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Nachrüsten von Feuerschutztüren

Nur im Notfall offen

Wenn es in Gebäuden brennt oder eine andere Gefahr droht, ist eine einwandfreie Funktion von Fluchttüren ein entscheidender Faktor, um das Gebäude sicher verlassen zu können.

Gebäudebetreiber kommen dabei immer wieder in die Situation, Türen nachträglich mit entsprechender Sicherheits- und Schließtechnik ausstatten zu müssen. Dabei sind EU-weit geltende Normen einzuhalten und unterschiedliche Produkt-Anforderungen zu beachten. Eine Flucht im Notfall soll und muss problemlos möglich sein. Gleichzeitig wollen Gebäudebetreiber ihre Räume vor unbefugtem Verlassen schützen: Der Missbrauch von Fluchtwegen stellt oft ein finanzielles Problem für Betreiber eines Objektes dar. Diebstähle in Verkaufsräumen oder Betrug im Eventbereich sind hier ein häufiges Beispiel.

Die Gefahr von Missbrauch erhöht also den Bedarf an sicheren Lösungen für Notausgänge. Daneben gibt es aber auch die Notwendigkeit, sich über den Fluchttür-Umgang in Bereichen wie Kindergärten, Altenheimen oder Psychiatrien im Klaren zu sein: Hier können zum einen Paniktüren ein Problem bei der Aufsichtspflicht darstellen. Zum anderen muss es gerade Kindern, Kranken und alten Menschen jederzeit schnell und problemlos möglich sein, im Gefahrenfall zu fliehen. Gleichzeitig muss dem Pflegepersonal und den Mitarbeitern zu jedem Zeitpunkt eine berechtigte Begehung gewährt werden.

Keine Kette mit Vorhängeschloss

Für diesen Konflikt zwischen Fluchtmöglichkeit, berechtigtem Zutritt und dem Schutz von Menschen und Eigentum, gibt es verschiedene Lösungsansätze – angefangen von Verhaltenshinweisen wie „Die Tür nur im Gefahrenfall benutzen!“, elektrischen Überwachungskontakten bis hin zur zertifizierten elektrischen Verriegelung von Türen in Rettungswegen. Die Frage nach der besten Lösung muss jeder Objektbetreiber individuell beantworten – am besten in Abstimmung mit Planern und Herstellern.

Eine Kette mit Vorhängeschloss ist sicher nicht die Lösung! Dieser Ansatz vieler Betreiber steht im genauen Gegensatz zu den Anforderungen eines Fluchtwegs. Passiert hier etwas, steht der Betreiber persönlich in der Verantwortung und muss sich mit straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen auseinandersetzen. Es gilt: eine rein finanziell getriebene Entscheidung, die nicht die Ansprüche von Fluchtwegen erfüllt, kann am Ende teuer werden.

Lösungen gegen Fluchttür-Missbrauch

Um auch nachträglich eine Lösung zur Vermeidung missbräuchlicher Fluchttür-Benutzung zu finden, können Gebäudebetreiber auf drei Kategorien setzen: Warnhinweise, Überwachung und Absicherung. Am wenigsten bringt ein reiner Warnhinweis an der Tür. Dieser schreckt nur sehr eingeschränkt ab – vor allem aber nicht Personen mit einem Vorsatz wie Diebe. Ein weiterer Nachteil ist, dass ein Missbrauch nachträglich nicht mehr erkennbar ist.

Überwachte Türen mit einem Kontakt, der ein akustisches Signal abgibt, wenn der Beschlag betätigt oder geöffnet wird, zeigen eine missbräuchliche Benutzung zumindest an. Will jedoch eine Person das Gebäude vorsätzlich verlassen, wird sie beim Ertönen des Signals wohl eher nicht stehen bleiben. Sie wird ihr Tempo vielmehr erhöhen, um nicht erwischt zu werden.

Lösungen, die eine visuelle Hemmschwelle in Verbindung mit einem Türdrücker darstellen, sind in diesem Fall wirksamer. Die Absicherung mit einer zertifizierten elektrischen Verriegelung von Türen in Rettungswegen bietet die höchste zulässige Hemmschwelle, um einen Missbrauch vorzubeugen. Zur Freigabe der Fluchttür muss eine beleuchtete und speziell gekennzeichnete Not-Taste, die sich unmittelbar an der Tür befindet, betätigt werden. Diese Not-Taste ermöglicht im Gefahrenfall eine sichere Freigabe der Tür, schreckt aber – ähnlich wie ein Feuermelder – vor einer missbräuchlichen Benutzung ab: Der Zusammenhang zwischen dem Betätigen der Not-Taste und einer Alarmauslösung ist offensichtlich. Dies wird zusätzlich durch ein optisches und ein akustisches Signal an der Tür verstärkt. Außerdem bietet die automatische Deaktivierung durch eine Brandmeldeanlage bei einem Feuer oder bei Stromausfall ein hohes Sicherheitspotenzial.

Außerhalb eines Gefahrenfalls hält ein geprüftes Verriegelungselement die Tür nach dem Ruhestromprinzip (Freigabe erst nach Abschaltung der Spannung) zusätzlich zum Panikverschluss zu. Versucht eine Person die Tür ohne Betätigung der Not-Taste zu öffnen, blockiert dieses Element die Tür – damit ist ein versehentliches oder missbräuchliches Öffnen der Fluchttür ausgeschlossen.

Neue Normen

Kommt es zu Nutzungsänderungen von Türen, muss die Planung erneut überprüft und mit der zuständigen Bauaufsicht abgestimmt werden. Dabei müssen auch die normativen Anforderungen an die möglichen neuen Produkte beachtet werden: Bei Panikverschlüssen ist dies die Norm DIN EN 1125, bei Notausgängen DIN EN 179 und bei elektrisch gesteuerten Lösungen die zukünftige neue DIN EN 13637.

Ein Paniktürverschluss gemäß DIN EN 1125 ist ein Mechanismus, der für Gebäude geeignet ist, in denen bei einer Gefahrensituation der Ausbruch einer Panik zumindest wahrscheinlich ist. Er eignet sich für Notausgänge und hat den Hauptzweck, ein sicheres und wirkungsvolles Entkommen durch eine Tür zu ermöglichen. Dabei muss der Paniktürverschluss mit geringster Kraftanstrengung durch die Betätigung per Hand oder durch Körperdruck freigegeben werden. Vorkenntnisse zur Betätigung des Verschlusses dürfen dabei nicht erforderlich sein.

Notausgangsverschlüsse gemäß DIN EN 179 eignen sich für Gebäude, in denen aller Wahrscheinlichkeit nach bei einer Gefahrensituation keine Panik entsteht. Ihr Hauptzweck ist es, mit nur einer einzigen Betätigung zur Freigabe des Notausgangsverschlusses ein sicheres und wirkungsvolles Entkommen durch eine Tür zu ermöglichen. Die vorherige Kenntnis der Funktionsweise des Verschlusses darf für dessen schnelle Bedienung erforderlich sein (zum Beispiel nach innen öffnend). Bei Notausgangsverschlüssen muss beachtet werden, dass sie nicht als Paniktürverschlüsse geeignet sind.

Die neue DIN EN 13637 wird die deutsche Richtlinie EltVTR aus dem Jahre 1997 ablösen und „elektrisch gesteuerte Notausgangsanlagen für Türen in Rettungswegen“ beschreiben. Das ursprüngliche Konzept, jeweils eine Norm für Panik- und Notausgänge zu erstellen, wurde aus praktischen Gründen aufgegeben: Die Konzentration auf eine Norm vereinfacht die Auswahl und Zulassung von Produkten und sorgt für mehr Flexibilität sowie Zuverlässigkeit in der Anwendung.

Nachrüsten von Feuerschutz- und Fluchttüren

Entscheidend für die Flexibilität einer Tür im Laufe der Nutzung eines Gebäudes ist die Erstausrüstung mit Funktionselementen. Dies tangiert natürlich in besonderem Maße Türen, die harmonisierten Eigenschaften wie Feuerschutz und Rettungsweg genügen müssen. Hier ist eine spätere Nachrüstung von den entsprechenden Voraussetzungen abhängig und schlimmstenfalls nicht mehr möglich. Deshalb zahlt es sich für Betreiber aus, im Zweifel die hochwertigere Lösung zu wählen. So sollte bei Rettungswegen ein Panikverschluss verwendet werden, auch wenn zunächst ein Notausgangsverschluss ausreichend wäre. Ebenfalls sinnvoll sind Vorrüstungen, die es erlauben, die Tür nachträglich zur verkabeln oder austauschbare Schließbleche für die Nachrüstung von Elektro-Türöffnern anzubringen.

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Foto: Assa Abloy

Fluchttüren

Missbrauch in die Flucht schlagen

Wenn es in Gebäuden brennt oder eine andere Gefahr droht, ist die einwandfreie Funktion von Fluchttüren ein entscheidender Faktor, um das Gebäude sicher verlassen zu können. Ist nur eine Tür auf dem Weg nach draußen versperrt oder funktioniert nicht richtig, kann dies lebensbedrohlich für die in Gefahr geratene Person sein.

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Sicherung von Notausgangstüren

Mit Hemmschwelle ins Freie

Einen großen Teil seiner Zeit, während der Arbeit oder in der Freizeit, verbringt der Mensch in geschlossenen Räumen. Oft weiß er zwar, wie er in ein Gebäude hineinkommt, nicht aber, welcher der sicherste und schnellste Weg wieder hinaus ist. Wie steht es dann um die Sicherheit im Brandfall? Und welche Erwartungen stellt man an einen sicheren Fluchtweg?

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Missbrauch von Fluchtwegen

Hohe Hemmschwelle

Allgemein gilt: „Türen der jeweiligen Rettungswege müssen jederzeit von innen leicht und in voller Breite geöffnet werden können.“ Was aber ist, wenn Rettungswege missbräuchlich genutzt werden?