Foto: Deutsche Messe
Impressionen von der Cebit 2016 in Hannover.

Rückblick Cebit & Light+Building

Kampf ums smarte Home

Die beiden wichtigsten Leitmessen für das intelligente Gebäude, Smarthome und dem Internet der Dinge fanden in diesem Jahr zeitgleich statt. Aussteller und Besucher mussten sich entscheiden: Light+Building Frankfurt, Cebit Hannover – oder beides?

Die Gleichzeitigkeit der Messen war sicherlich kein Zufall. Der Kampf um die Messevormacht bei Smarthome und Smartbuilding hat begonnen. Wollte man Aussteller und Besucher zwingen sich zu entscheiden? Aussteller und Besucher reagierten genervt, gewonnen hat dabei niemand. Wie hilfreich wäre es gewesen, wenn die Messemacher etwas von Smarthome und den damit verbundenen Märkten und Kunden verstehen würden. Die Cebit steht für IT, für Software für das IP-Protokoll. Sie steht für Produkthersteller und Produkte. Sie bedient Systemintegratoren aus der IT- und TK-Welt. Sie steht nicht für Gebäudeautomation und das Handwerksgeschäft.

Das ist traditionell die Domäne der Light+Building. Hier dominieren die Bus-Komponenten der Schalterhersteller. Das Produktgeschäft über den Fachhandel und das Projekt- beziehungsweise Objektgeschäft über das Handwerk sind folglich zwei separate Welten mit ganz eigenen Regeln, auch wenn beide Märkte sich dem Smarthome widmen. Wer sich nur ein bisschen auskennt weiß, dass Handelsprodukte Handwerkskomponenten nicht ersetzen können und umgekehrt. Man ist also gar nicht in einer Wettbewerbssituation. Wie gut hätte es den Messen zu Gesicht gestanden, quasi Rücken an Rücken stehend, die Hände frei zu haben für den jungen, vielversprechenden Smarthome-Markt.

Trend Nummer Eins: All-IP

Derzeit zeigen sich drei markante Trends, die sich sowohl auf der IT-Leitmesse Cebit als auch auf der Light+Building widerspiegeln. Der erste Trend ist All-IP. „Jedes Ding“ wird eine IP-Adresse haben und jedes Gerät – und sei es noch so klein – wird mit Hilfe des IP-Protokolls kommunizieren. Ob es die farbige LED-Leuchte ist, das Türschloss oder die Kamera mit Stimmerkennung und Bewegungsmelder. Dieser Trend macht die Interoperabilität tendenziell einfacher, löst aber nicht alle Probleme automatisch. Denn das IP-Protokoll sorgt nur dafür, dass Daten sicher von einem Gerät zum anderen oder zu einem Cloud-Speicher transportiert werden. Es sagt nicht, was die Daten bedeuten.

Damit sie nutzbar werden, bedarf es nach wie vor eines Anwendungs-programms, auch App genannt, welches die Daten interpretiert und Aktionen daraus ableitet. All-IP ist allerdings nicht überall sinnvoll. So ist es mit Kanonen auf Spatzen geschossen, für die Übertragung eines Bits, das IP-Protokoll zu bemühen und den dafür notwendigen Hardware-Aufwand vorzuhalten. So sendet ein Fensterkontakt eben nur die beiden Zustände „Kontakt oder kein Kontakt“, ein Lichttaster sendet nur „Gedrückt oder nicht gedrückt“. Ohne Frage sind alle Anbieter von Sicherheits- und Gebäudesystemen sehr gut beraten, wenn der zentrale Smarthome-Controller direkt das IP-Protokoll spricht und versteht. Wer heute noch Insellösungen anbietet – vielleicht mit der Motivation, nur so die Sicherheit und Qualität gewährleisten zu können – hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

All-Mobile

Der zweite Trend ist All-Mobile. Mit dem Smartphone haben private und Geschäftskunden gelernt: Es gibt für alles eine App. Warum ein dediziertes Gerät, wenn es auch mit einer App auf dem Smartphone geht. Die Nachteile der digitalen Speicherung und damit zeitversetzten Übertragung von beispielsweise Bild und Ton werden von den meisten Kunden akzeptiert, wenn man seinen Bildschirm nur immer dabei haben kann.

All-as-a-Service

Man kauft keine Kuh, wenn man gelegentlich ein Glas Milch trinken möchte. Wer nicht ständig bestimmte IT-Leistungen benötigt, greift gern auf „As-a-Service“ zurück. Man zahlt nur das, was man benötigt und wenn man es benötigt. Keine Probleme mehr mit Software-Update und Hardware-Service. Das ist Sache des Dienstanbieters. Ob IT-Sicherheit oder die Aufschaltung auf eine Sicherheitszentrale an bestimmten Tagen zu bestimmten Zeiten: Security-as-a-Service statt Langzeitverträge wird sich in weiten Kundenkreisen durchsetzen. Gerade Kunden und Branchen, die bisher auf professionelle Security-Dienstleister verzichtet haben, lassen sich so gewinnen.

Optisches Netzwerk

Optische Fasern zeichnen sich dadurch aus, dass sie weder durch elektromagnetische noch durch elektrische Felder beeinflussbar sind und selbst auch keine Strahlung abgeben. Sie sind deshalb überall dort sinnvoll, wo die Sicherheit der Datenübertragung einen hohen Stellenwert hat. Glasfaser ist schwierig zu verarbeiten, Plastikfasern dagegen nicht. Nun steht von den Fränkischen Rohrwerken eine POF-Faser (Polymere Optical Fiber) mit einer Bandbreite von einem Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) zur Verfügung. Sehr praktisch dabei ist, dass auch ein optischer Sechs-Port-Switch angeboten wird. Zusammen mit den aktiven LAN-Anschlussdosen von Rutenbeck lässt sich so sehr einfach und schnell ein sicheres Datennetz aufbauen. Neben Büros, Kanzleien, Werkstätten und Praxen sind auch Wohnungen und Einfamilienhäuser als Zielgruppen denkbar.

Feuerwehr vs. Polizei

Die Interessen von Rettungsdiensten und Einbruchschutz sind gegensätzlich. Gegen eine mit aufwendiger Schließtechnik gesicherte Wohnungstür hat der Rettungssanitäter keine Chance und verliert entscheidende Minuten, bis die Tür gewaltsam geöffnet werden kann. Attento Systems aus Großkrotzenburg zeigte auf der Light+Building einen formschönen Schlüsselsafe, der sich mit einem elektronischen Schlüssel öffnen lässt. Diese Schlüssel können Rettungsdiensten, Pflegekräften, Postzustellern und anderen Personen ausgehändigt und auf bestimmte Schlüsselsafes freigeschaltet werden. Die Altenpflegerin bekommt so einen einzigen Schlüssel, der berechtigt, bestimmte Schlüsselsafes zu öffnen. Natürlich wird dies dokumentensicher aufgezeichnet. Die Zeit der riesigen Schlüsselbunde im Auto könnte sich damit dem Ende neigen. Praktisch auch, dass die Safes bei Bedarf nachrüstbar sind und nicht zwangsweise zu einem neuen Schließsystem im Gebäude führen.

Resümee Cebit und Light+Building

Die Veranstalter der Cebit ziehen Bilanz. „Mit ihrem Verlauf hat die Cebit ihre Position als weltweit wichtigste Plattform für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft untermauert“, freut sich Messe-Chef Oliver Frese. „Wir haben mit unseren internationalen Ausstellern und Partnern sehr intensiv an der Cebit gearbeitet – das hat sich in den fünf Tagen voll ausgezahlt.“ Mit rund 3.300 ist die Zahl der Aussteller im Vergleich zum vergangenen Jahr stabil geblieben. Unternehmen aus 70 Ländern haben auf der Messe ihre Produkte und Dienstleistungen vorgestellt. Mit mehr als 200.000 Besuchern war die Besucherzahl stabil. Die nächste Cebit soll in Hannover vom 20. bis 24. März 2017 stattfinden.

Die Light+Building 2016, weltgrößte Leistungsschau für Licht, Elektrotechnik sowie Haus- und Gebäudeautomation schloss mit Rekordzahlen. Rund 2.600 Aussteller aus 55 Ländern präsentierten ihre Produkte circa 216.000 Fachbesuchern aus 160 Ländern. Zu den stärksten Besuchergruppen zählte, wie schon in den Jahren zuvor, das deutsche Handwerk. Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), unterstrich die Bedeutung der Light+Building als äußerst wertvolle Plattform für die E-Handwerke: „Intelligente Gebäudevernetzung und Energieeffizienz sind in Zeiten der Digitalisierung untrennbar miteinander verknüpft. Beide Themen – und damit auch die Kompetenzen der E-Handwerke auf diesen Gebieten – standen auf der Light+Building mehr denn je im Fokus.“

Dem Thema Security widmete sich erstmals ein paralleler Kongress, das Intersec Forum. Die zweitägige Konferenz für vernetzte Sicherheitstechnik im Kontext intelligenter Gebäude bot ein reichhaltiges Programm an Vorträgen, Diskussionsforen und Guided Tours zu innovativer Sicherheitstechnik. Rund 150 Teilnehmer aus Planung, Installation und Betrieb von Gebäuden und sicherheitstechnischen Anlagen sowie aus der Elektroindustrie nahmen an der Fachkonferenz teil. Die nächste Light+Building findet vom 18. bis 23. März 2018 statt.

Günther Ohland