Softwarebasierte Systeme optimal einsetzen

Ohne Fehl und Tadel?

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Individuelle Investition

Vorbild für die Software kann auch die gewohnte Gestaltung sein, die der Anwender aus dem Büroalltag kennt, wie Jürgen Mattheis von FSB Franz Schneider Brakel erklärt: „Wir haben uns bei unserer Software an der Bedienungsweise von gängigen Anwendungen orientiert, als Beispiel seien hier die Produkte von Apple mit ihrem intuitiv verständlichen Nutzungskonzept genannt. Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt, denn die Herausforderung ist doch, dass man Projekte mit sehr unterschiedlichen Anforderungen und auch sehr unterschiedlichen Anwendern hat. Das Spektrum reicht von den IT-Administratoren bis hin zum Facility-Manager, die alle recht unterschiedliche Erfahrungen und Know-how im Umgang mit Software haben.“

So zeigt sich, dass individuelle Anpassung auch auf der Bedienebene durchaus vonnöten sein kann. Doch inwieweit kann man Software-Strukturen anpassen und Oberflächen auf Bediener zuschneiden? Christoph Karl ist skeptisch: „Der Aufwand, eine bestehende Software oder Oberfläche zu ändern, ist relativ hoch. Im Gegensatz dazu kann bei Neuentwicklungen einfacher auf aktuelle Trends sowie die jeweiligen Kundenbedürfnisse eingegangen werden.“ Und wenn sich die Anbieter auch Mühe geben, die Usability und die Individualisierung im Sinne des Servicegedankens in den Vordergrund zu stellen, muss man sich bewusst sein, dass auch Programmieraufwand und Software-Anpassung nicht gratis zu haben sind. Hartmut Beckmann schildert das Dilemma: „Es gibt immer noch die Erwartungshaltung, dass Software nichts kosten darf. Gerade in kleineren Projekten ist es teilweise nicht möglich, Software zu verkaufen. Da ist natürlich die Frage, wie viel kann ich unter diesem Umständen überhaupt in die Anpassung der Software investieren?“

Statements

„Feedback ist für die Weiterentwicklung sehr wichtig. Dabei gilt es, auch Personen mit an den Tisch zu holen, die über den 'Tellerrand' hinausschauen und die nicht in den Denkmustern arbeiten wie der Entwickler oder der Vertriebsmann. Hier geht es um die Wünsche derjenigen, die schon seit Jahren mit den Produkten arbeiten. Am besten gelingt das, wenn möglichst viele unterschiedliche Personen aus seiner Kundenklientel zu einem gemeinsamen Ergebnis beitragen.“
Christian Schmitz, Verkaufsleiter Objektbereich, Burg-Wächter


„Auch der Nutzer muss sich überlegen, was er wirklich benötigt. Auf Anbieterseite findet ein kleines Wettrüsten beim Funktionsumfang statt. Das ist für den Endanwender manchmal nicht sonderlich hilfreich bei der Entscheidung. Daher sollte sich der Benutzer zuallererst selbst fragen, was ihm in seinem Projekt wichtig ist.“
Jürgen Mattheis, Leitung Geschäftsfeld Elektronik, FSB Franz Schneider Brakel

Die Sicht des Bedieners

Dennoch: ohne Software geht es nicht. Lohnender scheint es daher, eine möglichst effiziente allgemeine Software zu entwickeln, bei der Anwender neben den Standardfunktionen noch ein gewissen Maß an Modularität erhalten. Axel Schmidt von Salto Systems zeichnet folgendes Bild: „Was heute in den Softwarepaketen angeboten wird, erfüllt die Ansprüche der 1.000 bis 2.000 Kunden, die man hat. Jeder einzelne Kunde wird vielleicht 20 Prozent der Software nutzen. Und je nachdem, was benötigt wird, kann man andere Funktionen einfach ausblenden. Der normale Nutzer, der morgens nur Karten anlegt und Bilder für die Ausweise schießt, der kriegt auf seinem Bildschirm auch genau das angeboten, was er dafür braucht und nicht mehr. Man muss immer die Funktionen, die für einen Nutzer relevant sind, möglichst einfach darstellen, das vermeidet auch Fehlbedienung.“ Carsten Hoersch ergänzt: „Bei der Software ist es auch vernünftig und sinnvoll, dass man bestimmte Funktionen nach der Konfiguration des Systems deaktivieren kann und die Software für den normalen Betrieb deutlich verschlankt.“

Zum Thema Fehlbedienung muss auch klar sein, dass der Einfluss hierauf irgendwo endet, was Gerhard Haas mit einem sehr treffenden Beispiel illustriert: „Wenn wir den Aspekt Fehlbedienungen betrachten, müssen wir realistisch sein. Denn wenn man an den Autofahrer denkt, der statt des Blinkers den Scheibenwischer betätigt, dann lässt sich so etwas nie ausschließen, denn das sind zwei essenzielle Funktionen, die man nicht ausblenden kann. In so einem Fall ist auch der Anwender selbst Schuld, da kann man als Anbieter wenig ausrichten.“

Christian Schmitz ergänzt: „Unsere Produktlösungen zeichnen sich durch einen hohen direkten Bedienkomfort am Gerät aus, trotzdem gibt es natürlich diverse kleinere Softwarepakete. Hier zeigt aber das Feedback aus dem Markt, dass Fehlbedienungen kaum vorkommen, denn durch den Workflow ist ziemlich genau vorgegeben, welche Vorgehensweise zulässig ist.“

Klar erkennbar

Und Bernd Lesemann merkt an: „Ich denke, Fehlbedienungen können wir nie ausschließen. Für mich ist eine Fehlbedienung auch, wenn ich mit dem Handgerät, mit dem man die Zylinder programmiert, eine falsche Eingabe mache. Wichtig ist: es muss erkennbar sein, dass etwas falsch gemacht wurde und am besten noch, was nicht richtig ist. In einem weiteren Schritt kann man auch einmal gezielt Funktionen ausblenden, um die Auswirkungen einer Fehlbedienung zu vermeiden.“

Ähnliche Klarheit fordert Thomas Weber bei Wartungsarbeiten an der Software: „Im Problemfall muss die Software das Problem möglichst genau schildern. Statt einfach zu melden, dass Fehlercode 387 aufgetreten ist, sollte da stehen, dass zum Beispiel die Verbindung zum Server unterbrochen ist. Idealerweise gibt die Software auch gleich Anweisungen, wie man den Fehler beheben kann.“

Hilft dies nicht weiter, bleibt immer noch der Griff zum Hörer. Die Support-Hotline der Hersteller gleicht das aus, was vorher in der Software-Entwicklung, bei Schulungen und bei der eigenständigen Auseinandersetzung mit dem System eingespart wurde. So findet Jürgen Mattheis: „Ein weiteres Thema ist der zunehmende Zeitdruck. Die Anwender nehmen sich immer weniger Zeit, sich mit der Software vertraut zu machen. Wenn sie etwas nicht wissen, nehmen sie den Hörer in die Hand und rufen im Support an. Natürlich hilft man dann gerne, aber es bleibt längerfristig mehr hängen, wenn sich die Nutzer das Know-how selbst erarbeiten.“

MG/HZ
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Foto: Zumpe/Gückel

Softwarebasierte Systeme

Ohne Fehl und Tadel?

Anwender wünschen sich effiziente Zutrittssysteme, die sich intuitiv bedienen lassen und deren Software genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten wurde. Welche Voraussetzungen dazu in der Praxis erfüllt werden müssen, war Gegenstand der Diskussion beim PROTECTOR Forum Zutrittskontrolle 2013.