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Foto: Warnstedt
Schutz vor Terror  mit Security by Design: Zufahrtsschutz auf einem öffentlichen Platz in Kopenhagen. 

Sicherheitskonzepte

Mit Security by Design gegen Terror

Wie mit integralen Lösungsansätzen – Security by Design - Schutz vor Terror und ansprechende Stadtgestaltung in Einklang gebracht werden können.

Der Schutz vor terroristischen Bedrohungen im urbanen Raum stellt eine besondere Herausforderung dar, der mit einem integralen Lösungsansatz, Security by Design, begegnet werden kann. Denn der überwiegende Teil der in der Sicherheitsbranche gebräuchlichen technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Absicherung von Liegenschaften und Gebäuden (Zutrittskontrollen, Einbruchmeldeanlagen, gehärtete Fenster, Türen und Fassaden) eignet sich nicht für den Schutz von Menschenleben auf öffentlichen Plätzen.

Schutz vor Terror auf öffentlichen Plätzen

Hochleistungspoller oder andere Fahrzeugsperren sind elementare Bestandteile der baulichen und technischen Schutzmaßnahmen urbaner Räume, aber kein Allheilmittel. Sie sind kostenintensiv und insbesondere bei ausufernder Verwendung nicht gerade architektonisch ansprechend. Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, dass zahlreiche Hersteller solcher Systeme durchaus sehr ästhetische Produkte anbieten. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass endlose Reihen von Pollern keine Zeugnisse ausgeprägter gestalterischer Kreativität darstellen. Sie können sogar zu einer übersteigerten Wahrnehmung der Bedrohung durch terroristische Anschläge führen, die rein statistisch gering ausfällt. Weiterhin muss klar sein, dass mit baulichen Maßnahmen keine Terroranschläge verhindert werden. Sie schränken allerdings das Spektrum der Möglichkeiten für Attentäter und die Wirkungsreichweite ein, insbesondere bei Anschlägen mit Fahrzeugen oder Explosivstoffen. Gegen andere Anschlagsformen sind die baulichen Schutzmöglichkeiten eingeschränkt.

Aus diesen einführenden Überlegungen lassen sich zwei wesentliche Schlussfolgerungen ziehen:

  • Schutzkonzepte für urbane Räume sollten möglichst umfassend angelegt sein und das gesamte Spektrum der baulichen Möglichkeiten einbeziehen (zum Beispiel Reduzierung der Anfahrtsgeschwindigkeiten durch entsprechende Verkehrsführung mit Verschwenkungen, Einschränkung der Befahrbarkeit durch Stufen im Gelände, Einbeziehung von multifunktionalen Stadtmöbeln als Barrieren).
  • Die Grenzen der Möglichkeiten baulicher Maßnahmen zum Schutz vor terroristischen Bedrohungen müssen berücksichtigt werden, um das Restrisiko bewerten zu können und zu entscheiden, wie damit umgegangen wird.

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Urbane Sicherheit mehrdimensional gedacht

Ein wesentlicher Beitrag im Kampf gegen terroristische Bedrohungen wird durch die präventive Arbeit der Sicherheitsorgane (Polizei, Verfassungsschutz, Geheimdienste) geleistet. Hiervon bekommt der überwiegende Teil der Bevölkerung nichts oder nur wenig mit. Dieser Beitrag stellt jedoch nur eine Säule der Terrorabwehr dar. Die nachhaltige Eindämmung von Terrorismus und der damit verbundenen Gefahren für Menschenleben gelingt nur durch eine ganzheitliche Betrachtung der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründe und nicht allein durch „Kampf“. Um diesen mehrdimensionalen Ansatz zu realisieren, hat die Europäische Kommission eine Agenda für Terrorismusbekämpfung erarbeitet. Darin werden im Abschnitt „Antizipation, Prävention, Schutz und Reaktion“ folgende Punkte genannt:

  • Schwachstellen ermitteln und Kapazitäten aufbauen, um Bedrohungen zu antizipieren,
  • Radikalisierung bekämpfen und Anschläge verhindern,
  • „Security by Design“ fördern und Schwachstellen verringern, um Städte und Menschen zu schützen,
  • Ausbau der operativen Unterstützung, Strafverfolgung und Opferrechte, um besser auf Anschläge reagieren zu können.

Diese Punkte finden sich auch im 4-Phasen-Modell zum Schutz vor terroristischen Anschlägen wieder. Im besten Fall werden Anschläge durch proaktives Handeln verhindert. Im Anschlagsfall gilt es, den Schutz vor den Auswirkungen zu gewährleisten und effizient zu reagieren, um möglichst viele Leben zu retten.

Kreativität statt Beton

Die Präventionsarbeit bildet eine wesentliche Säule zur Abwehr terroristischer Gefahren, wird Anschläge aber nicht gänzlich verhindern können. Längerfristige Ansätze wie Inklusion, Bildungs-, Kultur-, Jugend- und Sportangebote sind ebenso wichtig, benötigen jedoch viel Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten.

Daher sind innovative Lösungen zum Schutz vor terroristischen Bedrohungen gefragt, die vergleichsweise schnell umzusetzen sind. Bauliche Maßnahmen können hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Dieser Ansatz findet sich in der Agenda der EU-Kommission unter dem Punkt: „Security by Design“ fördern und Schwachstellen verringern. Darin wird das Ziel formuliert, „den physischen Schutz öffentlicher Räume durch maßgeschneiderte Sicherheitskonzepte („Security by Design“) zu gewährleisten“. Damit ist gemeint, dass der Schutz vor terroristischen Bedrohungen nicht allein durch zusätzliche bauliche Maßnahmen erreicht wird, die eindeutig als Schutzelemente zu erkennen sind (zum Beispiel Poller oder schwere Betonelemente). Vielmehr soll der Schutzgedanke zum integralen Bestandteil der Planung und Gestaltung öffentlicher Plätze werden.

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Mit „Security by Design“ zu stadtgestalterischen Lösungen

Das Prinzip „Security by Design“ stammt ursprünglich aus der IT-Branche. Dabei werden Sicherheitsaspekte nicht erst im Zuge der Fertigstellung eines Hard- oder Softwareproduktes berücksichtigt, sondern als integraler Bestandteil der gesamten Entwicklungsphase betrachtet. Damit sollen Sicherheitslücken von Beginn an verhindert werden.

Dieser Grundgedanke lässt sich auf die Gestaltung öffentlicher Plätze unter Sicherheitsaspekten übertragen. Dabei wird grundsätzlich für alle Gestaltungselemente bewertet, ob sie einen Schutzwert im Falle terroristischer Anschläge bieten und sich in Schutzkonzepte integrieren lassen. Hierzu zählen zum Beispiel

  • Stadtmöblierung (Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, Geländer, Kioske),
  • Skulpturen,
  • Brunnen oder Wasserspiele,
  • Bushaltestellen,
  • Bordsteine,
  • Topografie (Geländeversprünge),
  • Bäume und Hecken,
  • Mauern und Zäune.

All diese Elemente sind multifunktional. Im Alltag erfüllen sie ihre offensichtliche Funktion. Erst im Falle eines Anschlages entfalten sie ihre Schutzwirkung, die durch eine entsprechende konstruktive Durchbildung sichergestellt werden muss. Damit dienen sie als Barrieren gegen Anschläge mit Fahrzeugen oder bieten Schutz vor Explosionsbelastungen.

Außerdem wird die Betrachtung nicht nur auf den zu schützenden Bereich fokussiert, sondern auf das Umfeld erweitert. Dabei werden unter anderem folgende Aspekte betrachtet:

  • Können Verkehrsströme umgeleitet oder verlangsamt werden?
  • Kann die maximale Anfahrtsgeschwindigkeit verbindlich reduziert werden?
  • Ist die Zufahrt erforderlich, kann sie auf bestimmte Personengruppen/Nutzer reduziert werden oder lässt sie sich zeitlich begrenzen?
  • Lassen sich Areale anlassbezogen (zum Beispiel bei Veranstaltungen) weiträumig absichern?

Diese ganzheitliche Betrachtung der Sicherheit vor terroristischen Bedrohungen im urbanen Raum ermöglicht stadtgestalterisch ansprechende Lösungen. Die Schutzfunktion ist für Laien gar nicht zu erkennen. Damit wird zudem erreicht, dass die Bedrohung nicht permanent ins Bewusstsein gerückt wird. Somit nimmt die Aufenthaltsqualität zu und die Akzeptanz durch die Bevölkerung steigt.

Das britische Centre for the Protection of National Infrastructure (CPNI) stellt umfangreiche Materialien zum Thema „Hostile Vehicle Mitigation“ (HVM) zur Verfügung. Mit Blick auf den „Security by Design“ Ansatz sind im Rahmen dieses wertvollen Leitfadens der „Integrated Security Guide“ und die „HVM Schemes for the Streetscape“ besonders hervorzuheben. Diese Handreichungen verdeutlichen die Bandbreite der Möglichkeiten zum Schutz urbaner Räume vor terroristischen Anschlägen mit Fahrzeugen sehr anschaulich. Außerdem bietet das CPNI eine öffentlich zugängliche, interaktive Online-Liste von Vehicle Security Barriers (VSB).

Absolute Sicherheit gibt es nicht

Selbstverständlich kommt auch der „Security by Design“-Ansatz nicht ohne klassische bauliche und technische Maßnahmen wie Poller aus. Er zielt vielmehr darauf ab, das Gestaltungsspektrum zu erweitern. Damit werden die architektonische Ästhetik und die Aufenthaltsqualität im Vergleich zu reinen Poller-Lösungen erheblich aufgewertet. Feste oder versenkbare Poller kommen pointiert und zielgerichtet dort zum Einsatz, wo sie unvermeidlich sind.

Ebenfalls muss klar sein, dass bauliche Maßnahmen keine Terroranschläge verhindern. Wohl aber schränken sie das Spektrum der Möglichkeiten für Attentäter und deren Wirkungsreichweite erheblich ein. Sie bieten vorrangig Schutz bei Anschlägen mit Fahrzeugen oder Explosivstoffen. Beim Einsatz von Hieb-, Stich- oder Schusswaffen ist das Schutzpotential baulicher Maßnahmen eingeschränkt. Sie können jedoch Deckungsmöglichkeiten bieten oder die Auffindbarkeit und Sichtbarkeit erschweren.

Balanceakt zwischen Schutz und Freiheit

Der Schutz vor Terrorismus führt schnell zu einem Zielkonflikt zwischen der Verbesserung des Sicherheitsniveaus auf der einen und der Einschränkung von Freiheitsrechten auf der anderen Seite. So kann beispielsweise verstärkte Polizeipräsenz in Teilen der Bevölkerung zu Unbehagen führen. Gleiches gilt für Videoüberwachung im urbanen Raum, die zudem erhebliche datenschutzrechtliche Probleme mit sich bringt. Außerdem ist ihr Nutzen zum Schutz vor Terroranschlägen umstritten. Erstens ermöglicht sie nur mit viel Glück die Entdeckung terroristischer Absichten. Für ein Eingreifen vor Ort bleibt in diesem Fall meist keine Zeit mehr. Zweitens kann sie sogar ein Anreiz für Attentäter sein, sich die Macht der Bilder zunutze zu machen, um Aufmerksamkeit für ihre Taten zu erzeugen.

Bauliche Ansätze zum Schutz vor terroristischen Bedrohungen greifen weit weniger in Freiheitsrechte ein. Sie können sogar zu einer Steigerung der Aufenthaltsqualität, der Resilienz urbaner Räume und zur Kriminalprävention beitragen (zum Beispiel durch integrierte Beleuchtungskonzepte). Wenn Sicherheitsaspekte frühzeitig in der Planung berücksichtigt werden, lassen sich damit im Vergleich zu nachträglich installierten Schutzmaßnahmen erhebliche Kosten sparen. Dieser Ansatz erfordert Kreativität und bedingt den Mut, sich nicht allein auf zertifiziere Lösungen (zum Beispiel Poller) zu verlassen, sondern auch alternative Nachweise der Leistungsfähigkeit (zum Beispiel numerische Simulationen) in Betracht zu ziehen. Vor allem aber kommt dem Stakeholder- und Kommunikationsmanagement in solchen Projekten besondere Bedeutung zu. Politische Entscheidungsträger müssen überzeugt, die Interessen von Anwohnern und Gewerbetreibenden berücksichtigt oder Anforderungen an Zufahrtswege und Aufstellflächen für Feuerwehr und Rettungsdienste eingehalten werden – um nur einige Beispiele zu nennen.

Wenn es gelingt, die Schutzaspekte zu einem integralen Bestandteil der Konzeptionierung und Planung zu machen, kann der Schutz öffentlicher Plätze kosteneffizient, architektonisch ansprechend und ohne endlose Pollerreihen gelingen.

Dr.-Ing. Paul Warnstedt, Sicherheitsberater bei Kraiss Wilke & Kollegen

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Dr.-Ing. Paul Warnstedt, Sicherheitsberater bei Kraiss Wilke & Kollegen.
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Beispiel für Zufahrtsschutz auf einem öffentlichen Platz in Tel Aviv. 
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4-Phasen-Modell zum Schutz vor terroristischen Anschlägen.
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Möglichkeiten der Verkehrsführung zum Schutz gefährdeter Bereiche.
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Foto: VNC

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