Foto: Aktion Plagiarius e.V.

Aktion Plagiarius

Fälschungen ins öffentliche Licht gerückt

Das Geschäft mit Plagiaten und Fälschungen boomt. Globalisierung, Internet und leichtgläubige Schnäppchenjäger ermöglichen den Fälschern milliardenschwere Gewinne. Die Schäden seitens der Originalhersteller sind enorm, die Gefahren für Verbraucher ebenfalls.

Der Negativpreis „Plagiarius“ wurde auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente zum 37. Mal verliehen. Bereits seit 1977 vergibt die Aktion Plagiarius e.V. die gefürchtete Negativ-Auszeichnung an Hersteller und Händler besonders dreister Nachahmungen. Ziel des Vereins ist es, die skrupellosen Geschäftspraktiken von Plagiatoren ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase - als Symbol für die exorbitanten Gewinne, die die Produktpiraten sprichwörtlich auf Kosten innovativer Unternehmen erwirtschaften.

Der Verein stellte während der Verleihung klar, dass die Auszeichnung mit dem „Plagiarius“ nichts darüber aussagt, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht. „Die Aktion Plagiarius kann und darf kein Recht sprechen. Wir können aber auf Unrecht und die Probleme der betroffenen Unternehmen aufmerksam machen“, so Prof. Rido Busse, Initiator des Plagiarius.

Zum Schnäppchenpreis

Der konsumhungrige Kunde von heute will am liebsten alles in einem haben: Sichere Produkte mit vielfältigen Funktionen, optisch ansprechendem Design, fair und nachhaltig hergestellt, mit renommiertem Markenlogo als Statussymbol – und das Ganze möglichst zum Schnäppchenpreis. Kreativität, Qualität und Sicherheit haben aber ihren Preis. Denn von der ersten Idee bis zum marktreifen Endprodukt ist es oftmals ein langwieriger und kostenintensiver Prozess – nicht für die Nachahmer, aber für die innovativen Originalhersteller. Letztere stecken viel Geld, Know-how und Erfahrung in die Entwicklung neuer Produkte. Sie gehen in Vorleistung und sind auf einen entsprechenden Markterfolg angewiesen, damit sie auch zukünftig in Neuentwicklungen investieren und Fortschritt und Arbeitsplätze sichern können. Unternehmerisches Risiko und Mut müssen sich lohnen.

Die Verbraucher sollten sich bewusst machen, wer neue Ideen umsetzt und für genau die Vielfalt sorgt, die sie einfordern. Die Nachahmer sind es nicht. Kreative Leistungen – ob im Design oder in der Technik - verdienen eine faire Entlohnung und brauchen wieder eine stärkere Wertschätzung durch die Gesellschaft.

Mehr gefälschte Waren

2011 haben die europäischen Zollbehörden an den EU-Außengrenzen mehr als 115 Millionen rechtsverletzende Artikel im Wert von 1,3 Milliarden Euro beschlagnahmt und erfolgreich aus dem Verkehr gezogen. Das entspricht einer Zunahme von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Knapp drei Viertel (73 Prozent) der festgehaltenen Waren kamen auch 2011 aus China; insgesamt wird ein Großteil der Fälschungen nach wie vor in Südostasien, Lateinamerika, Osteuropa und der Türkei hergestellt. Die Industrieländer selbst sind aber häufig die Auftraggeber oder Importeure solcher Nachahmungen.

Immer häufiger gelangen gefälschte Waren dabei heutzutage auf dem Postweg in die EU. Grund sind die steigenden Online-Käufe, auch von Medikamenten. Verbraucher verkennen, dass die Fälscher längst einen Großteil ihrer kriminellen Machenschaften ins Internet verlagert haben.

Laut Europäischer Kommission gehen die oftmals international agierenden Netzwerke immer professioneller vor, um sich den Kontrollen des Zolls zu entziehen. Sogenannte Freizonen, wie in Dubai, entwickeln sich zunehmend zu blühenden Umschlagplätzen von rechtsverletzenden Waren. Die Fälschungen werden dort umgeladen und neu etikettiert, um den wahren Ursprung der Ware zu verschleiern und vom Verdacht des Plagiats abzulenken.

Schmutziges Geschäft

Produkt- und Markenpiraterie ist ein höchst lukratives Geschäftsmodell, das seine Abgründe in Form von minderwertigen Materialien, giftigen Inhaltsstoffen, fehlenden Qualitäts- und Sicherheitskontrollen sowie menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen offenbart. Interpol bestätigt darüber hinaus die Beteiligung von mafiösen Organisationen, die den Handel mit Fälschungen zur Geldwäsche und Finanzierung anderer Aktivitäten nutzen.

Billige Kopien passieren nicht „aus Versehen“. Die Fälscher handeln vorsätzlich, skrupellos und rein aus Profitgier. Sie kopieren das fertige, am Markt erfolgreich etablierte Endprodukt und minimieren ihr eigenes unternehmerisches Risiko. Genau wie ihre unternehmerische Verantwortung. Billigend nehmen Sie Gesundheitsrisiken bei Fabrikarbeitern und Verbrauchern in Kauf.

Mitverantwortung des Handels

Ein umfangreiches Produktsortiment rechtfertigt nicht die Vernachlässigung der Prüfpflichten beim Einkauf. Händler, die von einem vielfältigen, häufig wechselnden Warenangebot profitieren, können die damit einhergehenden Pflichten nicht mit der Entschuldigung von sich weisen, dass die Anzahl der Waren unüberschaubar groß sei. Grundsätzlich müssen alle im Handel erhältlichen Produkte technisch einwandfrei und sicher sein. Darüber hinaus dürfen sie keine Rechte Dritter in Bezug auf Marke, Design oder Technik verletzen. Wenn der Handel sein gutes Image und das Vertrauen seiner Kunden nicht aufs Spiel setzen möchte, sollte er im ureigensten Interesse seinen Qualitätsansprüchen gerecht werden und Produktsortiment und Lieferketten sorgfältig prüfen.

Eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young belegt, dass 65 Prozent der Verbraucher bereits Plagiate und Fälschungen gekauft haben, 30 Prozent sogar bewusst; junge Konsumenten haben besonders wenig Bedenken. Unternehmen müssen sich also die Frage stellen, warum Konsumenten oft und ohne Unrechtsbewusstsein zu Nachahmungen greifen. Und sie müssen ihre Preispolitik oder Kommunikationsstrategie überdenken und anpassen. Denn angesichts der Tatsache, dass nicht nur Fälschungen, sondern zunehmend auch (Teile der) Originalprodukte in Niedriglohnländern hergestellt werden, sind Kunden irritiert über die großen Preisunterschiede. Original und Fälschung sind auf den ersten Blick täuschend ähnlich. Die Herausforderung für Hersteller besteht folglich darin, Qualitätsunterschiede und den Mehrwert des Originals erkennbar zu machen und klarer zu kommunizieren.

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Plagiarius 2012

Innovation gegen Imitation

Produkt- und Markenpiraterie nimmt zu, die Schäden für alle Beteiligten sind immens. Trotzdem werden Plagiate und Fälschungen häufig als Kavaliersdelikt abgetan. Dabei handelt es sich um ein lukratives Milliardengeschäft für die Fälscher und eine ernsthafte Bedrohung für Unternehmen sowie Verbraucher.

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Produktpiraterie

Kein Kavaliersdelikt

Aktuell ruft die Aktion Plagiarius e.V. (Einsendeschluss ist der 30. November 2018) Unternehmen zum nunmehr 43. Mal dazu auf, Fälle von Plagiaten oder Fälschungen für den Negativpreis „Plagiarius 2019!“ einzureichen. Welche Trends dabei zu verzeichnen sind und ob die entsprechenden Schutzmaßnahmen ausreichen, erfuhr PROTECTOR & WIK von Christine Lacroix, Pressesprecherin der Aktion Plagiarius.

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Plagiarius 2014

Negativpreis für skrupellose Fälschungen

Bereits zum 38. Mal schreibt die Aktion Plagiarius e.V. den Plagiarius-Wettbewerb aus. Unternehmen, Designer und Erfinder sind aufgefordert, ihre Originalprodukte sowie vermeintliche Nachahmungen einzureichen und den Plagiator als Preisträger des Negativpreises vorzuschlagen.

Original (l.) und Fälschung: Der „Plagiarius“ ging 2020 an ein Küchen-Schneidgerät, das die Fälschung einer bekannten Marke war.
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Veranstaltungen

Plagiarius 2021: Plagiate und Fälschungen einreichen

Aufgrund der Messeverschiebungen haben Unternehmer, Designer und Erfinder bis zum 15. Dezember Zeit, Plagiate und Fälschungen einzureichen.