnovation und Technologie, Stefan Ehrlich-Adám, CEO der Evva-Gruppe und Michael Kiel, Konzernbereichsleiter Operations
Foto: Evva

Unternehmen

Evva feiert 100 Jahre Erfolg und schaut in die Zukunft

Unter dem Motto „Start-up seit 1919“ ließ Evva Mitte November in Wien seine 100-jährige Erfolgsgeschichte Revue passieren und richtete den Blick in die Zukunft.

Das zweitägige Medienevent mit zahlreichen, internationalen Journalisten aus insgesamt acht Ländern begann ganz im Zeichen des Innovationsgedankens von Evva mit einer Start-up Tour durch Wien. Am zweiten Tag erhielten die Medienvertreter während eines Pressegesprächs und einer Werksführung am Wienerberg Einblicke in den Standort und aktuelle Ausblicke auf die künftigen Herausforderungen und neuen Möglichkeiten – Stichwort Digitalisierung.

Stefan Ehrlich-Adám, CEO der Evva-Gruppe, Michael Kiel, Konzernbereichsleiter Operations, und Johann Notbauer, Konzernbereichsleiter Marktinnovation und Technologie, berichteten über die wichtigsten Meilensteine seit Gründung von Evva vor 100 Jahren, anstehende Neuigkeiten im Produkt- und Fertigungsbereich und gaben einen Ausblick auf die Zukunft der Sicherheitstechnologie.

Permanente Innovation seit der Gründung 1919

Der Anbieter hochwertiger Sicherheitssysteme verbindet seit 100 Jahren höchst erfolgreich Tradition mit Innovation und wurde damit zu einem der weltweit bedeutendsten Hersteller von mechanischen und elektronischen Schließsystemen. „Seit der Gründung als „Erfindungs-Versuchs-Verwertungs-Anstalt“ ist das Unternehmen geprägt durch mutiges und vorausschauendes Unternehmertum und das Streben nach Innovation“, skizzierte Stefan Ehrlich-Adám..

Meilensteine in der Mechanik und Elektronik

Ein Erfolgsbeispiel für die Innovationskraft Evvas – und zugleich wichtiger Meilenstein für die Expansion des Unternehmens – war die Erfindung und Patentierung der bis heute noch bedeutsamen mechanischen Systeme GPI und MCS vor mittlerweile vier Jahrzehnten. Doch die permanente Weiterentwicklung setzt sich auch in der Mechanik fort. „Aufgrund der Patentlaufzeit von maximal 20 Jahren sind wir gefordert, auch die mechanischen Systeme laufend weiter zu entwickeln und neue Ideen für Schließsysteme zu generieren“, erklärte Ehrlich-Adám.

Daneben zeigt die mittlerweile europaweite Marktbearbeitung mit der eigenen Elektronik-Sparte den Pioniergeist von Evva. Denn das Wiener Familienunternehmen galt in den 1970er Jahren weltweit als erstes Unternehmen der Branche, das Computerprogramme einsetzt, um komplexeste Zylinderschließanlagen ausrechnen und kontrollieren zu können.

Evvas Antwort auf die Herausforderungen der Branche: „Xesar“ und „AirKey“

Mittlerweile sind die Systeme „Xesar“ und „AirKey“ seit Jahren etablierte und bis heute einzigartige Lösungen für die Herausforderungen globaler Megatrends in der Sicherheitsbranche. „Wir waren beim Einzug der Elektronik vor ungefähr 25 Jahren mit eigenen Entwicklungsarbeiten früh dran. Wir hatten von Anfang an das wertvolle Know-how der Mechanik und streben bis heute konsequent danach, dieses möglichst gut mit Elektronik zu ergänzen. Denn die Kombination von mechanischen und elektronischen Zutrittssystemen ist die technisch sinnvolle Antwort auf spezifische Sicherheits- und Organisationsbedürfnisse“, führte Ehrlich-Adám aus.

Hausinterne Forschung und Entwicklung

Aufgrund des Anspruchs, langlebige Produkte in höchster Qualität selbst zu erfinden und weiterzuentwickeln, besitzt das Unternehmen eine eigene hausinterne Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die in den letzten Jahren beträchtlich gewachsen ist. „Das Engineering passiert damit bei uns und wir entscheiden über das Produktkonzept. Wir kennen den Markt, die Kunden und wissen, welche Lösungen sich die Betreiber erwarten“, erläuterte Ehrlich-Adám.

Expansion und Nachhaltigkeit im Fokus

Evva beschäftigt am Hauptsitz in Wien rund 460 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat in den letzten Jahren vor allem im Bereich der Elektronik und der Software rasch Personal aufgestockt, verbunden mit laufenden Investitionen in den Maschinenpark. Letztlich bedeutet für Evva der Wandel von der Mechanik hin zur Mechatronik auch einen verstärkten Bedarf an Technikern und Softwareingenieuren. „So werden wir zukünftig auch in einen Mitarbeiterpool investieren, der Installationen begleiten kann“, erklärte Ehrlich-Adám.

Neben der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen verfolgt das Wiener Familienunternehmen am Standort auch eine gezielte CSR-Strategie, konsequent umgesetzt unter anderem durch den Clean-Production-Ansatz, der Anteil dabei liegt bei 60 Prozent.

Weltweite Referenzen und Partnerunternehmen

Neben dem Headquarter in Wien sind die mittlerweile zehn Niederlassungen in Europa und das Netzwerk von bereits über 1.000 Elektronik- und weiteren Mechanik-Vertriebspartnern ein wichtiger Faktor für die weitere Expansion und den internationalen Erfolg von Evva.

Als interessante Zielmärkte gelten Südostasien, der Nahe Osten und Australien. Denn die Schließsysteme von Evva sind längst weltweit verbaut, wie zum Beispiel auf dem Kreuzfahrtschiff Queen Mary, in der Oper in Kopenhagen, im neuen Juventus-Stadion in Turin und auch im Stephansdom in Wien. „Das ausgeprägte Vertriebsnetzwerk ist eine unserer größten Stärken, zu unseren Kernkompetenzen gehören die Projektierung, Ausrechnung und Umsetzung von Großanlagen“, so Ehrlich-Adám.

Investitionen in Industrie 4.0 unterstreichen Exzellenzanspruch

Im zweiten Teil des Pressegesprächs skizzierte Michael Kiel, Leitung Operations, den Status und die Pläne von Evva im Bereich Industrie 4.0. „Evva versteht darunter nicht nur Digitalisierung, sondern vielfältige Möglichkeiten für die eigene Exzellenzentwicklung. Für unseren mit Industrie 4.0 verbundenen Exzellenzanspruch haben wir daher vier Entwicklungsschwerpunkte definiert: Erstens Digitalisierung, zweitens Automatisierung, drittens Standortentwicklung und viertens Kooperationen. Oberste Priorität hat dabei seit jeher und auch künftig, den Menschen über entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen und Projektbeteiligung mitzunehmen“, erläuterte Kiel.

Digitalisierung aller Prozesse und Abläufe

Ein Vorzeigetool für „gelebte Digitalisierung“ ist das von EVVA selbst gebaute Order Fulfillment-Tool, das bei der Auftragsbegleitung den Status quo der Aufträge widerspiegelt.

Beim Projekt „Next Generation Cross Link Production (XPro)“ verfolgt Evva gleich mehrere Ziele: Einerseits soll ein Modell für ein flexibles Fertigungssystem realisiert werden, dafür wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Wien eine Maschine digital aufgerüstet und zusätzlich mit kollaborativer Robotik versehen.

Andererseits wird mit der im Musterbau bereits angewendeten zeichnungslosen Fertigung mit „Computer Aided Manufacturing (CAM)“ auch Digitalisierung im Sinne von „papierlos“ forciert. Das mittelfristige Ziel besteht für Evva letztlich darin, die Produktion für Planung und Optimierung der Prozesse und Abläufe durch „Digital Twins“ vollständig digital abzubilden. Dafür soll im Zuge des Forschungsprojekts „AutProSim“ mit dem Fraunhofer Institut eine digitale Produktionsplanung mit Simulation und Optimierung ab 2020 umgesetzt werden.

Automatisierung soll Wettbewerbsfähigkeit erhöhen

„Evva investiert bis 2023 in die Gestaltung der Exzellenzentwicklung ein Volumen von rund 20 Mio. Euro, davon werden zwei Drittel für hochklassige Automatisierungslösungen aufgewendet“, erläuterte Kiel. Forciert werden dabei insbesondere die neuen Technologien 3D-Druck für Kunststoffteile für den Maschinenbau und Bildverarbeitung für ein in der Automatisierungsstraße integriertes Prüfungsszenario. Aber auch kollaborierende Roboter (Cobot) werden zur Unterstützung der Mitarbeiter bei einfachen monotonen Aufgaben, zum Beispiel beim Sortieren immer häufiger eingesetzt. „Mit dieser Automatisierung können am Standort Wienerberg wirtschaftlich sinnvolle Tätigkeiten und folglich Aufträge gegen Billiglohnländer abgearbeitet werden. Cobot ermöglichen also neben Fehlerreduktion und einer Anhebung des Qualifikationsniveaus auch die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit von Evva“, erläuterte Konzernbereichsleiter Michael Kiel.

Standortentwicklung

Warum Industrie 4.0 bei Evva mit Internationalisierung zusammenhängt, erläuterte Kiel in Bezug auf das Thema Standortentwicklung. „Im Zuge unserer Strategie der Powerplants mit Satelliten werden künftig die drei Standorte Wien, Tišnov und Krefeld zum Powerplant und damit zu Produktionseinheiten für Teilefertigung und die automatisierte Montage. Die Satelliten wiederum bestehen künftig aus acht europaweiten Vertriebs-Standorten für manuelle Montage kleinerer Losgrößen.“ Evva plant, bis circa 2023 sämtliche Powerplants und Satelliten im Sinne einer einheitlichen Prozesskette durchdefiniert zu haben.

Kooperationen

Zuletzt skizzierte Kiel die verschiedenen Kooperationen mit Forschungscharakter als den vierten Entwicklungsschwerpunkt auf dem Weg zur Exzellenz. So werden mit der TU Wien Machbarkeitsstudien zu den Einsatzmöglichkeiten von Cobot oder auch Machineto-Machine Kommunikationslösungen in der Produktion erarbeitet. Mit dem Fraunhofer Institut forscht Evva an Lösungen für eine automatische Produktionsplanung & Optimierung, basierend auf Live-Daten aus der Produktion.

Die Universität Wien wiederum unterstützt EVVA bei der Entwicklung und Erweiterung der Produktionsplattform centurio.work. Zudem ist Evva Mitgesellschafter beim Austrian Center for Digital Production (CDP), wo unter anderem das Forschungsziel einer durchgehenden Digitalisierung von der Bestellung über die Produktion bis zur Auslieferung verfolgt wird. „Für Evva besteht der Anspruch von Exzellenzentwicklung jedoch nicht nur in kontinuierlicher Weiterentwicklung, sondern auch in einer regelmäßigen Standortbestimmung. So wird sich Evva im nächsten Jahr dem Industriebenchmark „Fabrik 2020 – die beste Produktion Österreichs“ stellen“, führte Kiel abschließend aus.

Zukunftsthema Künstliche Intelligenz

Abschließend berichtete Johann Notbauer, Konzernbereichsleiter Marktinnovation und Technologie, über Trends und Entwicklungen, auch auf Basis kürzlich gewonnener Eindrücke im Silicon Valley bei den Unternehmen ARM und Microsoft. Die möglichen Szenarien basieren seiner Einschätzung nach auf zwei Zukunfts-Technologien, nämlich der Künstlichen Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen, verbunden mit Connectivity.

Beide Themen werden auch mit für die Sicherheitstechnologie-Branche disruptiven Veränderungen verbunden sein.

Mehrwert und Kundennutzen von Machine-Learning

Beim Innovationstreiber Machine-Learning besteht laut Notbauer die Disruption darin, dass künftig die Geräte selbst „intelligent“ sind – und damit künftig die Verarbeitung und Auswertung der laufend ermittelten Daten in die Geräte selber wandert. „So könnten beispielsweise künftig bei einer Xesar-Anlage alle „intelligenten“ EndKomponenten laufend den eigenen Spannungsverlauf messen und diese Daten wiederum zentral über ein „neuronales“ Netz ausgewertet werden.

Der dabei ermittelte Algorithmus erkennt, wann bei welcher End-Komponente ein Batterie-Ausfall eintreten wird. Dies wiederum optimiert die Nachhaltigkeit und die Wartungskosten der Anlage und bietet dem Vertrieb wertvolle Informationen für eine erforderliche Modernisierung des Gesamtsystems. Der Mehrwert und Nutzen für den Kunden besteht in „Predictive Maintenance“, also einem störungsfreien Betrieb, verbunden mit einer kostenoptimierten vorausschauenden Wartung“, erläuterte Notbauer ein Anwendungsbeispiel bei Evva.

Connectivity und „Access as a Service”

Der zweite große Innovationstreiber ist das Thema Connectivity, als Folge der vielen neuen Möglichkeiten, die der Game-Changer 5G eröffnet. „5G bietet uns die Möglichkeit, unsere elektronischen Türkomponenten direkt mit der Cloud zu verbinden. Sie benötigen dann keine eigene Gebäudefunkvernetzung mehr. Ein funkvernetztes Zutrittssystem ist dann schnell aufgesetzt und auch schnell geändert, wenn sich Gebäude oder Zutrittsstrukturen ändern“, erklärte Notbauer. „Access as a Service“ nennen wir diesen Trend.

Doch trotz Machine-Learning und 5G: Evva wird neben dem Nutzen der neuen Technologien auch weiterhin die Innovationen der mechanischen Systeme vorantreiben, denn am Ende der Kette steht letztlich immer noch ein mechanisches Element.