Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Festsaal des Bayerischen Hofs. IT-Magnaten begegnen Staatspräsidenten auf Augenhöhe.
Foto: Bernd Schöne

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IT-Sicherheit dominiert Münchner Sicherheitskonferenz

Die Zeiten, als Politiker auf der Münchner Sicherheitskonferenz noch über Atomwaffen stritten, scheinen vorbei zu sein. Dieses Jahr dominierte jedenfalls das Thema IT-Sicherheit.

Die Münchner Sicherheitskonferenz, beziehungsweise die Munich Security Conference (MSC), 1963 als Wehrkundetagung gegründet, hat sich radikal in Richtung Themen der IT-Sicherheit verändert: Cloud-Computing, Cyberangriffe und Quantencomputer stehen nun im Mittelpunkt. Und sogar der Klimawandel. Vielleicht tagten die 500 Honoratioren aus Politik, Militär und Diplomatie sogar ohne die früher obligatorische Gesellschaft von Wasserwerfern und Polizeihundertschaften. Vor dem Bayerischen Hof wurde kein einziger Demonstrant gesichtet.

Dafür gab sich im Hotel die IT-Prominenz die Klinke in die Hand. Der Chef von Microsoft , Brad Smith, folgt im Plenum auf Mark Zuckerberg, dem Gründer von Facebook. Beide arbeiten mit und für "Big Data", jenen Rohstoff, der in den USA als Öl des 21. Jahrhunderts gilt.

Noch vor wenigen Jahren durften im Festsaal des Bayerischen Hofes nur Staatspräsidenten, Kanzler oder Außen- und Verteidigungsminister reden. Daten haben fast den Stellenwert von Waffen erreicht, das machte Kanadas Premierminister Justin Trudeau deutlich, als er vom Iran die Herausgabe der Datensätze des von iranischen Streitkräften abgeschossenen ukrainischen Verkehrsflugzeugs forderte, in dem viele Kanadier saßen.

Thema IT-Sicherheit beherrscht diplomatische Beziehungen

Die Chefs von IT-Konzernen haben an Bedeutung mit den höchsten Repräsentanten der Staaten gleichgezogen. Der Ost-West Konflikt der 70er und 80er Jahre wurde abgelöst durch ein spanungsgeladenes Viereck, an dessen Enden sich die USA, China, Europa und Russland . Die beiden letzteren können militärisch noch mithalten, haben aber in den Zukunftstechnologien oft nur noch die den Status von Zuschauern, die zu Anwendern und Kunden von Produkten aus den USA und China werden.

Etwa im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Quantencomputer. Schon über das Privileg, Quantencomputer von IBM an der Hochschule der Bundeswehr hinsichtlich ihrer Fähigkeiten zum Codebrechen nutzen zu können, freute sich Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer während der Innovationsnight der MSC. Es sei ein Beispiel gelungener Kooperation. Europa schaut bei dieser Technik allerdings nur zu, während sich die USA und China ein Wettrüsten liefern. "Westlessness", lautete folgerichtig das Motto der diesjährigen MSC. Es soll, so MSC-Chef Wolfgang Ischinger, den schwindenden Einfluss des Westens und vor allem Europas in der Weltpolitik dokumentieren.

Weltkonzerne wie Facebook und Google geben die Regeln vor

Nur einer war anderer Meinung. US-Außenminister Mike Pompeo strotzte bei seiner Rede vor Selbstbewusstsein und prophezeite den Sieg des Westens. Ob dies technologisch, wirtschaftlich oder militärisch gemeint war, blieb offen. Im Feld der Zukunftstechniker geben heute allerdings Weltkonzerne wie Facebook und Google die Regeln vor, nicht die Nationalstaaten.

Da war es nicht überraschend, das am Samstag, 15. Februar 2020, dem wichtigsten Tag der Konferenz, Facebook-Chef Mark Zuckerberg den Festsaal des Bayrischen Hofes als Bühne nutzen durfte. Wo früher Putin und Biden über Abrüstungsfragen stritten, redete er über das Löschen gefälschter Accounts und den Kampf gegen Manipulationsversuche bei Facebook.

Über den Umgang mit "Big Data" referierten Microsofts Präsident Brad Smith und der ehemalige CEO von Google, Eric Schmidt. Vor allem im Bereich der Medizin sieht Schmidt zahlreiche vielversprechende Ansätze, die Versorgung von Menschen durch Künstliche Intelligenz nachhaltig zu verbessern. Gut trainierte KI-Systeme würden besser als jeder durchschnittliche Arzt therapieren. Zum Training werden große Mengen Daten benötigt, und die besitzen Facebook, Microsoft und Google im Überfluss. Ob und wie damit umgegangen werden soll, muss teilweise erst entschieden werden.

Es stelle sich die Frage nach Humaner Kontrolle der KI und einer KI-Ethik, so Schmidt. Er selbst habe keine Angst um seine Daten, denn sie seien durch das amerikanische Rechtssystem geschützt. Aber das gilt nicht in China. Welches Recht und welche Ethik international zur Anwendung kommt, bleibt ungeklärt. Die chinesische Top-Diplomatin Fu Ying, die an der Diskussion teilnahm, formuliert es so: China teile dieselben Werte wie der Westen, sie würden aber anders gelesen und anders umgesetzt.

Kameras mit Künstlicher Intelligenz und biometrischer Gesichtserkennung sorgen für Komplettüberwachung

Zwei Tage nach Ende der Konferenz zeigte der China-Korrespondent des ORF in der Sendung ZIB2, was darunter zu verstehen ist. Auf dem zehn Minuten Weg von seiner Wohnung zu seiner Arbeitsstädte, beobachteten ihn nicht weniger als 30 sichtbare Überwachungskameras. Ausgestattet mit biometrischer Gesichtserkennung und vermutlich auch KI. Die Kameras werden online ausgewertet. Verstöße gegen Gesetze und Regelungen, wie etwa dem Tragen eines Mundschutzes, führen sofort eine entsprechend negativen Niederschlag im Sozialkredit-System (Social Score) des Staates, in dem das soziale und politische Verhalten von Menschen und Unternehmen aufgelistet wird. Dies geschieht größtenteils automatisch, also ohne Eingriff eines Menschen.

Demokraten und Republikaner vereint gegen 5G und Huawei

Kontroverse Diskussionen sind in München nicht zu erwarten, eben so wenig konkrete Erläuterungen zu technischen Fragen. Es gehört zum Stil, diplomatisch formulierte Beiträge ebenso diplomatisch zu beantworten, auch wenn man gänzlich anderer Meinung ist. Eine Ausnahme bildeten in diesem Jahr die USA. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz machte die, demokratisch dominierte, Delegation des Repräsentantenhauses deutlich, das sie mit der Konfrontationspolitik von Pompeo nicht einverstanden ist. Die Demokraten setzen auf transatlantische Partnerschaft. Genauso deutlich, aber wesentlich überraschender, die klaren Worte zu China und 5G. Hier gibt es starke Gemeinsamkeiten zwischen Demokraten und Republikanern, was die kommenden Auseinandersetzungen noch verschärfen könnte. "Tut das euren Menschen nicht an", forderte der Kongressabgeordnete Stephen Lynch, "unsere Freiheit, unsere Privatsphäre und die Demokratie gehören zu den versteckten Kosten der Huawei-Technologie".

China hätte viel US-Technologie durch Reverse Engineering gestohlen und sei nur auf den ersten Blick preiswerter, so die Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi. "Es geht um unsere Werte", so Pelosi, "und die könnten den Bach heruntergehen". Sie fürchtet, die nationale Sicherheit der USA könnte der Preis für die Huawei-Technik sein. Dahinter verbirgt sich die Angst, die von den USA errichtete Datenautobahn könnte zum Schaden der USA genutzt werden, so wie das von den Römern errichtete Straßennetz später genutzt wurde, um das Christentum zu verbreiten, das später das römische Reich unterminierte. Auf Nachfrage eines Pressevertreters bestätigte Pelosi, beim Thema 5G und Huawei stimmen Republikaner und Demokraten überein.

Erstes "Cyber Security Directors‘ Meeting" auf der Münchner Sicherheitskonferenz

BSI-Chef Arne Schönbohm lud ein, und alle kamen. Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) trafen sich erstmalig zahlreiche Leiter der Cybersicherheitsbehörden Europas zu einem informellen Austausch. "Nur die Chefs und ihre Stellvertreter", so Schönbohm, "um ein konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen." Insgesamt 30 Kollegen hatte Schönbohm eingeladen, die europäische Behörde ENISA (European Union Agency for Network and Information Security) nicht.

"Mit dem Cyber Security Directors‘ Meeting haben wir ein Format geschaffen, das es in dieser Form auf Ebene der europäischen Fachbehörden für Cybersicherheit bislang noch nicht gab", so Schönbohm, "angesichts der grenzübergreifenden Gefährdungslage und Herausforderungen der Digitalisierung bietet unser Treffen die einzigartige Möglichkeit, abseits des Tagesgeschäfts strategisch bedeutsame Themen zu diskutieren". Das BSI sieht sich in Europa in einer Führungsposition, da viele nationale Behörden nach dem Vorbild des BSI geschaffen wurden und etliche Staaten den vor 25 Jahren entwickelten BSI-Grundschutz übernommen haben. Über Ergebnisse des Treffens wurde anschließend allerdings nichts mitgeteilt, Pressevertreter waren nicht zugelassen. Das galt allerdings auch für zahlreiche andere Veranstaltungen rund um das Thema Cybersicherheit. Wenn es konkret wird, bleiben die Experten lieber unter sich.

Bernd Schöne, freier Journaliste in München

Schwerpunkt des Kongresses waren die Beziehungen von Mensch-Maschine-KI. Arne Schönbohm und Roboter der Telekom.
Foto: Bernd Schöne

IT-Sicherheit

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Mehr Standorte, mehr Stellen und mehr Kompetenz: Beim BSI Kongress 2019 gab es viele Themen zu besprechen. Bernd Schöne hat das Wichtigste zusammengefasst.

Foto: MSC / Kleinschmidt

52. Münchner Sicherheitskonferenz

Zur Zukunft von Europa

Vom 12. bis 14. Februar 2016 werden sich auf der 52. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) unter dem Vorsitz von Botschafter Wolfgang Ischinger etwa 600 hochrangige Führungspersönlichkeiten der internationalen Politik versammeln, um über aktuelle Krisen sowie die sicherheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft zu beraten.

Alphörner gaben den Auftakt zum gemütlichen Teil der Wintertagung angekündigt, dem traditionelle Abende in der „Wurzelhütte“ am Ende des ersten Kongress-Tages.

Wirtschaftsschutz

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Foto: sittinan - stock.adobe.com

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Eine Sudie zeigt, dass KI-Systeme durch Schadsoftware gezielt angegriffen werden können. Für den Einsatz in der Sicherheitstechnik wirft das Fragen auf.

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