Dortmund will die kommunale Sicherheit durch die Qualifizierung seines Personals erhöhen.
Foto: Stadt Dortmund, Roland Gorecki

Interviews

Kommunale Sicherheit durch Qualifizierung des Personals

Die Stadt Dortmund bildet ihr Personal für den Kommunalen Ordnungsdienst aus, um die Sicherheit in der Stadt durch diese Qualifizierung zu erhöhen.

Das Personal des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) in Dortmund wird qualifiziert, um die Sicherheit in der Stadt zu erhöhen. Im Gespräch mit dem Fachautor Klaus Kapinos erklären Stadtrat Norbert Dahmen, Dezernent für Recht, Ordnung, Bürgerdienste und Feuerwehr, und Stadtrat Christian Uhr, Personal- und Organisationsdezernent der Stadt Dortmund, die Ziele der Qualifizierungsmaßnahme.

Der Ausbildungsberuf zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit (FKSS) wird bisher von Sicherheitsdienstleistern und einigen großen Unternehmen, wie der DB Sicherheit, angeboten. Was hat Sie bewogen, als erste Kommune in Deutschland diesen Ausbildungsgang mit der ergänzenden „Qualifikation für den Kommunalen Ordnungsdienst“ zu starten?

Christian Uhr: Die Stadt Dortmund als Großstadt im Ruhrgebiet gehört mit ihren rund 11.000 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in der Region und deckt vielfältige kommunale Aufgaben ab. Dies bedeutet auch eine Vielfalt an unterschiedlichsten Berufen und Ausbildungsmöglichkeiten. Hierzu zählt auch der bedeutende Bereich der kommunalen Sicherheit und Ordnung.

Dortmund qualifiziert sein Personal

Die Tätigkeiten im KOD beinhalten anspruchsvolle Anforderungen, kurzfristig erforderliche Entscheidungen in Gefahrensituationen sowie auch zwingend notwendige Ermessensentscheidungen. Die Einführung des neuen Ausbildungsgangs bietet einen Einsatz von speziell ausgebildetem Fachpersonal. Dieses neue Ausbildungsmodell zeichnet sich durch die Kombination der Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit im Sinne des Berufsbildungsgesetzes mit zusätzlichen (speziell auf die Stadt Dortmund ausgerichteten) Qualifizierungen, Schulungen und Unterweisungen durch das Studieninstitut Ruhr für die fachlichen Einsätze des KOD aus.

Durch die Installation der neuen Ausbildungsform erhält das Ordnungsamt gut ausgebildetes Personal, das sich mit der Tätigkeit beim Ordnungsamt identifiziert und über eine besondere, spezifische Qualifikation für die Tätigkeit im Ordnungsamt verfügt.

Haben Sie auch die Möglichkeit der Ausbildung zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit (SKSS) mit der kürzeren Ausbildungszeit in Erwägung gezogen?

Uhr: Mit Blick auf die Ausübung der erforderlichen Tätigkeiten des KOD haben wir uns gezielt für den Ausbildungsberuf der Fachkraft für Schutz und Sicherheit entschieden. Die Ausbildungsinhalte erfüllen die beruflichen Anforderungen. Zudem bieten wir unseren Auszubildenden auf Antrag die Möglichkeit, bei guten Leistungen in Theorie und Praxis die Ausbildungsdauer zu verkürzen.

Sicherheitsarchitektur Dortmunds

Welchen Stellenwert hat die kommunale Sicherheit in der Architektur der inneren Sicherheit für Ihre Stadt?

Uhr: Die Sicherheit in unserer Stadt hat einen sehr hohen Stellenwert! Um die zukünftigen kommunalen Herausforderungen der Sicherheit und Ordnung weiterhin qualifiziert zu erfüllen, haben wir daher unser Ausbildungsangebot modernisiert und erweitert. Durch diese qualitativ hochwertige Ausbildung mit einem umfangreichen Einarbeitungs- und Qualifizierungskonzept, welches speziell auf den KOD zugeschnitten ist, sind wir für die kommunalen Aufgaben sehr gut aufgestellt.

Norbert Dahmen: Ein Zitat aus der Einleitung zum Masterplan kommunale Sicherheit der Stadt Dortmund definiert, wie sich die Architektur der inneren Sicherheit bei uns zusammensetzt:

  • „Sicherheit ist ein individuelles und kollektives Grundbedürfnis. Neben einer Vielzahl anderer Faktoren beeinflusst Sicherheit die Lebensqualität in den Quartieren wie im gesamten Stadtgebiet. Dabei umfasst der Begriff der Sicherheit mehr als den Schutz vor Kriminalität. Es geht um die gefühlte und wahrgenommene Sicherheit. Sie erst ermöglicht es, den öffentlichen Raum frei zu nutzen, ohne dass sich in konkreten Bereichen ein „mulmiges Gefühl“ einstellt, bestimmte Orte im Quartier schon von vornherein gemieden werden oder aus Furcht vor anderen Personen die Straßenseite gewechselt wird. Sicherheit ist damit Teil eines umfassenden Ziels: qualitätsvolle öffentliche Räume für alle Bürgerinnen und Bürger sowie lebenswerte Städte und Quartiere zu schaffen.“

In diesem Zitat wird auf den Punkt gebracht, dass vor allem in den Kommunen und (Groß-)Städten nicht nur die „klassischen“ Sicherheitsakteure, wie etwa die Landes- und Bundespolizei zur Gewährleistung dieses Zieles beitragen, sondern eine Vielzahl kommunaler Akteure in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern. Neben der Stadtplanung, den Verkehrsbetrieben, dem Grünflächenamt, der Entsorgungsgesellschaft (Stichwort Sauberkeit und Sicherheit) - um nur einige zu nennen - ist hier vor allem der KOD hervorzuheben. Gerade der KOD mit seinem uniformierten Streifen-/Einsatzkräften hat - obwohl in NRW und in Dortmund überhaupt erst seit 1998 existent - in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen und ist mittlerweile fester Bestandteil der Dortmunder Sicherheitsarchitektur.

Ansprechpartner für die Bevölkerung

Der KOD seinerseits ist zentraler Baustein der Dortmunder Ordnungspartnerschaft zwischen Polizei und Ordnungsamt. Mitarbeitende beider Institutionen unternehmen gemeinsame Streifengänge, bewältigen gemeinsam Einsatzlagen und stehen als Ansprechpartner für die Bevölkerung zur Verfügung. Regelmäßige und anlassbezogenen gemeinsame Lagebildbewertungen, unter anderem mit den Erkenntnissen aus der Streifentätigkeit beider Organisationen, werden reflektiert und hieraus etwaige veränderte Einsatznotwendigkeiten inklusive Schwerpunkt- und Sondereinsätze vereinbart.

Kommunale Sicherheit mit all ihren Facetten stellt übrigens zunehmend einen Wettbewerbsfaktor bei der Ansiedlung von Gewerbe oder bei der Wahl des Wohnortes dar und ist daher unerlässlich für eine lebens- und liebenswerte Stadt.

Bundesweit liegt die Abbruchquote im Berufsgang FKSS bei ca. 40 Prozent. Was wollen Sie besser machen?

Uhr: Wir bieten in der Kommunalverwaltung abwechslungsreiche und anspruchsvolle Aufgaben und gewährleisten von Anbeginn der Ausbildung einen engen Praxisbezug. Unsere Nachwuchskräfte arbeiten teamorientiert unter hervorragenden Arbeitsbedingungen. Wir bieten nicht nur beste Zukunftsperspektiven und sichere Arbeitsplätze, sondern auch eine attraktive Vergütung.

Durch die Anleitung von geschulten Ausbildern stellen wir zudem eine qualifizierte Ausbildung vor Ort sicher. Die Auszubildenden erfahren durch das Zentrum für Ausbildung und Kompetenzen der Stadt Dortmund, die Ausbildungsbeauftragten, die Jugend- und Auszubildendenvertretung, und vielen mehr eine sehr gute Betreuung und Unterstützung.

Private Sicherheitskräfte nur zur Unterstützung

Hätte eine Auftragserteilung an Sicherheitsunternehmen mit ausgebildetem Personal die Bedarfe der kommunalen Sicherheit in Dortmund abgedeckt?

Dahmen: Nein, private Sicherheitsunternehmen können die staatlichen Sicherheitsakteure keinesfalls ersetzen, sondern in bestimmten Bereichen sinnvoll ergänzen, etwa bei der Bewachung von Objekten oder dem Schutz von Einrichtungen. Auch bei der Durchführung von Großveranstaltung können sie wichtige Aufgaben übernehmen und zum (sicheren) Gelingen beitragen. Für die Gewährleistung (kommunaler) Sicherheit im öffentlichen Raum ist neben der Polizei allerdings gut ausgebildetes und mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattetes (eigenes) Personal bei den Städten unerlässlich. Nur so ist sichergestellt, dass konsequent und mit den zur Verfügung stehenden ordnungsrechtlichen Instrumentarien gegen Störungen vorgegangen werden kann. Notwendig ist eine „Rollenklarheit“ im öffentlichen Raum. Ein Verwischen der Grenzen zwischen dem hoheitlichen Handeln durch ausgebildetes Personal bei den Städten einerseits und dem sinnvollen Engagement privater Sicherheitsunternehmen außerhalb des öffentlichen Straßenraumes andererseits schafft zusätzliche Probleme und ist von daher abzulehnen.

Uhr: Hinzu kommt: die Bildung und Ausbildung – insbesondere junger Menschen – ist die Basis und der Garant für eine sichere und erfolgreiche Zukunft. Als einer der größten Arbeitgeber in der Region verfolgen wir diese Intention und sind sehr daran interessiert, engagierte sowie qualifizierte Nachwuchskräfte einzustellen und auszubilden. Unsere Zielsetzung ist es insbesondere, die Jugendarbeitslosigkeit in unserer Stadt zu reduzieren und ein Spiegelbild der Dortmunder Stadtbevölkerung auch innerhalb der Stadtverwaltung zu etablieren. Dieses gemeinsame Engagement im Hinblick auf die Entwicklung Dortmunds sowie die Schaffung von Zukunftsperspektiven für junge Menschen zeichnet die Stadt Dortmund aus.

Zudem sind die Unterweisungen am Studieninstitut Ruhr, bei welchem rechtliche Inhalte über einwandfreies und angemessenes Verwaltungshandeln vermittelt werden, für die Ausführung der Aufgaben von herausragender Wichtigkeit. Unsere Mitarbeitenden des KOD müssen Gesetzesgrundlagen und ihre Anwendung genau kennen, damit sie Entscheidungen gesetzeskonform treffen und auf dieser Grundlage ihre Tätigkeit ausüben können.

Praktische Ausbildung beim KOD

Gelten die Bestimmungen des Berufsbildungsgesetzes und der Fachaufsicht durch die IHK für die beginnende Ausbildung?

Uhr: Unsere Auszubildenden durchlaufen eine dreijährige anerkannte Ausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes. Der theoretische Teil der Ausbildung erfolgt unter anderem an einem kooperierenden Berufskolleg. Die praktischen Einsätze finden überwiegend beim KOD des Ordnungsamtes der Stadt Dortmund statt. Während der praktischen Ausbildungsphasen werden die Auszubildenden in Form einer dienstbegleitenden Unterweisung am Studieninstitut Ruhr zusätzlich in den Rechtsgebieten des öffentlichen Rechts, zum Bispiel Recht der Gefahrenabwehr, Allgemeines Verwaltungsrecht oder auch zur Methodik der Rechtsanwendung unterrichtet. Die Ausbildung schließt mit einer Prüfung der Industrie- und Handelskammer (IHK) ab.

Ihre Mitarbeiter im Ordnungsamt sind Partner der Polizei. Verbessern die 15 Azubis zukünftig das Image des Sicherheitsberufes, weil sie hoheitliche Aufgaben vertreten?

Uhr: Der KOD kümmert sich gemeinsam mit der Polizei um die Sicherheit und Ordnung. Das Erfolgsmodell der Dortmunder Ordnungspartnerschaft zwischen der Stadt Dortmund und der Polizei Dortmund besteht seit mehr als 20 Jahren und wurde seither konsequent weiterentwickelt. Mit der Einführung des neuen Sicherheitsberufes der Fachkräfte für Schutz und Sicherheit in der Kommune eröffnen sich allen Interessierten an der Ausübung von Sicherheitsberufen neue Einsatzperspektiven. Zugleich ist es eine Bereicherung für uns als Stadt, und wir freuen uns, speziell ausgebildetes Fachpersonal in diesem wichtigen Aufgabenfeld bei uns begrüßen zu können.

Dahmen: Allerdings muss man zum Berufsimage auch noch folgendes anmerken: Mit dem erstmalig in der Stadt Dortmund eingesetztem Berufsbild der Fachkraft für Schutz und Sicherheit im KOD, das ja weiter entwickelt werden soll zur Fachkraft für kommunale Sicherheit, sind die Aufgabeninhalte, Einsatzbereiche und auch die Befugnisse nicht vergleichbar. Der Vergleich hinkt – im Grunde werden da Äpfel mit Birnen verglichen. Das Image des klassischen Berufsbildes der Fachkraft für Schutz und Sicherheit kann nur durch die dort tätigen Mitarbeitenden selbst und die Berufsverbände weiterentwickelt werden, nicht durch Vergleiche mit eingesetzten Mitarbeitenden im KOD.

Vielen Dank für die spannenden Informationen

Foto: Securitas

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