Foto: Elbphilharmonie, Jann Wilken

Schließanlage in der Elbphilharmonie

Komplexe Anforderungen

Von der weithin sichtbaren, geschwungenen Glasfassade über den auf Stahlfedern schwebenden Konzertsaal bis zu den Schließanlagen für die rund 2.500 Türen: Die Elbphilharmonie ist in jeder Beziehung ein außergewöhnliches Objekt. Wie die übrigen Gewerke musste auch das Schließsystem besonderen Anforderungen genügen.

Die Ausschreibung sah eine mechanische Schließanlage in hochwertiger Edelstahloptik vor. Den Zuschlag für die Umsetzung erhielten zwei mittelständische Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, die Konntec Sicherheitssysteme GmbH aus Mönchengladbach und die CES-Gruppe, Hersteller von Schließanlagen und elektronischen Zutrittskontroll- systemen aus Velbert. Beide Unternehmen können auf vielfältige Erfahrungen in der Umsetzung von Großprojekten zurückgreifen. So hat Konntec unter anderem die Europäische Zentralbank in Frankfurt, CES neben den Berliner Regierungsbauten auch das höchste Gebäude der Welt, das Burj Khalifa in Dubai, mit einer Schließanlage ausgestattet. Gemeinsam haben die Unternehmen das Schließsystem für den Borussia-Park in Mönchengladbach geplant und umgesetzt. Was Konntec als ausführendem Unternehmen besonders an CES schätzt, sind die kurzen Lieferzeiten und die hohe Flexibilität bei der Auftragsbearbeitung – angesichts des engen Zeitplans ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Herausforderung Schließplan

Die Elbphilharmonie beherbergt nicht nur den Konzertbetrieb, sondern zugleich einen Hotel- und Gastronomiebereich, einen Verwaltungs- und Techniktrakt, private Apartments sowie ein Parkhaus und eine öffentlich zugängliche Plaza. Diese Vielfalt an Funktions- und Organisationseinheiten und die damit verbundenen unterschiedlichen Zutrittsrechte mussten im Schließsystem abgebildet werden. Während etwa die Feuerwehr in der Lage sein muss, im Ernstfall sämtliche Türen der Elbphilharmonie zu öffnen, haben Musiker, Hotel- und Restaurant-Mitarbeiter, Technikpersonal und Putzkolonnen jeweils nur eingeschränkte Öffnungsberechtigungen. Zugleich bestehen neben eindeutig voneinander abgegrenzten Bereichen zahlreiche Übergänge und Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Funktionseinheiten. Bei einem öffentlich zugänglichen Gebäude wie der Elbphilharmonie kommt nicht zuletzt einem exakt ausgearbeiteten Rettungs- und Fluchtwegeplan große Bedeutung zu. Auch hier sind spezielle Zutrittsregelungen notwendig. Intensive Vor-Ort-Begehungen und Schließplanbesprechungen zwischen Mitarbeitern von Konntec und CES sowie den künftigen Nutzern ergaben zunächst ein detailliertes Anforderungsprofil. Auf dieser Grundlage entstand die mehr als 20 DIN A3 Seiten umfassende Schließplanmatrix – eine Art Konstruktionsvorlage für die spätere Tür- Schließanlage. Eine Software allein wäre mit der komplexen Funktionalität schlicht überfordert gewesen. Von entscheidendem Vorteil war, dass CES über eine eigene Abteilung mit erfahrenen Systemanalytikern verfügt, die solche Schließpläne mit ihren anspruchsvollen funktionellen Anforderungen errechnen und umsetzen können.

Das Schließsystem

Für die Türschließanlage kam die von CES entwickelte Profilserie DU (Double Undercut) zum Einsatz, ein konventionelles Schließsystem mit hohen Sicherheitsstandards. Durch die zweifache Hinterschneidung in den seitlichen Profilierungen des Zylinders entsteht eine dreidimensionale Nut, die anders als manche 2-D-Systeme nicht einfach kopiert werden kann. Der technische Kopierschutz stellt in Verbindung mit dem gesetzlichen Schlüsselkopierschutz bis 2030 (Patentschutz) einen erheblichen Zusatznutzen dar. Die DU-Profilserie eignet sich aufgrund ihrer extrem hohen Variantenvielfalt ganz besonders dazu, die Komplexität der Schließanlage nahezu eins zu eins umzusetzen. Standardmäßig werden die Schließzylinder aus Messing gefertigt. Um die geforderte Edelstahloptik zu erreichen, wurde das Metall matt vernickelt und gebürstet. Die stabilen Schlüssel wiederum sind aus Neusilber. Das System ist erweiterungsfähig, Nachlieferungen sind auch Jahrzehnte nach dem Einbau noch möglich – das schafft Investitionssicherheit für den Betreiber.

Sonderlösung Schlüsseltresore

Eine weitere Herausforderung stellte die Konstruktion intelligenter Schlüsselkästen im Konzertbereich dar. Ihre Aufgabe: Sie sollen die zuverlässige Schlüsselausgabe an das Technik- und Reinigungspersonal und den Zugang bei einem möglichen Ausfall der Zutrittskontrolle sicherstellen. Die Elektronik-Spezialisten von CES entwickelten die Sonderlösung genau nach den Vorstellungen der Betreibergesellschaft, der Hamburgmusik gGmbH. Auf dem Schlüsseltresor ist ein elektronischer Wandleser angebracht, über den sich ein Nutzer identifizieren muss. Ist die Authentifizierung erfolgreich, wird ein mechanisches Zahnrad in Gang gesetzt, das den entsprechenden Schlüssel freigibt. Die Entnahme und Rückgabe des Schlüssels wird elektronisch überwacht und automatisch dokumentiert. Fehlt ein Schlüssel, lässt sich exakt nachvollziehen, wer ihn wann entnommen hat. Bei Manipulationsversuchen schlägt das System unmittelbar Alarm und sendet eine Sabotagemeldung.

Das Timing

Der Einbau der Schließanlage war eines der letzten Gewerke, das in der Elbphilharmonie umgesetzt wurde. Zwischen der finalen Freigabe des Schließplans Mitte September 2016 und der anvisierten Bau- und Schlüsselübergabe am 31. Oktober lagen gerade einmal sechs Wochen. Ein Zeitraum, in dem ein derart umfangreiches und komplexes Schließsystem nur mit generalstabsmäßiger Planung und Effizienz erstellt werden kann. Während die Produktion der Zylindergehäuse und -kerne bei CES auf Hochtouren lief, bauten die Konntec-Spezialisten bereits erste Teillieferungen vor Ort ein. Auch Nachlieferungen von DU-Zylindern für neue oder korrigierte Türmaße konnte CES innerhalb des engen Zeitfensters bewältigen, sodass der Bau pünktlich zur Übergabe buchstäblich schlüsselfertig war.

Sylvia Lambach, Leiterin Unternehmenskommunikation, C.Ed. Schulte GmbH

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Foto: CES

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Foto: CES

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Foto: CES

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Foto: CES

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