Martin Bemba (rechts), CEO Abus Security Center, und Geschäftsführer Ulrich Kastner-Jung nach dem Interview mit PROTECTOR vor der Firmenzentrale in Affing bei Augsburg.
Foto: Andreas Albrecht

Interviews

Integriert, intelligent, intuitiv

Abus Security Center forciert als Komplettanbieter die Vernetzung von Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und Alarmierung in einer Systemlösung.

PROTECTOR traf CEO Martin Bemba und Geschäftsführer Ulrich Kastner-Jung am Firmenstammsitz in Affing und begab sich mit ihnen auf eine Reise in die Zukunft der digitalisierten Abus-Welt.

PROTECTOR: Herr Bemba, Sie sind seit über 30 Jahren in der Sicherheitsbranche aktiv und seit Mai 2019 CEO von Abus Security Center. Wo verorten Sie das Unternehmen innerhalb der Branche?

Martin Bemba: Abus hat Sicherheit in seiner DNA. Das Unternehmen war für mich schon immer das Synonym für Sicherheit. Ich glaube nicht, dass das nur mir so geht: Wenn man das Logo von Abus sieht, dann assoziiert man damit automatisch Sicherheit, unabhängig davon, ob es nun der Fahrradhelm, das Schloss oder die Sicherheit im Gebäude ist, und zukünftig wird das noch für viele weitere Bereiche gelten. Denn den großen Vorteil bei Abus sehe ich vor allem in den Möglichkeiten der Integration. Wir sind der einzige Anbieter, der die Kombination aus elektronischer und mechanischer Sicherheit bietet, was meinem Verständnis nach ein integraler Bestandteil für Komfort und Sicherheit ist.

Nehmen Sie etwa die Tatsache, dass Sie das Zutrittskontrollsystem „wAppLoxx“ nutzen, um die Tür zu schließen, gleichzeitig die Alarmanlage scharf geschaltet wird und die Videoüberwachungskameras aufzeichnen – diese Möglichkeit bietet nur Abus. Hier haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, das wir weiter ausbauen werden, um Komfort und Sicherheit im Gebäude weiter zu erhöhen.

Sie zeigen hier bereits sehr konkret vernetzte Lösungen in verschiedenen Anwendungsszenarien. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Ulrich Kastner-Jung: Wir arbeiten intensiv an einer integrierten, intelligenten Sicherheitslösung. Die Tatsache, dass Abus bereits Komplettanbieter im Bereich Sicherheitstechnik ist, ist dabei ein großer Vorteil, denn sämtliche Einzellösungen sind bereits vorhanden. Hier in Affing sind das die Sicherheitsdomänen Alarm, Video und elektronische Zutrittskontrolle, die wir nutzbringend und einfach bedienbar mit Home Automation und Building Automation verknüpfen. Die Kernkompetenz Mechanik wurde schon länger um Elektronik zur Mechatronikexpertise erweitert. Derzeit verschmilzt Abus sein mechatronisches Sicherheitswissen mit digitalen Möglichkeiten und ermöglicht seinen Kunden, von wichtigen, neuen Sicherheitspotentialen zu profitieren. Grundsätzlich dies alles unter einem Firmendach zu haben und dabei zu erleben, wie auch unterschiedliche Kompetenzen an einem Strang ziehen, um mehr Sicherheit zu schaffen, ist ein Riesenvorteil.

Die einzelnen Produkte beziehungsweise Lösungen in einem integrierten, intelligenten System zusammenzubringen, ist natürlich eine große, aber auch sehr spannende Aufgabe. Wir reden jetzt nicht mehr nur von einer Alarmanlage, einem Videosystem oder einem Zutrittskontrollsystem, wir reden von der Chance, Dinge zu integrieren, und durch diese Integration schaffen wir Mehrwert, der über die einzelnen Lösungen hinausgeht. Das ist in dieser Dimension im Markt einzigartig.

„Wir reden jetzt nicht mehr nur von einer Alarmanlage, einem Videosystem oder einem Zutrittskontrollsystem, wir reden von der Chance, dies alles in einem System zu integrieren.“

Welche Bedeutung nimmt das Projekt innerhalb der Abus-Gruppe insgesamt aktuell ein?

Ulrich Kastner-Jung: Eine sehr hohe. Wir versuchen prinzipiell, alle Abus-Mitarbeiter einzubinden, und immer mehr gestalten es aktiv mit. Anfangs waren wir ein kleines Team. Inzwischen arbeitet an digitalen Lösungen im produkttechnischen Bereich der überwiegende Teil unserer Mitarbeiter und das Projekt wächst täglich rapide weiter.

Martin Bemba: Ein Schlüssel des Erfolgs sind dabei unsere User Experiences, mit denen wir unseren Kunden die Möglichkeit bieten, die Entwicklungen und Anwendungen praktisch zu erleben. Entscheidend ist meiner Überzeugung nach, dass die Systeme intuitiv bedient und genutzt werden können. Im Zusammenhang mit der Integration der verschiedenen Gewerke kommt das natürlich auch dem Errichter entgegen. Die Sicherheitsgewerke haben wir in unserer Hand und können autark entscheiden, auf welche Weise wir diese steuern, integrieren und erlebbar machen. Aber es werden in Zukunft auch weitere Gewerke jenseits der Sicherheitstechnik, etwa die Rollladensteuerung, die Heizung oder das Licht, mit eingebunden. Diese zu integrieren und die User Experience entsprechend zu gestalten, wird ein Schlüsselelement sein.

Zur Realisierung einer solch umfassenden integrierten Lösung dürfte die Nutzung Künstlicher Intelligenz eine große Rolle spielen. Wie schätzen Sie die Entwicklung in diesem Bereich ein?

Martin Bemba: Es wird die Welt revolutionieren, ich glaube, den meisten Leuten ist noch gar nicht klar, in welchem Ausmaß.Schon heute haben wir eine Software bei uns im Angebot, die es uns erlaubt, Videodaten zu analysieren und daraus auch wirklich Schlüsse zu ziehen. Wir sind beispielsweise in der Lage, Menschenströme zu messen, wissen also, wie viele Menschen einen Bereich passieren, was gerade für Event-Veranstalter interessant ist. Und wenn ein Gebäude geräumt werden muss und Panik entsteht, können wir dank KI Fluchtströme lenken. Daraus lassen sich vollkommen neue Use Cases und neue Mehrwerte für die Kunden ableiten, im Sicherheitsbereich, aber auch weit darüber hinaus. Wenn man die Systeme dann miteinander vernetzt, kann man sich vorstellen, dass das große Veränderungen bringen wird.

Ulrich Kastner-Jung: Natürlich ist die Künstliche Intelligenz im Moment in gewisser Weise auch ein Trendthema. Ich bin jetzt seit 25 Jahren digital unterwegs und erlebe KI gerade zum zweiten Mal. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass diesmal ungleich höhere Datenmengen entstehen, die kanalisiert und ausgewertet werden können und müssen. In den letzten zwei Jahren sind 80 Prozent aller jemals gesammelten Daten entstanden. Fast alle Branchen arbeiten im Moment an dem Thema: War KI früher eher forschungsorientiert, ist sie heute in der industriellen Anwendungsentwicklung angekommen und demonstriert überzeugende Fortschritte und Vorteile für den Anwender.

Ich glaube, das Erfolgsprinzip wird sein, sich gezielte Bereiche herauszusuchen, in denen man KI einsetzt. Wenn man wie bei der Robotik meint, man hat einen Haushaltsroboter, der jetzt alles erledigen kann, vom Gassigehen mit dem Hund bis zum Einkaufen und auf die Kinder aufpassen, dann wird das nichts. Als man die Robotik hingegen auf eine Aufgabe konzentriert hat, und sie zum Beispiel ausschließlich zum Rasenmähen eingesetzt hat, wurde sie zum Erfolg. Nach demselben Prinzip ist das auch in der Sicherheitstechnik zu sehen, auch hier sollten wir KI sehr gezielt in bestimmten Bereichen einsetzen, wo wir sie sauber trainieren und robust genug anbieten können. Wenn wir KI begrenzte, konkrete Aufgaben zuweisen, dann bin ich überzeugt davon, dass sie ihr Potenzial voll entfalten wird. Man merkt das heute bereits in der Bildanalyse. In einigen Bereichen kann KI bereits heute deutlich besser und weniger fehleranfällig als der Mensch erkennen, was auf einem Bild zu sehen ist.

„KI wird die Welt revolutionieren, ich glaube, den meisten Leuten ist noch gar nicht klar, in welchem Ausmaß.“

Sie betonten vorhin vor allem die Sicherheit im Gebäude. Ist Ihrem Verständnis nach die Sicherheitstechnik Teil der Gebäudetechnik?

Martine Bemba: Also ich glaube, das muss man unterschieden, je nachdem in welchem Land und welcher Region man ist. Mein Gefühl ist, in Deutschland wird das noch länger dauern, beide Gewerke wirklich miteinander zu verheiraten. Andere Regionen, wie zum Beispiel der Mittlere Osten oder Asien, sind hier schon weiter. Davon abgesehen hängt viel davon ab, wie offen die Kunden gegenüber neuen Technologien sind, da gibt es kein schwarz und weiß. Aber ja, prinzipiell schließt die Gebäudeautomation, das intelligente Gebäude, natürlich die Sicherheitstechnik mit ein.

Welchen Stellenwert messen Sie in der Kundenansprache dabei zukünftig Fachmessen wie der Security in Essen und der Light + Building in Frankfurt bei?

Ulrich Kastner-Jung: Wir befinden uns als Unternehmen in einem grundlegenden Wandel und wollen unsere Partner und Kunden dabei mitnehmen. Dafür sind Messen ideal. Hier ist natürlich mal die eine Messe geeigneter als die andere, je nachdem, welche Kunden- beziehungsweise Endkundengruppe wir ansprechen wollen.

Martin Bemba: Wir haben auch viel über Digitalisierung gesprochen. Ich bin davon überzeugt, dass zukünftig viel Kommunikation über andere Medien stattfinden wird, als über Messen. Ich glaube aber auch, dass gerade für Abus, für unsere Kundengruppe, Messen nach wie vor eine wichtige Rolle spielen werden. Wenn wir beispielsweise über ein neues Produkt informieren möchten, dann können wir das mit Sicherheit auch über andere Kanäle machen, dafür gibt es ganz fantastische neue Möglichkeiten, etwa Virtual Reality und andere Technologien. Wenn ich aber die Kunden über ein Produkt oder eine Lösung hinaus informieren will und sie mitnehmen möchte auf die Reise, die wir gemeinsam vorhaben, dann bedarf das schon ein bisschen mehr Interaktion. Dafür sind Messen nach wie vor ein ideales Medium.