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Vernetzte Sicherheitstechnik

„Integration ist die Zukunft“

Die Abus Gruppe präsentiert die Sparten Video, Zutritt, Alarmierung und Mechanik auf der Security 2018 als Einheit. Kurz vor Messebeginn war PROTECTOR & WIK bei Abus Security- Center am Standort Affing bei Augsburg zu Besuch und sprach mit CEO Benjamin Pflaum über seine Erwartungen an die veränderte Security, die Entwicklungen in der Sicherheitstechnik und die Positionierung seines Unternehmens.

PROTECTOR & WIK: Herr Pflaum, bereits vor zwei Jahren fehlten auf der Security in Essen bekannte Namen. Dieses Jahr werden einige weitere Aussteller der Messe fern bleiben. Die Abus Gruppe ist noch da, in gewohnter Größe am traditionellen Standort in Halle zwei. Welche Erwartungen haben Sie an die Security 2018?

Benjamin Pflaum: Wir messen der Security nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert bei, primär aus zwei Gründen: Erstens ist die Security nach wie vor die Leitmesse für die gesamte Sicherheitsbranche, und sie ist weiterhin die Leitmesse für Sicherheitstechnik. Vor allem was den Austausch mit Partnern betrifft, ist die Security die wichtigste Plattform für uns. Denn die Messe ist längst keine reine Produktshow mehr. Was man merkt, und was Sie auch am Abus Stand sehen werden, ist, dass sich die Security immer mehr von einer Technologie zu einer Dialogplattform entwickelt, auf der man sich darüber austauscht, wie wir die Branche weiter gestalten. Darauf geht auch unser Standdesign ein. Hier werden die Produkte nicht separat auf einzelnen Stelen ausgestellt, sondern auf Dialogflächen in der Anwendung diskutiert, um die Wege in die Zukunft zu ebnen.

Im März dieses Jahres war Abus bereits auf der Light + Building als Aussteller mit einem großen Stand vertreten, vor allem mit seinen Smart-Home-Systemen. Wie beurteilen Sie im Vergleich diese Messe?

Auch die Light + Building spielt eine große Rolle. Im Rahmen der Gebäudeleittechnik ist sie wahrscheinlich die wichtigste Leitmesse, die es im Moment gibt. Aus der Sicherheitstechnik, und vor allem aus der vernetzten Gebäudetechnik waren mehr Player auf der Messe, als wir erwartet hatten. Die Light + Building ist im Prinzip der Ausdruck des Phänomens, dass Sicherheitstechnik nicht mehr isoliert ist, sondern immer mehr Teil der Gebäudetechnik wird. Vor diesem Hintergrund muss man überlegen, wie man sich positioniert. Denn Sicherheit ist zweifellos eines der stärksten Gewerke innerhalb der Gebäudetechnik. Zusätzlich zur Security in Essen, wo ein konzentrierter und umfassender Blick auf das Thema Sicherheit stattfindet, wollen wir uns auch im Kontext präsentieren. Denn man muss sich den verschiedenen Ansprüchen, die es gibt, auch stellen. Das Publikum der Light + Building ist ein anderes, als das der Security, aber beide sind sehr wichtig. Auf der Light + Building sind viele Elektriker, ITler und Systemintegratoren, die sich primär mit der Vernetzung auseinandersetzen. Das spielt uns natürlich enorm in die Karten, eine ideale Plattform zu haben, um dort sehr gute Gespräche mit Partnern zu führen, die diese Ausrichtung verstehen und voran treiben werden.

Sie sehen die beiden Messen also nicht in Konkurrenz zueinander?

Überhaupt nicht. Integration hat sehr weite Anwendungsfelder und viele Einsatzgebiete, ob im gewerblichen oder privaten Bereich. Natürlich gibt es auch traditionelle Segmente, Tankstellen oder Banken zum Beispiel, die hohe Ansprüche an die Sicherheit haben. Und die trifft man nach wie vor allem auf der Security. Wir sehen die Light + Building einfach als zusätzliche Chance für Sicherheitsanbieter, ein wichtiges Gewerk in diesem erweiterten Kontext darzustellen, auch weil wir umfangreiche Informationen dazu anbieten. Das Coming-Home- Szeanrio, also wissen, wann wer nach Hause kommt, ist ein Asset, das wir wohl am besten von allen Herstellern verstehen. Es liegt einfach nahe, Sicherheitstechnik und ergänzende Smart-Home-Gewerke, zentral von der Tür aus über intelligente Zylinder wie unser „wAppLoxx“-System zu steuern.

Studien prophezeien dem Smart-Home- Markt nun bereits seit mehren Jahren eine goldene Zukunft. Doch immer noch scheint er nicht richtig in Schwung gekommen zu sein. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

Smart Home ist ein unglaublich vielseitiger Begriff. Zunächst einmal gab er der Sicherheitstechnik-Branche einen wichtigen Impuls, weil er eine Aufbruchsstimmung bei den Nutzern auslöste, die begannen, über bestimmte Dinge nachzudenken. Dass Potenzial für Smart-Home-Funktionen vorhanden ist, darüber sind sich alle einig. Was aber anfangs passierte, war erstmal nur eine Verschiebung. Es wurde eine neue Klasse „Smart Home“ gebildet, in der alles verortet wurde, das vorher unter dem Begriff Gebäudetechnik bekannt war. Dann ging man davon aus, dass dieser schon bestehende Markt wächst, was er natürlich erstmal nicht tat. Denn es handelte sich um dieselben Hersteller, die an die gleichen Kunden verkauften, mit besseren, smarteren Lösungen vielleicht.

Das eigentliche Smart-Home-Geschäft ist deswegen so schwierig frei zu legen, weil es ein Plattform-Geschäft ist. Um es zu beschleunigen, müssen mehrere Player gleichzeitig agieren. Wenn sie aber versuchen, mit mehreren, wirtschaftlich unabhängigen Einheiten gleichzeitig los zu laufen, ist das eine gewisse Herausforderung. Um es konkret an einem Beispiel zu zeigen: Wir verkaufen bekanntermaßen das vernetzbare Zutrittssystem „wAppLoxx“, das schon standalone viele Funktionen bietet. Sie können damit über das Handy Zutritte verwalten, in Echtzeit Berechtigungen ändern, temporären Zutritt gewähren und vieles mehr – per se ein wirklich gutes Produkt, das aber natürlich sein Geld kostet, weil es im Vergleich zu einem herkömmlichen Schließzylinder viel Mehrwert bietet.

Die ganzen Vorteile für den Privatanwender deutlich zu machen, ist aber nicht leicht. Unserer Erfahrung nach fragen immer mehr Anwender unsere Errichter nach der Vernetzbarkeit von Sicherheitstechnik mit anderen Gewerken. Unter anderem geht es dabei darum, von Serviceangeboten Dritter zu profitieren. Dafür muss man serviceorientiert denken, und braucht Partner, die in engem Dialog mit ihren Kunden stehen, und die Mehrwerte anhand, Gewerke übergreifender Beispiele verdeutlichen. Diese haben zwar immer mit Sicherheit zu tun, aber eben auch mit Komfort. Angenommen, Sie bekommen einen neuen Telefonanschluss, und einen Installationstermin. Wenn dann der Handwerker kommt, und Sie sind nicht zu Hause, dann geht der wieder – und Sie bekommen unter Umständen erst Wochen später Ihr Internet. Dem Handwerker kann man dabei keinen Vorwurf machen, auch er arbeitet unter Zeitdruck. Wäre es nicht für beide Beteiligten viel entspannter, wenn er wüsste, er bekäme zeitlich begrenzten Zutritt, und Sie bekommen dabei Bilder auf ihr Handy übermittelt? Dass sich solche Dinge früh oder später durchsetzen werden, ist meiner Meinung nach mehr als realistisch, ohne genau sagen zu können, ob sie morgen oder übermorgen eintreten. Der Mehrwert von Smart-Home- Technologie ist sowohl für den Errichter wie für den Anwender enorm, wenn man Sicherheit mit modernen Komfortfunktionen verbindet.

Bedeutet das zunehmende Interesse der Endkunden an Smart Home beziehungsweise Komfort-Funktionen auch eine veränderte Kundenansprache, vom B2Bhin zum B2C-Geschäft?

Wir haben schon immer Wert darauf gelegt, mit unseren Kunden Kontakt zu halten. Gleichzeitig sind wir aber maximal fachhandelskonform, denn wir machen selbst keine Aufträge. Das wiederum heißt aber nicht, dass wir bei der Aufklärung der Anwender nicht maßgeblich beteiligt sind. Viel im Dialog zu sein, zu inspirieren, diese Dinge sehen wir auch als unsere Aufgabe, weil gerade Smart Home eben auch ein sehr individuelles Thema ist. Hier muss man als Hersteller durchlässiger werden. Man muss den Fachhandel hierbei als Hersteller begleiten. Vernetzte Sicherheitstechnik braucht umso mehr den Profi-Installateur. An unserer Abus Akademie bieten wir Präsenzseminare und Webinare dazu an.

Mit Zutrittskontrolle, Alarmtechnik und Videoüberwachung bietet Abus Security-Center Sicherheitstechnik aus einer Hand. Welche Vorteile hat das gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung und zunehmenden Vernetzung der Gewerke?

Das hat viele Vorteile. Wir sind völlig davon überzeugt, dass die Zukunft der Sicherheitstechnik integrierte Systeme sind, und glauben daran, dass die unterschiedlichen Welten über kurz oder lang verschmelzen werden. Zylinder sind im Prinzip das beste Bedienteil für Alarmanlagen. Denn gibt es eine natürlichere Integration als: Türe aufsperren, Alarmanlage aus? Oder andersrum, erst wenn die Tür abgeschlossen wird, schaltet sich die Alarmanlage ein. Das sind Dinge, die einfach Sinn machen.

Neben elektronischer Sicherheitstechnik, steht Abus auch für hochwertige mechanische Sicherheit. Welchen Stellenwert messen Sie diesem Branchezweig zukünftig zu?

Die Fusion unserer mechanischen mit elektronischen Komponenten haben wir ja bereits vor Jahren sehr erfolgreich vollzogen. Mit unseren rein mechanischen Komponenten sind wir immer wieder Testsieger bei der Stiftung Warentest. Als einziger Hersteller bieten wir diese Komponenten auch in mechatronischer Form an, das heißt, diese verfügen über dieselbe Schutzklasse wie die mechanischen Lösungen, die mit Alarmierung erweitert wurden, wieder eine Lösung, die absolut Sinn macht. Denn zu wissen, dass jemand versucht einzubrechen, statt zu erfahren, dass eingebrochen wurde, ist ein signifikanter Unterschied. Wenn wir heute Projekte bearbeiten, ist das Hauptausschreibungsmerkmal natürlich die Elektronik. Die erste Frage ist oft: „Was könnt ihr elektronisch?“. Umgesetzt wird dann aber meistens ein Hybrid-Projekt, reine Elektronik-Projekte sind immer noch eine Rarität. Hier haben wir den Vorteil, dass wir sowohl in der Mechanik, als auch in der Elektronik Profi-Know-how im Haus haben. Beide Bereiche gehen Hand in Hand, und wir sehen auch nicht, dass Mechanik in Jahren keine Rolle mehr spielen wird, so einfach ist das nicht. Denn ein mechanischer Zylinder in höchster Qualität hat immer noch seine spezifischen Vorzüge. Die Nachfrage nach elektronischen Zutrittslösungen steigt zweifellos. Die allermeisten Projekte bestehen aber immer noch aus gemischten Installationen, und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern.

Wie wird der Messeauftritt von Abus auf der Security aussehen? Welche Themen stehen im Vordergrund?

Die Abus Gruppe wird sich wieder als Einheit auf der Security präsentieren und den Partnern, die ja in vielen Fällen alle Abus-Sparten nutzen, zeigen, wie weit das Lösungsspektrum von Abus bereits ist. Aus allen Sparten werden sie auch neue Produkte zu sehen bekommen, die Konzentration wird aber auf der Lösungskommunikation liegen. Was speziell Abus Security-Center betrifft, so haben wir neue Kameras im Programm, neue Zutrittsthemen dabei, und auch im Bereich Alarmierung zeigen wir neue Perspektiven auf. Wie schon auf den letzten Security-Messen auch wird es am Stand wieder eine Sektion geben, in der wir uns um die Zukunft kümmern, und zu guter Letzt wird es auch einen Dienstleistungsbereich mit Vorträgen geben, in dem wir unser Angebot im Rahmen von Services vorstellen. Ich bin überzeugt, es wird wieder ein sehr runder Messeauftritt. Auf der Security 2018 können Sie allein am Abus-Stand einen ganzen Tag verbringen. Andreas Albrecht