Foto: Wikipedia, Dirk Franke

Leitfaden: Realisierung von Videoanlagen

Planen, projektieren, umsetzen

Die Videotechnik entwickelt sich nach wie vor rasant weiter. Doch die Erwartungen der Nutzer an realisierte Projekte werden nicht immer erfüllt. Die Unzufriedenheit fällt dann häufig auf den System-lieferanten zurück. Experten haben in einem Arbeitskreis des Verbandes für Sicherheitstechnik (VfS) ihre Erfahrungen zusammengetragen, aufbereitet und dokumentiert – und schließlich in einem Leitfaden zur Realisierung von Videoanlagen zusammengefasst.

Schaut man sich die gesamte Prozesskette eines Projekts an, so gibt es auf dem Weg von der Projek-tinitialisierung über die Planung, die Ausführung und den Betrieb diverse Kriterien, die über den Erfolg oder Misserfolg eines Projektes, oder – anders gesagt – die Qualität im Projekt entscheiden. Dies betrifft sowohl die Funktionalität als auch die Kosten.

Zielsetzung

Die anzustrebenden Ziele in jedem Projekt sind die Zufriedenheit der Nutzer beziehungsweise der Kunden, der optimale Einsatz der Technik, die Einhaltung von Terminen sowie die Optimierung der Kosten. Der Leitfaden soll Betreiber und Nutzer von Videoanlagen dabei unterstützen, diese Ziele auch in ihren Videoprojekten zu gewährleisten.

Dazu muss jeder der Beteiligten zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tun. Die Autoren haben daher in einem Flussplan den Projektablauf veranschaulicht und in vereinfachter Form vier Ebenen von Prozessbeteiligten dargestellt. Dies sind der Betreiber/Nutzer, Planer/Consultant, Systemlieferant und Errichter.

Projektgliederung

Für eine erfolgreiche Abwicklung von Videoprojekten ist es erforderlich, diese zunächst einmal logisch zu strukturieren. Die in dargestellte Gliederung ist prinzipiell allgemeingültig für alle Projekte. Hierbei wird ein Gesamtprojekt in unterschiedliche Projektphasen untergliedert, angefangen von der Projektinitialisierung bis hin zum Betrieb der Videoanlage. In den einzelnen Kapiteln des Leitfadens werden anhand von Prozessablaufschemata zusätzlich die Aufgaben beziehungsweise die Schnittstellen zwischen Betreiber, Planer/Consultant, Hersteller/Lieferant und Errichter dargestellt.

In der ersten Phase „Projektinitialisierung“ und der zweiten Phase „Planung“ wir das Fundament für den Projekterfolg gelegt. Im Rahmen dieses Artikels wird auf diese Phasen näher eingegangen. Damit dies möglich ist, müssen alle Projektbeteiligten das Ziel verstanden und akzeptiert haben, und das Projektziel muss die sogenannten Smart-Kriterien (spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert) erfüllen.

Lastenheft und Pflichtenheft

Ein Lastenheft, oder die Anforderungsspezifikation, beschreibt die unmittelbaren Anforderungen, Erwartungen und Wünsche an ein geplantes Produkt. Gemäß DIN 69905 beschreibt das Lastenheft die vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Forderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers innerhalb eines Auftrages. Das Lastenheft beschreibt, was und wofür etwas gemacht werden soll. Das Pflichtenheft hingegen beschreibt, wie und womit etwas realisiert werden soll. Die Erstellung des Pflichtenheftes findet in der Planungsphase statt.

Nach DIN 69905 enthält das Pflichtenheft die vom Auftragnehmer erarbeiteten Realisierungsvorgaben aufgrund der Umsetzung des vom Auftraggeber vorgegebenen Lastenheftes. Die Begriffe Lastenheft, Pflichtenheft und Spezifikation werden oft nicht klar gegeneinander abgegrenzt oder gar synonym verwendet. Die unklare Verwendung der Begriffe Lastenheft und Pflichtenheft ist häufig Ursache für Missverständnisse.

Autoren und Mitwirkende An der Realisierung des Leifadens, der über den VfS unter www.vfs-hh.de kostenlos bezogen werden kann, waren Experten aus allen Projektphasen vertreten, also Fachplaner, Systemlieferanten, Errichter und Nutzer. Dies waren unter anderem:
Redaktionelles Kernteam:
Wilfried Joswig, Verband für Sicherheitstechnik e.V.
Markus Groben, Groben Ingenieure GmbH
Jochen Sauer, Axis Communications GmbH
Temporär Mitwirkende:
Tobias Schmid, Schmid Alarm GmbH
Frank Marcus Schille, Schille Informationssysteme GmbH
Christoph Gode, Bosch Sicherheitssysteme GmbH
Lars Janssen, Siemens AG
Olaf Schickel, Staras GmbH
Martin Scherrer, Siemens AG

Rahmen festlegen

Ziel der Festlegung eines Rahmens ist, eine relativ genaue Budget- und Terminabschätzung gemäß dem aktuellen Planungs- und Erkenntnisstandes vorzunehmen. Auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen wie beispielsweise Aufgabenstellung (Lastenheft oder Pflichtenheft) wird zunächst das erforderliche Budget ermittelt, was auf Basis von Kostenschätzungen geschieht. Als Bemessungsmaßstab dienen Erfahrungswerte aus alten Projekten, Kostenschätzungen der Investitionskosten durch Hersteller oder allgemeine Preisspiegel von Planungsleistungen. Anschließend erfolgt die Bewertung der Genauigkeit der Kostenschätzung.

Als nächster Schritt ist der Terminrahmen für das Projekt festzulegen. Ist der Zeitaufwand ermittelt, wird das ermittelte Budget in die einzelnen Jahresscheiben des Projektzeitraumes aufgeteilt. Die erforderliche Budget- und Terminabschätzung ist Basis für die weitere Bewertung des Projektes.

Risikodefinition

Grundsätzlich sind Projektrisiken nach zwei Kriterien zu durchleuchten: der Eintrittswahrscheinlichkeit sowie dem Schadensausmaß bei Eintritt, was der Bedeutung für den Projekterfolg gleichkommt. Methoden zur Risikoanalyse und -bewertung erfolgen sowohl in qualitativer Hinsicht, etwa durch Gruppendiskussion, als auch quantitativ, etwa durch Risikokennzahlen und Risikokosten.

Kosten-Nutzen-Analyse

Ergebnis der Kosten- und Nutzen-Analyse ist die Entscheidung, ob ein Projekt durchgeführt wird oder nicht. Die ermittelten Kosten und der notwendige Zeitaufwand sowie die Abwägung aller Risiken sind im Verhältnis des zu erwartenden Nutzens zu setzen. Bei dem Nutzen kann es sich um wirtschaftliche Aspekte, zum Beispiel Einsparungen handeln. Hier reicht dann eine reine kaufmännische Betrachtung aus. Bei dem Nutzen kann es sich allerdings auch um erhöhte Sicherheit oder die erforderliche Umsetzung von gesetzlichen Vorgaben handeln. In diesem Fall ist zu prüfen, ob die aufzuwendenden Mittel im Verhältnis zum Beispiel zu der gewonnenen Sicherheit gerechtfertigt sind.

Der komplette Planungs-, Projektierungs- und Realisierungsleitfaden für Videoanlagen kann beim Verband für Sicherheitstechnik (VfS) unter www.vfs-hh.de kostenlos angefordert werden.

Foto: Kurt F. Domnik/Pixelio

Zutritts- und Berechtigungsmanagement

Fremdwort Systemhärtung?

Zutrittskontrolle oder besser Zutritts- und Berechtigungsmanagement ist bei allen Sicherheitskonzepten die Komponente mit den höchsten Sicherheitsanforderungen, denn hierüber regelt sich die Zugriffsmöglichkeit auf die „Kronjuwelen“ und die „Nervenstränge“ eines Unternehmens.

Foto: Alexander Obst, Marion Schmieding/ Flughafen Berlin Brandenburg

BdSI

Flughafen Berlin als vorhersehbares Drama

Nach Ansicht des Bundesverband deutscher Sicherheitsberater und -Ingenieure e.V. (BdSI) ist das Drama um den Großflughafen Berlin-Brandenburg in keiner Weise verwunderlich. Wie so oft in politisch brisanten Projekten sei der Wunsch Vater des Gedankens gewesen.

Foto: Fotolia/ Matthias Buehner

Architektur und Sicherheitstechnik

Unterschiedliche Ansprüche zusammenbringen

Architekten verstehen sich nicht selten als Künstler, und das außergewöhnliche Erscheinungsbild des Gebäudes setzt sich oft bis in die Innenräume fort. Derzeit liegen vor allem glatte Flächen und Glasfassaden im Trend. Damit steigen natürlich die Anforderungen an die Produktentwickler in den Unternehmen für Sicherheitstechnik.

Foto: Pixelio.de/Helene Souza

Pre-Invest Consulting

Kluge Partnerschaft

Beim Pre-Invest Consulting geht es darum, als künftiger Betreiber von Sicherheitsausstattungen im Vorfeld der Investition eine herstellerunabhängige Beratung und Ideenfindung zu erhalten. Geeignet ist die Vorgehensweise für zentrale Handelsunternehmen, die als Vermittler für ihre freien Partner Investitionen vorbereiten.