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Foto: MEV-Verlag, Germany
Das Forschungsinstitut für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (Forsi) ist nach Jahren wieder nach Hamburg zurückgekehrt.

Interviews

„Forsi“: Forschungsinstitut für Unternehmenssicherheit 

Das Forschungsinstitut für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (Forsi) in Hamburg steht für Wissenschaft mit Praxisbezug.

Über die Neuausrichtung des Forschungsinstituts für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft (Forsi) gibt Professor Dr. Sven Eisenmenger von der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg dem PROTECTOR Auskunft.

PROTECTOR: Was vor über 20 Jahren als „Forschungsstelle Sicherheitsgewerbe“ in Hamburg gegründet worden ist, ist nach einem „Zwischenstopp“ in Berlin und Frankfurt/Oder jetzt wieder in der Hansestadt zu Hause. Für welche Inhalte steht das „neue“ Forsi?

Prof. Dr. Sven Eisenmenger: Forsi steht für „Forschungsinstitut für Unternehmenssicherheit und Sicherheitswirtschaft“, und das Institut ist nun seit 1. Januar 2021 eingebettet in die Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg. Damit sind praktisch die Leitplanken und die Leitideen des Forsi beschrieben: Aufgabe des Forschungsinstituts ist die rechtswissenschaftliche, praxisorientierte Erforschung der Unternehmenssicherheit und der Sicherheitswirtschaft. Mir liegt dabei vor allem die Erforschung der Kooperation zwischen Polizei und Sicherheitsdienstleistern am Herzen, denn das Thema Sicherheit ist und bleibt Aufgabe für Staat und privat. Daran erinnern uns auch die jüngsten Herausforderungen für unsere Gesellschaft, wie die Coronapandemie.

„Forsi“ zurück in Hamburg

Wie kam die Idee zustande, Forsi wieder nach Hamburg zu holen?

Es waren mehrere glückliche Umstände, die zusammenkamen. Das damalige Forsi unter der Leitung des Forsi-Gründers, Prof. Dr. Dr. h.c. Rolf Stober, hat in Hamburg von Beginn im Jahr 1999 an eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei Hamburg gepflegt. Darüber hinaus haben wir auch in den letzten Jahren als Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg mit dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) zusammengearbeitet und Tagungen zu gemeinsamen Themen der Polizei und des Sicherheitsgewerbes durchgeführt. So hat die Forschungsstelle Europäisches und Deutsches Sicherheitsrecht (FEDS) unserer Hochschule zusammen mit dem BDSW bereits im Jahr 2018 den 1. Hamburger Sicherheitsrechtstag zu dem Thema „Stärkung der Inneren Sicherheit durch Neuregelung des Sicherheitsgewerberechts“ erfolgreich veranstaltet. Auch der 2. Hamburger Sicherheitsrechtstag 2019 zur „Nachwuchsgewinnung im Sicherheitssektor – Strategische Perspektiven für Polizei und Sicherheitsgewerbe“ griff ein weiteres aktuelles Thema auf. 2020 konnten wir unsere Tagung zu „Großveranstaltungen“ pandemiebedingt zwar nicht durchführen, wir geben aber einen Tagungsband mit den Beiträgen heraus.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Gründer, Prof. Stober, bemüht, Forsi wieder nach Hamburg zu holen und wir – von der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg – sowie der BDSW als Drittmittelgeber haben den Ball sehr gerne aufgenommen und das Forsi hier unter dem neuen Dach neu eingerichtet und fortentwickelt.

Warum wird das Institut nun an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg angesiedelt?

Zum einen war es die damalige und gegenwärtige gute Zusammenarbeit zwischen Forsi und der Polizei Hamburg beziehungsweise zwischen der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg und dem BDSW, die für eine Ansiedelung sprach. Zum anderen bilden wir an der Hochschule so jetzt auch forschungsmäßig die gesamte Sicherheitsarchitektur in Deutschland – Polizei und Sicherheitswirtschaft beziehungsweise Staat und privat – vollständig ab. Das ist ein großer systematischer Vorteil, eine forschungsmäßige „Win-Win-Situation“.

Deutlicher Praxisbezug

Ergibt sich durch die Verbindung zur Polizei für die Sicherheitswirtschaft ein deutlicherer Praxisbezug?

Wir forschen an der Hochschule der Akademie der Polizei praxisorientiert und pflegen ohnehin guten Austausch mit der Praxis, um wissenschaftsseitig Lösungen für Praxisprobleme zu entwickeln. Diese Philosophie – der Austausch mit Praktikern und die wissenschaftliche Erarbeitung von Gestaltungsoptionen – führen wir natürlich auch bei Forsi weiter. Und natürlich kann es so auch gut zu weiteren Vernetzungen zwischen Polizei und Sicherheitsbranche kommen.

Welche Forschungsschwerpunkte werden Sie künftig setzen? Welche Themen halten Sie im Zusammenspiel von Staat und privater Wirtschaft für besonders dringlich?

Im Fokus steht die Unternehmenssicherheit, die Sicherheitswirtschaft und – mit Akzent – die Kooperation zwischen Polizei und Sicherheitsgewerbe als Antwort auf die Sicherheitsherausforderungen der Zukunft. Eines unserer ersten geplanten und großen Publikations-Projekte spiegelt dies wohl recht gut wider: die Neuauflage des Management-Handbuchs „Sicherheitswirtschaft, Unternehmenssicherheit, Öffentlich-Private Sicherheitskooperation“. 

Die weiteren, konkreten Forschungsthemen reichen außerdem von der Erforschung einer effektiven Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sicherheitsunternehmen im Rahmen neuer Instrumente der Digitalisierung bis hin zu einem „Neuen Sicherheitsdienstleistungsgesetz“, einem Grundlagenthema. Fragen nach der Neuordnung des Katastrophenrechts, die Frage nach der Systemrelevanz des Sicherheitsgewerbes in Epidemien bis hin zu Rechtsproblemen mit dem Bewacherregister kommen hinzu. Und dann ergeben sich natürlich noch aktuelle Fragen, die wir noch nicht vorhersehen können.

Sicherheitsdienstleistungsgesetz bietet Chancen

Das neue Sicherheitsdienstleistergesetz und das Bewacherregister liegen der Sicherheitswirtschaft ja besonders am Herzen …

… und deshalb stehen beide Themen bei uns im Fokus. Ein neues Sicherheitsdienstleistungsgesetz bietet die Chance, Dinge neu zu denken und das Thema „Bewachungsgewerbe“ übergreifender – also nicht nur gewerberechtlich – zu konzipieren, und zwar als Gesetz für die Sicherheitswirtschaft und die Unternehmenssicherheit. Bei allen Ideen einer Neuregulierung ist natürlich zugleich der verfassungsrechtliche Verhältnismäßigkeitsgrundsatz zu beachten, der fordert, Regelungen auf das Notwendige zu beschränken. Beides lässt sich aber auch vereinbaren – daran forschen wir. Bei dem Bewacherregister gibt es operative Probleme, aber auch rechtlichen Reformbedarf, den wir juristisch aufgreifen werden.

Wird es künftig auch wieder Publikationen und vielleicht sogar Doktorarbeiten im Rahmen von Forsi geben? Wie sieht es mit Veranstaltungen aus?

Publikationen sind in der Forschung essentiell – natürlich! Wir sind gerade in Gesprächen wegen einer eigenen Forsi-Schriftenreihe und publizieren bereits in vielen Fachzeitungen und Büchern, die wir auf unserer Internetseite unter „Publikationen“ aufführen. An dem Thema „Doktorarbeiten“ sind wir dran – zwar hat unsere Hochschule noch kein eigenes Promotionsrecht, aber es kommen Kooperationen in Betracht.

Veranstaltungen werden wir natürlich durchführen, um den Diskurs zwischen Wissenschaft und Praxis zu befördern. Eine Veranstaltung planen wir für das Frühjahr 2021 und eine große Forsi-Sicherheitstagung für Herbst 2021, entweder digital, hybrid oder – am liebsten – in Präsenz! Die Infos stellen wir dann auch auf unserer Homepage unter „Aktuelles“ rechtzeitig zur Verfügung. 

Wir freuen uns über jede und jeden, der an unseren Veranstaltungen teilnehmen kann und Expertise durch Referate oder Diskussionsbeiträge im Kreise von Wissenschaftlern und Praktikern einbringt. So können wir innovative Lösungen entwickeln, die von Wissenschaft und Praxis durchdacht sind. Das ist für mich gelebte Forschung und so offen will ich das Forsi in der Zukunft gestalten!

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Foto: Forsi
"Das Thema Sicherheit ist und bleibt Aufgabe für Staat und Privat", erklärt Prof. Dr. Sven Eisenmenger, Leiter Forsi.
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Foto: Mediaserver Hamburg/Timo Sommer/Lee Maas

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