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Videoüberwachung im Kaufhaus

Fernzugriff auf Bilddetails

Dank Videoüberwachung sind die Diebstähle im Einzelhandel signifikant zurückgegangen. Das ergab eine Studie, die das Kölner EHI Retail Institute (EHI) in Zusammenarbeit mit Axis Communications dieses Jahr veröffentlichte.

Analoge Kameramodelle werden dabei zusehends von digitalen Netzwerkkameras abgelöst. Bei den Einzelhändlern punktet die innovative Technik vor allem durch hohe Bildqualität, Fernzugriff per IP-Verbindung sowie einfache Installation. Inzwischen ist sie außerdem so günstig, dass auch kleine Ladengeschäfte von ihr profitieren. Doch die IP-Kameras können noch mehr: Ausgeklügelte Technologien wie das Heat-Mapping tragen dazu bei, dass sich der Warenumsatz in Unternehmen wie dem Bremer Kaufhaus Lestra deutlich erhöht hat.

Drei Uhr nachts, beim Geschäftsführer des Kaufhauses Lestra meldet das Mobiltelefon Alarm. Ein Blick aufs Handy genügt, und Cornelius Strangemann weiß in Sekunden, was in seinem Geschäft los ist. Per Fernüberwachung werden ihm Videobilder des betroffenen Gebäudeteils übermittelt, die detailgenau zeigen, ob tatsächlich jemand ins Kaufhaus eingedrungen ist, oder ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Strangemann kann darauf umgehend reagieren. Insgesamt 100 Netzwerk-Videokameras sorgen derzeit für Sicherheit im Bremer Kaufhaus.

Zum Repertoire der IP-Kameras gehören nicht nur Bewegungserkennung, Alarmfunktion und Fernzugriff. Per Heat-Mapping kann Lestra auch genau ermitteln, wie viele Kunden sich tagsüber an welchen Stellen wie häufig aufhalten. Mit anderen Worten: die Videoüberwachung dient zwar primär der Kunden- und Mitarbeitersicherheit und verhindert Diebstähle, zugleich ist sie aber auch eine wichtige Hilfe, um das Warenangebot effizienter zu präsentieren.

Trend zur Digitalisierung

In großen Märkten ist Videoüberwachung schon seit Jahren gang und gäbe. In letzter Zeit entdecken aber auch immer mehr kleine Unternehmer diese Möglichkeit für sich. Der Hintergrund: 2011 und 2012 verzeichnete der deutsche Einzelhandel jeweils 3,8 Milliarden Euro Schäden aufgrund von Diebstählen. Dies geht aus einer Studie zum Thema Ladendiebstahl des Kölner EHI Retail Institutes hervor. Um sich zu schützen, investiert der Einzelhandel nicht nur in Warensicherung und zielgerichtete Schulungen seiner Mitarbeiter, vier Fünftel der befragten Unternehmen setzen darüber hinaus auch auf Videokameras.

Auf insgesamt 1,2 Milliarden Euro jährlich belaufen sich die Investitionen der Branche in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen. Verständlich, dass der Anwender für sein Geld auch Qualität erwartet. Ein wichtiger Trend ist dabei die Entwicklung von analoger hin zur digitalen Überwachungstechnologie mit IP-/Netzwerkkameras. Und da diese preislich immer attraktiver wird, profitieren davon zusehends auch kleine und mittlere Ladengeschäfte.

Fernzugriff leicht installiert

Vor kurzem führte das EHI Retail Institute im Auftrag von Axis Communications eine dezidierte Umfrage zum Thema Videoüberwachung im Einzelhandel durch. Die Ergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte aller befragten Einzelhandelsunternehmen sich bereits in der Übergangsphase von analog zu digital befinden, etwa ein Viertel setzt inzwischen sogar ausschließlich IP-Videokameras ein. Diese Tendenz bestätigt auch das Marktforschungsinstitut IHS Research: 2013 soll der Umsatz an Netzwerkkameras mehr als die Hälfte des weltweiten Umsatzes an Überwachungskameras ausmachen.

Gerade im Einzelhandel ist die Motivation für den Umstieg auf digitale Technik hoch, die Gründe dafür liegen auf der Hand: Neben der IP-Verbindung, die den Fernzugriff auf die Videobilder gleich für mehrere Nutzer ermöglicht, sprechen vor allem die hohe Bildqualität, die anwenderfreundliche Montage und die geringe Wartung für die digitale Variante. In HDTV- oder Megapixel-Qualität lassen sich Bilddetails deutlich besser erkennen als mit analoger Bildtechnik. Und das erhöht selbstredend auch den forensischen Nutzen. Die Diebstahlrate sinkt, denn Personen oder Nummernschilder können sehr viel leichter identifiziert werden. Zu diesem Ergebnis kommt auch die EHI-Befragung: Über die Hälfte der Teilnehmer gab einen deutlichen Rückgang von Diebstählen dank Videoüberwachung an. Teilweise beliefen sich diese dabei auf über 50 Prozent, der Durchschnitt profitierte von elf bis 20 Prozent weniger Vorfällen.

Die Akzeptanz wächst

Aus der EHI-Umfrage geht zudem hervor, dass sich die Einstellung zur Videoüberwachung positiv verändert hat. Bereits 63,2 Prozent der Einzelhändler begrüßen den Einsatz der Kameras, 94,8 Prozent der Kunden betrachten die Technik entweder neutral oder sogar positiv.

So wächst im Bremer Kaufhaus Lestra seit dem Umstieg von analoger zu digitaler Technik die Akzeptanz auch bei der Belegschaft. Die Forderung nach Videoüberwachung im Kassenbereich kam dabei mitunter von den Mitarbeitern selbst, um diese vor etwaigen falschen Verdächtigungen bei Unregelmäßigkeiten im Kassenbereich zu schützen und um Vorfälle umfassend aufzuklären.

Generell hatte das Unternehmen klare Anforderungen an eine Videoüberwachung. „Die Kameras müssen eine hohe Auflösung haben. Die Videobilder sollten uns zudem erlauben, Vorfälle in der Vergangenheit, etwa Differenzen in den Regalen, zu überprüfen“, erklärt Geschäftsführer Strangemann. „Unser drittes Kriterium war der Fernzugriff, um im Alarmfall schneller sehen zu können, was im Geschäft vor sich geht.“ Wichtig war auch die Kombination unterschiedlicher Kameramodelle.

Umsatzsteigerung

Damit die Kaufhausmitarbeiter die Überwachung einsehen können, richtete Lestra spezielle Anzeigestationen ein. So lässt sich auf dem Monitor erkennen, wie lang die Schlangen an den Kassen gerade sind. Aber auch bei Trickbetrug liefert das System wichtige Erkenntnisse. Darüber hinaus bietet die Überwachung mit Netzwerk-Videokameras dem Einzelhandel einen weiteren, sichtbaren Mehrwert. Die Kamera-Software generiert nämlich die bereits erwähnten Heat-Maps, die die Kundendichte und Kundenwege per Farbmarkierung veranschaulichen. Mit Erfolg: durch die veränderte Produktpräsentation ist der Umsatz mit Schreibwaren bereits merklich angestiegen.

Zusatzfunktionen wie Heat-Mapping oder Personenzählung nutzen laut der EHI-Studie fünf Prozent der befragten Einzelhändler bereits für sich. Ein Beispiel, dem über kurz oder lang sicherlich auch viele kleine Ladengeschäfte folgen werden. Insgesamt 100 Geräte des Herstellers Axis wurden im Bremer Kaufhaus Lestra auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern verteilt. In den Gängen oder im Lager, wo ein relativ grober Überblick ausreichte, kamen Modelle mit niedrigerer Auflösung zum Einsatz. Im Kassenbereich, wo es um jedes Detail ging, und auf weiten Flächen wie den Parkplätzen setzte Lestra Kameras mit fünf Megapixeln Auflösung ein.

Ralph Siegfried, Business Development Manager Retail Middle Europe bei Axis Communications