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Risikomanager sollten über kommunikative Fähigkeiten verfügen, um ihre Kollegen in das Risikomanagement miteinbinden zu können.

Risikomanagement

Quereinsteiger

Finanzkrise, Informationsdiebstähle oder Naturkatastrophen - die Liste potenzieller Risiken für Organisationen und Menschen ist lang und vielfältig. Die Aus- und Weiterbildungslandkarte ist im Bereich Risiko- und Compliancemanagement bisher übersichtlich bis dünn besetzt.

Die lose Artikelreihe zu Thema „Risikomanagement – Blick nach vorne“ zeigt, wie man Risikomanager wird und welche Bereiche und Branchen Risikomanagement stärker auf die Tagesordnung setzen müssen. Während das Thema Risikomanagement in den anglo-amerikanischen Ländern seit vielen Jahren zum Standard gehört, wird professionelles Risikomanagement im deutschsprachigen Raum erst seit rund 15 Jahren betrieben. Als Pioniere in Sachen Risikomanagement und Lehre zählen die Hochschule Deggendorf mit dem Master-Studiengang Risiko- und Compliancemanagement und die Universität Würzburg (Forschungszentrum Risikomanagement).

Weitere Hochschuleinrichtungen wie die Universitäten Ulm, Jena oder Oldenburg ermöglichen eine fundierte Ausbildung auf Hochschulniveau mit dem Schwerpunkt Risikomanagement. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Qualifizierungsmöglichkeiten. Beispielsweise bietet das von der Universität Würzburg in Kooperation mit der Risk Management Association e.V. angebotene Programm zum Risikomanager (Univ.) einen Zertifikatslehrgang im Bereich Enterprise Risk Management.

„Soft Skills“ sind entscheidend

Ein Blick in die Praxis der Unternehmen verdeutlicht, dass es kein homogenes Berufsbild für Risikomanager gibt. Bei Banken und Versicherungen stehen quantitative Architekten im Mittelpunkt, die Risikomanagement-Methoden, Scoring-/Ratingmodelle und stochastische Bewertungsmethoden entwickeln. Auf dem Gebiet der Entwicklung mathematischer Methoden haben vor allem Mathematiker, Physiker und Chemiker exzellente Karrierechancen. Darüber hinaus werden Betriebswirte, Volkswirte, Juristen und Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer ein breites Betätigungsfeld im Risikomanagement finden.

Neben ausgeprägten fachlichen Kompetenzen sollten Risikomanager vor allem gute soziale, analytische und kommunikative Fähigkeiten mitbringen. Risikomanagement ist ohne Kommunikation schwer vorstellbar. Risikomanager bauen in der Regel „Leitplanken“ und unterstützen den Vorstand darin, bessere Entscheidungen – basierend auf einer höheren Transparenz – zu treffen. Und von Zeit zu Zeit stellen Risikomanager „Stoppschilder“ auf. Das erfordert von ihnen Konfliktbereitschaft.

Keine Angst vor Mathematik

„Schubladendenker“ sind im Risikomanagement fehl am Platz: Wichtig ist in dem Kontext eine eher interdisziplinäre Ausbildung, die es ermöglicht, komplexe Zusammenhänge zu analysieren. Gleichzeitig sollten Risikomanager keine Angst vor quantitativen, mathematischen Methoden haben. Risikomanagement funktioniert nicht ohne Mathematik und Statistik.

Für Risikomanager gilt: Der Erfolg basiert zu 50 Prozent auf Fachkompetenz. Über den Rest entscheiden die weichen Faktoren. In Bezug auf die sozialen Kompetenzen sollten Team- und Konfliktfähigkeit, Vorbildfunktion bis zur Empathie/ Perspektivenübernahme, Menschenkenntnis, Sprachkompetenz sowie interkulturelle und emotionale Kompetenz ihre besondere Ausprägung finden. Wichtig für Risikomanager ist vor allem analytisches Denken. Beispielsweise bei Szenarioanalysen Zusammenhänge erkennen, sie richtig strukturieren und resümieren sowie angemessenen Schlüsse daraus ziehen.

Frank Romeike, Geschäftsführer Risknet GmbH &
Andreas Eicher, Fachautor