Matthias-Wolff, Prokurist und Geschäftsleiter von Lupus-Electronics.

Interviews

Lupus-Electronics erstmals auf der Feuertrutz

Lupus-Electronics stellt auf der Feuertrutz 2019 digitale Technik vor. Geschäftsleiter Matthias Wolff erläutert seine Sicht auf die Entwicklung der Branche.

Mit moderner Technik präsentiert sich Lupus-Electronics am 20. und 21. Februar 2019 erstmals auf der Feuertrutz. Vor der Messepremiere erläuterte Geschäftsleiter Matthias Wolff im Gespräch mit PROTECTOR & WIK den Einzug der Digitalisierung in die Brandschutzbranche und die Lösungen seines Unternehmens.

PROTECTOR & WIK: Herr Wolff, im Gegensatz zur Zutrittskontroll- und vor allem zur Videobranche sind die Auswirkungen der Digitalisierung im Brandschutz noch vergleichsweise gering. Wie wird sich dieser Bereich Ihrer Einschätzung nach in den nächsten Jahren verändern?

Matthias Wolff: Der Bereich Brandschutz wird in den nächsten Jahren sicherlich von der Digitalisierung profitieren. Schaut man sich den Bereich genauer an, dann lässt sich zwischen Brand- und Rauchwarnmeldetechnik differenzieren. Der Bereich Brandmelder ist hochreguliert. Hier müssen erst einmal Kabel verlegt werden, und bei einer Gefahr geht eine Meldung direkt an die Leitstelle, die dann die Feuerwehr alarmiert.

Rauchwarnmelder Quelle der Digitalisierung im Brandschutz

Die Digitalisierung ist in diesem Bereich also noch nicht wirklich fortgeschritten. Im Gegensatz dazu bietet die Anwendung von digitalen Funksignalen einige Vorteile. Im Bereich der Rauchwarnmelder ist durch die Digitalisierung bereits einiges passiert. Hier bewegt sich auch Lupus-Electronics. Die Melder sind miteinander vernetzt und können per digitalen Funksignalen mit einem Gateway verbunden werden. Der Vorteil: Wird ein Brand erkannt, dann wird der Gateway informiert, und der Alarm wird an allen, in das System integrierten Rauchmeldern ausgelöst. Außerdem wird das Alarmsignal an die jeweils relevanten Empfänger geschickt. Diese erhalten es dann beispielsweise auf dem Smartphone, was besonders sinnvoll ist, wenn niemand zu Hause ist.

Doch was passiert, wenn der Gateway zuerst beschädigt wird, da das Feuer genau an dieser Stelle ausbricht? Falls in diesem Fall niemand zu Hause ist, kann auch niemand den Alarm hören und reagieren. Die Lösung erscheint simpel: Jeder Melder müsste eigentlich komplett autark – also ohne Gateway – funktionieren und sofort digitale Signale online übertragen. Dies macht ihn komplett dezentral und nicht mehr von Zustand und Lage des Gateways abhängig. Die Funkstrecke und -qualität vom Melder zum Gateway ist insbesondere in größeren Projekten ja immer wieder problematisch und macht sie kompliziert. Nicht zuletzt deshalb ist der Gateway immer auch einer der größten Kostenfaktoren.

Funksignal setzt sich gegen Verkabelung durch

Was bedeuten diese Veränderungen in Bezug auf Zielgruppen und Vertriebswege? Ist der Errichter ein Auslaufmodell?

Keineswegs handelt es sich beim Errichter um ein Auslaufmodell, Stichwort: Wohnungswirtschaft. Die Errichter sind weiterhin dort gefragt, wo noch keine DIN Brandschutzvorschriften gefordert werden, wie zum Beispiel in kleinen und mittleren Unternehmen. Hier gilt es abzuwarten, wie sich diese Vorschriften in Zukunft ändern werden. Es ist jedoch abzusehen, dass sich auch hier in Zukunft das Funksignal gegen die Verkabelung durchsetzen wird.

Natürlich müssen sich die Errichter den Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben, stellen und sich kontinuierlich weiterbilden beziehungsweise auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Aufgrund der allgemeinen Vereinfachung, welche die Digitalisierung hinsichtlich Technik und Technologie bietet, wollen wir natürlich auch in Zukunft den Errichter ansprechen, aber auch neue Vertriebswege erschließen, wie zum Beispiel Versicherungen, wie Lupus es schon mit der Provinzial Nordwest gemacht hat sowie die vielen weiteren potenziellen Ansprechpartner, die sich im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung neu ergeben.

BIM könnte die Lösung sein

Wie beurteilen Sie das Thema BIM (Building Information Modeling) beziehungsweise sehen Sie in herstellerübergreifenden Plattformkonzepten für das Segment Brandschutz in Zukunft eine ähnlich große Bedeutung, wie diese bereits heute im Videobereich einnehmen?

BIM ist definitiv ein großes Thema. Allein aufgrund der Regulierung im Bereich Rauchwarnmelder macht es Sinn, beispielsweise bereits in der Planungsphase von Wohngebäuden den Brandschutz und insbesondere den (vorgeschriebenen) Einsatz von Rauchwarnmeldern sowie deren Wartung und Services von vornherein mitzudenken. Denn das ist ein großer Kostenfaktor, welcher berücksichtigt und bedacht werden muss. Herstellerübergreifende Plattformkonzepte können dabei ein Lösungsansatz sein, allerdings stellt sich hier die Frage nach der technischen Umsetzbarkeit, ohne dass es beispielsweise für eine Wohnungsbaugesellschaft, die in einer Vielzahl von Städten noch eine größere Anzahl an Wohneinheiten verwaltet, zu einem logistischen Monster wird. Diese ist bis jetzt noch nicht gegeben.

Lupus-Electronics wird im Februar erstmals als Aussteller auf der Feuertrutz in Nürnberg vertreten sein. Was hat den Ausschlag für diese Messe gegeben und was können die Besucher von Ihrem Unternehmen in Nürnberg erwarten?

Ein besonderes Augenmerk wird auf der exklusiven Präsentation unseres neuesten Produkts liegen, welches perfekt in das Umfeld passt und letzten Endes auch den Ausschlag für unsere erstmalige Teilnahme gegeben habt: der „LUPUS Mobilfunk Rauchmelder“. Dieser ist vollständig in Deutschland entwickelt worden, entspricht DIN 14676 1-C und ist nach seiner Aktivierung permanent mit dem Schmalbandnetz der Deutschen Telekom verbunden. Das bedeutet, dass er immer online ist. Im Narrowband-IoT-Netz der Telekom kommuniziert er Alarmereignisse und den Gerätestatus in Echtzeit direkt in die Cloud.

Es ist kein lokaler Gateway, Hub oder Router mehr notwendig. Das macht das Organisieren von Rauchmeldesystemen einfacher und kostengünstiger als jemals zuvor. Außerdem kann, falls gewünscht, eine unmittelbare Weitergabe des Warnsignals über das Mobilfunknetz an zentrale Stellen erfolgen. Der „LUPUS Mobilfunk Rauchmelder“ verfügt nicht nur über Rauchkammersensoren, sondern ebenfalls über Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensoren, welche sich neben dem offensichtlichen Anwendungsfeld als zuverlässiger Rauchmelder für weitere Smarthome Anwendungsfelder verwenden lassen. Trotzdem beträgt die durchschnittliche Batterielaufzeit beachtliche zehn Jahre.

Unbegrenzte Vernetzung – selbständige Wartung

Die Zeiten technischer Beschränkungen durch letztendlich unsichere lokale Funkverbindungen mit Gateways oder Routern sind gezählt, denn es können unbegrenzt viele Rauchmelder unabhängig voneinander und von örtlichen Gegebenheiten installiert werden. Durch eine zentrale Administration mit mehreren vertikalen Administratorenebenen lassen sich unzählige Rauchmelder in verschiedenen Wohneinheiten einfach im Blick behalten. Zusätzlicher Pluspunkt: Das System wartet und testet sich alle 24 bis 48 Stunden selbstständig. Das macht eine lokale Wartung überflüssig und wirkt sich damit positiv auf die Kosten aus, die durch einen Rauchmelder verursacht werden können.

Die Rauchmelder verfügen außerdem über weitere Sensoren, die sofort erkennen und melden, wenn eines der Geräte entfernt wird. Die Cloud bietet APIs zur Integration für Partnerplattformen und eröffnet damit in Zukunft eine Reihe weitere spannender Funktionsmöglichkeiten. Der neue Mobilfunk Rauchmelder wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2019 erhältlich sein und entspricht der DIN 14676 1-C. Wir freuen uns, ihn den Besuchern auf der Feuertrutz zum ersten Mal zu präsentieren