Bitte folgen: Die niedersächsische Polizei ist jetzt auch in den Sozialen Medien wie Instagram unterwegs und hat viele Follower.
Foto: Bundespolizei Kassel

Öffentliche Sicherheit

„Instacops“ – Polizei nutzt Instagram

Polizeibehörden, die Instagram nutzen, um den Polizeialltag mit „Instacops“ darzustellen – eine nicht unumstrittene Maßnahme, um mehr Bürgernähe zu zeigen.

Was auf Instagram aus als halb dienstlichem, halb privatem Interesse begann, nämlich das Posten von Bildern und Berichten über den Polizeialltag durch Polizisten im Internet („Instacops“), haben nun die Innenbehörden von Bund und Ländern als Chance erkannt. Soviel offenes Bekenntnis als Freund der Polizei durch tausende von Follower gab es noch nie. Beamte zeigen ihre muskulösen Oberarme, ihre Waffen, ihre Schutzausrüstung. Diese Beamten sind stolz auf ihren Job als Polizisten und zeigen auch Privates in der Öffentlichkeit. Auch andere Kollegen posten Fotos von sich – im Streifenwagen, auf dem Weg zum Dienst in der Bahn oder ganz ohne Uniform im Urlaub, beim Sport oder mit Freunden. Polizisten als Instagram-Models: Spätestens hier ist die Frage erlaubt: Wie weit darf die Inszenierung gehen? Polizisten mit tausenden Followern – gelungene Werbung für den Beruf oder gar berufsschädigende Selbstdarstellung? Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius sagte kürzlich: „Eine moderne Bürgerpolizei muss auch in sozialen Netzwerken ansprechbar sein und informieren.“ Soziale Medien werden im Polizeialltag immer wichtiger, nicht nur zur Unterstützung bei der Verbrecherjagd, sondern auch, um Vorurteile abzubauen und neue Kollegen anzuwerben. Seit gut einem Monat geben zwei niedersächsische Beamtinnen von der Bereitschaftspolizei bei Instagram Einblick in ihre facettenreiche Arbeit.

Vorreiterrolle der niedersächsischen Polizei

Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat oder Chatforen: Mit den sozialen Medien ist in den vergangenen Jahren eine völlig neue Form moderner Kommunikation entstanden, den viele Länderpolizeien und die Bundespolizei für Meldungen und Verhaltensaufrufen bereits intensiv nutzen. Seit gut einem Jahr geht Niedersachsen nun verstärkt in bundesweiter Vorreiterrolle den Weg des digitalen Community Policings. Unter „Internet Community Policing“ versteht man sinngemäß die „zielgruppenorientierte Polizeiarbeit im Internet“. Doch nicht nur das: Das Lüften des Vorhangs für den Blick hinter die Kulissen ist nur eine Seite des neuen Pilotprojekts – der Hauptgrund ist die Kommunikation mit den (überwiegend jungen) Nutzern dieses Kanals der sozialen Medien. Die „Instacops“ beantworten auf dem Kanal auch die Fragen, die ihnen gestellt werden, und wollen als Ansprechpartner für ihre Follower einfach das „Ohr am Puls der Zeit“ haben. Das altbekannte Motto der Polizei „Dienst für und mit dem Bürger“ wird somit ins digitale Zeitalter übertragen.

Inzwischen gibt es 22 personalisierte Kanäle von Polizisten aus allen Teilen Niedersachsens, die ihre Follower mit Bildern, Videos und kurzen Informationen an ihren täglichen Diensten teilhaben lassen. Ziel ist es, den Bürgern auch im direkt-
virtuellen Kontakt ein Ansprechpartner zu sein, die Sorgen und Ängste der Bevölkerung aufzunehmen, sie mit präventiven Hinweisen zu aktuellen Themen zu versorgen, um auch im virtuellen Raum das Sicherheitsgefühl zu stärken. Aber es soll auch Werbung für die Polizeiarbeit und Gewinnung von Bewerbern für den Polizeiberuf sein.

Bürgernähe mit Hilfe von Instagram demonstrieren

Die Polizei in Niedersachsen lege großen Wert darauf, auch im digitalen Raum als bürgernahe Polizei erkennbar und präsent zu sein, sagte Niedersachsens Polizeipräsidentin Christiana Berg. „Es ist eine gute Möglichkeit, mit sozialer Interaktion zum Beispiel die Arbeit der Bereitschaftspolizei näherzubringen und auch unsere Sicht mehr darstellen zu können.“

Mitte Januar 2020 haben sich im Innenministerium in Hannover zum ersten Mal alle Onliner, Social-Media-Manager und Community Policer – also die „Instacops“ – in großer Runde getroffen. Dabei kam es zu einem Treffen und fachlichen Austausch mit Innenminister Pistorius: „Es gehört heutzutage auch dazu, nicht nur auf der Straße und in den Dienststellen, sondern ebenso online via Social Media präsent und ansprechbar zu sein. Diese Form der Kommunikation werden wir in den kommenden Jahren sicher noch weiter ausbauen.“

Instacops nicht überall erwünscht

Die Schwerpunkte bei den Berichten der Community Policer liegen bei klassischer Einsatz- und Streifenarbeit, den Aufgaben der Autobahnpolizei, der Arbeit mit Polizeihunden oder auch klassischer Ermittlungsarbeit. Ebenso gehört die Bereitschaftspolizei mit ihren vielfältigen Aufgaben und der Ausbildung dazu. Was Polizisten in sozialen Medien teilen können oder nicht, hängt mit ihrem Beruf als Staatsdiener zusammen. „Ob offline oder online – Polizisten müssen sich an Beamtenpflichten halten“, erklärt Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Bei Meinungsäußerungen müssen Beamte zum Beispiel auf Mäßigung achten und auch die parteipolitische Neutralität einhalten.

„Wie sieht der Alltag aus?“ oder „Ich möchte mich bei der Polizei bewerben, wie mache ich das?“ sind nur einige Fragen der Instagram-Nutzer. Beamte müssen natürlich sehr verantwortungsbewusst mit dem Account umgehen, da ist Sensibilität gefragt. Der Auftritt auf Instagram bedeutet für die Beamten zugleich mehr Arbeit. Aber nicht alle Bundesländer gehen diesen Weg mit: Polizisten, die sich im Internet als „Instacops“ inszenieren, will Baden-Württemberg nicht haben. Das Land untersagt seinen Beamten nun sogar jegliches private Fotografieren und Filmen im Dienst. Gerade hat Landespolizeipräsident Gerhard Klotter in einem dreiseitigen Schreiben an alle Polizeipräsidien klargestellt, was bei der Nutzung von sozialen Medien erlaubt und was verboten ist. Verboten sind unter anderem private Fotos von Beweismaterial und von Opfern sowie das Verbreiten von Fotos von Kollegen, auf denen das Landeswappen zu erkennen ist.

Nach Meinung des Autors müssen „Instacops“ Grenzen einhalten, da tendiere ich zur der Auffassung von Präsident Klotter. Was aber nach meiner beruflichen Erfahrung aus der Polizei Hamburg fehlt, sind die nicht genannten Gefühlslagen der Beamten nach schwierigen Einsätzen, nach Erleben von Gewalt, Tötung von Menschen und Respektlosigkeit, wo man auch an seine Grenzen kommt. Diese realistischen Berichte würden den Beruf etwas ehrlicher darstellen. Die Arbeit bei der Polizei – das sind nicht nur schöne Fotos und schöne Menschen, sondern man schaut auch in die Abgründe des Lebens.

Klaus Kapinos, ehemaliger Geschäftsführer des Studiengangs Sicherheitsmanagement an der Hochschule der Polizei Hamburg; verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der ASWN e.V.