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Sicherheitsdienstleister

Qualität setzt sich durch

Vor Kurzem legte der BDSW die Umsatzzahlen der privaten Sicherheitsdienste für das erste Halbjahr 2017 vor – der starke Rückgang zeigt, dass der Konjunkturaufschwung in Folge der Bewachung von Flüchtlingsunterkünften jetzt wohl endgültig beendet ist. Ob man darüber unglücklich ist, wollte PROTECTOR & WIK von BDSW-Hauptgeschäftsführer Dr. Harald Olschok wissen.

PROTECTOR & WIK: Herr Dr. Olschok, wie stark ist denn der Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2017? Bedauern Sie diese Entwicklung sehr?

Dr. Harald Olschok: Wir haben in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt ein Umsatzwachstum von rund 40 Prozent gehabt. Das hält keine Branche auf Dauer durch. Es war deshalb zu erwarten, dass mit dem nachlassenden Flüchtlingsstrom auch die Schutzbedürfnisse für die Unterkünfte zurückgehen. So ergibt sich für die Branche, im ersten Halbjahr 2017, ein Umsatzrückgang um 6,5 Prozent. Nach wie vor gibt es eine große Nachfrage beim Schutz von Veranstaltungen, bei den Sicherheitsaufgaben an den Flughäfen und auch im „Brot-und- Buttergeschäft“ Objekt- und Werkschutz.

Diese extrem starken Zuwächse führten ja auch zu einem starken Anstieg an Beschäftigen. Was passiert nun mit denen, wenn die entsprechenden Aufträge wegfallen?

Die extrem starke Nachfrage führte dazu, dass viele Unternehmen neu auf den Markt gekommen sind beziehungsweise kleine Unternehmen stark gewachsenen sind. Diese „Goldgräberstimmung“ ist jetzt vorbei, die Unternehmen sind aber da. Ich befürchte deshalb einen verschärften Preiswettbewerb. Die schätzungsweise 10.000 privaten Sicherheitsunternehmen sind Ergebnis der niedrigen Zugangskriterien im Gewerberecht. Auch wenn die Masse davon Klein und Kleinst-(Sub)Unternehmen sind, ist eine gewisse Konsolidierung zwingend notwendig.

Auf der anderen Seite klagen ja viele Ihrer Mitgliedsunternehmen, dass sie Probleme bei der Personalgewinnung haben. Kann man diese „freien“ Mitarbeiter nicht auf diese Stellen verteilen?

Die Zahl der offenen Stellen ist im letzten Jahr um ungefähr ein Drittel auf 11.000 zurückgegangen. Die Frage ist immer auch: Wo sind die freien Stellen und wo sind die suchenden Arbeitnehmer? Aber auch die Lohnsituation spielt eine wichtige Rolle. Ich hätte mir vor zweieinhalb Jahren gewünscht, dass wir zu Beginn der Flüchtlingswelle mit der Gewerkschaft Verdi einen bundesweiten Tarifvertrag, deutlich oberhalb unseres niedrigsten Lohns, verbindlich vereinbart hätten. Dazu war Verdi nicht bereit, und in unseren 15 Landesgruppen war auch kein einheitlicher Wille zu erkennen, eine eigenständige, höhere Lohngruppe „Schutz von Flüchtlingsunterkünften“ zu vereinbaren. Eine Sicherheitskraft kann in einigen Ländern für die Tätigkeit in einer Flüchtlingsunterkunft einen deutlich höheren Lohn erhalten als im „normalen“ Objektschutz. Fällt dieser Auftrag weg und dem Arbeitgeber gelingt es nicht, einen vergleichbar entlohnten neuen Arbeitsplatz zu schaffen, wird sich dieser Mitarbeiter – verständlicherweise – einen neuen Job suchen.

Wie Sie gerade sagen, hat sich durch die vielen Mitbewerber die Konkurrenzsituation deutlich verschärft. Was wäre hier Ihre Empfehlung?

Die Auftraggeber sind noch mehr als bisher gefordert, eine besonders sorgfältige Auswahl bei ihren Sicherheitsdienstleistern vorzunehmen. Die neue DIN 77200 wurde vor wenigen Tagen in Berlin vorgestellt. Das vor fast zwanzig Jahren auf europäischer Ebene erarbeitete und vor zwei Jahren „runderneuerte“ Bestbieterkonzept bietet jedem Auftraggeber eine sehr gute Grundlage für die Auswahl eines geeigneten Sicherheitsdienstleisters. Voraussetzung ist jedoch, dass die Qualität und nicht der Preis das ausschlaggebende Vergabekriterium ist. Referenzen sind immer wichtig und auch die Verbandsmitgliedschaft ist ein wichtiges Kriterium. Wir sind keine „Gewerbeüberprüfungsbehörde“, haben aber dennoch in den letzten Jahren die Kriterien für die Mitgliedschaft deutlich verschärft. Für verschiedene Marktsegmente, zum Beispiel Schutz von Flüchtlingsunterkünften und von Veranstaltungen, haben wir wichtige qualitative Hilfestellungen für die Kunden entwickelt. Daran arbeiten wir weiter.

Stichwort Qualität: Sie fordern schon seit vielen Jahren eine höhere Qualifizierung und die Verschärfung der Zuverlässigkeitsüberprüfung für private Sicherheitsdienste. Nun gibt es ja ein neues Bewachungsrecht – haben sich die damit verbundenen Hoffnungen erfüllt?

Die Novellierung des Gewerberechts bringt keine höhere Qualifizierung, aber richtigerweise eine deutliche Verschärfung der Zuverlässigkeit. Zunehmend werden für unsere Mitgliedsunternehmen die großen Nachteile sichtbar. Die Überprüfung dauert bis zu drei Monate, teilweise noch länger. Was macht ein Unternehmen, das heute den Auftrag hat, einen Weihnachtsmarkt, eine Veranstaltung oder kurzfristig ein Unternehmen zu schützen? Es macht das trotz der Risiken selbst, es beauftragt ein Subunternehmen oder – eher unwahrscheinlich – es verzichtet auf den Auftrag. Wir brauchen eine schnelle und transparente Überprüfung. Wir setzen große Hoffnung auf das „Bewacherregister“. Wir fordern, dass der Mitarbeiter den Antrag auf Zuverlässigkeitsüberprüfung selbst stellt und für fünf Jahre bis zur Wiederholungsprüfung einen amtlich ausgestellten Ausweis erhält. Die Qualifikation wurde nur dadurch verändert, dass künftig leitende Angestellte beim Schutz von Veranstaltungen und in Flüchtlingsunterkünften eine Sachkundeprüfung benötigen. Aber im 300-seitigen Leitfaden des DIHK für Unterrichtung und Sachkunde gemäß §34 a Gewerbeordnung taucht der Begriff Veranstaltungen nur einmal auf: Bei Veranstaltungen dürfen keine Waffen eingesetzt werden. Auf dieser Grundlage können künftige Führungskräfte nicht bei einer IHK qualifiziert werden. Dies kann nur über ein eigenständiges Gesetz gelöst werden.

Sie haben am 1. Dezember ihr 25-jähriges Dienstjubiläum begangen. Was waren die Höhepunkte und welche Ziele haben Sie noch? Gab es auch Niederlagen?

Lassen Sie uns mit den negativen Beispielen beginnen. Die Heros-Pleite zu Beginn des Jahres 2006 und die bekanntgewordenen Misshandlungen von Flüchtlingen im nordrhein-westfälischen Burbach im September 2014 waren unter medialen und politischen Aspekten der negative Höhepunkt. Wir haben darauf reagiert und mit der Überarbeitung der BDGW-Sicherheitsvorschriften und unseres BDSW-Positionspapiers zum Schutz von Flüchtlingsunterkünften nachhaltige und anerkannte Sacharbeit geleistet. Es ist leider nicht gelungen, unsere Tarifpolitik stärker zu zentralisieren. 70 Tarifverträge mit bundesweit über 500 Lohngruppen bilden die Komplexität der von unseren Mitgliedsunternehmen angebotenen Dienstleistungen ab. Dies ist kein Ausdruck einer transparenten und nachvollziehbaren Tarifpolitik, auch nicht für die Kunden.

Und die Höhepunkte und verbleibende Ziele?

Die Mitarbeit an der Erarbeitung eines eigenständigen Berufsbildes für die Sicherheitswirtschaft mit den beiden Ausbildungsberufen und verschiedener Studiengängen waren besonders wichtig. Wir haben die Lobby- und Pressearbeit und unser Hauptstadtbüro in Berlin verstärkt. Mit nationalen und europäischen Spitzenverbänden arbeiten wir eng zusammen und haben BDSW und BDGW zu schlagkräftigen Verbänden entwickelt. Die Gründung eines eigenständigen Bundesverbandes für Luftsicherheit (BDLS) stand nicht auf meinem „Wunschzettel“ für die Verbandsarbeit. Die dafür vorgebrachten Gründe sind jedoch nachvollziehbar. Auch wenn das Image unserer Branche deutlich verbessert wurde, gibt es noch viel zu tun. Die Rechtsgrundlagen wurden sukzessive mit unserer Unterstützung verschärft. Das reicht aber nicht aus. Der heutige Beitrag der privaten Sicherheitsdienste für die innere Sicherheit in unserem Lande kann nicht auf Grundlage des Gewerberechts, von Normen oder gar von Verbandsleitlinien geregelt werden. Zumindest für den Schutz von Flüchtlingsunterkünften, des Öffentlichen Personenverkehrs und von Veranstaltungen sind spezialgesetzliche Regelungen wie in der Luftsicherheit oder im Atomgesetz notwendig.

Annabelle Schott-Lung

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BDSW

Neue Sicherheitsstandards für Asylbewerberunterkünfte

Mit großem Interesse hat der BDSW Bundesverband der Sicherheitswirtschaft die neuen Sicherheitsstandards der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Kenntnis genommen, die am 1. Oktober 2014 veröffentlicht wurden. Ergänzend dazu legt der BDSW sein 12-Punkte Programm vor.

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Sicherheitsdienstleister

Neuausrichtung gefordert

Ende 2017 hat sich aus dem BDSW heraus ein neuer Verband gegründet: der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS). Warum dieser Schritt notwendig war und welche Ziele damit verfolgt werden, erfuhr PROTECTOR & WIK von Udo Hansen, Präsident des BDLS.

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Überprüfung der Beschäftigten gefordert

Angesichts des Handgranatenwurfs in einer Flüchtlingsunterkunft fordert der Präsident des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW) Gregor Lehnert eine schnelle Umsetzung der Vorschläge des AK Gewerberecht.

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Perspektive der Sicherheitsdienstleister

Wichtiges Bindeglied

Vor kurzem stellte der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) die Branchenzahlen für 2015 vor. Dabei reihte sich Superlativ an Superlativ. PROTECTOR & WIK wollte nun von Dr. Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des BDSW, wissen, wie man sich angesichts solcher positiver Zahlen fühlt – und ob es da nicht doch auch eine kleine Skepsis gibt.