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Smarte Sicherheit in ambulanter Pflege

Ist der Herd auch aus?

Der demografische Wandel ist da: Unsere Gesellschaft wird immer älter und immer mehr Menschen benötigen Hilfe und Pflege. Doch wie kann das Sicherheitsbedürfnis der Senioren befriedigt werden?

Mit zunehmendem Alter steigt das Sicherheitsbedürfnis des Menschen. Besonders allein lebende Senioren – meist Seniorinnen – fürchten sich vor Einbrüchen und Überfällen. Die Sicherheitskette an der Wohnungstür reicht oftmals nicht zur Beruhigung aus. Ein Panzerriegel muss her.

Unfallrettung vs. Einbruchschutz

Mehr als unangenehm ist es dann, wenn beispielsweise durch einen Sturz ein Notfall eintritt und der benachrichtigte Rettungsdienst wegen der Sicherheitstechnik nicht in die Wohnung gelangen kann. Die Feuerwehren berichten, dass in großen Städten täglich drei Wohnungen gewaltsam geöffnet werden müssen, um Leib und Leben des Verunfallten zu retten. Bei einer einfachen Wohnungstür reicht oftmals ein kräftiger Fußtritt, eine mit Panzerriegel gesicherte Tür lässt sich so natürlich nicht öffnen. Die Feuerwehr versucht in diesen Fällen per Drehleiter über einen Balkon oder ein Fenster einzudringen. Das alles kostet Zeit und ist aus baulichen Gründen vielfach gar nicht möglich.

Warum nicht – soweit vorhanden – die Tür durch den Pflegedienst öffnen lassen? Nun, die ambulante Pflege ist mobil unterwegs, muss erreicht werden, ihre minutiös geplante Tour unterbrechen, um zum Unfallort zu gelangen. Das dauert in Großstädten wie Berlin, Köln, München und Hamburg viel zu lange, wie die Praxis ergeben hat.

Wir haben also ein Spannungsfeld zwischen dem Einbruchschutz und der Unfallrettung, zwischen Polizei und Feuerwehr. Der Eine will sicher verschließen, der Andere will schnellen, problemlosen Zugang. An einer Lösung wird derzeit intensiv gearbeitet. Beteiligt sind neben dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen auch Vertreter der Feuerwehr, des VdS und der Smarthome Initiative Deutschland. Die bisher erarbeiteten Ideen zeigen, dass sich das Problem durchaus dank smarter Technik lösen lässt. Eine Empfehlung für die Industrie kann für das Jahresende erwartet werden.

Mehr Sicherheit zuhause

Die meisten Unfälle passieren im Haushalt, und das unabhängig vom Alter. Stürze von der Trittleiter, über ein Telefonkabel oder eine Teppichkante sind das „tägliche Brot“ der Rettungsdienste. Sehr häufig bricht dabei der Oberschenkelhals. Bei fehlender oder unsachgemäßer Hilfe besteht die tödliche Gefahr einer Embolie.

Es ist also sehr wichtig, schnellstmöglich professionelle Hilfe zu erhalten. Laut der Initiative Hausnotruf sind in deutschen Haushalten nur etwa 400.000 Hausnotrufanlagen installiert. Zusammen mit einem tragbaren Alarmknopf lässt sich die Leitstelle eines Hilfsdienstes wie DRK, Malteser, ASB alarmieren. Per bidirektionaler Sprachverbindung versucht der Mitarbeiter dort zu ermitteln, ob der Notarzt geschickt werden muss oder ob vielleicht nachbarschaftliche Hilfe ausreichend ist. Oft sind die Betroffenen selbst nicht sehr hilfreich und spielen das Problem herunter, „man möchte ja keinen Arbeit machen“. Wenn allerdings der Rettungsdienst erforderlich und die Wohnungstür stark gesichert ist, muss erst mit Hilfe der Feuerwehr dieses Hindernis gewaltsam überwunden werden, damit ärztliche Hilfe wirksam werden kann.

Notfall-Handy und Küchen-Airbag

Der Hausnotruf ist an das Telefonkabel gebunden, funktioniert also nicht, wenn der Senior nicht zuhause ist. Es gibt Smartphone-Apps, um Hilfe zu holen. Ein Smartphone mit Touchdisplay, also ohne Tasten, ist als Notfall-Handy allerdings ungeeignet. Im Falle eines Unfalls oder eines gesundheitlichen Problems mit Sturz, fällt in der Regel auch das Smartphone. Das Display wird beschädigt und als Folge lässt sich das Telefon nicht mehr bedienen.

Spezialisierte mobile Alarmsysteme – beispielsweise „Safemate“ - oder Senioren-Tasten-Handys mit Notfallknopf sind für diese Personengruppe besser geeignet. Das aus Norwegen stammende „Safemate“ baut im Sturzfall automatisch eine Verbindung zu gleichzeitig bis zu vier Stationen auf. Die Positions-Koordinaten werden sofort als SMS mit übertragen. Das Gerät hat sich bei Alleinarbeitern, Outdoorsportlern, Kindern und Senioren und hier auch im häuslichen Bereich bewährt. Wenn im Gebäude GSM-Handy-Empfang besteht, können solche Produkte den klassischen Festnetz-Hausnotruf sogar ersetzen. In weiten Teilen Scandinaviens gibt es kein Festnetz, dort wurden bereits gute Erfahrungen mit GSM-Lösungen gesammelt.

Senioren sind (angeblich) vergesslicher, als jüngere Menschen. Da verschmoren schon mal die Kartoffeln auf dem Herd, während mit den Enkeln telefoniert wird. Es gibt heute gute Überwachungseinrichtungen für die Küche. Längere fehlende Aktivität am Herd, eine zu hohe Temperatur oder sogar Rauchentwicklung führt mit dieser Sicherheitstechnik zu sofortiger Abschaltung des Stroms. Aus Skandinavien kommt eine Ergänzung zur Dunstabzugshaube. Bestimmte Kriterien auf der Herdoberfläche aktivieren nicht nur die Stromabschaltung. Entdeckt der Infrarotsensor eine Flammenbildung, wird schlagartig eine Löschgaswolke auf den Herd geschossen, um die Flammen zu ersticken. Quasi eine Art Küchen-Airbag.

Stromlos-Schalter an der Tür

Die Ungewissheit, ob alle elektrischen Verbraucher ausgeschaltet sind, treibt manche Menschen um: sind Bügeleisen und Kaffeemaschine aus und die Rollläden runter? Hilfreich ist eine Art Hotel-Kartenschalter neben der Wohnungstür. Ist die Karte gesteckt, sind die Verbraucher eingeschaltet oder einschaltbar. Ist die Karte entnommen, werden bestimmte Verbraucher automatisch stromlos geschaltet. Hat man also die Karte in der Tasche, kann man sicher sein, dass die kritischen Verbraucher stromlos sind. Solche Schaltungen sind auch im Wohnungsbestand ohne Schmutz und Lärm nachrüstbar, beispielsweise durch Enocean-Funk-Kartenschalter und Aktoren.

Die Wohnung wird heute zunehmend auch als dritter Gesundheitsstandort gesehen. Von Laien sicher bedienbare Vital-Parameter-Messgeräte ermitteln Gewicht, Blutdruck und Zucker, sowie Aktivität. Diese Daten lassen sich – natürlich verschlüsselt – zu einem Callcenter mit medizinischer Kompetenz übertragen. Hier lassen sich Abweichungen vom Soll-Zustand feststellen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten. Oftmals reicht es, die ambulante Pflegekraft oder Familienangehörige zu informieren. Diese Geräte gibt es heute schon, sie sind erprobt und von den Patienten akzeptiert. Leider tun sich viele Kranken- und Pflegekassen noch schwer, doch das wird sich durch die Personal-Notlage der Pflege schnell ändern.

Sicherheit im Altenheim

Können Senioren nicht mehr durch einen ambulanten Pflegedienst zuhause betreut werden, bleibt nur das Alten- und Pflegeheim. Bei Heimen ergeben sich allerdings mehrere, sehr unterschiedliche Sicherheitsaufgabenstellungen. Ein Heim ist keine Festung. Im Prinzip kann es jeder, sowohl als Bewohner oder als Besucher betreten. Weil die Zimmer in der Regel nicht ge- und schon gar nicht verschlossen sind, haben Langfinger leichtes Spiel. Aufzeichnende Kameras an den Gebäudezugängen sind eine gute Abschreckung. Sie helfen, im Falle eines Diebstahls, den oder die Täter zu identifizieren. Eine Videoüberwachung des Heims oder sogar der Zimmer wird allerdings nicht akzeptiert.

Zum Krankheitsbild Demenz gehört es, dass in einer der Krankheitsphasen eine permanente Weglaufgefahr besteht. Die dementen Bewohner wollen schlicht und einfach „nach Hause“. Eine freiheitsbeschränkende Maßnahme wie Einschließen oder als technisches Mittel eine RFID-Armband, welches verhindert, dass sich die Haustür öffnen lässt, ist grundsätzlich nicht zulässig. Das ist auch gut so, denn im Brandfall würden die so ausgestatteten Bewohner Fluchttüren nicht benutzen können. Nur in besonderen Einzelfällen können Richter eine entsprechende Maßnahme anordnen. Erlaubt ist allerdings, mit einem RFID-Armband beim Verlassen des Gebäudes oder des Gartens, einen Weglauf-Alarm beim Personal auszulösen. So lässt sich der Patient finden und liebevoll zu seinem eigenen Schutz wieder ins Heim zurückbringen.

Günther Ohland, Smarthome Paderborn

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Brandprävention

Automatische Herdabsicherung mit Hertha

Fast täglich berichten Zeitungen über Herdbrände – oft mit Sach- oder gar Personenschaden. Häufig sind es Menschen zwischen 20 und 50, die vergessen, den Herd abzuschalten – aufgrund von Stress, Hektik oder Übermüdung. Eine weitere Risikogruppe stellen Senioren und Demenzkranke dar.

Erkennt ein Monitor einen kritischen Wert bei den Vitalfunktionen, sendet er über eine standardisierte Schnittstelle ein Signal an einen Alarmserver.
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Katastrophenmanagement

Wie Sicherheitsrisiken in Kliniken minimiert werden

Wenn Kapazitäten in Kliniken und neue Kommunikationswege im Pflegebereich ausgebaut werden, können Consumer-Endgeräte schnell zu Sicherheitsrisiken werden.

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Brandschutz in Pflege-/ Betreuungseinrichtungen

„Sprinkleranlagen würden helfen“

Die Deutschen werden älter und leben länger, damit steigt auch die Anzahl der Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Und mit den Problemen, die auch für Feuerwehren erwachsen, befasst sich der Amtsleiter der Feuerwehr Bonn, Jochen Stein. Auf dem diesjährigen Symposium „Baurecht und Brandschutz“ des Bureau Veritas legte er dazu Überlegungen für neue und angemessenere Schutzkonzepte vor. PROTECTOR sprach mit ihm nach dem Symposium über das komplexe Thema.

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Polizei

Unseriöse Schlüsseldienste

Schnell ist es passiert: Man will nur noch kurz den Müll rausbringen und die Wohnungstür fällt hinter einem ins Schloss. Also muss ein Schlüsseldienst her, der die Tür öffnet. In diesem Dienstleistungssektor sind jedoch einige schwarze Schafe unterwegs, die ihre Kunden mit überzogenen Rechnungen abzocken.