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In Not- und Krisenfällen wie der jetzigen Pandemie verändert sich das Zahlungsverhalten – es wird weniger bar bezahlt.

Geld- und Werttransporte

Resilienz der Bargeldversorgung in Not- und Krisenfällen

Das Projekt „Basic“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Resilienz der ökonomischen Infrastruktur Bargeldversorgung in Not- und Krisenfällen zu stärken.

In Anbetracht der aktuellen Pandemiesituation ist es möglicherweise etwas verwunderlich, über die Resilienz der Bargeldversorgung in Not- und Krisenfällen zu sprechen. Zwar ist Covid-19 auch eine Krise, die Auswirkungen auf das Funktionieren des Bargeldkreislaufs haben könnte, aber darüber wird momentan nicht diskutiert. Sondern stattdessen, dass ausgerechnet die Deutschen, die als Bargeldliebhaber allseits bekannt sind, momentan vermehrt zum bargeldlosen Bezahlen übergehen. Eine von der ING-Diba in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage von Mai 2020 stellte einen Rückgang von 8 bis 19 Prozentpunkten für das Bezahlen mit Bargeld in fünf untersuchten Ausgabenarten in Deutschland fest, unter anderem im Bereich der regelmäßigen Lebensmitteleinkäufe. Eine weitere repräsentative Umfrage von Juni 2020 im Auftrag der Beratungsagentur Bearing Point zeigte zugleich einen Zuwachs der Zahlungen mit kontaktlosen Debitkarten von 21 % auf 33 % für Deutschland auf. All dies, obgleich mit der Nutzung von Bargeld kein erhöhtes Infektionsrisiko mit Sars-CoV-2 einhergeht.

Welchen Einfluss die aktuelle Pandemie mittel- beziehungsweise langfristig auf die Nutzung von Bargeld sowie auf den Bargeldkreislauf hat, ist noch nicht abzusehen. Jedoch ist auch in Zeiten der Digitalisierung und vermehrter bargeldloser Zahlung Bargeld als Zahlungsmittel unverzichtbar. Denn, Bargeld ist immer noch das Zahlungsmittel, welches am unabhängigsten von dem Funktionieren technischer Infrastruktur ist. Und während ein räumlich begrenzter Ausfall des elektronischen Zahlungsverkehrs noch durch Ad-hoc-Lösungen überbrückt werden kann, gilt es, bei weiträumigen Ausfällen darauf vorbereitet zu sein, dass ausreichende Mengen Bargeld verfügbar gemacht werden können und so der Wirtschaftskreislauf aufrechterhalten werden kann.

Verschiedene Akteure bei der Bargeldversorgung

Der Bargeldkreislauf besteht aus verschiedenen Akteuren: Der Bundesbank, die das Geld ausgibt und bearbeitet sowie regelmäßig überprüft und beschädigte Banknoten und Münzen ersetzt; den Geld- und Wertdienstleistern, die Bargeld von der Bundesbank zu den Banken, aber auch zum Handel transportieren. Sie kümmern sich außerdem auch um die Abholung, sortieren, zählen sowie prüfen Bargeld und transportieren es zurück zur Bundesbank; den Geschäftsbanken, über die die Wirtschaft und die Bevölkerung mit Bargeld versorgt werden; dem Handel, wo es ausgegeben wird; und natürlich uns Konsumenten, die tagtäglich Bargeld als Zahlungsmittel nutzen. Hinzu kommen weitere Akteure wie zum Beispiel IT-Dienstleister, Hersteller von Sicherheitstechnik und Geldtransportfahrzeugen.

In aller Regel funktioniert der Bargeldkreislauf reibungslos, doch dieser ist anfällig für Störfaktoren. Man denke an einen Stromausfall nach einem Starkregenereignis. Elektronische beziehungsweise bargeldlose Zahlungsmittel sind in diesem Fall nicht mehr nutzbar. Es bleibt Bargeld als das einzige funktionierende Zahlungsmittel für die Bevölkerung. Dafür muss allerdings sichergestellt werden, dass der Bargeldkreislauf mit all seinen Akteuren auch aufrechterhalten oder relativ schnell wiederhergestellt werden kann.

Was tun in Not- und  Krisenfällen?

Im Krisenfall muss die Nutzung zahlreicher Ressourcen sichergestellt sein. Dies beginnt bei der Nutzung von Gebäuden, über Personal hin zu Fahrzeugen sowie IT- und Kommunikationssystemen, welche zum Beispiel für die Bestellung von Bargeld verwendet werden. Überlegungen müssen sich die Akteure aber nicht nur hinsichtlich der eigenen Ressourcen machen, sondern wie auch im Not- und Krisenfall die Zusammenarbeit an den entscheidenden Schnittstellen mit anderen Akteuren funktionieren kann. Nehmen wir wieder das Beispiel des Stromausfalls: Wie kann der Wertdienstleister, der für die Belieferung der Banken in der Region zuständig ist, weiterhin mit diesen, aber auch mit der Bundesbank kommunizieren? Wie kann der Transport, aber auch der Schutz des Transports sichergestellt werden? Wo kann die Bevölkerung weiter Bargeld abheben und wie kann dies kommuniziert werden?

Das vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderte Projekt „Basic“ (Resilienz der Bargeldversorgung – Sicherheitskonzepte für Not- und Krisenfälle) mit dem Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) als Koordinator hat sich zum Ziel gesetzt, die Resilienz der ökonomischen Infrastruktur Bargeldversorgung in Not- und Krisenfällen zu stärken. Denn aktuell sind entsprechende Notfall- und Krisenkonzepte der Bargeldakteure kaum miteinander verzahnt.

Hilfe für Geld- und Wertdienstleister

Innerhalb des Projektzeitraums bis Ende 2022 soll daher ein neues übergreifendes Sicherheitsrahmenkonzept entwickelt werden, das alle Akteure des Bargeldkreislaufs berücksichtigt. Mit dessen Hilfe sollen insbesondere die Geld- und Wertdienstleister in die Lage versetzt werden, eigene weiterführende Konzepte zur Absicherung ihrer Arbeitsprozesse zu entwickeln. Als zentrales Bindeglied zu allen anderen Akteuren des Bargeldkreislaufs, erfordert ihre Rolle bei der Bargeldversorgung eine besondere Berücksichtigung. Die Beeinträchtigung beziehungsweise der Ausfall von Kommunikationswegen (Internet, Telefonie) schadet dem normalen Ablauf im Bargeldkreislauf erheblich. Ergänzend zu den Arbeiten am Sicherheitsrahmenkonzept wird daher die Entwicklung eines technischen Lösungskonzepts angestrebt, das die Steuerung der Logistikprozesse auch unter dem Einfluss extremer Störungen ermöglichen soll.

Dem Projekt wird dabei ein Sicherheitsszenario zugrunde gelegt, in dem sich mehr als ein Akteur einer gravierenden Störung seiner Arbeitsprozesse ausgesetzt sieht. In einem ersten Schritt analysieren die Verbundpartner den Stand und die Detailtiefe der Notfall- und Krisenvorsorge der Akteure. Diese Bestandsaufnahme wird ergänzt durch nationale Fallanalysen, die sich auf kürzere und regional begrenzte Zwischenfälle (Stromausfälle, IT-Ausfälle) beziehen sowie durch internationale Fallanalysen, die ihren Schwerpunkt unter anderem auf längere und überregionale Krisen legen. Sowohl in den nationalen als auch in den internationalen Fallanalysen wird dabei die Anwendung sowie Wirksamkeit von Notfall- und Krisenkonzepten untersucht. Damit will das Projekt beitragen, dass auch in digitalen Zeiten die Bevölkerung während eines Not- und Krisenfall zuverlässig mit Bargeld versorgt werden kann.

Esther Kern, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS)

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