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Leitfaden Stadionsicherheit

Mehrwert durch Überblick

Im Umfeld von Fußballspielen gibt es immer wieder Begeisterung und große Emotionen, aber auch Eskalation und Ausschreitungen. Hier braucht es technische Unterstützung zum Beispiel durch Videoüberwachungssysteme, wofür der DFB in Zusammenarbeit mit dem ZVEI e.V. einen Leitfaden entwickelt hat.

Spätestens seit den großen Fan-Randalen 2012 wurde klar, dass man beim Thema Sicherheit im Fußball neue Wege gehen muss und dem zunehmenden Gewaltniveau mit einem einheitlichen und umfassenden Sicherheitskonzept für die drei Profiligen begegnen will.

Pilotprojekt

Daraufhin ergriff der ZVEI Arbeitskreis Videosysteme im Dezember 2012 die Initiative für ein Sondierungsgespräch mit dem DFB. Wie kann ein technisches Sicherheitskonzept auf Basis von Videotechnologien aussehen, das die unterschiedlichen Anforderungen, Aufgabenstellung und Perspektiven der Akteure (Stadionbetreiber, Fußballklub, Polizei und Datenschutz) abdeckt und praxistaugliche technische Sicherungsmaßnahmen dafür aufzeigt? Denn ein Sicherheitskonzept muss umsetzbar, abgestimmt – und nicht zuletzt auch finanzierbar sein.

Für die Erarbeitung des Leitfadens wurden vier „Meilensteine“ unter der Überschrift „Welchen Mehrwert bieten Videotechnologien für Vereine, Stadionbetreiber und Fans?“ definiert. Der hier aufgezeigte Mehrwert liegt in der Unterstützung des gesamten Sicherheitsprozesses (Prävention, Schützen, Reagieren, Wiederherstellen) und der „Verdichtung der richtigen Informationen“, damit Störungen, Gewalt, Krawalle, Notfälle und Krisen, aber auch die Lenkung von Menschenmengen geeignet bewältigt werden können.

An dem technischen Sicherheitskonzept neuartig ist, dass ein Fußballstadion in seiner Gänze analysiert und die geeigneten Sicherheitstechniken zugeordnet wurden. Das bezieht sich auf die örtlichen Bereiche (Vorfeld, Gänge, Ränge) sowie die unterschiedlichen Nutzungsphasen eines Stadions. Die vermeintliche Ruhephase in der Woche ist genauso sicherheitsrelevant wie der Hochbetrieb an einem Spielsamstag.

Die Anforderungen und die Schutzziele unterscheiden sich allerdings deutlich, wird das Stadion vor dem Spiel, während, kurz nach oder zwischen den Spielzeiten betrachtet. Je nach dem wird das Sicherheitsniveau unterschiedlich beschrieben. Die technische Umsetzung der Visualisierung (Bildqualität) folgt den Vorgaben nach der DIN EN 50132-7. Hier hat der Arbeitskreis Video die Anforderungsprofile für Detektieren und Identifizieren empfohlen.

Stufenweise schützen

Das Konzept empfiehlt ein 3-Stufen-Modell zur Umsetzung der Mindestanforderungen der definierten Schutzziele. Stufe 1 definiert die grundsätzliche Überblicksfähigkeit für alle definierten Schutzziele mit dem Anforderungsprofil Detektion. Bei Bedarf ist das Anforderungsprofil Identifikation umzusetzen. Das beschreibt die Stufe 2. Bei den zu erwartenden Brennpunkten wird die Ansicht aus mehreren Perspektiven empfohlen. Damit ist die Stufe 3 beschrieben. Mit dieser Modularität ist die Konzeption ebenfalls bestens geeignet, wenn ein Stadion auch für andere Veranstaltungen wie Konzerte genutzt werden soll oder das Konzept eine gänzlich andere Anwendung, zum Beispiel eine Bahnhofüberwachung, abdecken soll.

Ebenfalls neu im Leitfaden ist die Berücksichtigung von Wartung, kontinuierlichem Service und Schulung sowie Qualifizierung. Wartung und Service haben eine sich ergänzende Ausrichtungen. Wartung sichert die Qualität des Videosystems durch Aktualisierungen des bestehenden Leistungsprofils (Updates) auf dem aktuellen Niveau gemäß dem Wartungsvertrag. Services optimieren das Videosystem bedarfsgerecht sowie präventiv und halten die installierten Anlagen auf dem aktuellen Stand des technischen Fortschritts. Solche Optimierungen umfassen Erweiterungen des technischen Leistungsprofils (Upgrades).

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Qualifizierung des Personals, das die Videotechnik bedient. Insbesondere in zeitkritischen Situation ist sprichwörtlich die Fingerfertigkeit entscheidend, um Video- Identifizierung von Einzeltätern, schnelles Umschalten zwischen Zoom und Überblick oder generell das effiziente Management des Videosystems zu ermöglichen. Schulungen und Qualifizierungen gewährleisten Fähigkeiten, um den Anforderungen auch in zeitkritischen Situationen gerecht zu werden. Ziel sind hochwertige, schnelle Ergebnisse sowie eine effiziente Abarbeitung der Prozesse.

Technik und Datenschutz

Der DFB wollte technische Aspekte von Anfang an mit der Industrie besprechen, um den Stand der Technik sowie auch technische Innovationen einfließen zu lassen. Das Besondere in der Umsetzung war die Beteiligung aller Parteien inklusive Datenschutz und Polizei. Letztlich entstand aus dieser Zusammenarbeit ein umfänglicher „Leitfaden Datenschutz bei Einsatz von Videotechnik im Stadion“.

Der Einsatz von Videotechnik steht unter den Maximen der deutschen Datenschutzbestimmungen. Ihre Vorgaben flossen von Beginn an in die Konzeptentwicklung und Empfehlungen dieses Leitfadens ein. Durch diesen Leitfaden soll den Verantwortlichen Handlungssicherheit gegeben werden, um ein verbessertes Sicherheitsniveau zu etablieren.

Oft wird unterschätzt, dass ein technisches Sicherheitskonzept auf vielen organisatorischen Faktoren beruht. Es gibt viele Verantwortliche. Allein auf dem Weg vom Bahnhof bis zum Stadion treten diverse Zuständigkeiten wie Bundespolizei, Landespolizei, private Sicherheitsdienste, Stadionbetreiber und Vereinsverantwortliche auf. Für die Industrie ist daher extrem wichtig, das Verantwortlichkeiten, Anforderungen und technische Vorgaben für Übertragung, Vorrang und Speicherung klar sind. Und die Ergebnisse, die im Leitfaden festgehalten sind, sind nicht „eingefroren“. Vorgesehen sind regelmäßige gemeinsame Treffen mit dem DFB zur Überprüfung und eventuelle Anpassung der Technik an Fortschritt und Innovation sowie die Überprüfung der Abläufe und Prozesse.

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ZVEI

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Editorial

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