Durch Produktüberwachung stellt der VdS sicher, dass die Rauchmelder exakt so gefertigt werden, wie sie in den Laboratorien zur Prüfung eingereicht wurden.
Foto: VdS

Brandmelder

Rauchmelder im Smart Home normenkonform einsetzen

Wie VdS-Hilfestellungen und Richtlinien für einen sicheren und normkonformen Einsatz von Rauchwarnmeldern in Smart Home-Systemen sorgen.

Für den Einsatz im Smart Home ist es essenziell, dass Rauchmelder normenkonform und sicher arbeiten – der VdS trägt mit seinen Richtlinien und Prüflabors entscheidend dazu bei. Die deutschlandweite Rauchwarnmelderpflicht rettet nicht nur Menschenleben, wie unter anderem die Sulzburger Studie belegt, – sie sichert auch einen enormen Markt. Gleichzeitig ist die typische Sensortechnologie (existiert seit 1976) sehr ausgereift, so dass Produzenten Mehrwehrt vor allem durch Zusatzfunktionen generieren. Entsprechend rasant verläuft die technische Entwicklung, auch bezüglich der Einbindung in die boomenden Smart Homes. Allerdings haben sich die bestimmenden Normen seit 2005 nur unwesentlich verändert. Um dies praktisch einzuordnen: Die harmonisierten Vorgaben für Rauchwarnmelder (RWM) erschienen zwei Jahre vor dem ersten Smartphone, welches bekanntermaßen das gesamte Nutzerverhalten sehr stark verändert hat.

Rauchwarnmelder unterliegen Bauproduktenverordnung und EN 14604

Hinzu kommt, dass bereits für die derzeitigen Anforderungen gilt: Mehr Verwirrung geht kaum noch. Rauchwarnmelder unterliegen der Bauproduktenverordnung, müssen also zwingend die EU-Norm EN 14604 erfüllen. Belegt durch eine unabhängige Stelle. Leider ist es seit 2013 jedem Hersteller überlassen, welche einzelnen Anforderungen der Norm das Produkt erfüllen soll und welche nicht. So können RWM auf den Markt kommen, die zwar auf Störfestigkeit geprüft sind, aber nicht auf die entscheidende Detektionsfunktion. Gleichzeitig fordern die Bauordnungen der 16 deutschen Bundesländer die Erfüllung bestimmter Punkte der EN 14604. Dies führt zu folgender absurder Situation: Ob ein mit einem CE-Kennzeichen versehener Melder in einem deutschen Bundesland überhaupt verkauft werden darf, ist erst durch einen Vergleich der Hersteller-Leistungserklärung mit der jeweiligen Landesbauordnung zu ermitteln. Eine anspruchsvolle Aufgabe, an der auch Experten schon mal scheitern, wird mal eben oft fachfremden Händlern übertragen.

Sehr hohes Potenzial für Rauchmelder in Smart Home-Märkten

Zahlreiche Studien sagen den Smart Home-Märkten sehr hohes Wachstum voraus – sicher mit ein Grund, warum Google und Apple Startups aus dem Bereich „Smarte RWM“ gekauft haben. Weiter diskutiert auch der ZVEI derzeit eine Verwendung der Melder im Katastrophenfall. Ein zusätzlicher Chip könnte von Großschäden betroffene Bevölkerungsteile konkret per Sprachnachricht warnen. Der nächste logische Schritt in zunehmend komplexeren Netzwerken wären dann Störungshinweise. Möglicherweise regelt der RWM künftig sogar die Heizung oder die Rollläden – schließlich verfügt er bereits über eine schall-
abgebende Komponente, was Voraussetzung für den Dialog mit einer Sprachsteuerung ist. Die Kosteneffizienz liegt deutlich über einer Nachrüstung zum Beispiel der Lichtschalter. Rauchwarnmelder eignen sich auch wegen der deutschlandweiten Einbaupflicht, durch die in jedem Haushalt mindestens ein Gerät vorhanden ist, sehr für diesen nächsten technologischen Schritt.

VdS-Richtlinien und gelebte Praxis in Sachen Rauchmelder

Um hier Klarheit zu schaffen und Entwickler mit gewohnt präzisen Hilfestellungen zu unterstützen, hat VdS Schadenverhütung die Richtlinien VdS 3438 Teil 3 erarbeitet – und bietet so praxisgerechte Vorgaben für die Einbettung von Rauchwarnmeldern in Heimgefahrenmanagementsysteme. Um es gleich vorweg zu nehmen: Mit einer VdS-Anerkennung ist immer auf den ersten Blick sichergestellt, dass unter anderem alle Forderungen der EN 14604 erfüllt werden. Es gibt keinerlei Einschränkungen beim Einsatz in Deutschland, Europa und vielen weiteren Ländern, die sich an den EN orientieren.

Grundsätzlich gilt bei all den angeführten Chancen der Technik: In sämtlichen existierenden und künftig entwickelten Smart-Home-Systemen haben die Rauchwarnmelder oberste Sicherheitsrelevanz. So darf ein Brandalarm nie durch eine andere Information überlagert werden und muss sich immer eindeutig von jedem weiteren Signalton unterscheiden. Schließlich könnte eine Verwechslung statt einer Evakuierung eine potenziell tödliche Bewegung in die Gefahrenzone auslösen. Des Weiteren muss der Melder autark funktionieren – bei Netzstörung, Stromausfall und Hackerangriff auf die Gebäudetechnik (Zahl wie auch Zerstörungspotenzial dieser Attacken nehmen immer weiter zu) immer noch als eigenständiges Gerät einsatzfähig sein. Eine Vorgehensweise wie in manchem Brandmeldesystem, in dem der RWM nur Daten liefert und die Zentrale auswertet, ob ein Brand vorliegt, ist nicht zulässig.

Die VdS 3438-3 sind zudem der erste Ansatz, ein Brandschutzprodukt mit sicherheitstechnischen Funktionen in Verbindung zu bringen. Es gilt nun, Erfahrungen zu sammeln und den Kreis der betrachteten Komponenten schutzzielorientiert zu erweitern. Nur so kann die Lücke zwischen Nutzeranforderungen und Normen sukzessive wieder geschlossen werden.

Produktüberwachung stellt sicher, dass Rauchmelder normenkonform gefertigt werden

Prüfen und Zertifizieren ist eine Sache, was der Hersteller letztendlich produziert, eine ganz andere. Hier muss sichergestellt werden, dass die Produkte exakt so gefertigt werden, wie sie in den Laboratorien eingereicht wurden. Deshalb prüfen VdS-Mitarbeiter jede Fertigungsstätte zweimal im Jahr, zudem wird immer eine bestimmte Anzahl der zertifizierten Produkte in den Laboratorien nachgeprüft. Da ein Großteil der Werke in Asien liegt, reduziert VdS für seine Partner die Überwachungskosten durch eine eigene Niederlassung in Shanghai. Zusätzlich werden Marktproben gezogen, zum Beispiel in Baumärkten sowie auf Internetplattformen. Das VdS-Regelwerk für Rauchwarnmelder, das als Basis für das Zertifizierungsmodell dient, wird fortlaufend aktualisiert. Dadurch bietet es für alle Anwendungsbereiche praxisnahe und anspruchsvolle Hilfen. Mit einem VdS-anerkannten Produkt können Endanwender sich auf im Ernstfall verlässlich lebensrettende Produkte verlassen – und Hersteller, Großeinkäufer und Vermieter sicher sein, dass alle gesetzlichen Anforderungen, die sie nachweisen müssen, erfüllt werden.

Das VdS-Regelwerk für Rauchwarnmelder, nicht nur im Smart Home

Bei der Vielzahl an Meldern, die Nutzer, Einkäufer und Wohnungsbaugesellschaften angeboten wird, sind verlässliche Kriterien zur Auswahl sehr wichtig. VdS bietet mit seinem Zertifizierungsmodell und über 110 Jahren Erfahrung eine ideale Basis zur Abdeckung der kompletten Produktfamilie. Relevante VdS-Richtlinien für Rauchwarnmelder sind im Einzelnen:

  • VdS 3131 als bewährtes Standardwerk für die Prüfung und Zertifizierung von Rauchwarnmeldern – sie legt besonderen Wert auf Zuverlässigkeit, Verarbeitungsqualität und Gebrauchstauglichkeit.
  • Der nächste Entwicklungsschritt ist die VdS 3515, die sich eingehender mit Vernetzung befasst. Auch Funkverbindung en werden berücksichtigt.
  • Die VdS 3130 befasst sich mit der Versorgung mittels externer Stromquelle, etwa über die Smart-Home-Zentrale oder 230-V-Wechselspannung.
  • Die VdS 3438-3 befasst sich mit dem globalen Trend „digitale Vernetzung“ und hilft Herstellern von RWM dabei, zukunftsgerichtete Ideen leichter und vor allem abgesichert zu verwirklichen.

Dipl.-Ing. Gunnar Bellingen