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Schutz kritischer Infrastrukturen

Integration ist Trumpf

Versorgungsunternehmen sind Teil der unverzichtbaren Infrastruktur eines Landes und müssen deshalb besonders geschützt werden. Denn wenn sie aufgrund von Diebstahl, Sabotage oder Brandschaden ausfallen, entsteht dadurch nicht nur ein direkter materieller Schaden. Hier sind individuelle Schutzkonzepte gefragt, die auf die Besonderheiten eingehen.

Neben materiellen Schäden kann das Unternehmen bei einem Ausfall seine Dienstleistungen nicht mehr oder nur mit verminderter Qualität bereitstellen. Je nach Schadensfall sind einige Hundert bis viele Tausend Menschen betroffen. Die Auswirkungen reichen von ärgerlichen Einschränkungen und wirtschaftlichen Einbußen, wenn zum Beispiel ein Unternehmen aufgrund fehlender Strom- oder Internetverbindung nicht arbeiten kann, bis hin zu gesundheitlichen Gefährdungen, beispielsweise bei Beeinträchtigungen der Trinkwasserqualität.

Zahlreiche Anforderungen

Demensprechend sind für Gebäude und Anlagen von Versorgungsunternehmen besondere Sicherheitsmaßnahmen festgelegt, nach denen Sicherheits- und Brandschutzanlagen geplant und installiert werden müssen. Auch versicherungstechnische Anforderungen sind zu beachten ebenso wie die regionalen Anforderungen aus den technischen Anschlussbedingungen der Feuerwehren. Zudem hat jede Brandmeldeanlage ihre Besonderheiten, da Planer und Errichter objektspezifische Parameter berücksichtigen müssen. Dazu gehören explosionsgefährdete Bereiche, beispielsweise in einem Gaskraftwerk, aber ebenso große Raumhöhen, klimatische Besonderheiten oder die Alarmierung und Fluchtwegetechnik für Mitarbeiter.

Neben dem Brandschutz spielt auch die Sicherung gegen Diebstahl sowie unerlaubten Zugriff und Vandalismus eine große Rolle beim Schutz von kritischen Infrastrukturen. Diebstahl kostet den Versorgungssektor jährlich mehrere Millionen Euro. Metall – insbesondere Kupfer – ist trotz gesunkener Rohstoffpreise immer noch ein attraktives Ziel für Diebe. Die Deutsche Bahn beispielsweise verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2015 etwa 1.000 Fälle von Kupferdiebstahl.

Eine besondere Herausforderung ist auch die Größe der Anlagen und ihr oftmals dezentraler Aufbau. Der Sicherheitsverantwortliche eines Strom- oder Wasserversorgungsunternehmens hat seinen Sitz häufig in der Firmenzentrale des Unternehmens. Gleichzeitig ist er aber für Sicherheits- und Brandschutzsysteme in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern sowie für den Schutz zahlreicher abgelegener und über das Land verteilter Liegenschaften zuständig.

Mehrere Standorte effektiv verwalten

Wie also können Sicherheitsverantwortliche von Versorgungsunternehmen ihre abgeschiedenen Anlagen effizient und kostengünstig schützen? Eine potenzielle Lösung ist die integrierende Sicherheitstechnik. Eine Zutrittskontrolle in Kombination mit einem Videoüberwachungs- und Managementsystem zum Beispiel erlaubt es Sicherheitsverantwortlichen, ein unternehmensweites Sicherheitssystem von einem zentralen Standpunkt aus zu kontrollieren. Eine aufeinander abgestimmte Lösung mit Brandschutz, Einbruchschutz, Videoüberwachung und Zutrittskontrolle bietet dabei viele Vorteile.

Wie eng Brandschutz und Sicherheitstechnik vernetzt sein dürfen, hängt vielfach von den Sicherheitszielen ab. Selbstverständlich dürfen unterschiedliche Gewerke, wenn sie miteinander interagieren, keine gegenseitige negative Beeinflussung zur Folge haben. Ist diese Bedingung erfüllt, kann das Zusammenwirken im Schadensfall Eskalationen unterbinden und bei der Evakuierung sowie der Intervention durch Hilfskräfte die Schadensbekämpfung unterstützen oder zumindest erleichtern.

Videoanalyse in Gefahrensituationen

Videoanalysen sind bei Versorgungsunternehmen sinnvoll, um Anlagen an entfernten Standorten schnell und ressourcenschonend zu überwachen. Im Vergleich zu herkömmlichen Bewegungssensoren können Videoanalyselösungen in Situationen, in denen ein Sicherheitsteam nicht persönlich anwesend ist, sehr hilfreich sein.

Daten, die durch Videoanalyse gewonnen werden, helfen Sicherheitsverantwortlichen bei der schnellen und fundierten Entscheidungsfindung, um Sicherheitsressourcen angemessen zuzuordnen und einzusetzen, ohne dass zwangsweise ein Wachmann vor Ort vorbeigeschickt werden muss. Gleichzeitig ist auch denkbar, dass sie die Einsatzkräfte im Falle eines Brandes unterstützen und beispielsweise wertvolle Informationen über das Ausmaß oder den genauen Brandherd innerhalb eines Raumes liefern.

Kontrollierter Zutritt

Viele Versorgungsunternehmen beschäftigen eine große Zahl an Mitarbeitern, Lieferanten, Betreibern und Auftragnehmer, die jede Woche mehrere Betriebsgelände betreten. Allen Personen den Zugang zum passenden Einsatzgebiet zu erlauben, gleichzeitig aber den Zutritt in Hochrisikozonen zu beschränken, ist eine große Herausforderung. Durch die kritische Bedeutung der Versorgungsinfrastruktur müssen Zutritte außerdem dokumentiert werden und diese Daten stets aktuell und in Echtzeit verfügbar sein.

Ein Zutrittskontrollsystem stellt sicher, dass unautorisierte Personen Sperrgebiete nicht betreten und sich als Teil der Belegschaft ausgeben können. Sobald ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt oder ein Auftragnehmer wechselt, werden die Zugangsdaten aktualisiert. Gleichzeitig kann bei einer Vernetzung mit dem Brandschutz auch sichergestellt werden, dass Einsatzkräfte uneingeschränkt Zutritt zu den betroffenen Gebäudeteilen erhalten oder genaue Informationen darüber, wie viele Personen sich noch im betroffenen Gebäude befinden.

Fernüberwachung via Cloud

Cloud-Video und Zutrittskontrollsysteme lassen sich einfach über IP-Vernetzung implementieren und sind damit wirtschaftliche und einfach zu wartende, fernüberwachte Sicherheitssysteme. Lediglich die Hardware ist am jeweiligen Einsatzpunkt vor Ort zu installieren. Die einzelnen Objekte werden dann zentral durch einen Standort überwacht, der über einen Server Zugriff erhält. Auch beim Brandschutz geht die Entwicklung – unter Berücksichtigung des Erhalts sicherheitsrelevanter Mindestfunktionalitäten – in Richtung Cloud und unterstützt die Vernetzung zum intelligenten Gebäude.

Eine Gefahrenmeldeanlage hat im Normalfall keinerlei Funktionen zu übernehmen, könnte also währenddessen durchaus sekundäre Steuerungen, Messwertaufnahmen oder ähnliches übernehmen, verteilen und weiterverarbeiten. Unter dem Schlagwort Industrie 4.0 werden wir in naher Zukunft komplexe, systemübergreifende Funktionserweiterungen erwarten können, um Gebäude komfortabler aber auch sicherer nutzen und ausstatten zu können.

Frank Richter, Frank Herstix
Foto: Honeywell

Zentrale Sicherheitssysteme im Einzelhandel

Sicheres Einkaufsnetz

Ob städtischer Supermarkt oder kleiner Dorfladen – Einzelhandelsunternehmen vereinen verschiedene Geschäftseinrichtungen an einem Standort: Verkaufs-, Lager-, Personal- oder Abstellräume, Schaufenster und Parkplätze. Diese Komplexität ist eine besondere Herausforderung für Sicherheitsverantwortliche.

Foto: Honeywell

Integrierte Sicherheitssysteme

Nachts im Museum

Je bekannter ein Ausstellungsstück in einem Museum, desto höher ist auch sein ideeller und monetärer Wert. Noch gefährlicher als Diebstahl ist ein Brand, der wertvolle Unikate unwiederbringlich zerstört. Eine umfassende Sicherheitslösung ist daher ein Muss für jedes Museum, vom Heimatmuseum bis zum Louvre.

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IoT-Integration von Brandmeldezentralen

Feuerfest im Netz

Alles mit allem zu vernetzen, um Synergiepotentiale zu nutzen und neue Services zu ermöglichen, ist das große Versprechen des Internet of Things (IoT). Auch für die Brandmeldetechnik könnte dies künftig einige Vorteile bringen.

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Mobile Sicherheitssysteme

Mehr Sicherheit für unser Wasser

Primäre Versorgungseinrichtungen, zu denen auch Wasser- und Abwasserwerke gehören, sind für das Funktionieren unserer komplexen verkehrstechnischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Infrastrukturen unerlässlich. Ein Versagen derselben führt dabei nicht nur zu Versorgungsengpässen, sondern geht auch stets einher mit hohen wirtschaftlichen Schäden.