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Fünf Indizien für Betriebsspionage

Mitarbeiter wechseln zur Konkurrenz, Stammkunden ziehen Aufträge zurück, Firmeninterna landen in der Öffentlichkeit – Zufall oder Datendiebstahl? Das fragen sich viele Unternehmer in diesen Fällen. Gerade mittelständische Firmen sollten genau aufpassen, ob sich nicht ein Datenleck hinter diesen Vorfällen verbirgt.

Verwanzte Telefone, Hackerangriffe, versteckte Kameras – mit immer ausgefeilteren Methoden verschaffen sich Wirtschaftsspione Zugriff auf das Know-how deutscher Unternehmen. Schätzungen zufolge richten die Datendiebe einen Schaden von 50 Milliarden Euro im Jahr an.

Gerade mittelständische Firmen sind wegen ihres hohen Innovationspotenzials ein begehrtes Ziel für Späher im In- und Ausland. Die Folgen sind mitunter verheerend: Gerade kleine Firmen kann diese Form der Wirtschaftskriminalität leicht in den Ruin treiben. Wer sich davor schützen wolle, solle schon beim ersten Anzeichen Gegenmaßnahmen ergreifen, rät Gernot Zehner, Experte für Datensicherheit und Lauschabwehr bei Ultima Ratio. In vielen Fällen gebe es nämlich schon frühzeitig Hinweise, die auf die Machenschaften von Spionen hindeuteten.

Fehlendes Bewusstsein

In vielen mittelständischen Firmen fehlt trotz alarmierender Fakten ein waches Bewusstsein für die Risiken von Industriespionage. Wer sich aber in relativer Sicherheit wähnt, wird zu einem leichten Ziel: Durch unzureichend geschützte IT-Netze und lückenhafte Sicherheitskonzepte werden Kriminellen Tür und Tor geöffnet.

Dabei belegen Studien, dass fast die Hälfte aller deutschen Firmen durch Datendiebstahl bedroht ist. Ein weiteres Problem ist, dass das „Frühwarnsystem“ bei Betroffenen nicht schnell genug anspringt. Viele Unternehmer tun sich schwer, die ersten Symptome einer Industriespionage zu erkennen. Aus Furcht, paranoid zu wirken, ignorieren sie daher viele Warnsignale. Und verpassen so die Chance, den Spähern frühzeitig das Handwerk zu legen. Dabei gibt es fünf wichtige Anhaltspunkte, die Unternehmer unbedingt stutzig machen sollten:

  • Betriebsinterna gelangen in die Öffentlichkeit

    Nicht jeder Spion geht sorgfältig mit seinen erbeuteten Informationen um: Betriebsinterna, die plötzlich in der Branche kursieren, Details zu neuen Entwicklungen oder Strategien, die auf unerklärliche Weise in Umlauf geraten sind – solche seltsamen Vorkommnisse sollten unbedingt aufgeklärt werden. Wer von Dritten – Mitbewerbern, Geschäftsfreunden oder aus den Medien – auf einmal interne Details über seine eigene Firma erfahre, könne definitiv davon ausgehen, dass es irgendwo ein Datenleck gibt, so Zehner.

    Wichtig ist nun zu ermitteln, ob das eigene Personal sorglos über den Alltag im Betrieb geplaudert hat, oder ob womöglich organisierte Späher am Werk sind, die das Unternehmen aushorchen. In beiden Fällen muss die Firma den Informationsabfluss dringend stoppen: Wer sichergestellt hat, dass er seinen Mitarbeitern voll vertrauen kann, ist vermutlich Opfer von Wirtschaftsspionen geworden.

  • Ein Einbruch, bei dem nichts gestohlen wird

    Einbrecher sind nachts in das Unternehmen eingestiegen. Stellt sich dann heraus, dass die Täter nichts Wertvolles gestohlen haben, atmen Betroffene in der Regel auf. Zu Unrecht, warnt der Lauchabwehr-Experte. Falls die Einbrecher kein Interesse an Computern oder Flachbildschirmen hatten, sollte sich das Opfer fragen, worin stattdessen ihre Motivation bestand. Gut möglich, dass sie Wanzen oder Kameras im Betrieb installiert haben.

    Auch, falls zum Beispiel nur das Geld aus der Kaffeekasse verschwunden ist, empfiehlt sich Wachsamkeit: Der Diebstahl von Kleinigkeiten kann, ebenso wie Spuren von Vandalismus, der Ablenkung vom wahren Zweck des Einbruchs dienen. Nach einem solchen Vorfall sollte der Unternehmer einem Datensicherheitsexperten zu Rate ziehen. Idealerweise sollten dann die Geschäftsräume gründlich nach Abhörtechnik durchsucht werden.

  • Kunden laufen reihenweise zum Mitbewerber über

    Wenn ein bestimmter Konkurrent dem eigenen Unternehmen immer einen Schritt voraus ist, sollten alle Alarmglocken klingeln: Der Mitbewerber legt Angebote vor, die den eigenen stark ähneln? Und immer zu günstigeren Konditionen? Treue Kunden springen reihenweise ab und laufen zu der anderen Firma über? Bei Ausschreibungen gehen die Aufträge immer an ein und denselben Konkurrenten?

    Hier ist es sehr wahrscheinlich, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugeht. Der Verdacht drängt sich auf, dass der Konkurrent seine Leistungen so günstig anbieten kann, weil er das Konkurrenzangebot bereits kennt. Nicht selten bedienen sich unlautere Mitbewerber am Know-how ihrer Konkurrenten und beschaffen sich Informationen, um gezielt deren Angebote zu unterbieten und deren Kunden abzuwerben. Mit solchen Fällen habe man es besonders häufig zu tun. Hierbei handle es sich um gravierende Wettbewerbsdelikte. Betroffene sollten sich professionelle Hilfe suchen, um Beweise zu beschaffen, die den Tätern das Handwerk legen könnten, so Zehner.

  • Plagiate der eigenen Produkte auf dem Markt

    Besonders schlimm für das Unternehmen ist, wenn es nicht bei ähnlichen Angeboten bleibt, sondern sogar Produktplagiate auf dem Markt auftauchen. Die eigenen Innovationen stehen im Handel? Zu Ramschpreisen und „Made in Fernost“?

    Dies ist wohl für jeden Unternehmer ein Albtraum-Szenario. In so einem Fall besteht kaum noch ein Zweifel daran, dass das Unternehmen ausgespäht worden ist. Der Unternehmer muss nun sofort alle Hebel in Bewegung setzen, um den Informationsabfluss zu stoppen, ehe der Schaden noch größer wird.

    Ein spezialisierter Sicherheitsdienstleister hilft nicht nur, alle Mikrofone und Kameras restlos aus den Geschäftsräumen zu entfernen. Noch wichtiger ist, dass er auch dazu beitragen kann, Beweise für den Wissensdiebstahl zu sammeln. Der Versuch, die Späh-Technik selbst aufzuspüren, ist in aller Regel kontraproduktiv. Um dem Spuk ein Ende zu bereiten und Beweise für die Delikte sicher zu stellen, sind die Technik und das Fachwissen von Lauschabwehr-Profis nötig.

  • Mitarbeiter wechseln zur Konkurrenz

    Um Fachkräfte mit Potenzial zum Wechsel zu bewegen – und das womöglich samt Betriebsgeheimnissen oder Kundendaten – gehen viele Firmen heute ungewöhnliche Wege: Die Abwerbung von Mitarbeitern mit illegalen Methoden ist inzwischen eine der größten Bedrohungen für die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Unternehmen.

    Wandern wichtige Mitarbeiter aus Schlüsselpositionen zu einem Mitbewerber ab, kann das für Unternehmen dramatische Folgen haben. Dagegen halten sich die Kosten für den Lauscher im Rahmen der „Portokasse“. Auch technisches Verständnis ist heutzutage nicht mehr unbedingt erforderlich – und das Risiko, entdeckt und überführt zu werden, überschaubar. Daher ist es auch in diesem Fall wichtig, dass Betroffene nicht lange zögern, bevor sie nach dem Datenleck suchen und so ihr Unternehmen schützen.

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Wirtschaftsspionage

Gefahr für Daten und Know-how

74 Prozent der Fälle von Wirtschaftsspionage gehen laut einer aktuellen Studie der KPMG auf mangelhafte interne Kontrollen zurück. „Exklusive Einblicke in die Praxis der Wirtschaftsspionage“ gab es auf einer Iron Mountain-Unternehmensveranstaltung Ende Oktober in Frankfurt.

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Wirtschaftskriminalität

Wirtschaftskrise und Spionagekonjunktur

Unter dem Motto „Krise in der Wirtschaft – Konjunktur für Spione“ fand am 25. November 2009 in Augsburg ein Unternehmerabend zu den Themen Wirtschaftskriminalität und Industriespionage statt.

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Datenklau

Willkommen in der Realität

Fast täglich ist über spektakuläre Datendiebstähle oder Hackingversuche zu lesen, und es betrifft „prominente“ Opfer wie Behörden, Banken oder Versicherungen ebenso wie die „normale“ Wirtschaftswelt. W&S befragte zum Thema Datenabfluss und Abwehrstrategien den IT-Sicherheitsberater Wolfram Funk, Principal Consultant bei der Steria Mummert Consulting AG.

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Kooperation Staat und Wirtschaft

Gemeinsam stark sein

Deutsche Unternehmen sind täglich von (Wirtschafts-)Kriminalität betroffen. Die Angriffsszenarien unterscheiden sich, das Ziel ist immer dasselbe: Know-how abzuziehen und die Wirtschaft zu schädigen. PROTECTOR & WIK befragte zur Bedeutung des Wirtschaftsschutzes und zur Zusammenarbeit von Unternehmen und Staat Steffen Gentsch, Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaftsschutz im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI).