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Risikomanagement

Passende Prozesse und Strukturen

Commander Spock vom Raumschiff Enterprise sah Gefahren voraus und wusste die vielfältigen Risiken des Weltalls zu meistern. Mit Erfolg: Spitzohr Spock würde heute seinen Platz als Top-Risikomanager in der modernen Arbeitswelt finden.

Lichtjahre zurück in der Realität vermissen wir Typen eines Spock und suchen sie händeringend. Von Wirtschaftsinstituten über Unternehmen bis zu Gewerkschaften sind sich alle einig: Der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften beschert der Wirtschaftsnation Deutschland zunehmend Probleme. In allen Branchen und Berufsfeldern – das Risikomanagement nicht ausgenommen.

Risikomanagement erlebt einen Boom. Und mit ihm steigt der Bedarf an Menschen mit Risiko-Know-how sowie Erfahrung, potenzielle und reelle Gefahren professionell zu beherrschen. Die Gründe? Seit der Inkraftsetzung des Bilanzmodernisierungsgesetztes (Bilmog) 2009 ergeben sich für kapitalmarktorientierte Unternehmen verschärfte Pflichten. Neben der Darstellung des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems im Lagebericht müssen die betreffenden Unternehmen die Überwachung der Wirksamkeit des Risikomanagement-Systems vertiefen. Es braucht somit Risikomanagementspezialisten, die ein effektives System etablieren und in die Gesamtorganisation des Unternehmens integrieren.

Aus diesem Zusammenhang und den Möglichkeiten, die ein modernes Risikomanagement bietet, erkennen Entscheider zunehmend den Handlungsbedarf und suchen verstärkt nach Risikomanagern. Teils intern besetzt, teils extern angeworben, kommen viele als Quereinsteiger zum Risikomanagement – sei es aus dem Bereich Controlling, dem IT-Umfeld oder dem mittleren Management. Kandidaten, die zum Teil über wenig Kenntnisse im Risikoumfeld verfügen und notwendiges Wissen nachholen müssen. In Summe ein enormer Weiterbildungsbedarf, den es in naher Zukunft zu decken gilt.

Wichtig für jede Branche

Risikomanagement ist überall notwendig. Aufgrund der zunehmenden Globalisierung der Märkte mit stark verzahnten Prozessen ein Faktum, das keine Branche ausnimmt. Das bedeutet, nicht nur die Finanzbranche und Versicherungen müssen sich vor Gefahren schützen. Betroffen sind darüber hinaus weitere Wirtschaftszweige wie beispielsweise die chemische Industrie, Hightech und Elektronik sowie Energieversorger oder Automobilzulieferer.

Im Kontext der japanischen Natur- und Atomkatastrophe von 2011 zeigte sich, dass ganze Branchen in den Strudel der Ereignisse gerieten. Produktionen mussten gedrosselt oder eingestellt werden. Weltweit konnten Autobauer durch abgebrochene Zulieferketten ihre Produktion nicht im geplanten Maße aufrechterhalten. Die Folge: nicht nur Millionenschäden für Versicherungsunternehmen, sondern für Unternehmen aus vielen Wirtschaftszweigen. Sie alle müssen aufgrund zunehmender Naturkatastrophen und deren Folgewirkungen nach Lösungen suchen, die einen planbaren Blick nach vorne bieten. Und hierzu braucht es das profunde Wissen von Risikomanagern.

Mittelstand mit Nachholbedarf

Experten sehen trotz der Bemühungen um profunde Ausbildungsgänge weiteren Handlungsbedarf in puncto Risikomanagement. Vor allem der zunehmende Bedarf an funktionierenden und zukunftsgerichteten Risikomanagementstrukturen bei Großunternehmen und mittelständischen Betrieben macht gut ausgebildete Risikomanager begehrt.

Im Kern geht es darum, dass Organisationen Risikomanagementprozesse und -strukturen aufbauen, die wesentliche Risiken begrenzen oder vermeiden und die einen Mehrwert für die Entwicklung des jeweiligen Unternehmens liefern. Diese Aufgabenstellung zu meistern, bedarf es Mitarbeiter mit ausgeprägtem Spezial-Know-how im Risikomanagementumfeld – gerade für mittelständische Unternehmen. Bei Missachtung droht persönliche Haftung der Geschäftsleitung, ein unternehmensgefährdender finanzieller Schaden und unter Umständen ein irreparabler Imageverlust.

Enterprise Risk Manager (Univ.) Das Qualifizierungsprogramm „Enterprise Risk Manager (Univ.)“ wird gemeinsam von der RMA und Universität Würzburg seit April 2012 angeboten. Die Kurse sind auf zehn bis maximal 25 Teilnehmer pro Einheit ausgelegt. Der nächste Kurs ist für Anfang 2013 geplant.

Das Dilemma: Während Konzerne mit ihrem Namen um die besten Experten werben können und über gute Risikomanagement-prozesse und -strukturen verfügen, sind viele mittelständische Firmen noch weit davon entfernt. Es fehlte bis dato an Ressourcen und Zeit, um sich mit einem professionellen Risikomanagement zu befassen und die notwendigen Strukturen sowie Prozesse intern aufzubauen. Mittelständische Unternehmen haben im Kampf um Fach- und Führungskräfte gegenüber der großen klangvollen Konkurrenz in vielen Fällen das Nachsehen.

Hilfreich ist an dieser Stelle neben einem Blick auf den externen Bewerbermarkt das interne Potenzial. Es lohnt die Aus- und Weiterbildung eigener Mitarbeiter zum Risikomanager (Stichwort: Employer Branding). Ein Pfund, das viele Entscheider mittlerer Firmen zu wenig beachten.

Erste Ansätze

Zaghaft wachsen erste Lehr- und Weiterbildungsangebote im Risikomanagement heran. Studiengänge gibt es beispielsweise an der Universität Ulm, der Hochschule Deggendorf oder der Universität Würzburg. Darüber hinaus sind berufsbegleitende Programme wichtige Alternativen. Die Gründe: In vielen Fällen wechseln angehende Risikomanager aus anderen Unternehmensfunktionen in das Risikomanagement oder haben im Studium keine Risikomanagement-Kenntnisse erlernt.

Impulse in diese Richtung setzt die Risk Management Association e.V. in Kooperation mit der Universität Würzburg. Gemeinsam bieten sie ein Qualifizierungsprogramm zum „Enterprise Risk Manager (Univ.)“ an. Vermittelt werden die Inhalte von anerkannten Dozenten aus der Forschung und Experten mit langjähriger Praxiserfahrung im Risikomanagement.

Solche Lehrmöglichkeiten sind der zukünftige Weg für heranwachsende Fach- und Führungskräfte im Risikomanagement und bilden die Basis professioneller Risikomanagement-Strukturen in Organisationen. Wichtig: Die qualitative Breite der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten wird im deutschsprachigen Raum zukünftig von entscheidender Bedeutung im Kampf für mehr Top-Risikomanager in der modernen Arbeitswelt. Und Commander Spock wäre „fasziniert“.

Jan Offerhaus, Vorstandsmitglied Risk Management Association

RMA

Unterstützung für den World Risk Day 2012

Die Risk Management Association e.V. (RMA), eine unabhängige Interessenvertretung für das Thema Risikomanagement im deutschsprachigen Raum, unterstützt den ersten virtuellen „World Risk Day“ (WRD) am 26. Juni 2012, mit ihrem Expertenwissen im Risikoumfeld.

Foto: RMA

RMA

Neuauflage des Risikomanagerprogramms ab April 2013

Die Risk Management Association e. V. (RMA), die unabhängige Interessenvertretung für das Thema Risikomanagement im deutschsprachigen Raum, startet am 17. April 2013 mit einer neuen Auflage des neuntägigen Qualifizierungsprogramms zum „Enterprise Risk Manager (Univ.)“.

RMA

Weiterbildung zum Enterprise Risk Manager

Die Risk Management Association e. V. (RMA) startet in Kooperation mit dem Forschungszentrum Risikomanagement der Julius-Maximilians-Universität Würzburg das Qualifizierungsprogramm „Enterprise Risk Manager (Univ.)“. Im Mittelpunkt des neuntägigen Kurses steht eine enge Verzahnung von Modulen zum Risikomanagement in Theorie und Praxis.

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RMA

Optimaler Wissenstransfer im Risikomanagement

Die Risk Management Association e. V. (RMA), die unabhängige Interessenvertretung für das Thema Risikomanagement im deutschsprachigen Raum, startet am 15. April mit einer neuen Staffel des 10-tägigen Qualifizierungsprogramms zum „Enterprise Risk Manager (Univ.)“ in Würzburg.