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Sicherheit in Krankenhäusern

Operation Brandschutz

Rund 40 Brände mit fünf Toten und 28 Verletzten listet die Schadensstatistik des bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e.V. für 2013 in Deutschlands Krankenhäusern auf. Laut FM-Schadensstatistik gilt Feuer als größte Gefahr im Krankenhaus: Etwa 34 Prozent aller Schäden werden durch Brände verursacht.

Die meisten Brände entstehen durch technische Defekte, Unachtsamkeit bei Baumaßnahmen und Renovierungs-arbeiten sowie Brandstiftung. Abhilfe schafft ein auf das Krankenhaus zugeschnittenes Brandschutzkonzept, da sind sich die Experten einig und zeigen in der „Brandschutz-Kompakt“ Nummer 52 des bvfa die Anforderungen auf, die es dabei noch zu lösen gibt.

Der Sicherheit im Weg stehen häufig vermeintlich die Kosten: Durch jahrelange Zurückhaltung der Länder bei den von ihnen nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz zu tragenden Investitionen wird angesichts steigender Baukosten am Brandschutz gespart. Probleme gibt es insbesondere auch bei Altbauten, in denen bauliche Mängel das Brandrisiko erhöhen. Als Ausgleich könnten flächendeckend selbsttätige Feuerlöschanlagen installiert werden. Das ist zwar aufwendig, in Bereichen mit hohem Gefährdungspotenzial oder Wertkonzentration wie Patientenzimmern oder Diagnosestationen aber trotzdem geboten – und lebensnotwendig.

Patienten aus dem OP evakuieren

Rund fünf Minuten sind für die Evakuierung eines Patienten aus dem OP einzuplanen, weiß Stefan Brunner, stellvertretender OP-Leiter am Universitätsklinikum Erlangen. Umso wichtiger ist es, dass Flure nicht „zugeparkt“, Fluchtwege frei und die Mitarbeitenden für den Ernstfall gut geschult sind.

Neben den organisatorischen tragen bauliche (Brandschutzklappen, Rauchschürzen) und anlagentechnische Maßnahmen (wie Brandmelde- und automatische Löschanlagen, Sprinkler) dazu bei, Gefahren zu begrenzen. Doch weder die Musterbauordnung noch die Krankenhausbauverordnung (KhBauVO) von 1976 sind bindend und den heutigen Ansprüchen an ein modernes Krankenhaus genügend.

Keine einheitliche Regelung

Das Regelwerk von 1976 werde inzwischen auch nicht mehr formal angewendet, so die hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH. Hilfestellung bieten die VdS 2226 : 2008-01 (04) – Krankenhäuser, Pflegeheime und ähnliche Einrichtungen – Richtlinien für den Brandschutz, die ebenfalls unverbindlich sind. Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht. Brandschutz für Krankenhäuser ist in den Landesbauordnungen geregelt und unterliegt einem „Flickenteppich“ an gesetzlichen Vorgaben, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Umso wichtiger ist Eigeninitiative: Ein ganzheitliches Schutzkonzept mit aufeinander abgestimmten baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Maßnahmen ist die beste Lösung, um das Brandrisiko zu minimieren und im Ernstfall die Eingriffszeit zu verlängern.

Manche Brandschutztechniken, wie etwa Sprinkleranlagen, lassen sich in Krankenhäusern und Pflegeheimen nicht überall einsetzen.
Foto: Mühlenkreiskliniken

Brandschutz

Brandschutz im Krankenhaus als kritischer Faktor

Krankenhäuser und Pflegeheime sind in Bezug auf den Brandschutz besonders kritisch, da die schnelle Evakuierung von Patienten höchste Ansprüche stellt.

Foto: HWP Planungsgesellschaft mbH

Brandschutz in Kliniken und Pflegeeinrichtungen

Komplexes Zusammenspiel

Ein abgestimmtes Brandschutzkonzept ist gerade in Krankenhäusern von höchster Bedeutung. Nicht selten allerdings gibt es Probleme mit mangelhaft ausgeführten Installationen, die im Brandfall zur ernsthaften Gefahr für die Belegschaft und Patienten werden können. Pflegeeinrichtungen müssen deshalb für einen ordnungsgemäß ausgeführten Brandschutz Sorge tragen.

Foto: Krankenhaus Heinsberg

Krankenhaus Heinsberg

Ein Chip für alle Fälle

Das Städtische Krankenhaus Heinsberg ist ein Regionalkrankenhaus mit 187 Planbetten in den Fachabteilungen Anästhesie, Chirurgie, Innere Medizin und Palliativmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie in der Belegabteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

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Evakuierungsübung im Krankenhaus

Komplexität erkennen

Brände in Krankenhäusern erfordern von den Verantwortlichen ein besonders schnelles und geübtes Eingreifen, denn im Gegensatz zu anderen Betrieben sind hier auch eine Vielzahl von Personen in das Rettungsszenario einzubeziehen, die sich nicht aus eigener Kraft in Sicherheit bringen können.