Auch EDV-Räume bergen ein Brandpotenzial.
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Brandschutz

Organisatorischer und präventiver Brandschutz in Schulen

Kommt es im laufenden Schulbetrieb zu einem Brandereignis, zählt jede Minute. Dies setzt eine gut abgestimmte Organisation und Planung voraus,

Schulen als Teil der öffentlichen Verwaltung haben mit ihrem gesetzlich festgeschriebenen Lehrauftrag eine besondere Verantwortung gegenüber den Schülern und Lehrern. Der Schulträger, öffentlich oder privat, hat neben seinem Interesse an einem reibungslosen Schulbetrieb auch ein solches an die Sicherheit aller Personen in den entsprechenden Gebäuden zu richten.

Ziel muss es daher sein, effektive Schadenverhütungsmaßnahmen vorzuhalten, damit es im Idealfall erst gar nicht zu einem Brandereignis kommt. Sollte ein solches doch eintreten, dann muss durch das richtige Verhalten im Brandfall sichergestellt werden, dass niemand verletzt wird.

Vielfältige Ursachen

Brände in Schulen und Erziehungseinrichtungen haben, wie die Daten der IFS-Schadendatenbank zeigen, verschiedene Auslöser. Als vorrangigster sind elektrische Installationen zu nennen, die auch in der Gesamtbetrachtung aller erfassten Brandursachen mit über 30 Prozent den größten Anteil an Bränden haben. Brandstiftung und menschliches Fehlverhalten sind ebenfalls häufige Faktoren, wobei Brandstiftung in Schulen häufiger vorkommt als im Gesamtdurchschnitt.

Menschliches Fehlverhalten ist in einem Bereich, in dem vor allem Kinder und Jugendliche betreut werden, immer mitzuberücksichtigen, da gerade kleine Kinder oftmals ihr Handeln und potenzielle Gefahren nicht adäquat einschätzen können. Unachtsamkeit oder Unwissenheit können hier schnell ein Brandereignis auslösen. Besonders feuergefährliche Arbeiten stechen in Schulen im Vergleich zur Gesamtbetrachtung heraus, die möglicherweise auf Sanierungsarbeiten und organisatorische Versäumnisse bei Reparaturen zurückzuführen sind.

Bestandsschutz bedenken

Viele Schulen sind in Gebäuden untergebracht, bei deren Errichtung noch andere Brandschutzanforderungen bestanden. Sie unterliegen damit in der Regel dem baulichen Bestandsschutz, womit nachträglich grundsätzlich keine neuen Anforderungen an rechtmäßig bestehende und genutzte Objekte gestellt werden dürfen. Von diesem Rechtsgrundsatz gibt es aber Ausnahmen, insbesondere dann, wenn etwa bauliche Veränderungen an den Objekten vorgenommen werden, die die ursprüngliche Nutzung erweitern oder verändern.

Unabhängig davon ist generell der Brandschutz neu zu bewerten, wenn eine konkrete Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen bestehen könnte. Dazu zählt beispielsweise das Fehlen ausreichender Rettungswege in Schulgebäuden. „In Mannheim führt die Feuerwehr in den Schulen regelmäßig Brandverhütungsschauen durch, um etwaige Mängel beim Brandschutz aufzudecken“, erläutert Mario König von der Berufsfeuerwehr Mannheim. Ein Problem sind dabei Schulen, die noch aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammen, da diesen baulich völlig andere Konzepte zugrunde lagen – Stichwort offene Räume. „Schulen aus dieser Zeit sind nicht selten baulich als ein Brand- und Rauchabschnitt anzusehen. Baulich abgetrennte Treppenräume oder unterteilte notwendige Flure gab es damals nicht“, so König, sodass eine Verrauchung im Ernstfall immer das gesamte Gebäude erfassen würde.

In den 70er Jahren wurden Schulkörper ebenfalls nach Kriterien errichtet, die sich mit heutigen Brandschutzanforderungen nicht oder nur schwer in Einklang bringen lassen. Bei den „Hallenschulen“ enden die Treppen in einer großen Halle im Gebäude, häufig auch als Atrium oder Aula bezeichnet. Auch hier gibt es keine bauliche oder räumliche Trennung der Treppen. Die geforderte Unabhängigkeit des ersten und zweiten Rettungswegs ist nicht gegeben. Im Ernstfall müsste ein zweiter Rettungsweg über die Drehleiter der Feuerwehr bereitgestellt werden, was technisch zwar möglich, aber wenig praktikabel ist, wenn 30 Kinder zeitnah aus einem Klassenraum evakuiert werden müssten. Eine Möglichkeit, die der Normgeber auch vorsieht, ist die Kompensation von Mängeln durch andere Maßnahmen. Der Einbau einer Brandmeldeanlage kann hier für viele Schulen eine sinnvolle Ergänzung anderer Maßnahmen darstellen.

Organisatorischer Brandschutz ist elementar

Generell sollen alle im Brandfall das Schulgebäude verlassen, doch die Räumungskonzepte fallen durchaus unterschiedlich aus. Je nach Objekt kann es erstmal sinnvoller sein, im Klassenzimmer zu verbleiben und die Tür geschlossen zu halten, als durch einen verrauchten Gang zu laufen. Viele Schulen Häufig werden als zweiter Rettungsweg externe Treppen nachgerüstet. haben gar keine Brandmeldeanlage, sondern verfügen über einen internen Hausalarm, über den im Brandfall Alarm ausgelöst wird. Im Gegensatz zu einer Brandmeldeanlage, die bei neuen Gebäuden direkt auf die Feuerwehr aufgeschaltet ist, muss beim Hausalarm eine Person diese selbst verständigen. Daher muss eine Schule oder Bildungseinrichtung gemäß DIN 14096 „Brandschutzordnung“ über einen Alarmplan verfügen, der für alle einsehbar ist und den vor allem das Lehrpersonal verinnerlicht haben sollte. Der Alarmplan wird idealerweise gemeinsam durch die Schule unter Beteiligung der Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Sicherheitsbeauftragten, den Sachkostenträger und die Feuerwehr erstellt.

Jede Schule ist verpflichtet, zweimal im Jahr eine Evakuierungsübung durchzuführen, bei der der Alarmplan auch auf Durchführbarkeit geprüft wird. Während der Alarmplan für den Ernstfall Handlungsanweisungen vorgibt, sollten gemäß einer Gefährdungsbeurteilung potenzielle Risiken im Vorfeld benannt und wenn möglich ausgeräumt werden. Gemäß den Brandrisiken in Schulen und Bildungseinrichtungen gilt es etwa, elektrische Geräte regelmäßig überprüfen zu lassen. Menschlichem Fehlverhalten, insbesondere von Kindern kann nur durch eine bewusste Brandschutzerziehung mit regelmäßiger Brandschutzbelehrung begegnet werden. Auch beim Thema Brandstiftung können bereits einfache organisatorische Maßnahmen, wie verschließbare Mülltonnen im Außenbereich oder das Anschaffen nicht brennbarer und selbstlöschender Papierkörbe, Abhilfe schaffen. Je nach Situation ist auch über die Anschaffung einer Videoüberwachungsanlage für den Außenbereich nachzudenken.

Brandschutz neu denken

Moderne Schulen orientieren sich nicht nur fachlich, sondern auch baulich an neuen pädagogischen Konzepten. Diese müssen allerdings auch mit geltenden Brandschutzbestimmungen in Einklang gebracht werden. Bei Neubauten wird immer stärker Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, die sich auch in der Nutzung der Räumlichkeiten niederschlägt. Da sich pädagogische Konzepte im Laufe der Zeit wandeln, sollten die Raumangebote flexibel gestaltet sein, was sich wiederum unmittelbar auf den Brandschutz auswirkt.

Das Forschungsprojekt „Brandschutz im Schulbau“ hat hierzu Leitlinien entwickelt, wie sich moderne räumliche Konzepte mit brandschutztechnischen Anforderungen vereinen lassen. Im Mittelpunkt steht eine Raumkonfiguration, die sich bei Bedarf flexibel anpassen lässt. Solche Räume können entweder als Lerncluster oder offene Lernlandschaften genutzt werden. Solche offenen Raumstrukturen sind überschaubar und würden im Brandfall eine frühe Erkennung und damit Alarmierung begünstigen. Solche Räume könnten bis zu 600 Quadratmeter groß sein und auf angrenzende Flure zur Rettung verzichten. Der erste Rettungsweg, der durch einen Treppenraum, einen direkten Ausgang ins Freie oder eine sichere Außentreppe führt, dürfte dann in maximal 35 Meter Entfernung liegen. Parallel dazu würden die 600 Quadratmeter großen Einheiten über zusätzliche Ausgänge verfügen. Die Laufwege und Ausgänge sollen einerseits eine zügige Selbstrettung ermöglichen und zum anderen der Feuerwehr einen gezielten Angriff auf den Brandherd gestatten. Besonderes Augenmerk ist auf körperlich eingeschränkte Schüler zu richten, die beispielsweise auf Rollstühle angewiesen sind. Hier müssen Vorkehrungen getroffen sein, die eine Selbstrettung, etwa durch sichere Fahrstühle, über Rampen oder sichere Bereiche in horizontalen Evakuierungsabschnitten, gewährleisten.

Die Durchsetzung eines effektiven Brandschutzes in Schulen stellt die Beteiligten immer wieder vor große Herausforderungen, vor allem im Bestandsschutz. Hier sind letztlich immer individuelle Lösungen gefragt, unter Heranziehung der einschlägigen Experten der Feuerwehr und der Bauaufsichtsbehörden. Inwieweit aufwendige Sanierungen überhaupt notwendig sind oder ob partielle Maßnahmen nicht bereits zum gewünschten Ergebnis führen können, sollten alle Beteiligte zusammen erörtern. Unabhängig von baulichen Konzepten, die letztlich auf eine schnelle Evakuierung der Personen ausgelegt sind, kommt in Schulen und Bildungseinrichtungen dem organisatorischen Brandschutz eine verantwortungsvolle Stelle zu.

Dort, wo eine Vielzahl an Kindern unterschiedlichen Alters zusammenkommt, ist eine gründliche und nachhaltige .Brandschutzerziehung. unabdingbar. Ebenso, dass allgemein auch von den Lehrkräften gängige Brandschutzvorschriften eingehalten werden und ein besonderes Augenmerk auf Spezialräume gerichtet wird, die EDV oder Chemielaborausrüstung beherbergen. Durch die Kombination verschiedener Maßnahmen lässt sich auch im Bestandschutz ein hohes Maß an Sicherheit für Schüler und Lehrer erzielen.

Hendrick Lehmann