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Risk Management

Gefahren unter Kontrolle

In diesen Tagen startet an der Universität Würzburg das Weiterbildungsprogramm zum Enterprise Risk Manager, dessen Inhalte von der Universität zusammen mit der Risk Management Association e.V. entwickelt wurden. W&S befragte zur Zielsetzung dieses Programms und die aktuelle Situation des Risk Managements in Deutschland Jan Offerhaus, Vorstandsmitglied der RMA.

W&S: Seit wann kennen Sie eigentlich den Begriff Risk Management?

Jan Offerhaus: Nach meinem Studium arbeitete ich Anfang der 90er Jahre zunächst bei einer Großbank. Dort ist mir der Begriff "Risiko Controlling" zum ersten Mal begegnet. Sichere Geschäftsprozesse sind ja die Grundvoraussetzung für das unternehmerische Handeln einer Bank. Daher ist man sich im Finanzsektor auch besonders bewusst, dass man seine Risiken kennen und entsprechend darauf reagieren muss.

Was allerdings heute schon in einem betriebswirtschaftlichen Studium an der Universität thematisiert wird, war damals eindeutig noch der Finanzwelt vorbehalten. Es geht zwar jedes Unternehmen ein Unternehmensrisiko ein, allerdings sind Begriffe wie Risiko Controlling oder eben Risk Management in der Nicht-Bankenwelt lange keine Selbstverständlichkeit gewesen.

W&S: Wie kam es dann zum "Sinneswandel" bei anderen Branchen?

Offerhaus: Unternehmen mit einem hohen Unternehmensrisiko lassen sich besonders für dieses Thema sensibilisieren. Also große Aktiengesellschaften, Energieversorger oder Unternehmen, die extrem von einem Rohstoff abhängig sind. Hier ist den Verantwortlichen ganz schnell klar, was ein Engpass beim Einkauf von diesem speziellen Rohstoff bedeutet: Dass ich nämlich nicht mehr produzieren und liefern kann und mein Unternehmen dadurch leicht vor dem Ruin steht.

W&S: Welche Rolle haben dabei rechtliche Anforderungen gespielt?

Offerhaus: Einen ersten Anstoß lieferte das KonTraG, das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich. Es hat erstmals rechtlich verbindlich festgelegt, dass bestimmte Unternehmen ein Risikomanagement-System ein-richten müssen. Ein weiterer entscheidender Anschub kam durch Basel II. Jetzt mussten sich plötzlich viele Unternehmen fragen, wie sie eigentlich haushalten. Denn die Banken schätzen nun die Risiken für ein Unternehmen ein und vergeben dann entsprechend vorsichtig ihre Kredite.

Dies war für zahlreiche Unternehmen der Startschuss, sich mit dem Thema Risk Management zu befassen. Wobei es dabei zwei Blickwinkel gibt: Habe ich wenige Risiken? In dem Fall erfüllen Unternehmen oft nur die Minimalforderungen eines Risk Managements. Andere Unternehmen, die für sich vielleicht größere Risiken sehen, gehen eher systematisch mit der Frage um. Sie verstehen das Risk Management als nützliches Instrument zur Unternehmenssteuerung. Man kann hier also von unterschiedlichen "Reifegraden" des Risk Managements sprechen.

W&S: Können Sie das "reife" Risk Management etwas genauer beschreiben?

Offerhaus: Ein Unternehmen, das über einen solchen "Reifegrad" verfügt, fragt sich: Wie kann ich Gefährdungen für meinen Geschäftsbetrieb bereits im Vorfeld erkennen, bevor es zu einer Krise kommt? Wie kann ich meine Geschäftsbereiche besser steuern? Dafür es es notwendig, zu analysieren, welcher Geschäftsbereich mir welchen Ertrag liefert. Kann ich mit einem risikobehafteten Land Geschäfte tätigen, die allerdings sehr risikoreich sind? Dabei sollte der Unternehmer immer das Risiko in Relation zum Ertrag setzen. Und vielleicht daraus resultierend zu dem Schluss kommen, dass man nicht jedes vielversprechende Geschäft tätigt, weil einfach dessen Risiko zu hoch ist.

W&S: Dafür bedarf es im Unternehmen optimaler Weise eines Risk Managers. Welche Ausbildung genießt dieser bisher?

Offerhaus: Bei manchen Unternehmen ist das Risk Management in der Versicherungsabteilung oder der Revision angesiedelt. Daher sind viele Risk Manager Betriebswirtschaftler oder Controller. Zudem gibt es noch viele Quereinsteiger, die auch beispielsweise aus dem IT-Sektor kommen können.

W&S: Warum jetzt das neue Weiterbildungsprogramm?

Offerhaus: Unser Verband hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, das durch die Mitglieder vorhandene Know-how aus der Praxis mit einem wissenschaftlichen Ansatz zu verknüpfen, um eben auch den genannten Quereinsteigern eine solide Wissensbasis zu vermitteln. Den idealen Partner haben wir in der Universität Würzburg gefunden, die bereits über ein Forschungszentrum Risk Management verfügt. Vor knapp einem Jahr haben wir dann damit begonnen, die Inhalte festzuzurren.

W&S: Wie stelle ich mir diese Ausbildungsinhalte genauer vor?

Offerhaus: Wir gehen von kleinen Gruppen von maximal 25 Teilnehmern aus, die nicht nur einen "Frontalunterricht" durch die Dozenten genießen, sondern ihre spezifischen Fragestellungen aus den jeweiligen Betrieben einbringen können. Dozenten sind Professoren, aber auch Praktiker und Berater der RMA.

Der Unterricht ist in verschiedene Module gegliedert. Ein Modul wird sich mit den Grundlagen des Risk Managements beschäftigen. Hier geht es unter anderem um Risikowahrnehmung, rechtliche Rahmenbedingungen und den Prozess des Risikomanagements. In einem weiteren Modul werden Methoden des Risk Managements behandelt. Hier wird schon ein bisschen gerechnet und Statistik betrieben. Schließlich widmet sich ein drittes Modul den "Spezialgebieten". Stichworte sind dabei Krisenmanagement, Kommunikation und Business Continuitiy, geübt in Planspielen.

Jedes Modul wird am Ende abgeprüft und ist für die Erlangung des Zertifikats auch zu bestehen. Eine Projektarbeit schließt das Ausbildungsprogramm ab, wofür die Studierenden drei Monate Zeit haben. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei in die Praxis umgesetzt werden. Das Gelernte fließt also direkt in den jeweiligen Arbeitsalltag ein. Diese Abschlussarbeit stellt für die Unternehmen, aus denen die Studierenden kommen, einen echten Mehrwert dar.

W&S: Wem empfehlen Sie dieses Weiterbildungsprogramm besonders?

Offerhaus: Das Programm steht natürlich jedem offen. Die Quereinsteiger in das Thema hatte ich bereits erwähnt, aber auch für Personen aus dem Projektmanagement, dem Controlling oder der Revision ist das Programm interessant. Zugangsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder eine entsprechende Ausbildung mit Berufserfahrung. Besonders ansprechen wollen wir Mitarbeiter mittlerer und kleiner Unternehmen. Denn solche Unternehmen können in puncto Risk Management natürlich nicht so aufgestellt sein wie ein Großunternehmen. Hier sehen wir das Thema Risk Management noch besonders in der Entwicklung, die wir gerne mit begleiten würden.

W&S: In welche Richtung wird sich das Berufsbild des Risk Managers entwickeln?

Offerhaus: Ich sehe den künftigen Risk Manager noch stärker als "Ratgeber" des Top-Managements. Er liefert aktiv Informationen zur Unternehmenssteuerung. Er sollte in Entscheidungen über Fusionen und Standorte involviert sein. Das Berufsbild wird künftig auch mathematischer und statistischer ausgeprägt sein, was aber auf kleine und große Unternehmen nicht gleichermaßen zutrifft. Gleichzeitig muss der Risk Manager über ein grundlegendes Unternehmensverständnis verfügen. Und er muss kommunizieren können. Denn die Zusammenarbeit auf allen Ebenen, um sämtliche mögliche Risiken zu erfassen, ist extrem wichtig.

W&S: Entsteht da nicht eine Konkurrenz zum Controlling?

Offerhaus: Nein, das Controlling soll auf keinen Fall verdrängt werden. Dort sitzt die "Hoheit" für die Planung. Aber auch Controller sollten natürlich berücksichtigen, welche Risiken vorhanden sind. Risk Management und Controlling sollten sich als Partner ergänzen und miteinander verzahnt sein.

Interview: Annabelle Schott-Lung

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