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Tim Tecklenborg ist Instacop in Niedersachsen, der die Sozialen Medien für die Polizeiarbeit nutzt. 
Foto: Polizei Niedersachsen
Tim Tecklenborg ist Instacop in Niedersachsen, der die Sozialen Medien für die Polizeiarbeit nutzt. 

Öffentliche Sicherheit

„Instacops“ nutzen Soziale Medien

Was ist aus den „Instacops“ in Niedersachsen geworden, die angetreten sind, um über die Sozialen Medien für die Bürger ansprechbar zu sein?

Ein Besuch bei den „Ostfriesen-Cops“ in Leer - sie produzieren als „Instacops“ Sicherheit in den Sozialen Medien. Vor einigen Jahren führte die Polizei Niedersachsen den Polizistenjob des Instacops ein (siehe PROTECTOR 3/2020). Der erfolgreiche Start in den Sozialen Medien war nun der Grund nachzufragen, wie und was die Instacops heute machen.

Instacops in Niedersachsen

Nach zwei Jahren stehen der Polizei Niedersachsen heute 35 Community Policer zur Verfügung, davon 29 als Instacops, und sechs sind auf Facebook vertreten. Der 26-jährige Tim Tecklenborg ist einer von ihnen. Der Polizeikommissar versieht seit fünf Jahren seinen Dienst in der Polizeiinspektion (PI) Leer. Er ist derzeit auf Instagram eine Markenpersönlichkeit und das Gesicht der Polizei in Ostfriesland. „Auf Instagram bin ich derzeit der einzige CP in Ostfriesland. Auf Facebook sind wir mit vier Kollegen der PI Leer/Emden vertreten.“ Tecklenborg hat mittlerweile 1.490 Follower auf Instagram. Auf Facebook sind es 2.580 Personen. Seit vier Jahren ist seine offizielle Bezeichnung die eines „Community Policer“. „Auch hier in Ostfriesland muss die Polizei nicht nur auf der Straße, sondern auch in den sozialen Netzwerken für alle Bürger zu finden sein – die Idee der Ostfriesencops war geboren.“ Tecklenborg hat als Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene, mit denen er kommuniziert. Auf Facebook sind auch einige seiner älteren Kollegen unterwegs, welche die Eltern der jungen Generation erreichen.

„Instacops“ – Polizei nutzt Instagram

Polizeibehörden, die Instagram nutzen, um den Polizeialltag mit „Instacops“ darzustellen – eine nicht unumstrittene Maßnahme, um mehr Bürgernähe zu zeigen.
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„Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass man die Polizei Niedersachsen nach außen hin vertreten kann und darf“ sagt Tecklenborg. Sein Selbstverständnis als offizielles Sprachrohr der Polizei konnte er schon als Pressesprecher der PI Leer/Emden lernen und erweitern. Er sei immer dann online, wenn es dienstlich möglich ist. Jedoch hat für ihn der Dienst in der analogen Welt, also offline und direkt am Menschen, oberste Priorität. Dass er nicht immer „Storys“ aus dem polizeilichen Alltag liefern kann, versteht seine Community. Für seine Arbeit in den Sozialen Medien hat sein Dienstherr dienstliche Leitlinien herausgegeben, eine direkte Kontrolle vor dem Posting findet aber nicht statt. Jedoch gibt es in der Polizeidirektion Osnabrück einen Social Media Manager als direkten Ansprechpartner. Mit ihm kann er in einer Bewertung seines Accounts alles besprechen.

Spontan muss Tecklenborg immer sein. Einen Tag nach dem letzten Weihnachtsfest wurde Hund „Buddy“ an der Seeschleuse mutterseelenalleine aufgefunden. Der kleine Kerl  war von zu Hause „ausgebüxt“. Sofort wurde die Fundmeldung mit Fotos von Buddy auf Facebook hochgeladen, und wenig später meldeten sich die Besitzer. So schnell geht heute die Zusammenführung. Auch die tägliche Praxis des Streifendienstes wird in den Medien gepostet – zum Beispiel die Wirkungsweise der Body-Cams. Hier führt Tecklenborg die Wirkungsweise vor und erklärt die rechtlichen Richtlinien. In den letzten Wochen hat er einen Gedenkbeitrag für die erschossenen Polizisten in Rheinland-Pfalz sowie einen Bericht vom Schießtraining im Schießkino gepostet.

Soziale Medien als Plattform, um Transparenz zu zeigen

Wie transparent eine Bürgerpolizei heute ist, zeigte der „Tag des Notrufs 110“ am 1. Oktober letzten Jahres. Tecklenborg übernahm den Twitter-Account der PI Leer/Emden und verfasste die Posts zum Hashtag #Polizei110 direkt von der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland in Wittmund aus, in denen er live über eingehende Notrufe und Einsätze berichtete. Für die Follower die Verkörperung der Spannung. Vielfach wurde der Wunsch nach einer Wiederholung geäußert. Vor Jahrzehnten konnte man Polizeieinsätze live verfolgen, indem man illegal den Polizeifunk abgehörte.

International arbeitet Tecklenborg auch: „Ich folge einigen niederländischen Instacops der holländischen Polizei auf Instagram und sie mir auch. Persönlichen Kontakt hatten wir aber bislang nicht.“ Und Humor hat er als zugereister Ostfriese auch, auf dem speziellen Hashtag #mitcoltundkluntje kann jeder Follower seinen Alltag begleiten.

Erreichen ihn auch kritische oder verbal angreifende Posts und wie geht er damit um? „Gelegentlich kommt es vor, dass kritische oder angreifende Kommentare an mich versandt werden. Für konstruktive Kritik bin ich offen, jede Nachricht oder Kommentar an mich bekommt immer eine Reaktion von mir.“ Jedem Nutzer oder Follower muss klar sein, dass er auf einem offiziellen Account der Polizei kommuniziert. „Manchmal kommt es vor, dass bei denen die Vorstellungen von „Polizei im Fernsehen“ und der Realität voneinander abweicht. Eine kurze Erklärung von mir beseitigt Unverständnis.“ sagt Tecklenborg. Bei angreifenden Inhalten schreckt er nicht davor zurück, eine Strafanzeige zu erstatten, das Internet ist schließlich kein rechtsfreier Raum.

Polizisten erleben die Abgründe des Lebens und des Leids, das kennt man aus dem Fernsehen. Haben die Instacops Grenzen für ihre Berichterstattung und den Fotos? Tecklenborg hat trotz seiner jungen Jahre schon einiges erlebt. „Mir ist es wichtig, über den Polizeialltag zu berichten und hierbei die „Schattenseiten“ wie häusliche Gewalt, schwere Unfälle oder Todesermittlungen nicht vollständig außer Acht zu lassen. Gerade bei häuslicher Gewalt kann ich dies sehr gut mit Präventionsaspekten aufarbeiten. Bei Fotos bin ich in der Gestaltung des Profils recht frei, beachte aber das Recht am eigenen Bild und frage immer um Zustimmung zur Veröffentlichung“. Besonders ist es Tecklenborg wichtig, dass es bei nicht öffentlich wahrnehmbaren Ereignissen durch seine Berichterstattung keine Rückschlüsse auf die betroffenen Personen oder Objekte gibt.

Die Polizei Niedersachsen nutzt Social Media verständlicherweise auch zur Eigenwerbung von Nachwuchs. Einer der Follower von Tecklenborg hatte vor längerer Zeit eine hilflose Person der Polizei übergeben, worauf ausführliche Gespräche über den Polizeiberuf folgten. Der Follower ist heute als Polizeikommissar tätig.

Fachleute empfinden die Arbeit der Polizei auf Twitter, Facebook und Instagram als Konkurrenz für die klassischen Medien. Die Polizei muss sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit stetig den aktuellen Gegebenheiten ausrichten und eine harmonische Zusammenarbeit mit allen Beteiligten suchen. Dazu zählt der Autor auch „Cell Broadcast“, wo Warnungen wie Sturmflut, Unwetter oder flüchtige Personen oder Fahrzeuge gezielter an betroffene Personen gelangen.

Sicherheitswirtschaft sollte Soziale Medien besser nutzen

Auf die Frage, was die Sicherheitswirtschaft und die Sicherheitsdienstleister von ihm und seinen Kollegen lernen können, gibt Tecklenborg interessante Antworten: „ Nach Einbrüchen, die von Dienstleistern gemeldet werden, sind deren Kräfte auch vor Ort. Ohne ermittlungstaktische Informationen zum Täterverhalten zu geben, könnte diese Firmen zusammen mit uns über die Sicherheit von Türen und Fenstern sprechen und dieses posten. Zudem zeigt die rege aktuelle Interaktion mit den Bürgern, dass entsprechende Accounts ihr Ziel, nämlich ansprechbar zu sein, erreichen.“

Dabei sollten Präventionsthemen immer wieder angesprochen werden. „Hier könnte die Sicherheitswirtschaft in den sozialen Medien aktiv werden und mit entsprechenden Accounts ansprechbar sein und informieren. Auf diesem „kurzen Wege“ können viele Menschen mit Interaktion erreicht werden.“ Die großen Sicherheitsdienstleister sind zwar auf Facebook vorhanden, jedoch meist nur mit Eigenwerbung und Mitarbeitersuche. Hat Tecklenborg noch weitere Vorschläge? „Denkbar sind auch Werbeaktionen oder Einladungen zu Seminaren rund um die Sicherheitsthemen für die Wirtschaft. Darüber hinaus könnte die Sicherheitswirtschaft durch die Darstellung aktueller Einsatzgeschehen neue Bereiche feststellen.“

Bleibt noch die Frage, wie lange er sich vorstellen kann, als Instacop tätig zu sein? „Da mir die Arbeit in den Sozialen Medien und der direkte Austausch mit der Community großen Spaß bereiten, kann ich mir vorstellen, die Tätigkeit noch einige Jahre aufrechtzuerhalten.“ Gut so.

Klaus Kapinos, ehemaliger  Geschäftsführer des Studiengangs Sicherheitsmanagement an der Hochschule der Polizei Hamburg und Fachautor

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