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Sicherheit für Krankenhäuser

Mit weniger mehr erreichen

Krankenhäuser in ganz Europa müssen mit immer knapper werdenden Etats umgehen. Viele Verantwortliche stehen entsprechend vor der schwierigen Herausforderung, ihre Investitionen priorisiert einzusetzen. Ein modernes Sicherheitssystem kann hier eine Schlüsselrolle für ein erfolgreiches Krankenhausmanagement spielen.

Aufgrund des beharrlich steigenden Ausgabendrucks für Medikamente, Ausrüstung, Schulung, Personal-beschaffung und einer Vielzahl anderer Variablen, sind die technischen Sicherheitsaspekte oftmals in den Hintergrund geraten. Dabei spielt ein modernes Sicherheitssystem eine Schlüsselrolle für ein erfolgreiches Krankenhausmanagement, während die Kosten dafür gleichzeitig im Rahmen bleiben können.

Krankenhäuser sind Einrichtungen zum Wohle des Menschen, dennoch sind auch sie Orte von Verbrechen. So entwenden Diebe beispielsweise Eigentum von Patienten und Krankenhauspersonal oder teure Ausrüstungsgegenstände, darunter Computer oder Tablet-PCs. Der Diebstahl von Medikamenten aus Krankenhäusern ist unter den weiteren alltäglichen Delikten zu finden.

Diverse Delikte

Auch von Gewalttaten gegen Patienten und Mitarbeitern wird immer wieder berichtet. Sie reichen von kleinen Handgreiflichkeiten bis hin zu extremer Gewalt. Gewalttaten, die gegen das Personal gerichtet sind, beeinflussen den Ruf einer Einrichtung, die künftige Personalbeschaffung sowie die Moral der gesamten Organisation absolut negativ. Im schlimmsten Falle werden langwierigen Rechtsstreitigkeiten Tür und Tor geöffnet.

Diebstahl von Medikamenten, Ausrüstungsgegenständen und anderem Eigentum ist ein permanentes Problem des Gesundheitswesens und strapaziert Krankenhaus- Etats in ganz Europa. In Deutschland sind die polizeilich erfassten Fälle des Diebstahls von Betäubungsmitteln aus Krankenhäusern laut Polizeilicher Kriminalstatistik von 2012 auf 2013 um gut 14 Prozent auf 321 Delikte angestiegen. In Italien beispielsweise wird seit dem Sommer 2014 vehement gegen den organisierten Diebstahl von Medikamenten aus Krankenhäusern vorgegangen.

Der Diebstahl von Ausrüstung kostet die Krankenhäuser jährlich Summen im fünfstelligen Bereich und behindert dabei die täglichen Betriebsabläufe.

Auf der Wartebank

Die Frage, die sich stellt: Warum investiert die Mehrzahl der Krankenhäuser nicht in die Aufstockung ihrer Sicherheit? Die Antwort ist einfach: Geld. Europa ist immer noch dabei, die Folgen der Rezession in den Jahren 2007 und 2008 abzufedern; die Verantwortlichen der Krankenhäuser stehen unter ständigem Druck, mit weniger mehr zu erreichen. Unterhaltskosten (Opex) beziehungsweise die Investitionsausgaben (Capex) sollen gesenkt werden, gleichzeitig ist beispielsweise die wegweisende Medizintechnik, die unter Umständen zahlreiche Menschenleben rettet, einzuführen. Im Angesicht dieser enormen finanziellen Herausforderungen ist es natürlich schwierig, ein bestehendes veraltetes Sicherheitssystem zu ersetzen.

Es gibt jedoch zahlreiche und dabei wirtschaftliche Möglichkeiten für ein Krankenhaus, die Sicherheit für Patienten, Personal und Eigentum zu verbessern.

Grundlagen schaffen

Zutrittskontrollen sind die effektivste Sicherheitslösung für Krankenhäuser, um einem Diebstahl vorzubeugen. Die Möglichkeit, den Zutritt zu bestimmten Bereichen für nur eine kleine Gruppe von vertrauenswürdigem Personal zu gestatten, kann einerseits die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls minimieren. Andererseits lässt sich der Personenkreis einengen, falls es doch zu einem Vorfall kommt. Eine solche Zutrittskontrolle sollte im gesamten Krankenhaus zu finden sein. Wenn eine komplette Abdeckung wegen mangelnden Budgets nicht möglich ist, empfiehlt sich eine Teilabdeckung der wichtigsten Bereiche, die hochpreisige Ausrüstungsgegenstände, Medikamente oder vertrauliche Informationen wie Patientendaten beinhalten.

Ein modernes Videoüberwachungssystem ist eine weitere wesentliche Investition für jedes Krankenhaus, besonders IP-basierte Lösungen bieten klare Vorteile: Für die Sicherheitsverantwortlichen des Krankenhauses bedeutet die damit verbundene verbesserte Bildqualität bei einem Vorfall eine schnellere Identifizierung eines Verdächtigen und versorgt die Strafverfolgungsbehörden bei einem anschließenden Gerichtsverfahren mit hochauflösendem Material.

Darüber hinaus kann eine hochauflösende Videokamera das Personal im Falle einer falschen Beschuldigung schützen, da gestochen scharfes Bildmaterial eines vermeintlichen Vorfalls vorliegt. Dennoch stellt es für Krankenhäuser, die am finanziellen Jahreslimit operieren, eine enorme Herausforderung dar, ein analoges System mit einem Mal komplett durch eine IP-Lösung zu ersetzen. Daher haben Hybrid-Systeme – mit denen IP-Lösungen in bestehende Systeme integriert werden können – an beträchtlicher Bedeutung im Gesundheitswesen gewonnen. So kann ein schrittweiser Übergang hin zu einer vollständigen IP-Lösungen ermöglicht werden. Gleichermaßen wird der Übergang zu einer IP-basierten Lösung bei Krankenhäusern mit bestehender IT-Infrastruktur noch weiter vereinfacht. Mehrwert durch Videoanalyse Videoanalysen stellen eine effektive Technologie dar, um Sicherheitsverantwortliche mit Alarmmeldungen zu versorgen, noch bevor eine kriminelle Handlung überhaupt stattgefunden hat.

Sollte sich beispielsweise eine Gruppe Jugendlicher für eine ungewöhnlich lange Zeit im Parkhaus des Krankenhauses oder an einem anderen Ort aufhalten, kann die Security über ein potenzielles Risiko informiert werden. Sollte ein Familienmitglied, das einen Patienten besucht, den Medikamentenschrank über einen längeren Zeitraum beobachten, kann dies zu einer schnellen Überprüfung des Sachverhalts beitragen. Interessanterweise kann die Krankenhausleitung die Investitionen mit den Geschäftsdaten rechtfertigen, die Videoanalysen mit sich bringen: Die Bewegung von Personal, Patienten und Fahrzeugen – zum Verständnis, zur Datenabfrage und zur Optimierung der Prozesse des Krankenhauses und des gesamten Managements.

Kurz gesagt: Es gibt eine Vielzahl an Methoden, wie Krankenhäuser in Sicherheitslösungen investieren und gleichzeitig den Etat ausgeglichen halten können. Die Technologie kann die Investitionsrendite unterschiedlich ausfallen lassen: vom Rückgang bei Diebstählen und niedrigeren Versicherungsbeiträgen über die Vermeidung von kostspieligen Gerichtsverfahren bis hin zu wertvollen Einblicken in die betrieblichen Abläufe eines Krankenhauses. Hauptsächlich aber werden Menschen – Patienten, Mitarbeiter und Besucher – geschützt. Genau das, was ein Krankenhaus im Wesentlichen ausmacht.

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