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Brandschutz im Frankfurter Opernturm

Hoch und sicher

Der Bau von Hochhäusern stellt Brandschutzplaner vor besondere Herausforderungen, denn hier steht und fällt die Sicherheit vor allem mit dem anlagentechnischen Brandschutz. PROTECTOR ist dem Brandschutzkonzept beim Frankfurter Opernturm auf den Grund gegangen.

Nach 36 Monaten Bauzeit wurde 2010 der neue Opernturm in unmittelbarer Nähe zur Alten Oper errichtet. Das 176 Meter hohe Bürohochhaus verfügt über 42 Geschosse, 16 Aufzüge und eine Nutzfläche von 66.000 Quadratmetern inklusive einer Tiefgarage mit 580 Stellplätzen. Über 2.000 Menschen arbeiten im Büroturm und verteilen sich auf verschiedene Mieter. Besonderen Wert legte man beim Bau auf den Einsatz von Licht und Raum, was sich etwa in der weitläufigen Plaza, der fast 20 Meter hohen Eingangshalle oder der fünfgeschossigen Galerie zeigt.

Abgetrennte Nutzflächen

Eine der aus brandschutzrechtlicher Sicht architektonischen Neuerungen beim Bau des Opernturms erstreckt sich auf die „400 Quadratmeter-Regel“ der aktuellen Hochhaus-Richtlinie. Innerhalb dieser 400 Quadratmeter darf der Vermieter beziehungsweise der Mieter der Fläche alle möglichen bautechnischen Veränderungen vornehmen, die keinen besonderen brandschutztechnischen Anforderungen genügen müssen.

Hintergrund ist der, dass normalerweise aufgrund der geltenden Bau- und Brandschutzordnung die Nutzung von Flächen nicht immer so gestaltet werden kann, wie es der Nutzer für wünschenswert hält beziehungsweise Änderungen einen hohen baulichen Aufwand nach sich ziehen. Diese Einschränkung entfällt beim Opernturm aufgrund der 400 Quadratmeter-Regel und dem zugrunde liegenden Konzept. „Hierbei gilt, dass die 400 Quadratmeter großen Nutzungseinheiten anlagen- und brandschutztechnisch so gesichert sind, dass innerhalb dieses Raumes keine weiteren baulichen Anforderungen notwendig sind“, erläutert Reinhard Ries, Branddirektor der Stadt Frankfurt/M.. Diese sind erst zwischen den einzelnen Nutzungseinheiten notwendig und wurden entsprechend den Vorschriften mit Feuerschutzwänden- und Türen sowie weiteren baulichen Maßnahmen umgesetzt.

Aus den Nutzungseinheiten gelangt man im Evakuierungsfall in die geschützten Flure, von denen man zügig den nächsten Sicherheitstreppenraum erreichen kann. Diese Treppenräume stehen unter Überdruck, der verhindert, dass Rauch ins Treppenhaus gelangt. Insgesamt sorgen etwa 3.600 Brand- und Entrauchungsklappen dafür, dass das Gebäude im Brandfall so weit als möglich rauchfrei bleibt.

Brandbekämpfung

Den wirksamen Schutz der 400 Quadratmeter großen Einheiten wie auch des restlichen Gebäudes garantiert eine umfassende und flächendeckende Sprinklertechnik. Das Sprinklersystem mit seinen über 17.806 Sprinklerköpfen schützt auch vor einem möglichen Feuerüberschlag entlang der Fassade, weswegen diese keinen besonderen Brandschutz baulicher Art vorweisen muss.

Die Erstwasserversorgung wird über drei Tanks mit je 230 Kubikmeter Volumen sichergestellt. 39 Alarmventilstationen und neun Pumpen sichern einen vollflächigen Sprinklerschutz im gesamten Gebäude bis in die höchsten Etagen. Die Sprinkleranlagen sind nach der höchsten VdS CEA 4001 Klasse 1 ausgelegt, was unter anderem der Anlage eine sehr hohe Verfügbarkeit bescheinigt. Die Versorgung der Sprinkler ist redundant, die Einspeisung des Löschwasser in das System erfolgt über mindestens zwei Stränge, für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Leitung ausfällt. Die EDV-Räume schützt darüber hinaus eine Sauerstoffreduzierungsanlage. In den Küchen sind drei Schaumlöschanlagen installiert, die die Gefahr von Fettbränden bannen sollen.

In puncto Brandbekämpfung geht der Opernturm einen weiteren innovativen Weg, indem neben den klassischen Feuerlöschern und Wandhydranten den Mitarbeitern auch „Feuerlöschsprays“ zur Verfügung stehen. Diese GS geprüften Löschsprays ermöglichen die einfache Bekämpfung eines lokalen oder entstehenden Brandes und funktionieren nach dem Prinzip einer herkömmlichen Spraydose, was die Akzeptanz bei der Anwendung deutlich erhöht. Diese Sprays sollen nach Möglichkeit in jedem Büro stehen, sodass eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit gegeben ist, einen Entstehungsbrand sofort wirkungsvoll bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte bekämpfen zu können.

Diese erreichen nach der Alarmierung den Turm in etwa zwei bis drei Minuten und lokalisieren über die Brandmeldezentrale (BMZ) und mit Hilfe der Laufkarten den Brandherd. Mit Hilfe des Feuerwehraufzugs können die Einsatzkräfte auch die 42. Etage in weniger als einer Minute erreichen. Dieser Aufzug ist in einem eigenen Vorraum untergebracht und steht ebenfalls unter Überdruck, damit er im Brandfall rauchfrei bleibt, und ist an das Notstromnetz angeschlossen. Über den Feuerwehraufzug kann die Feuerwehr auch Personen evakuieren, die nicht über die Treppenhäuser nach unten gelangt sind.

Strom zu jeder Zeit

Ein Gebäude dieser Größe und Nutzungsart verfügt über eine mehrfach gesicherte Notstromversorgung, die unterbrechungsfrei über Akkus gepuffert ist. „Die Kapazitäten der Notstromversorgung reichen aus, um alle brandschutztechnischen Systeme für mindestens 36 Stunden mit Energie zu versorgen, einschließlich der Pumpen für die Sprinkleranlage und den Feuerwehraufzug“, erläutert Reiner Jedwabski, Sicherheitschef der Schweizer Großbank UBS Deutschland AG, die Hauptmieter ist. Die Anlage besteht aus drei voneinander unabhängigen Generatoren mit einer Gesamtleistung von bis zu 4.500 kVA. Zwei der Generatoren werden von der UBS direkt betrieben, um einen reibungslosen Betrieb des Kerngeschäfts aufrecht zu erhalten, da in einer nahezu vollständig digitalen Arbeitswelt mit sensiblen und tagesaktuellen Daten der Ausfall von Computerkomponenten oder ganzen Systemen fatale Auswirkungen haben könnte.

Evakuierung

„Neben der modernen Brandschutztechnik ist auch die Einweisung der Mitarbeiter der Mieter in das richtige Verhalten während eines Ereignisses wichtig. Daher werden alle Mitarbeiter regelmäßig sowohl im Brandschutz als auch in Erster Hilfe unterwiesen“, so Ries. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr sind die Mitarbeiter in der Lage, sich entsprechend der Vorgaben zu verhalten und sich und Kollegen in Sicherheit zu bringen.

Jeder Stock hat einen Verantwortlichen, der eine Evakuierung überwacht und der Feuerwehr meldet, ob alle Personen den Stock verlassen haben. Evakuierungsübungen werden dabei in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr durchgeführt, wobei es geplante und auch ungeplante Übungen gibt, die aber nie das ganze Gebäude betreffen, um den Tagesbetrieb nicht unnötig zu stören. Generell wird bei einem Brand nicht gleich das gesamte Gebäude geräumt, sondern zunächst nur der betroffene Abschnitt beziehungsweise die Etage. Personenströme können dabei gezielt durch die Sprach-Alarmierungs-Anlage (SAA) per Anweisungen geleiten werden.

Hierbei zeigt das System situationsabhängig in Bezug zum auftretenden Alarm den geeignetsten Rettungsweg auf, mit dessen Hilfe die Personen den Gefahrenbereich schnellstmöglich umgehen und verlassen können. Möglich macht dies die Kombination aus intelligenter Brandschutztechnik und dazugehörigen Leitsystemen, die von der BMZ gesteuert werden. Diese lokalisiert über die Melder die genaue Position des Brandherds, wählt automatisch einen sicheren Fluchtweg aus und zeigt diesen über die entsprechend aktivierten Fluchtwegleuchten an.

Für die Brandalarmierung sind Zweikriterienmelder mit optischer und thermischer Erkennung im Gebäude installiert, einmal in der Version als Rauch- und als Zwischenbodenmelder. Ferner gibt es für bestimmte Bereiche Rauchansaugsysteme, die ebenfalls auf die BMZ aufgeschaltet sind. Über die Kameras lässt sich zusätzlich kontrollieren, ob sich irgendwo noch Personen in gefährdeten Bereichen aufhalten, und die überall vorhandenen Sprechstellen ermöglichen über die BMZ eine zusätzliche Kontaktaufnahme mit diesen.

Technik im Detail Videoüberwachung: Videomangement von Seetec, Installation von E-Shelter
Brandschutz: Sprinklersystem von Minimax, Brandmeldeanlage und Brandmelder von Hekatron, Sprachalarmierungssystem von TOA, Installation von Spie
Zutrittskontrolle: Tyco Security Products, Installation von E-Shelter, Nedap, Installation von Spie

Alles im Blick

Da der Turm auf 18 Etagen auch die Deutschlandzentrale der UBS beherbergt, spielt auch die Sicherheit in Form von Videoüberwachung und Zutrittskontrolle eine wichtige Rolle. Die UBS verfügt über eine eigene Sicherheitszentrale, in der einige der insgesamt 120 Überwachungskameras aufgeschaltet sind.

Auch andere Mieter haben gesonderte Zugriffsrechte, die Bilder der Kameras sind also nur von diesen einsehbar und nicht von der hauseigenen Sicherheitszentrale. Wo notwendig, werden Videosignale über Kreuzschienen gesplittet, damit neben der hauseigenen Sicherheit auch die Mieter gegebenenfalls Zugriff auf bestimmte Bereiche haben. Alle anderen Gebäudeteile fallen in die Verantwortung der Hausverwaltung. Videoüberwacht werden insbesondere Zutrittsmöglichkeiten, Zufahrten und Gegensprechstellen. Abgesehen von der Großbank können Mieter aufgezeichnete Inhalte nur über die Hausverwaltung einsehen, eine lokale parallele Aufzeichnung erfolgt nicht.

Die für das Gebäude verantwortliche Sicherheitszentrale regelt, kontrolliert und steuert den allgemeinen Zutritt und umfasst die Bereiche der Außenhaut, der Tiefgarage, der Gebäudezugänge und der Treppenhäuser. Besucher und Mitarbeiter können sich über ein Kartenlesesystem anmelden und temporäre oder permanente Berechtigungen erhalten, die sich protokollieren lassen. Ferner werden über die Karten auch Berechtigungen über das Schließsystem für bestimmte Räume im Gebäude erteilt. Die hauseigene Zentrale ist rund um die Uhr mit einem Sicherheitsdienst besetzt, die alles im Blick hat.

Überall dort, wo viele Menschen auf einem begrenzten Raum miteinander leben oder arbeiten, sind spezielle Anforderungen an den Brandschutz zu stellen. Das gilt vor allem dann, wenn es um komplexe Objekte mit baulichen Besonderheiten geht. Eine möglichst effektive Branderkennung, Alarmierung und Evakuierung betroffener Teile eines Gebäudes sollte immer das Ziel bei der Brandschutzplanung sein. Ausgeklügelte Systeme, wie sie im Opernturm zum Einsatz kommen und die ein Höchstmaß an Sicherheit garantieren sollen, zusammen mit dem baulichen Brandschutz und der entsprechenden Ausbildung der im Gebäude tätigen Personen, sind Referenz für einen nachhaltig vorbeugenden und aktiven Brandschutz.

Hendrick Lehmann

Foto: Fraport

Brandschutz im größten deutschen Bürogebäude

Zukunft trifft Sicherheit

Moderne Bürogebäude beinhalten heute oftmals mehr als nur Arbeitsplätze für Angestellte. Häufig werden solche Objekte als „Lebenswelten“ konzipiert, in denen die Menschen neben ihrer Arbeitsstelle auch Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote vorfinden. Solche Gebäude stellen besondere Anforderungen an den Brandschutz, da neben einer großen Zahl an Menschen auch unterschiedliche Nutzungsarten zusammenkommen.

Foto: Wikipedia/Adornix

Sicherheit bei der UBS

Eine sichere Bank

Die UBS AG ist eine Schweizer Großbank, die zu den weltweit größten Vermögensverwaltern zählt. In ihrer Deutschlandzentrale residiert UBS auf 18 Stockwerken im Opernturm mitten im Frankfurter Westend. Der 170 Meter hohe Wolkenkratzer des Frankfurter Architekten Christoph Maeckler – verkleidet mit dem gleichen portugiesischen Kalkstein wie die ihm gegenüber liegende Alte Oper – gibt dem Opernplatz seine seit Kriegsende vermisste Einheit zurück.

Foto: HT Protect

Sichere Innenstadt

Flexibel durch Sprinkler

Bei Modernisierungen, Umbau und natürlich auch bei der nachträglich verdichteten Bebauung in den Innenstadtzentren stehen Bauherren, Mieter, Nutzer und natürlich die Genehmigungsbehörden vor der Frage, wie der Brandschutz im Interesse aller Beteiligten zuverlässig gewährleistet werden kann. In Anbetracht der immer knapperen personellen Ressourcen bei den örtlichen Feuerwehren steht die Installation von Löschsystemen im Focus.

Foto: Feuerwehr Mannheim

Unterschiedliche Nutzungsarten in einem Gebäude

Jederzeit einsatzbereit

Moderne Büroarchitektur ist oftmals als Standardlösung konzipiert, mit Möglichkeiten zur individuellen Ausgestaltung durch den Nutzer. Unter Beachtung brandschutzrechtlicher Vorgaben lassen sich meist flexible Lösungen realisieren, die je nach Bedarf durch sicherheitstechnische Maßnahmen wie Zutrittskontrolle flankiert werden. Sonderbauten sind dagegen speziell gemäß Anforderungen konzipiert und geplant. Die neue Hauptfeuerwache Mannheim ist ein Beispiel, wie sich unterschiedliche Nutzungsarten in einem Gebäude effektiv vereinen lassen.