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Klaus Kapinos, ehemaliger  Geschäftsführer des Studiengangs Sicherheitsmanagement an der Hochschule der Polizei Hamburg und Fachautor
Foto: Grafik_ PROTECTOR
Klaus Kapinos, ehemaliger  Geschäftsführer des Studiengangs Sicherheitsmanagement an der Hochschule der Polizei Hamburg und Fachautor

Meinungen

Interessenskonflikt: Schutzhundwesen vor dem Aus?

Über das Schutzhundwesen wird heftig gestritten. Den Interessenskonflikt zwischen Tierschutz und Sicherheitswirtschaft/Polizei kommentiert Klaus Kapinos.

Was die Politik und Behörden in der Diskussion um das Schutzhundwesen völlig vergessen haben: Auch die private Sicherheitswirtschaft setzt in vielen Bereichen Schutzhunde zum Objektschutz und Durchsetzung des Hausrechts ein und ist ebenfalls vom Interessenskonflikt betroffen. Die Tiere würden gequält, sagen Tierschützer. Man hole das Beste aus ihnen heraus, entgegnen Hundeführer sowohl in der Polizei als auch der Sicherheitsdienstleistung. Wer hat nun Recht?

Fakt ist, dass das Schutzhundewesen im Sicherheitsdienst eine über 100-jährige bewährte Tradition hat. Der Schutzhund ist als Einsatzmittel anerkannt und dient zum Schutz des Hundeführers im Einsatz und zur Deeskalation von Situationen.

Schutzhundwesen von neuer Tierschutz-Hundeverordnung betroffen

Die wenigsten Leser werden einen Schutzhund im Einsatz erlebt haben. Wenn ja, versteht man nämlich die Wichtigkeit dieses Einsatzmittels Hund, zum Beispiel bei der Suche nach Einbrechern in einem Gebäude. Seitdem Tierschützer beklagen, dass es bei der Polizeihunde-Ausbildung nicht tiergerecht zugeht, steht die Reputation der Hundeführer auf dem Spiel. Es geht um ein Halsband, welches Schutzhunde in ihrer Ausbildung und nur im Einsatz tragen: ein Stachelhalsband. Und die neue Tierschutz-Hundeverordnung verbietet dies seit Anfang 2022.

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Der Staat hat es versäumt, Polizeibehörden und die Sicherheitswirtschaft vor Inkrafttreten der Verordnung an der sonst üblichen Verbändeanhörung zu beteiligen. Und die Verbände der Sicherheitswirtschaft sowie die Sicherheitsdienstleister mit Hundeschulen haben diese Entwicklung verschlafen. Keine rechtzeitige Reaktion und Protest. Für alles gibt es Interessengruppen, nur nicht für Schutzhunde.

Schutzhunde stehen im Einsatz extrem unter Adrenalineinfluss. Wenn sie in Notwehr, Eigenwehr oder auf Befehl Täter beißen, muss der Bissreflex mittels eines kurzen Schmerzimpulses gelöst werden. Und dies gelingt nur mit dem Stachelhalsband, so die bisherige bewährte Praxis. Denn: Beißen will gelernt sein!

Interessenskonflikt nicht lösbar

Das Diensthundewesen, nicht nur in der Sicherheitswirtschaft, ist heute darauf zugeschnitten, den Hunden die Einsätze so erträglich wie möglich zu gestalten. Die Diskussion hat ein völlig falsches Grundbild erzeugt. Von Tierquälerei kann nicht die Rede sein.

Das Schutzhundewesen im Sicherheitsdienst hat eine über 100-jährige bewährte Tradition. Nun ist ein Interessenskonflikt entstanden. 
Das Schutzhundewesen im Sicherheitsdienst hat eine über 100-jährige bewährte Tradition. Nun ist ein Interessenskonflikt entstanden. 

Welche Auswirkungen hat das Verbot nun? Laut Aussage des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer sind die derzeitigen Bestandshunde, also die im Einsatz befindlichen Hundegenerationen, nicht mehr verwendbar. Diese sind auch nicht mehr „korrigierbar“, eine Umschulung ist nicht möglich. Es müsste eine neue Generation Schutzhunde unter den neuen Bedingungen ausgebildet werden. Laut englischen Fachleuten sind diese dann aber nur noch beschränkt einsatzfähig. Fachleute im deutschen Schutzhundewesen gehen von einem Ende der Einsatzverwendung aus.

Mäurer sagt es deutlich: Das Fehlen der Schutzhunde bedeutet den Einsatz von mehr Personal, Erhöhung der Kosten und Änderung der Einsatzkonzepte. Dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes ist dies egal: „Dann stirbt das Schutzhundewesen eben aus.“

Diese fundamentalistische Einstellung der Tierschützer sowie des Bundeslandwirtschaftsministeriums unter der damaligen Leitung von Julia Klöckner lässt einen Schluss zu: Tierschutz geht vor Menschenschutz!

Klaus Kapinos, ehemaliger  Geschäftsführer des Studiengangs Sicherheitsmanagement an der Hochschule der Polizei Hamburg und Fachautor

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