Foto: UK Essen

Sicherheitskonzept einer Universitätsklinik

Organisation ist alles

Beim Gang über das verwinkelte Gelände des Universitätsklinikums Essen (UK Essen) wird deutlich, dass die Verantwortlichen für Sicherheit hier vor großen Herausforderungen stehen. Der Blick auf den Lageplan zeigt, dass zum UK Essen rund 50 Einzelgebäude – 27 Kliniken und 24 Institute – gehören. Da wird schnell klar: Das eine Sicherheitskonzept für die Universitätsklinik in Essen gibt es nicht.

Neben dem eigentlichen Krankenhausbetrieb finden in Essen auch Forschung und Lehre statt, denn das Klinikum zählt mit seiner Medizinischen Fakultät auch zur Universität Duisburg-Essen. „Wir sprechen beim UK Essen meist von einer Stadt in der Stadt“, sagt der Abteilungsleiter Allgemeine Dienste, Markus Hollmann.

Stadt in der Stadt

Im Jahr 2009 feierte das Universitätsklinikum hundertjähriges Bestehen. Aufgenommen hat es seine Arbeit 1909 als „Städtische Krankenanstalt Essen“ mit ursprünglich vier Kliniken. Seitdem hat sich die Einrichtung permanent weiterentwickelt und erlangte 1963 den universitären Status. Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist Essen heute das größte an einem Standort zentrierte Universitätsklinikum. Mit knapp 1.300 Betten und seinen 6.245 Beschäftigten behandelt das UK Essen jährlich rund 52.000 Patienten stationär und nochmals 200.000 ambulant.

Auch die vielen Gebäude spiegeln die Geschichte des Krankenhauses wider. „Wir haben hier auf dem Gelände Häuser, deren Bausubstanz bereits über 60 Jahre alt ist. Daneben stehen hochmoderne Objekte, die erst in den letzten Jahren entstanden sind. Ein wahrer Mix also. Natürlich hat dies zur Folge, dass auf dem Gelände eigentlich permanent gebaut oder renoviert wird“, erläutert Olaf Schade, Abteilungsleiter Maschinentechnik.

Lange im Einsatz

Ähnlich gewachsen wie die Gebäude der Klinik ist damit auch die Sicherheitstechnik. Beispiel Zutritt: In Essen kommen an den vielen tausend Innentüren hauptsächlich mechanische Schließzylinder zum Einsatz. Einige Schließanlagen sind bereits seit Jahrzehnten zuverlässig im Einsatz und wurden immer wieder erweitert. So finden sich namhafte Anbieter wie Dom, BKS, Assa Abloy oder Wilka, um nur einige zu nennen.

„Dies hat auch seinen Grund, denn als Anstalt des öffentlichen Rechts – das UK Essen gehört zum Land Nordrhein-Westfalen – dürfen wir in unseren Ausschreibungen keine Vorgaben machen und einen bestimmten Anbieter bevorzugen“, erklärt Schade. An vielen Außenzugängen zu den Gebäuden beziehungsweise an den Flurtüren finden hingegen elektronische Systeme mit Scanner, Transponder oder Tastatur Verwendung, je nach Sicherheitsstufe und Einsatzzweck. „Natürlich wäre es einfacher, wenn überall elektronische Systeme vorhanden wären“, so Ernesto Roman-Tena und Dirk Feller, „doch wegen der Vielzahl der Türen lässt sich dies aus Kostengründen natürlich nicht realisieren.“

Roman-Tena ist Hauptsachgebietsleiter Feinmechanik/Schlosserei, Feller Hauptsachgebietsleiter Energiezentrale/Schlosserei. Allein in der Schlosserei arbeitet ein zehnköpfiges Team, das unter anderem für die gesamte Schließtechnik des Klinikums zuständig ist. „Wir bestellen Zylinder und Schlüssel, rüsten nach, tauschen aus und sorgen dafür, dass bei Schlüsselverlusten keine Sicherheitslücke entsteht. Hierzu stehen wir entweder direkt mit den Herstellern oder den örtlichen Sicherheitsfachhändlern in Verbindung“, berichtet Schade.

Die Fachkräfte des Dezernats Bau und Technik, speziell der Schlosserei, agieren dabei nur als „Dienstleister“. Denn verwaltet werden die Schließanlagen immer von den zuständigen Mitarbeitern in den jeweiligen Gebäuden beziehungsweie Abteilungen. Man unterstützt und berät bei der Suche nach dem passenden Produkt oder beim Anlegen von Schließplänen, doch die eigentliche Zuordnung von Schließberechtigungen und die Programmierung, sofern elektronische Systeme zum Einsatz kommen, liegt bei den jeweiligen Nutzern. Dies setzt ein hohes Verantwortungsbewusstsein bei den zuständigen Personen voraus. „Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass uns Schlüsselverluste umgehend gemeldet werden, damit wir entsprechend reagieren können“, betont Markus Hollmann.

Forschungszentrum schließt elektronisch

Anfang 2011 wurde auf dem Gelände des Klinikums ein neues Forschungszentrum fertiggestellt, in dem heute über 450 Personen tätig sind. Alle diese Beschäftigten haben Zugang zum Gebäude, doch natürlich darf nicht jeder immer und überall hin. Um dies zu gewährleisten, setzen die Verantwortlichen in Essen auf eine elektronische Zutrittskontrolle von Wilka. Neben Wilka kommen übrigens auch noch Systeme von Simonsvoss zum Einsatz. Mit beiden Anbietern hat man gute Erfahrungen gemacht. Im Forschungszentrum sind insgesamt 23 Onlineleser und 140 elektronische Doppelknaufzylinder installiert. Drei der vier Zugangstüren zum Gebäude sowie einige Aufenthaltsund Kopierräume wurden mit einer mechanischen Schließanlage ausgestattet. Die drei Außentüren verfügen über Motorschlösser, die beim Schließen die Türen automatisch verriegeln. Sämtliche Gebäudetüren mit mechanischen Zylindern lassen sich mit den Transponderschlüsseln des Systems schließen.

Das Forschungszentrum dient als Beispiel für einen besonders gesicherten Bereich mit hohen Anforderungen, denn in den dortigen Laboren wird beispielsweise an Bakterien oder Keimen geforscht. Anders sind die Anforderungen im Medizinischen Zentrum oder im Lehr- und Lernzentrum, das überwiegend von den Studierenden genutzt wird. Das Medizinische Zentrum ist eine Einrichtung mit mehreren Kliniken unter einem Dach, in der über 1.000 Türen verbaut sind. Hier gehen permanent Patienten und Besucher ein und aus, und dies im Prinzip 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.

Eigener Wachdienst

Tagsüber ist das Gebäude mit einem Pförtner besetzt. Allein die Anwesenheit eines Mitarbeiters an der Pforte wirkt auf „ungebetene Gäste“ oft schon abschreckend. In fast allen Klinikgebäuden werden Pförtner eingesetzt – manche Bereiche sind rund um die Uhr besetzt. Hier vertraut das Klinikum fast ausschließlich auf eigenes Personal. Auch beim Wachdienst setzt man eigene Kräfte ein. Nur in ganz seltenen Fällen werden externe Dienstleister hinzugezogen. Tagsüber kümmern sich die Wachleute primär um die Verkehrsüberwachung, nachts werden Patrouillengänge durchgeführt. Die Außentüren aller Gebäude – meist Automatiktüren – sind nachts verschlossen. Als Fluchttüren sind sie aber natürlich jederzeit von innen zu öffnen.

Sofern im Gebäude eine Einbruchmeldeanlage installiert ist, wie beispielsweise im überwiegend von den Studierenden genutzten Lehr- und Lernzentrum, ist der Wachdienst für das abendliche Scharfschalten und morgendliche Deaktivieren der Anlagen zuständig.

Müssen Handwerker in ein Gebäude, liegen für sie die entsprechenden Schlüssel bei den Pförtnern bereit, denn die Arbeitsbesuche müssen vorher angemeldet werden. Sowohl die Herausgabe wie auch die Rückgabe der Schlüssel werden protokolliert. Gleiches gilt auch für die Reinigungskräfte, um so die Sicherheit im gesamten Klinikkomplex zu erhöhen. Darüber hinaus will man natürlich auch besser nachvollziehen können, wer sich wann und wo aufgehalten hat. Eine echte Herkulesaufgabe bei der Größe des Klinikums. Zugleich macht dies deutlich, dass sich trotz aller Sicherheitsmaßnahmen kein hundertprozentiger Schutz vor Einbrüchen realisieren lässt. „Wir haben hier bei uns mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie alle anderen Krankenhäuser auch“, beschreibt Hollmann die Situation.

Schutz der Patientenzimmer

Als gewachsene Stadt in der Stadt wurde rund um das UK Essen natürlich keine Mauer gezogen. Teilweise führen öffentliche Straßen über das Gelände und die angrenzende Wohnbebauung sowie die Klinikgebäuden gehen ineinander über. Möglichkeiten, hier ein- und auszugehen, gibt es also viele. Die Patienten werden daher bei der Aufnahme darüber informiert, dass sie besonders auf ihre persönlichen Dinge achten sollen und Geld oder Handy möglichst nicht offen liegen lassen. In vielen Patientenzimmern befinden sich Safes, die für Wertsachen genutzt werden können.

Um trotzdem ein „wachsames“ Auge auf ungebetene Gäste zu haben, werden alle Bediensteten regelmäßig zum Thema Sicherheit und Einbruchschutz informiert. Im Idealfall sollen Personen direkt angesprochen werden, wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt. Doch es gibt Grenzen. „Die Krankenpflegerin, die allein auf der Station ist, sollte natürlich zuerst auf ihre Sicherheit bedacht sein. Wenn ihr etwas auffällt, ruft sie idealerweise den Wachdienst, der umgehend die Situation überprüft. Aber zum Glück kommt so etwas äußerst selten vor“, weiß Hollmann zu berichten.

Zuständigkeit bei der Feuerwehr

Beim Brandschutz vertraut das UK Essen auf die örtliche Feuerwehr. Es gibt zwar überall dort, wo es vorgeschrieben ist, Feuerlöscher, doch im Falle eines Brandes sind die Einsatzkräfte in maximal acht Minuten vor Ort. Zum Glück brennt es aber sehr selten. Zuletzt gab es vor drei Jahren bei Dacharbeiten einen kleineren Brand. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen fing damals der Dachstuhl eines Gebäudes Feuer. Die Feuerwehr hatte den Brand allerdings schnell unter Kontrolle.

Auch mögliche Evakuierungsmaßnahmen werden von den Feuerwehrleuten durchgeführt. Die Beschäftigten werden regelmäßig unterrichtet, und in jeder Abteilung gibt es Brandschutzhelfer, doch wird von dieser Stelle nur zugearbeitet. Allerdings wäre eine Evakuierung in einem Krankenhaus immer nur die denkbar letzte Lösung, denn gerade für Schwerstkranke kann solch eine Maßnahme lebensbedrohlich sein. Hier müssen die Einsatzkräfte abwägen.

Problematisch sind die vielen Fehlalarme, teils durch Raucher ausgelöst, manchmal aber auch durch starke Staubentwicklungen bei Bauarbeiten. Die installierten Melder leiten den Alarm über die Brandmeldetechnik sofort an die örtliche Feuerwehr weiter, die sofort mit entsprechenden Löschzügen startet. Übrigens ist auch eine enge Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr und dem Dezernat Bau und Technik erforderlich, wenn es beispielsweise Änderungen an der Schließanlage gibt. Die Feuerwehren haben Schlüssel zu den für sie relevanten Schlüsseldepots vor den einzelnen Gebäuden. „Wenn wir hier die Zylinder tauschen müssen oder sich das Fabrikat ändert, muss die Feuerwehr umgehend informiert und mit entsprechend neuen Schlüsseln ausgestattet werden“, so Hollmann.

Matthias Fischer
Foto: UDE

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Foto: Salto Systems

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Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

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Foto: Vivantes/Taffelt

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2001 wurde der größte kommunale Krankenhauskonzern Deutschlands, Vivantes, gegründet. Die Zusammenführung vieler unterschiedlicher Einrichtungen mit ebenso unterschiedlichen Sicherheitsphilosophien ist eine Herkulesaufgabe. Vieles ist erreicht, vieles ist in Arbeit.