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Zukunftstrends bei Sicherheitsdienstleistern

Mensch + Technik

Sicherheitsdienstleister sind mit ihren vielfältigen Aufgaben ein fester Bestandteil der Sicherheitsarchitektur unseres Landes geworden. Ihre Tätigkeiten gehen weit über eine reine Bewachung – Stichwort Beratung und technische Leistungen – hinaus. Doch was unterscheidet die verschiedenen Unternehmen?

PROTECTOR wollte wissen: Wie sieht der Sicherheits-dienstleister der Zukunft aus? Was zeichnet ihn aus? Wo sieht er seine Betätigungsfelder?




Rasanter Wandel

Die privaten Sicherheitsdienste leisten mit ihren rund 190.000 Sicherheitskräften einen wichtigen Beitrag für die Innere Sicherheit in Deutschland. Deren Bedeutung wird weiterhin zunehmen.

Die Qualifizierungs-offensive im vergangen Jahrzehnt ist eine wichtige Voraussetzung, um die künftigen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Die sich permanent verändernde Bedrohungslage verändert die Sicherheitsbedürfnisse der Kunden.

Die Sicherheitstechnik wird immer leistungsfähiger und ersetzt die Dienstleistung. Auf diese Veränderungen müssen wir reagieren, wenn wir uns auch künftig weiter auf dem Markt behaupten wollen. Das setzt ein kompetentes Management, umfassend ausgebildete Experten und am Ende der Kette auch qualifiziertes Sicherheitspersonal voraus.

„Das neue Sicherheitsunternehmen“ wird schneller Wirklichkeit, als dies heute von vielen erwartet – teilweise auch befürchtet – wird. Die BDSW-Mitgliedsunternehmen arbeiten daran, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Aber Sicherheitstechnik wird es nie ohne eine gute Sicherheitsdienstleistung geben. Private Sicherheitsdienste werden ihre Marktchancen nutzen können, wenn sie spezielle Fachanbieter sind und bleiben!

Dringend notwendig ist aber auch eine grundlegende Novellierung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Der Staat muss seinen Beitrag dazu leisten, damit sich künftig qualifizierte Sicherheitsdienstleister auf dem Markt erfolgreich behaupten können. Denn auch die Auftragsvergabe gehört auf den Prüfstand.

Wir haben mit der Erarbeitung des „Bestbieterkonzepts“ auf europäischer Ebene und durch die aktive Mitarbeit an mehreren Normungsvorhaben wichtige Voraussetzungen für eine nachhaltige Verbesserung der Sicherheitsdienstleistung geschaffen.

Dr. Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des BDSW e.V.


Erfolgsfaktor integraler Service-Anbieter

Die Zukunft hat längst Einzug gehalten. Stichworte sind unter anderem die wachsenden Bedrohungen durch Wirtschaftskriminalität und Cybercrime, demografischer Wandel und der damit verbundene fortschreitende Arbeitskräftemangel sowie die „Industrie 4.0“.

All dies stellt die privaten Sicherheitsdienstleister vor gewaltige Herausforderungen, weshalb die Themen auch im Fokus der „5. Europäischen Sicherheitskonferenz“ standen, zu der CoESS und BDSW kürzlich nach Berlin eingeladen hatten. Der private Sicherheitsdienstleister wird sich in Zukunft noch stärker als heute als Partner des Kunden in die Konzeption und Organisation der Gesamtsicherheit und des Risikomanagements beim jeweiligen Auftraggeber einbringen.

Hierbei steht neben der Unterstützung und Beratung in Fragen der Unternehmens- und Standortsicherheit auch der Bereich des Wirtschafts- und Informationsschutzes im Vordergrund. Der Kunde erwartet in Zukunft einen Service, der ihn bei allen Aspekten der Sicherheit nach dem klassischen Schema „plan-do-check-act“ (PDCA) begleitet.

Der hierzu notwendige Know-how-Aufbau für den Beratungs- und Unterstützungsbereich sowie neuartige Ideen und Technologien zur Qualitätsmessung und -steigerung stellen erhebliche Anforderungen an die privaten Sicherheitsdienstleister. Die zentrale Zukunftssäule liegt in der konsequenten Weiterentwicklung und Verknüpfung von Sicherheitsdienstleistungen und -technik, also in der noch engeren Verzahnung von mechanischer und elektronischer Sicherheitstechnik mit personellen Sicherungstätigkeiten.

Dabei werden fast vollständig IT-orientierte Systeme immer stärker die technische Grundlage bilden. Einhergehend hiermit werden sich die Dienstleister noch mehr als bisher an der Wertschöpfungskette ihrer Auftraggeber orientieren müssen.

Gefragt ist der „verlässliche Kümmerer“, dessen Service weit über die klassischen Sicherheitsaufgaben hinausgeht. Auf diese Weise werden sich die Sicherheitsunternehmen zu einem multifunktionalen Service-Anbieter weiterentwickeln, so auch die Prognose der Sicherheitskonferenz.

Dies alles ist ohne eine weitere Professionalisierung nicht zu leisten. Neben einer entsprechenden Organisation, bei der das Zusammenspiel aus Mensch, Technik und Organisation weiter in den Fokus rückt, sowie der erforderlichen Finanzstärke/Bonität zur Realisierung von Betreibermodellen, gehört das Thema Personalrekrutierung und -ausbildung in den Mittelpunkt.

Der „Kampf um die besten Köpfe“ wird für die Sicherheitsbranche weiter an Bedeutung gewinnen (und durch den demografischen Wandel zusätzlich verschärft). Hier sind entsprechende Anstrengungen bei der Mitarbeiteraus- und -weiterbildung gefragt.

Dirk H. Bürhaus, Geschäftsführer von Kötter Security, München, und der zur Kötter Unternehmensgruppe gehörenden German Business Protection (GBP)


Spezialisten gefragt

Zwar werden klassische Sicherheitsdienstleistungen nach wie vor nachgefragt, doch die Zukunft der Branche liegt in qualitativ anspruchsvollen und individuellen Services. Der Sicherheitsdienstleister wird beim Kunden zum umfassenden Lösungsanbieter und übernimmt weitgehendere Aufgaben: zum Beispiel hochwertige Empfangsdienste, zusätzliche Services wie Postdienste oder steht beratend, planerisch und auch bei der Installation von Sicherheitstechnik zur Seite. Es sind also mehr und mehr Spezialisten mit tiefgründigem Know-how gefragt.

Um ihr Potenzial für Kunden voll ausschöpfen zu können, setzen Qualitätsdienstleister auf intelligente Verknüpfungen. Bei der Wisag geschieht dies durch das Konzept Me.Te.Or. Dabei geht es um die maßgeschneiderte und wirkungsvolle Kombination der Komponenten Mensch, Technik und Organisation für eine passgenaue Sicherheitsdienstleistung.

Durch die Vernetzung der drei Faktoren lassen sich Synergien erzielen und Freiräume für die Übernahme zusätzlicher Aufgaben schaffen. Der Dienstleister wird mehr und mehr zum Serviceanbieter beim Kunden. Das Thema technische Lösungen gewinnt in diesem Zusammenhang und angesichts des nach wie vor hohen Sicherheitsbedürfnisses an Bedeutung.

Auch Spezialisierungen, um Kundenbedürfnissen besser zu entsprechen, sind für uns aktuell ein spannendes Thema. So bietet die Wisag beispielsweise für den öffentlichen Personennahverkehr ganz unterschiedliche Leistungen an, aus denen Kunden, das für sie passende Paket zusammenstellen können. So entstehen branchenbezogene Dienstleistungen mit individueller Ausgestaltung.

Eduard C. Kutyma, Geschäftsführer der Wisag Sicherheit & Service Holding GmbH & Co. KG


Qualität im Fokus

Schon immer haben die Sicherheitsunternehmen flexibel und schnell auf die Bedürfnisse ihrer Auftraggeber reagiert. Neu hingegen ist die rasante Geschwindigkeit der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung sowie der Logistik sowohl auf Seiten der Prävention als auch auf Seiten der Straftäter.

Das moderne Sicherheitsunternehmen ist angehalten, diesen Tendenzen Rechnung zu tragen und dabei unter kaufmännischen, innovativen und qualitativen Gesichtspunkten eine eigene sinnvolle und für den Auftraggeber nachvollziehbare und transparente Strategie zu verfolgen. Unabhängig, ob Großkonzern oder kleine und mittlere Unternehmen (KMU), wer die sich stetig verändernden gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen (Kriminalstatistik, Demografie, soziokulturellen Faktoren, Compliance, etc.) außer Acht lässt, wird schon mittelfristig Schwierigkeiten bekommen, sich am Markt zu behaupten.

Nicht jede Leistung muss angeboten und selbst erbracht werden. Oft helfen strategische Kooperationen, das Kerngeschäft und den Auftraggeber nicht aus dem Auge zu verlieren, vor allem in Zeiten, in denen der administrative Aufwand (Zertifizierungen, Aus- und Weiterbildung, gesetzliche Auflagen) stetig zunimmt.

Für das Management in den Sicherheitsunternehmen bedeutet dies, neue Marktsegmente rechtzeitig zu erkennen, Kundenwünsche zu antizipieren und zielorientiert umzusetzen, Investitionsbereitschaft in Mitarbeiterqualifikation und Technik sowie ständiges Hinterfragen und Optimieren der etablierten Prozessabläufe. Darüber hinaus darf unter keinen Umständen der Faktor „Qualität“ (Preis-Leistungs-Verhältnis) vernachlässigt werden.

Bekanntermaßen besteht das Rückgrat der mittelständisch geprägten deutschen Sicherheitswirtschaft aus Unternehmen mit einer jahrzehntelangen Historie. Das bedeutet: Viele Auftraggeber schätzen Kontinuität, Erfahrung und Solidität. Die meisten Billiganbieter verschwinden erfahrungsgemäß kurz- oder mittelfristig vom Markt. Hier müssen Sicherheitsverantwortliche aus Wirtschaft, Verbänden und Politik eng miteinander kooperieren, um den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen.

Andreas Brink, Geschäftsführer Westdeutscher Wachdienst GmbH & Co. KG


Sicherheitsunternehmen 4.0

Die Mehrzahl der Kunden des Sicherheitsgewerbes sind Unternehmen, vor allem mittelständische, die sich keine eigene Sicherheitsabteilung und keinen CSO leisten. Das zukunftsbewusste Sicherheitsunternehmen wird diesen Kundenbereich gezielt ausbauen und sich dabei nicht auf Objektschutz und Zutrittskontrolle beschränken, sondern anspruchsvolle Sicherheitsfunktionen im Betriebsprozess und der Logistik des Kunden übernehmen.

Das setzt Branchenkenntnisse und die Analyse des gesamten Sicherheitsbedarfs des Unternehmens voraus. Dazu sind neue Qualifikationen erforderlich.

Mit der zunehmenden Zahl von Kunden aus verschiedenen Wirtschaftszweigen bietet sich in der Organisation des neuen Sicherheitsunternehmens eine Branchensegmentierung an. Es ist nicht erforderlich, eine bewährte Regionalstruktur aufzulösen. Eine Hybridorganisation kann beide Ausrichtungen abdecken. Dabei kommt es sehr auf eine reibungslose Zusammenarbeit der branchenspezifischen mit den regionalen Unternehmensbereichen an.

Die Kosten für personelle Sicherheitsleistungen sind jüngst gestiegen – nicht zuletzt wegen des Mindestlohnes –, und sie werden weiter steigen, stärker als die Preise für Sicherheitstechnik. Und diese wird immer leistungsstärker, kann personelle Dienstleistungen optimieren oder sogar ersetzen.

Kunden werden aufgrund dieser Kostenentwicklung künftig öfter vom Sicherheitsdienstleister verlangen, personelle Sicherheitsleistungen durch Technik zu ersetzen. Die Digitalisierung ist ein Megatrend unserer Zeit, der nun auch die Sicherheitswirtschaft erreicht. Dies verbessert, beschleunigt und erleichtert personelle Sicherheitsdienste.

Die Vorteile der Umstellung, beispielsweise in der Videoüberwachung oder Zutrittskontrolle, verändern das Leistungsangebot der Sicherheitsdienstleister.

Die Digitalisierung optimiert aber auch die Infrastruktur des Sicherheitsunternehmens, beschleunigt Einsatzvorbereitung und -nachbereitung, die Informationssammlung und -verarbeitung sowie die Verwaltung der Arbeitsmittel.

Schließlich wird es um die effiziente Kombination von qualifiziertem Personal und technischen Lösungen gehen! Securitas Deutschland hat diese Wege in die Zukunft beschritten, Strategie und Unternehmenskultur darauf ausgerichtet und entwickelt sich zügig zum Sicherheitsunternehmen 4.0.

Bernd Weiler, Leiter Kommunikation & Marketing, Securitas Deutschland

Foto: Thomas Siepmann/Pixelio

Güterverkehrs- und Logistiksicherheit

Spezialisten gefragt

Die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft zum Schutz der Güterverkehrs- und Logistikwirtschaft stand im Fokus des ersten Teils dieser Artikelserie. Teil 2 widmet sich der Frage, ob und wie die Sicherheitswirtschaft wesentlich zur Logistiksicherheit beitragen kann.

Moderne Sicherheisdienstleister bieten ganzheitliche Sicherheitslösungen unter Integration der erforderlichen Sicherheitstechnik einschließlich deren Betrieb.
Foto: Securitas

Interviews

Faktor Mensch bleibt unersetzbar

PROTECTOR wirft mit Manfred Buhl, ehemals CEO von Securitas Deutschland, einen Blick in die Vergangenheit und auf kommende Herausforderungen.

Foto: Kötter Services

Kötter steigert Umsatz

Nachhaltige Wachstumsstrategie

Die bundesweit tätige Dienstleistungsgruppe Kötter Services bleibt auf Wachstumskurs. Der Umsatz nahm im Vergleich zu 2011 um sieben Prozent auf 380 Millionen Euro zu. Die Mitarbeiterzahl stieg im vergangenen Jahr um 200 auf 15.300 Beschäftigte (+ 1,3 Prozent) und erreichte ebenfalls einen Höchststand.

Foto: Kötter / Marc Darchinger

Kötter

Konferenz zur Zukunft der Unternehmenssicherheit

Am 13. Novmeber 2018 fand die 5. „State of Security – Die Sicherheitskonferenz am Brandenburger Tor“ statt. Rund 70 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Behörden diskutierten neue Herausforderungen für die Unternehmenssicherheit im Zuge des fortschreitenden Wettstreits um die „besten Köpfe“.