Foto: Borussia Mönchengladbach

Sicherheitskonzept im Borussia-Park

Ordnende Kompetenz

Wenn samstags im Borussia-Park in Mönchengladbach ein Bundesliga-Heimspiel ansteht und ein erhöhtes Sicherheitsrisiko erwartet wird, ist Bernhard Nießen die hohe Anspannung förmlich anzumerken. Der Leiter der Abteilung Stadionbetrieb und -bau sorgt als Veranstaltungsleiter auch für die Sicherheit in der Arena.

Für viele Menschen ist Fußball die schönste Nebensache der Welt. Alle haben dabei noch das sprichwörtliche Sommermärchen während der WM hierzulande vor Augen. Dass es vom Märchen zum Albtraum nur ein schmaler Grat sein kann, haben allerdings die vergangenen Monate gezeigt.

Der Eindruck vom friedlichen Fußballfest hat sich immer mehr gewandelt. Dies zeigen die Bilder von gewalttätigen Anhängern, die sich innerhalb und außerhalb der Sportstätten prügeln, Randale machen und bengalische Feuer zünden, die den Eindruck vermitteln, als ob ganze Tribünen in Flammen stünden. Ein trauriger Höhepunkt der vergangenen Saison war das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC. Berliner Fans warfen zahlreiche bengalische Feuer auf das Spielfeld. Düsseldorfer Fans stürmten kurz vor Spielende den Rasen, überrannten Sicherheitskräfte und machten ein Weiterspielen unmöglich.

Zusätzlich 2.000 Kräfte

„Bei uns im Stadion darf es soweit erst gar nicht kommen! Ein solches Spiel beschäftigt alle Sicherheitsbeauftragten in der Bundesliga“, macht Bernhard Nießen im Gespräch mit PROTECTOR deutlich. Das Stadion im Borussia-Park hat eine maximale Kapazität von 60.250 Zuschauern. Sämtliche Fluchtwege, die sanitären Anlagen, die Kioske und auch die Parkplätze sowie die Infrastruktur vor dem Stadion sind auf diese Besucherzahl ausgelegt. Trotzdem besuchen im Bundesligabetrieb nur rund 54.000 Zuschauer ein Spiel.

Diese um knapp 6.000 Personen geringere Kapazität kommt durch die Gestaltung der Südtribüne (mit Ausnahme des Gästeblockes 6) zustande, die komplett bestuhlt ist. Die Bauweise ermöglicht es aber jederzeit, die Südtribüne ganz nach dem Vorbild der Nordkurve komplett mit Stehplätzen auszustatten. Bei internationalen Spielen steht den Fans eine Kapazität von 46.279 Sitzplätzen zur Verfügung.

Um allen Anforderungen der Zuschauer gerecht zu werden, verstärken an einem Spieltag rund 2.000 Kräfte das Geschäftsstellenteam. Dies sind zum Beispiel Service-Mitarbeiter, Sanitäter und Techniker. Damit es während eines Spiels zu keinerlei Zwischenfällen kommt, sind an einem solchen Tag – je nach Gegner – bis zu 400 vereinseigene Ordner und teilweise ebenso viele Polizisten vor Ort im Einsatz.

„Aus hundert Metern ein Passbild vom Täter“

57 elektronische Drehsperren lenken die Besucherströme ins Stadion. Im Stadionkomplex gibt es mehr als 700 Türen. Alle Tore wie auch die Zaunanlagen sind an Spieltagen durch Ordner gesichert, die den unbefugten Zutritt verhindern. Etwa 300 Türen verfügen über eine elektronische Schließung. Zur Überwachung und gleichzeitigen Kontrolle im Stadion sind insgesamt 37 analoge Videokameras installiert, die ihre Bilder an eine zentrale Leitstelle liefern.

„In Deutschland hatten wir zuletzt leider noch das Problem, dass für die Beweisaufnahme der Staatsanwaltschaften bei Vergehen nur Magnetbänder als Datenquellen zugelassen waren. Wir werden aber zur neuen Saison auf eine digitale Speicherung umstellen, da mittlerweile fälschungssichere digitale Speicherverfahren von den Gerichten als Beweismittel akzeptiert werden“, erklärt Nießen und fährt fort: „Aus unserer Sicht ist die neue Generation der Kameratechnik bereits im Anmarsch. Hochauflösende, digitale Kameras mit 68 Megapixeln werden bald die alten analogen Kameras ablösen. Diese Übertragungstechnik hilft wesentlich effektiver bei der Erkennung von Fehlverhalten und Straftaten und erleichtert uns als Veranstalter wie auch der Polizei Mönchengladbach die Aufklärungsarbeit.

Die neuen Geräte bieten uns die Möglichkeit, einen Vorfall schneller zu erkennen und die bewegten Aufzeichnungen schon wenige Sekunden später aufgearbeitet an die aufklärenden Stellen der Polizei zu übermitteln. Täter können teilweise noch im Stadion überführt oder Zeugen befragt werden. Erste Tests mit diesen neuen Kameras verliefen ausgesprochen positiv. Durch die hohe Auflösung können wir sogar noch aus hundert Metern Entfernung ein Passbild vom Täter anfertigen“, ist Bernhard Nießen von der neuen Technologie begeistert. Auch das Lenken der Sanitätskräfte und Stadionärzte werde durch die neue Kameratechnik deutlich verbessert.

Planung bis ins kleinste Detail

Um bei der Stadionsicherheit nichts dem Zufall zu überlassen, gibt es zu Beginn einer jeden Saison eine große Sicherheitsbesprechung mit allen Beteiligten. Ärzte, Sanitäter, Vertreter von Feuerwehr und Polizei sowie Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Bauordnungsamtes, der Fan- und Sicherheitsbeauftragte und die technische Leitung treffen zusammen, um die kommenden Monate zu planen und über mögliche zu erwartende Schwierigkeiten zu reden. Dabei wird auch rückblickend hinterfragt, ob alles den Vorgaben entsprechend ablief oder ob Optimierungen vorgenommen werden sollen.

Zusätzlich finden vor jedem Spiel intensive Besprechungen mit teils akribischen Planungen aller sicherheitsrelevanten Fragen statt. Die Sicherheitsverantwortlichen werden mit personengenauen Daten versorgt, die über die Gefährdung der anreisenden Zuschauer eine Aussage treffen. Hier wird festgelegt, ob dem Gastverein das Mitbringen von Fan-Utensilien, wie Schwenkfahnen oder Megaphonen, gestattet wird.

Vier Leitstellen

Damit sich jeder der 400 vereinseigenen Ordner sowie alle anderen Sicherheitskräfte immer am richtigen Platz befinden und es keine Probleme mit der Koordination gibt, sind während eines Spiels insgesamt vier unterschiedliche Leitstellen eingerichtet. Allein die Leitstelle der Polizei ist mit 14 Beamten besetzt, die ihre Abschnitte innerhalb und außerhalb des Stadions lenken. Darüber hinaus gibt es die Leitstellen der Feuerwehr, des Ordnungsdienstes sowie des technischen Dienstes, der für die Beschallung und Beleuchtung der Anlage zuständig ist. Bei Bernhard Nießen laufen alle Fäden zusammen. Klar definiert und gesetzlich geregelt sind seine Zuständigkeiten als Veranstaltungsleiter in der Versammlungsstättenverordnung und den Richtlinien des Deutschen Fußballbundes.

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