Personal, das zur „Schutz- und Sicherheitskraft RZ“ ausgebildet wurde, kann Schäden im Rechenzentrum schneller erkennen und somit sehr große Verluste verhindern.
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IT-Sicherheit

Neue Zusatzqualifikation „Schutz- und Sicherheitskraft RZ“

Wie kann Sicherheitspersonal in Rechenzentren besser ausgebildet werden? Die Zusatzqualifikation „Schutz- und Sicherheitskraft RZ“ gibt die Antwort darauf.

Die qualitativen Anforderungen an Sicherheitspersonal in Rechenzentren sind hoch; nun gibt es ab dem Frühjahr 2020 die neue Zusatzqualifikation „Schutz- und Sicherheitskraft RZ“, wie PROTECTOR von Karsten Lenger, IHK Akademie München und Oberbayern, und Otto Schönbrunner, Ehrenpräsident des Arbeitskreises Sicherheit für Rechenzentren, erfuhr.

Worin besteht momentan die Aufgabe eines Sicherheitsmitarbeiters im Rechenzentrum (RZ)? Haben sich die Anforderungen an das Personal in den letzten Jahren verändert?

Otto Schönbrunner: Schutz- und Sicherheitskräfte RZ sind nicht nur für die eigentlichen Aufgaben der physischen Sicherheit, wie die Sicherung und Bewachung von Rechenzentren vor Diebstahl oder Beschädigungen, verantwortlich, sondern auch für den Schutz der Anlagen, zum Beispiel dem rechtzeitigen Erkennen von Situationen, die zum Ausfall oder Schäden führen können. Allerdings muss das Sicherheitspersonal, welches zum zusätzlichen Schutz der Anlagen vor eventuellen Ausfällen notwendig ist, auch diese Anlagen genau kennen, um die Ausfallprobleme rechtzeitig zu identifizieren.

Die Technik in den Rechenzentren hat sich in den vergangenen Jahren nahezu in Lichtgeschwindigkeit verändert und verbessert und wurde den möglichen Gefahren angepasst. Doch ist auch das notwendige Sicherheitspersonal in der Aus- und Weiterbildung in den letzten Jahren ebenso mitgeschritten? Damit die Schutz- und Sicherheitskräfte bei plötzlichen Situationen richtig handeln können, muss unbedingt eine Weiterbildung über die Grundlagen und den prinzipiellen Aufbau von Rechenzentren zur Ausbildung dazugehören.

Worin liegt die Besonderheit in einem solchen Einsatzgebiet im Vergleich beispielsweise zu einem Einkaufzentrum oder Museum?

Otto Schönbrunner: Ein Einkaufszentrum oder ein Museum kann man überhaupt nicht mit einem Rechenzentrum vergleichen. Denn bei diesen Objekten ist es immens wichtig, dass das Sicherheitspersonal sich in der Lage sieht, Diebstähle, personelle Gewalt, Sachschäden oder Vandalismus zu verhindern und diese Fälle gegebenenfalls abzuwehren.

In einem Rechenzentrum kommen noch die Faktoren Zeit, Technik und technische Abläufe dazu. Wenn ein Data Center eines Produktionsbetriebes wegen des sofortigen Nichterkennens eines technischen Problems ausfällt, zieht das meistens noch größere Probleme und Unsummen von Ausfallkosten nach sich. Dafür muss das Sicherheitspersonal, das in einem Rechenzentrum tätig ist, die technischen Abläufe und die Hinweise auf kommende Probleme genau kennen.

Wie werden die Sicherheitsmitarbeiter bisher auf ihr Einsatzgebiet vorbereitet?

Karsten Lenger: Es handelt sich um die erste Qualifizierung dieser Art, bisher ist diese Zielgruppe nur unzureichend berücksichtigt worden. Die Mitarbeitenden wurden bisher aus Standardqualifizierungen der Sicherheitsbranche rekrutiert.

Otto Schönbrunner: Bisher werden die Schutz- und Sicherheitskräfte meistens in verschiedenen Schulungsunternehmen ausgebildet, die sich hauptsächlich mit den Themen der physischen Sicherheit befassen, weil es zum Großteil um den Schutz von Objekten, Anlagen sowie Wertgegenständen geht. Dazu gehört ebenfalls die Gewährleistung der Sicherheit von Personen. Die ausgebildeten Sicherheitsmitarbeiter müssen Gefährdungspotenziale beurteilen können, und sie ergreifen Sicherungsmaßnahmen und wehren Gefahren ab.

Zusatzqualifikation initiiert

Warum gab es nun die Idee, eine Zusatzqualifikation einzuführen? Sind RZ-Betreiber mit der bisherigen Leistung des Sicherheitspersonals unzufrieden?

Otto Schönbrunner: In erster Linie gab es die Idee, eine Zusatzqualifikation einzuführen, weil die Schutz-und Sicherheitskräfte ohne die Qualifikation „RZ“ nur für die äußere Sicherheit und für die allgemeinen Sicherungsaufgaben eingesetzt wurden, um die sie sich auch außerhalb eines Rechenzentrums kümmerten. Um die Gefahrenquellen, die aufgrund der Technik auf ein RZ einwirken können, bemühten sie sich nicht so intensiv, wie das nötig wäre.

Nur ein kleines Beispiel zu Erläuterung: Ein Wasserschaden, der an einem Feiertag außerhalb des Data Centers auftritt. Natürlich wird eine Meldung darüber gemacht. Aber dass der Wasserschaden, wenn er in den Unterboden des Data Centers eindringt, einen riesigen Schaden durch einen oder mehrere Kurzschlüsse zur Folge haben kann, das kann das Sicherheitspersonal, das den Aufbau eines Data Centers nicht kennt, auch nicht wissen und somit auch nicht richtig bewerten.

Die RZ-Betreiber hatten bisher nur das Sicherheitspersonal für die äußere Sicherheit und für die allgemeinen Sicherungsaufgaben eingesetzt und waren damit durchaus zufrieden. Aber es gibt bereits einige RZ-Betreiber, die sich für eine Weiterbildung des Sicherheitspersonals und für zusätzliche Aufgaben der besonders qualifizierten Schutz- und Sicherheitskräfte in „Mehrwertdiensten“ wie „First Level Remote Hands and Eyes“ und/oder „First Level Maintenance“ aussprechen. Denn durch so eine fachgerechte Qualifikation können die IT-Techniker viel eher und besser unterstützt werden. Beginnende Risiken oder Ausfälle werden schneller erkannt, und das Sicherheitspersonal ist in der Lage, schneller einzugreifen.

Wer hatte die Idee für das spezielle Ausbildungskonzept?

Otto Schönbrunner: In dem Premium-Arbeitskreis „Sicherheit für Rechenzentren“ wurde diese Idee der Weiterbildung in einer Arbeitsgruppe bestehend aus IT-, Führungs- und Sicherheitsspezialisten bis zu einem Basiskonzept zur Weiterbildung von Sicherheitsmitarbeitern für den Einsatz in Rechenzentren in einer zweijährigen Tätigkeit der Spezialisten mit allen Ausbildungsthemen entwickelt und geprüft.

An wen richtet sich die Weiterbildung? Welche Vorkenntnis ist notwendig?

Karsten Lenger: Der Lehrgang „Schutz- und Sicherheitskraft RZ mit IHK-Zertifikat“ richtet sich an Schutz-und Sicherheitskräfte, die für die Sicherheit in Rechenzentren Sorge tragen. Sie leisten somit einen direkten Beitrag für die IT-Sicherheit in Rechenzentren.

Otto Schönbrunner: Diese Weiterbildung dient dem Sicherheitspersonal, das die Aufgaben einer Schutz- und Sicherheitskraft schon erfüllen kann und sich mit der Weiterbildung für die zusätzlichen Probleme und Aufgaben für den Dienst in Rechenzentren noch zusätzlich qualifiziert.

„Schutz- und Sicherheitskraft RZ“ startet im Juni 2020

In welcher Form startet nun in diesem Jahr die Zusatzqualifikation? Wie ist der Lehrgang konzipiert?

Karsten Lenger: Geplanter Start für den ersten berufsbegleitenden Kurs ist im Juni 2020. Die Kursdauer umfasst 100 Unterrichtsstunden mit Test und einer praktischen Prüfung. Die Kosten für die Teilnehmenden belaufen sich auf 1600 Euro, darin enthalten sind auch Lehrgangsmaterial sowie das Abschlusszertifikat. Die Inhalte reichen von einführenden Themen wie Rechtskunde und Grundlagen eines Rechenzentrums bis hin zu den besonderen Anforderungen, zum Beispiel Risikomanagement und Fehlerszenarien. Im Fokus steht ganz klar der Praxisnutzen für die Teilnehmenden.

Otto Schönbrunner: Die Ausbildung wird von in bekannten Rechenzentren tätigen Spezialisten in Ausbildungsreihen ausgeführt und von den Fachleuten der IHK unterstützt.

Mit wie vielen möglichen Interessenten rechnen Sie?

Otto Schönbrunner: Im Anbetracht der zukünftigen Entwicklung rechne ich mit vielen Interessenten an der Weiterbildung, weil es in jedem größeren Betrieb ein Data Center oder einen IT-Bereich gibt und die Sicherheit der Datenverarbeitung immer wichtiger wird. Außerdem ist eine Weiterbildung für den Einsatz in einem Rechenzentrum eine höhere Qualifikation des Sicherheitspersonals. Und welche Sicherheitskraft wünscht sich eine höhere Qualifikation, im Hinblick auf die persönliche zukünftige Entwicklung, denn nicht?

Qualifizierung zahlt sich aus

Qualität hat ihren Preis: Werden RZ-Betreiber auch tiefer in die Tasche greifen, wenn sie entsprechend geschultes, teureres Personal einkaufen müssen?

Otto Schönbrunner: Wie Sie schon ganz richtig ausgedrückt haben: Eine höhere und um einiges bessere Qualität hat ihren Preis. Sicherlich wird es eine Zulage für Sicherheitsmitarbeiter mit der Qualifizierung „RZ“ in einem für Weiterbildungen gängigen Maß geben. Denn die RZ-Betreiber haben auch einen großen Gewinn mit diesen für Rechenzentren speziell ausgebildeten Mitarbeitern. Möglicherweise werden durch solche weitergebildeten Mitarbeiter Schäden und somit sehr große Verluste verhindert.

Foto: Schönbrunner

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