William Ku, Vice President, Brand Business Division, von Vivotek.
Foto: Vivotek

Interviews

Gefahren für IP-Kameras im Internet der Dinge

Der Hersteller von IP-Kameras Vivotek setzt weiter auf neue Technologien und wappnet sich dabei gegen Gefahren wie Cyberangriffe im Internet der Dinge.

PROTECTOR sprach mit William Ku, Vice President, Brand Business Division, von Vivotek über die Gefahren für IP-Kameras im Internet der Dinge: Wie sich der Hersteller gegen Cyberangriffe schützt und welche Ziele das taiwanesische Unternehmen auf dem deutsprachigen Markt verfolgt.

Vivotek stellt sich im Jahr seines 20-jährigen Bestehen im DACH-Markt neu auf. Wie sehen die Veränderungen konkret aus und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Vivotek hat sich seit seiner Gründung im Februar 2000 zu einer führenden Marke im Bereich der digitalen Sicherheitsüberwachung entwickelt. Dabei hat das Unternehmen nicht nur fortschrittlichste Software und Hardware entwickelt, sondern auch den globalen Aufbau eines sicheren Ökosystems für die Sicherheitsindustrie vorangetrieben. Passend zum 20-jährigen Firmenjubiläum erweitern wir unsere Geschäftstätigkeiten in der DACH-Region und setzen damit einen neuen Meilenstein in der Firmengeschichte.

Durch die Intensivierung unserer Markenpräsenz und Vertriebsaktivitäten im Raum DACH wollen wir uns fest im Markt verankern und unser Europa-Business weiter ausbauen. Personell werden wir dabei von Christian Heibges und Johannes Faber unterstützt, die als Business Development Manager den Geschäftsausbau verantworten sowie von Marcin Trzmiel, welcher für das vertikale Transportwesen zuständig ist. Zudem wird Kay Chan als neuer Country Manager DACH eingesetzt.

Bedeutung des Internets der Dinge nimmt weiter zu

Welche Rolle spielen für Vivotek neue Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Deep Learning?

Vivotek verfügt über eine hauseigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die eine eindrucksvolle Liste spannender Innovationen, wie zum Beispiel die weltweit kleinste Fisheye-Netzwerk-Kamera oder die erste Kamera mit Kennzeichenerkennung, vorweisen kann. Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung des Internet of Things (IoT) haben wir es uns zum Ziel gemacht, unsere umfangreichen technologischen Möglichkeiten im Bereich Bild und Ton zu nutzen, um Vivotek als „Auge des IoT“ zu etablieren. Auch das Thema Deep-Learning spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit der innovativen Smart-VCA-Technologie präsentieren wir eine AI-gestützte Video Content Analyse, die nicht nur Personen und deren Gesichter erkennt, sondern auch fehlende sowie unbeaufsichtigte Objekte. Smart-VCA basiert auf einem intelligenten Deep-Learning-Konzept, welches ein extrem hohes Maß an Genauigkeit bei der Personenerkennung bietet.

Dafür nutzen wir unsere jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Sicherheitstechnik und die daraus resultierenden umfangreichen Bilddatenbanken, um eine durch ein neurales Netzwerk betriebenes Erkennungssystem für die menschliche Form zu entwickeln. Dank dem geschulten Deep-Learning-Modell erkennt die AI-Engine sofort menschliche Formen und Silhouetten im Überwachungsbereich und unterscheidet diese von nicht-menschlichen Aktivitäten, wie zum Beispiel Tiere, vorbeifahrende Fahrzeuge oder schwankende Vegetation. Dadurch werden sowohl Fehlalarme als auch der Aufwand bei der Kamerakonfiguration reduziert. Zudem helfen verschiedene Ereignisregeln typische Anforderungen von Sicherheitssystemen abzudecken, wie zum Beispiel sich in einer bestimmten Zone aufhaltenden oder eine Linie überschreitende Personen sowie einzelne Gesichter innerhalb einer Menschenmenge zu identifizieren.

Ziele von Vivotek auf dem deutschsprachigen Markt für Sicherheitstechnik

Welche vertikalen Märkte bieten aus Ihrer Sicht momentan das größte Potential für IP-Kameras auf dem DACH-Markt?

Im Zuge des Klimaschutzes verlagert sich der Gütertransport immer mehr von der Straße auf die Schiene und auch der Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs wird vorangetrieben. Sicherheit ist dabei die Voraussetzung für eine gelungene Verkehrswende, allerdings gibt es hier viel Nachholbedarf.

Vivotek bietet nicht nur digitale IP-Kameras, die schnell und einfach bestehende analoge Sicherheitssysteme ersetzen können, sondern verfügt auch über vernetzte ganzheitliche Lösungen für den Außenbereich sowie den Fahrgastraum, die nahtlos ineinandergreifen und für einen umfassenden Sicherheitsschutz sorgen. So können wir zum Bespiel mit unseren Stereokameras die Anzahl der Fahrgäste zu bestimmten Zeiten bestimmen und so Verkehrsbetrieben bei der Fahrplanoptimierung oder Flottenmanagement helfen.

Aber auch Kamera-Produkte mit intelligenten Zusatzfunktionen finden hier ihren Einsatz. Mit unserer Smart-VCA-Technologie können beispielsweise gefährliche Situationen frühzeitig erkannt und über ein Alarmsystem aktiv zur Unfallvermeidung beigetragen werden. Diese und viele weitere Technologien präsentieren wir auf der diesjährigen Innotrans 2020, der internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik, in Berlin.

Neben dem öffentlichen Nahverkehr bietet auch die Sicherheitstechnik im Einzelhandel ein großes Potential für die IP-Sicherheitsindustrie. Hier ist es besonders wichtig zu jeder Zeit hochauflösende und zuverlässige Videobeweise liefern zu können, um Waren zu schützen und Diebstähle in den Geschäften mit einem unauffälligen IP-System reduzieren zu können.

Darüber hinaus wird auch im Einzelhandel die Videoanalyse immer wichtiger. Die intelligente Fisheye-Kamera FE9191/FE9391-EV setzt eine Technologie zur Personenerkennung ein, um Ladenbesitzer sofort benachrichtigen zu können, sollten sich zu viele Kunden im Kassenbereich aufhalten und darauf warten Ihre Käufe bezahlen zu können. Durch unsere mobile Applikation „Vivocloud Retail“ können wir zudem sicherstellen, dass Ladenbesitzer von überall auf ihr IP-System zugreifen und einzelne Verkaufsstellen anhand von Zähldaten miteinander vergleichen und bewerten zu können.

Kooperation mit Trend Micro zur Abwehr von Cyberangriffen auf IP-Kameras

Vivotek kooperiert bereits seit einigen Jahren mit dem IT-Sicherheitsexperten Trend Micro kooperiert. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr von Cyberangriffen auf IP-Kameras im Markt momentan ein?

Laut einem Bericht von Trend Micro wurden innerhalb von nur fünf Monaten fünf Million Cyberangriffe auf IP-Kameras registriert und blockiert. Bei der Analyse von rund 7000 betroffenen Vivotek-Kameras fand man heraus, dass es sich in 75 Prozent der blockierten Angriffe um Brute-Force-Anmeldeversuche handelte. Kompromittierende Passwörter erleichtern dabei den Zugang und öffnen die Tür in das System. Aus den gesammelten Daten lässt sich ein klares Muster erkennen, in dem Angreifer oft zu gängiger Malware wie Mirari-Varianten greifen, um Systemschwachstellen zu identifizieren und zu attackieren.

Gemeinsam mit Trend Micro arbeiten wir an einem wirksamen Sicherheitskonzept, das wir ständig weiterentwickeln um unsere IP-Kameras vor dieser Bedrohung zu schützen. Aktuell sind wir der einzige Hersteller, der IP-Kameras mit integrierter Cybersecurity-Software anbietet. Im Rahmen unserer Expansions-Strategie soll künftig auf allen neuen Geräten automatisch Trend Micro Software implementiert werden. Schließlich sollen nicht nur Unternehmen und Businesskunden, sondern auch Privatanwender von den umfassenden Sicherheits-Features profitieren.

Mit den smarten Fischaugenkameras FE9191 und FE9391-EV ermöglicht Vivotek umfangreiche Analysefunktionen, die von Trend Micro vor Hackerangriffen geschützt werden.
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