Pieper-Geschäftsführer Thomas Lampe.
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Interviews

Kunden wollen keine Lösungen aus der Schublade

Für unsere Rubrik „Errichter kommen zu Wort“ sprachen wir mit Pieper-Geschäftsführer Thomas Lampe über aktuelle Herausforderungen und Kundenwünsche.

Die Pieper GmbH bietet maßgeschneiderte Sicherheitslösungen für die Industrie, unter anderem in den Sparten Videoüberwachung, Prozessbeobachtung, Zutrittskontrolle und Brandfrüherkennung. Der Errichter ist in vielen Branchen aktiv, etwa in der Stahl- und Zementindustrie, für Energieversorger, das Finanzwesen oder die Logistik.

Wo sehen Sie momentan und künftig die größten Herausforderungen für die Errichterschaft? Wie begegnen Sie diesen?

Auch in unserer Branche stehen wir vor der großen Herausforderung des Fachkräftemangels. Errichter haben wie viele andere das Problem, geeignete Mitarbeiter zu finden – sowohl erfahrene Experten als auch Nachwuchs. Allerdings kennzeichnet diese Situation nicht nur der Mangel an Bewerbern, sondern auch die Schwierigkeit, seitens der Errichter ein passendes Bewerberprofil zu bestimmen. Denn die sich wandelnden Anforderungen und daraus neu entstehende Berufsbilder machen es heute nahezu unmöglich, den „qualifizierten Mitarbeiter von der Stange“ zu finden. Als Beispiel dient hier der klassische Techniker-Ausbildungsberuf, der heute zwingend um tiefe Informatik-Kenntnisse ergänzt werden müsste, um eine geeignete Qualifizierung für moderne Errichter zu bieten. Hier sind die Unternehmen gefragt, in die eigene Aus- und Fortbildung zu investieren und neuen Mitarbeitern ausreichend Zeit zu geben, sich individuell auf die Anforderungen der Position einzustellen.

Eine weitere Herausforderung besteht in der Diskrepanz zwischen Anforderungen und verfügbarer Lösung. Kurz: Die Technik veraltet schneller als sich neue Technik entwickelt. So sind auf Seite des Kunden Investitionen möglicherweise langfristig geplant, sollten aber mittelfristig bereits abgelöst oder modernisiert werden. Konkret äußert sich dies für uns beispielsweise in der Aufgabe, die Integration von bestehenden, teilweise noch analogen Systemen in moderne, IP-basierte Lösungen zu bewerkstelligen. Mit dem „Ohr am Markt“, langjähriger Erfahrung, fundierter Expertise und einem hochwertigen Netzwerk aus qualifizierten Mitarbeitern und Partnern stellt dies aber kein „Hexenwerk“, sondern einen ganz klaren Wissensvorsprung dar.

Was sind die Schlüsselaspekte, um Kunden heute angemessen beraten zu können?

Hier könnten wir es uns einfach machen und schlicht auf die allgegenwärtigen Trendbegriffe „Industrie 4.0“ und „Digitalisierung“ verweisen. Grundsätzlich nicht falsch, allerdings sollte man hierbei zwingend die genauen Kundenbedürfnisse beachten und keine „Lösungen aus der Schublade“ präsentieren. Allgemein stellen wir fest, dass die Kundenanforderungen an neue Systeme insbesondere ein schlankes Investment bei gleichzeitig hoher Stabilität und Funktionalität sowie einer langen Lebensdauer lauten. Eine qualitativ hochwertige Beratung seitens des Errichters sollte natürlich stets vorausgesetzt werden und gehört ebenfalls zu den Grundanforderungen. Betrachtet man den oben bereits genannten Wandel der Technologien, gilt es zudem, dem Kunden die Sorge vor der Beschreitung neuer Wege zu nehmen. Er erwartet zwar, dass der Errichter visionär und innovativ plant und anbietet, verlangt aber gleichzeitig die Sicherheit, dass ein Projekt nachhaltig umgesetzt wird, möglichst mit den bereits vorhandenen Systemen korrespondiert – Stichwort „Cross-Integration“ – und schlüsselfertig umgesetzt wird. Und hier landen wir wieder bei der Thematik „Fachpersonal“: Mit einem gut ausgebildeten und erfahrenen Team vor Ort, das den Kunden zu jeder Zeit ganzheitlich berät und – insbesondere bei Großprojekten – gewerkeübergreifend informiert, fühlt er sich nicht allein gelassen. Unsere intelligenten Software-Lösungen, beispielsweise bei der Kamerasteuerung oder Einbindung von neuen in veraltete Anlagen, tragen zudem zu einer erfolgreichen Digitalisierung der Überwachungssysteme bei.

Gibt es Besonderheiten im Gewerk oder auch in der speziellen Branche, die Sie bedienen?

Wie bereits zuvor erwähnt, ist die Pieper GmbH auf kundenindividuelle Sicherheitssysteme spezialisiert. Bei uns bekommt der Kunde also in der Regel keine „Out-of-the-box“-Lösung, sondern ein individuell auf seine Bedürfnisse ausgerichtetes System. Die örtlichen und technischen Gegebenheiten spielen insbesondere in industriellen Umgebungen eine große Rolle dabei, sämtliche Störungs- und Gefahrenpotenziale kompromisslos auszuschließen. Dies wird mit allgemeinen Lösungen eher schwierig. Als Beispiel sei hier die Brandfrüherkennung zu nennen, die je nach Umgebung oder Staub- und Lichtverhältnissen sehr dediziert geplant werden sollte. Sicherlich ist diese Vorgehensweise kosten- und zeitintensiver, aber im Falle eines nicht rechtzeitig erkannten Brandes wären die finanziellen und materiellen Schäden wesentlich dramatischer. Dies gilt natürlich ebenso für nicht erkannte Störungen in der Prozesssteuerung und daraus folgende Produktionsausfälle.

Welche Rolle spielen für Sie Support, Dokumentation, Schulungen, Partnerkonzepte, Vertriebsunterstützung?

Alle erwähnten Aufzählungen spielen bei uns schon immer eine wichtige Rolle und gehören für uns zum ganzheitlichen Konzept einer erfolgreichen Projektbetreuung. Sowohl die Expertise von Partnern und Herstellern als auch die regelmäßige Aus- und Fortbildung – intern und beim Kunden vor Ort – sind entscheidend für ein umfassendes Know-how zur erfolgreichen Umsetzung aller Kundenanforderungen. Allerdings ist es im Anschluss wichtig, „am Ball zu bleiben“. Unsere Aufgabe ist es auch, das Bewusstsein des Kunden hinsichtlich regelmäßiger Updates durch Schulungen zu stärken. Denn die Beibehaltung und Auffrischung des gewonnenen Wissens helfen ihm dabei, langfristig autark und zeitnah – und somit auch kosteneffizient – reagieren zu können, ohne auf den Errichter zurückgreifen zu müssen. Der Vorteil für den Errichter ist aber ein ebenso großer, indem er durch regelmäßige Schulungen den engen Kontakt zum Kunden hält und ihm durch die geschaffene Transparenz als Partner auf Augenhöhe begegnet.

Wo sehen sie die Sicherheitstechnik in fünf bis zehn Jahren, sowohl technologisch als auch marktpolitisch?

Ein Trend zeichnet sich für uns dahingehend ab, dass sich ergänzende, aber bislang getrennt voneinander agierende Komponenten in der Sicherheitstechnik künftig verstärkt miteinander kommunizieren werden. Betrachtet man die immer komplexer werdenden Prozesse in der industriellen Fertigung oder aber auch die gesellschaftlich-politischen Sicherheitsherausforderungen, sollten wir sogar von einer Notwendigkeit anstelle eines Trends sprechen. In beiden Bereichen werden wir noch viel von der so genannten „Cross-Integration“, also von der intelligenten Verbindung unterschiedlicher Technologien, hören. Die Vorteile liegen auf der Hand: noch genauere und detailliertere Überwachungsergebnisse durch gezieltere und schnellere Analysemöglichkeiten, Vermeidung von Fehlalarmen durch zentrale Steuerung und eine wesentlich komfortable Handhabe für den Bediener. Zur Veranschaulichung dient hier jeweils ein Beispiel auf oben genannten Bereichen: In der Prozessüberwachung ist heute der Einsatz von Sensoren, Eingabegeräten, optischen Systemen und Analyse-Software bereits Standard. Doch alle Komponenten agieren häufig autark und sind somit fehleranfällig in der Kommunikation untereinander, was im Ernstfall zu fatalen Verzögerungen oder Versäumnissen führen kann. Durch die Cross-Integration der Einzellösungen sowie die entsprechende Anbindung an die Leitsysteme wird ein ganzheitliches, untereinander intelligent kommunizierendes Sicherheitskonzept umgesetzt, das sowohl Mensch als auch Maschine zum besseren Schutz dient. Hinsichtlich der im gesellschaftspolitischen Kontext eingesetzten Sicherheitstechnik kommen heute bereits Kameras mit Alarmfunktionen zum Einsatz, die bei der Drohung von Gewaltdelikten im Rahmen von beispielsweise Demonstrationen, Aufständen oder Anschlägen eine entsprechende Warnung abgeben. Denkbar wäre hier jedoch auch der Einsatz von Sensoren, die eine ähnliche Aufgabe haben, jedoch eher datenschutzkonform sind, da zunächst keine Personen erkennbar sind. Wenn dann aufgrund bestimmter Bewegungsmuster ein Alarm ausgelöst wird, könnten erst dann Kameras zum Einsatz kommen, da nun ein berechtigtes Interesse seitens Polizei oder Werkschutz bestünde.

Egal, wie sich die Sicherheitstechnik weiterentwickeln wird – und dass sie das tut, steht fest: Bei allem Komfort und Nutzen durch intelligente Automatisierungsprozesse sollte nie der Mensch vergessen werden. Der Spagat zwischen technischen Möglichkeiten, Ethik und Moral wird eine große Herausforderung für die Sicherheitstechnik und deren Anwender bleiben.